Cover von: AMNESIA
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AMNESIA

Ich muss mich erinnern. Thriller
Buch
Taschenbuch, 336 Seiten

Verlag: 

ISBN-10: 

3426519976

ISBN-13: 

9783426519974

Erscheinungsdatum: 

01.06.2017

Preis: 

9,99 EUR
Amazon-Bestseller-Rang: 510.404
Amazon Bestellnummer (ASIN): 3426519976

Beschreibung von Bücher.de: 

Du hast nichts zu verlieren. Du hast eine mörderische Wut. Und du kannst dich an nichts erinnern ...

Als die Berlinerin Helen die Diagnose Krebs im Endstadium erhält, ist es ihr einziger Wunsch, sich vor ihrem Tod endlich mit ihrer Mutter auszusöhnen, zu der sie ein schwieriges und distanziertes Verhältnis hat. Bei ihrer Familie in der südwestdeutschen Heimat angekommen, muss sie dann schockiert erfahren, dass ihre schwangere Schwester Kristin von ihrem Ehemann Leon misshandelt wird. Am liebsten würde Helen Leon dafür umbringen, zu verlieren hat sie ja nichts mehr. Aber einen Menschen töten? Helen glaubt nicht, dass sie dazu wirklich fähig ist. Am nächsten Morgen allerdings ist Leon tot - und Helen, die Medikamente mit schwersten Nebenwirkungen nimmt, hat keinerlei Erinnerung an die vergangene Nacht ...

Die deutsche Spannungsautorin Jutta Maria Herrmann legt endlich nach und blickt mit ihrem düsteren und psychologisch tiefgründigen Thriller in die menschlichen Abgründe.

Kriminetz-Rezensionen

Erinnerungslücken

Dies war mein erstes Buch von Jutta Maria Herrmann und ich werde auf alle Fälle die vorher erschienenen Thriller auch noch lesen.

Beeindruckend war für mich vor allem dieser wundervolle Schreibstil. Packend, mit Wendungen und Wahrnehmungen, mit Irrsinn und Wahnsinn und besonders hervorheben möchte ich, die bildliche Vorstellungskraft die ich beim Lesen empfunden habe, wenn es um Örtlichkeiten ging, um Wetterbeschreibungen, die Gruselszene auf dem Friedhof und um die tiefen Träume. In letzter Zeit habe ich selten eine so intensive und ausdrucksstarke Beziehung zu einer Protagonistin herstellen können, wie in dieser Geschichte zu Helen. Ich hatte sofort einen Draht zu ihr, wenn auch nicht aus Mitleid, aber auch nicht sofort aus Zuneigung, das kam erst später hinzu, sondern eher aus der Situation heraus, wie sie ihr Leben nun weiterführen soll. Den Spannungsbogen hat die Autorin fast durchgehen hochgehalten mit Wendungen und neuen Ansätzen, die alles sofort wieder in einem anderen Licht haben erscheinen lassen. Es wurden Personen in das Geschehen eingearbeitet, denen man auch alles zutrauen würde, aber es wurde dann im Gegensatz auch genauso glaubwürdig deren Unschuld beschrieben. Ach, ich wusste irgendwann gar nicht mehr, wem ich was glauben sollte und wem nicht. Und ich schätze mal, das war es auch, was Jutta Maria Herrmann ihren LeserInnen zumuten wollte.

Zum Ende hin wird man zwar mit angerissenen, klitzekleinen Hinweisen dazu verleitet, als LeserIn selbst zu entscheiden, wem man nun diese Taten anlasten möchte, aber ich mag es eher, wenn ich das Buch nach dem Beenden zuklappe und genau weiß, was nun passiert ist, warum es geschehen ist und vor allem, wer es denn nun war.

Aber ich habe für mich entschieden, dass es ...... war.

Ob es stimmt? Keine Ahnung!

Realität oder Einbildung?

Helen hat nicht mehr lange zu leben. Die Therapien, die sie hinter sich hat, um den Lungenkrebs zu bekämpfen, haben sie geschwächt. Außerdem machen ihr die Ängste zu schaffen. Eine schwierige Situation, in der sie auch noch ihr Freund Sven ohne Erklärung verlässt. Auch wenn ihr Verhältnis zu Mutter und Schwester nicht besonders innig ist, fährt sie nach langer Zeit wieder einmal hin, um sich zu verabschieden.

Aber sie findet nicht den passenden Zeitpunkt, um mit der Wahrheit herauszurücken. Ihre Schwester wird anscheinend von ihrem Mann Leon misshandelt und Helen hat ein wahnsinnige Wut auf ihn, denn sie kennt ihn von früher und weiß, wozu er im Stande ist. Dann ist Leon tot. Erstochen. Und Helen hat keine Ahnung, was in der letzten Nacht geschehen ist.

Dieser Thriller wird aus der Sicht von Helen erzählt. Der Schreibstil ist packend und wir können das Gefühlschaos von Helen erleben.

Sie kommt nach langer Zeit in ihr Elternhaus zurück und wird von ihrer Mutter sehr kühl empfangen. Nur ihre schwangere Schwester freut sich. Aber als Helen Kristin darauf anspricht, ob Leon sie schlägt, leugnet Kristin das. Dann bringt sich Helens ehemalige beste Freundin um, die den Boden unter den Füßen verloren hatte.

Wegen ihrer Ängste hat Helen schon eine Weile Beruhigungspillen genommen, nun aber ist sie von allem überfordert und sie steigert die Dosis, obwohl sie die Risiken kennt. Sie hat Halluzinationen und Blackouts. Dann ist Leon tot und alles deutet auf Helen als Täterin. Aber war sie wirklich zu einem Mord fähig?

Die Charaktere sind sehr gut und authentisch geschildert. Ich konnte Helens Ängste gut nachvollziehen, ihre Handlungen aber meist nicht. Aber das ist wohl auch ihrem Tablettenkonsum geschuldet. Sie sieht ihre Sucht und kommt nicht mehr heraus. Leon ist ein unsympathischer Mensch, den wohl kaum jemand mag. Warum entschuldigt Kristin sein Verhalten immer wieder? Aber sie selbst schwankt ständig in ihren Stimmungen, was auf die Hormone geschoben wird. Die Mutter der beiden Frauen ist sehr gefühlskalt. Es muss schwierig sein, in einer solchen Familie aufzuwachsen.

Es ist für den Leser schwer zu durchschauen, was Realität ist oder was Einbildung. Immer wieder gibt es neue Wendungen, die dazu beitragen, dass man nie sicher sein kann. Auch das Ende hätte ich so niemals erwartet.

Ein superspannender Psychothriller.

Was ist die Wahrheit?

Helen hat die Diagnose Lungenkrebs erhalten und weiß, dass sie aller Voraussicht nach noch ein Jahr leben wird. Sie ist psychisch fertig und durch die Medikamente auch physisch stark beeinträchtigt. Die Gedächtnislücken häufen sich und jetzt hat sich auch noch ihr Freund Sven von ihr getrennt. Um dem zu entfliehen, flüchtet sie zu ihren Wurzeln in die alte Heimat, um die Mutter und ihre kleinere Schwester Kristin zu besuchen, die von ihrer Krankheit noch keine Ahnung haben, und sich mit ihnen zu versöhnen. Ihrer Mutter geht jede Herzlichkeit ab, deshalb nimmt sie gerne die Einladung ihrer Schwester an, bei ihr und ihrem Ehemann zu übernachten. Leon, ihren Schwager, kennt sie noch von früher und hat ihn in denkbar schlechter Erinnerung. Denn er hatte nach einer ausgiebigen Feier ihre damalige beste Freundin vergewaltigt und es hinterher abgestritten. Die polizeiliche Anzeige hatte ihre Freundin nach einem Tag aus unerfindlichen Gründen zurückgenommen, so dass bis heute Helen und Gela als Lügnerinnen gebrandmarkt sind. Nachdem sie eine Nacht in dem Haus ihrer Schwester Kristin verbracht hat, drängt sich Helen der Verdacht auf, dass die Schwangere von Leon misshandelt wird. Negativ ist nur, dass Helen verstärkt zu Beruhigungsmitteln greift und den Rat ihres Arztes nicht befolgt, der zu Alkoholverzicht in Verbindung mit ihren Medikamenten geraten hatte. Und hier beginnt es dann spannend zu werden. Als Leser weiß man nie genau, ob Helen sich richtig erinnert, ob sie unter Medikamenteneinfluss falsche Schlüsse zieht oder ob die Wahrheit noch ganz anders ist.

Nachdem mich die Autorin mit ihrem Debütroman HOTLINE nicht so recht überzeugen konnte, ist es bei diesem Buch anders. Sie beschreibt Helen und den Umgang mit ihrer Krankheit hautnah und realistisch. Hier spürt man, dass sie intensive Recherchegespräche mit Betroffenen geführt hat. Der Spannungsbogen ist von Anfang bis zum Ende sehr hoch, weil man als Leser immer miträtselt, was und wer hinter den Vorfällen steckt, wer lügt und wer die Wahrheit sagt. Für mich ein fesselnder Psycho-Thriller ohne großes Blutvergießen!