Gun Street Girl

Der vierte Band der Sean Duffy-Reihe. Roman
Buch
Taschenbuch, 375 Seiten
Übersetzer: 

Verlag: 

ISBN-10: 

3518466550

ISBN-13: 

9783518466551

Auflage: 

1 (24.10.2015)

Preis: 

14,99 EUR
Schauplätze: 
Amazon-Bestseller-Rang: 173.529
Amazon Bestellnummer (ASIN): 3518466550

Beschreibung von Bücher.de: 

»Hinter uns Rauchschwaden. Vor uns Dunkelheit. Wenn das keine Metapher für das irische Problem ist ...«

Belfast, 1985. Waffenschmuggel an den Grenzen, Aufstände in den Städten, üble Popsongs im Radio. Und mittendrin Detective Inspector Sean Duffy, der sich als katholischer Bulle in der protestantischen Royal Ulster Constabulary durchschlagen muss.

Das wohlhabende Ehepaar Kelly wird brutal ermordet. Kurz darauf entdeckt man am Meeresufer die Leiche ihres Sohnes Michael. Als die Polizei auch noch auf einen Abschiedsbrief stößt, in dem Michael die Tat gesteht, wird die Akte schnell geschlossen. Aber irgendetwas scheint an der Sache faul zu sein, schon bald gibt es weitere Opfer. Duffy muss ins wenig geliebte englische Nachbarland reisen und in den elitären Kreisen von Oxford ermitteln. Stets an seiner Seite: die MI5-Agentin Kate - wertvolle Informantin und geheime Schwachstelle des katholischen Bullen. Und während sie ihm ein verlockendes Angebot macht, das sein ganzes Leben verändern könnte, gerät Duffy immer tiefer hinein in einen Fall, der ihm mächtige Gegner beschert. Zu mächtig vielleicht ...

Kriminetz-Rezensionen

Gun Street Girl

Wir sind mitten in den 80er Jahren in Irland. Der irische Bürgerkrieg tobt noch. Eine groß angelegte Aktion, um Waffenschieber zu erwischen, endet in einem Debakel.

Das wohlhabende Ehepaar Kelly wurde brutal getötet und etwas später entdeckt man den Sohn der Familie am Meer. Offenbar hat sich Michael von den Klippen gestürzt, denn es gibt einen Abschiedsbrief. Ein Fall für Detective Inspector Sean Duffy. Der hat seine Zweifel an der einfachen Lösung. Als es weitere Opfer gibt, sieht er sich bestätigt. Bei seinen Ermittlungen muss Duffy auch nach Oxford, da Michael dort Student war. Für Duffy tut sich eine andere Welt auf.

Der etwas abgehackte Schreibstil ist ein wenig gewöhnungsbedürftig und passt sehr gut zur Story und zum Protagonisten.

Wie ich inzwischen weiß, ist dies der vierte Band um Duffy. Ich kennen keinen der Vorgänger, was aber nicht wirklich stört. Doch um die Entwicklung von Duffy zu kennen, wäre es schön, die anderen Bände auch gelesen zu haben.

Es ist ungewöhnlich, dass Duffy als Katholik bei der protestantischen Royal Ulster Constabulary beschäftigt ist. Er ist ein Ermittler mit Schwächen, was ihn sympathisch macht. Duffy hat eine etwas sarkastische Art, kann bei Frauen schlecht nein sagen und bei Alkohol und Koks auch nicht. Er geht seinen Weg, auch wenn er sich unbeliebt macht. Seine Marotte, das Auto vor jeder Fahrt nach Bomben abzusuchen, ist zwar vorsichtig, ging mir aber manches Mal auf die Nerven.

Duffy hängt sich rein in den Fall, der eigentlich ein Fall seines Freundes und Kollege DS McCrabban ist. Alexander Lawson, der gerade erst im Team ist, zeigt sich als ziemlich fähig und arbeitet gut mit Duffy zusamamen.

Die Geschichte gestaltet sich komplexer als erwartet und es sind noch andere im Spiel, wie MI5, die Amis und die Special Branch. Ich finde es toll, dass der Kriminalfall gut in das politische Umfeld eingebaut ist. So werden einem die damaligen Probleme in Irland wesentlich deutlicher.

Die Geschichte ist authentisch und spannend erzählt und hat mich bis zum Schluss gefesselt. Ein empfehlenswerter Krimi.

Einfach nur großartig

Haben Sie schon mal jemanden getötet?
Absichtlich meinen Sie?
Wer soll sich das denn alles merken.

Klingt zynisch? Aber Sean Duffy, der einzige katholische Bulle in der protestantischen Royal Ulster Constabulary, hat manchmal nur noch seinen Zynismus. Wer jedes Mal sein Auto auf Bomben untersucht, bevor er einsteigt, bekommt eine eigene Sicht auf die Welt. Wir schreiben das Jahr 1985 in Belfast. Der Nordirlandkonflikt steht in gewalttätiger Blüte. Die britische von Thatcher geführte Regierung ist nicht unbedingt um Deeskalation bemüht. Ja, Duffy ist zynisch und abgebrüht, er stand schon zu oft zwischen den Fronten. Er hat alles gesehen: Korruption, Gewalt und Lügen, auch auf der Seite des Gesetzes. Kein Wunder, dass er auch selbst jede Vorschrift zu seinen Gunsten auslegt. Da zwackt man sich doch gern einiges vom sichergestellten Koks ab, bevor der Rest in die Asservatenkammer geht.

Dann ein Routinefall, eine älteres Ehepaar wird erschossen im Haus aufgefunden. Der Sohn ist verschwunden, genau wie die Waffe des Ehemanns, die zu den Einschüssen passt. Kurz danach wird der Sohn gefunden, am Fuß einer Klippe, Abschiedsbrief inklusive. Ein Fall der gleich zu den Akten gelegt werden könnte, wenn nicht Duffy so stur wäre. Das ist alles zu glatt, zu lehr­buch­mä­ßig, als dass er nicht spürt, dass an diesem Fall einiges stinkt. Als er merkt, dass auch der englische MI 5 mitmischt, lässt er sich wider besseres Wissen zwischen die Fronten ziehen. Das liegt auch an Kate, einer Agentin des Geheimdienstes, die mehr von ihm weiß, als ihm lieb ist und die ihn auch aus der Schusslinie nehmen und anwerben möchte. Raus aus Belfast, raus aus dem Konflikt und nicht länger ohne Aufstiegschancen auf einer Dienststelle der RUC versauern. Aber Duffy kann nicht aus seiner Haut, er hat Witterung aufgenommen und will die Wahrheit wissen. Auch wenn der Preis dafür hoch ist.

Gun Street Girl ist ein Krimi der Extraklasse! Jenseits der spannenden Krimihandlung, ist es ein Stück lebendiger Geschichte eines Bürgerkriegs, der nicht vergessen ist und der sicher noch unter der Oberfläche weiterschwelt. Zu groß sind die Verstrickungen von Politik, Geschäft und Vorteilsnahme gewesen, die unter dem Mäntelchen der Religionsfreiheit nur unzureichend versteckt wurden. Der Stil ist lakonisch, ja man hat Duffy im Ohr. Die Dialoge sind knapp und geschliffen, da gibt es kein überflüssiges Wort.

Ein Kriminalroman als Geschichtstunde oder eine Lektion in Geschichte in einem Kriminalroman, es ist egal wie man dieses Buch liest – nur lesen muss man es !

Nordirischer Galgenhumor

Adrian McKintys Kriminalroman „Gun Street Girl“ spielt im Nordirland der 80er Jahre. Das Land wurde damals von bürgerkriegsähnlichen Zuständen zerrissen. Die IRA bekämpfte die britische Besatzungsmacht und protestantische Paramilitärs. In diesem prekären Setting bewegt sich McKintys Hauptfigur Inspector Duffy.

Inspector Duffy wird mit dem Mord an dem wohlhabenden Ehepaar Kelly konfrontiert, dessen Sohn Michael kurz darauf tot am Meeresufer entdeckt wird. Michael hinterlässt einen Abschiedsbrief, in dem er den Mord an seinen Eltern gesteht. Doch Duffy misstraut vorschnellen Schlüssen und bald darauf gibt es weitere Opfer, die Duffy aufs britische Festland nach Oxford führen, wo er in Dunstkreis englischer Eliten ermittelt. Die Frau an seiner Seite ist die MI5-Agentin Kate, die versucht, ihn für den britischen Secret Service anzuwerben. Doch Duffy ist nur an der Lösung des Falls interessiert, der ihn zusehends in die Abgründe von Waffenhandel, IRA, CIA und weiteren Big Playern führt …

Noir-Romane sind noch immer in und „Gun Street Girl“ ist sicherlich im weiteren Sinne diesem Genre zuzurechnen. Was McKintys Roman aber gegenüber den meisten anderen Werken dieser Machart auszeichnet ist ein tiefgründiger, rabenschwarzer Humor. Diese Art von Humor bietet das perfekte Korrelat zur soziopolitischen Situation im Belfast der 80er Jahre. So war es möglich, die düsteren Zustände erträglicher zu machen. Hierzu passt auch das suchtaffine Verhalten von Inspector Duffy. Er spricht nicht nur reichlich dem Alkohol zu, sondern gönnt sich auch recht häufig den ein oder anderen Joint und die ein oder andere Line. Der hohe Spannungsbogen des Kriminalfalls, die ungewöhnlichen Charaktere und das Besondere des Settings machen „Gun Street Girl“ zu einer sehr unterhaltsamen Lektüre. Lesenswert!