Cover von: Ausbruch
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Ausbruch

Kriminalroman
Buch
Gebundene Ausgabe, 256 Seiten
Übersetzer: 

Verlag: 

ISBN-10: 

386754218X

ISBN-13: 

9783867542180

Auflage: 

1 (03.2014)

Preis: 

17,00 EUR
Schauplätze: 
Amazon-Bestseller-Rang: 526.282
Amazon Bestellnummer (ASIN): 386754218X

Beschreibung von Bücher.de: 

Filippo, ein 22-jähriger Kleinganove, freundet sich im Gefängnis mit dem älteren Carlo an, einem politischen Gefangenen der extremen Linken. Zusammen brechen sie aus, doch Carlo ist nicht bereit, den Jungen an seiner Seite zu behalten, er schickt ihn weg. Kurz darauf wird Carlo bei einem Banküberfall erschossen. Filippo flüchtet nach Paris, wo er von den politischen Exilitalienern eher unfreundlich empfangen wird. Er fühlt sich zunehmend verloren. Während seiner Nachtwachen in einem Büroturm in La Défense beginnt Filippo zu schreiben: über die Begegnung mit Carlo im Knast, die gemeinsame Flucht und was danach geschah.

Im Laufe dieser Arbeit des Schreibens, des Rekonstruierens, des Ausschmückens und Verschönerns wird Filippo zum Schriftsteller. Er erdichtet sich eine Persönlichkeit und erlebt eine Liebesgeschichte. Und findet sich plötzlich in einem hochkomplexen Spiel zwischen italienischen Polit-Exilanten, italienischer Polizei und italienischen Geheimdiensten!

Ist es wahr oder unwahr, was er erzählt? Es ist die Sorte Geschichte, die einen umbringen kann »Ausbruch« ist mehr als ein politischer Kriminalroman, es ist eine Reflexion über den literarischen Schöpfungsakt in der Tradition des roman noir. Manotti bringt das Verhältnis zwischen Realität und Wahrheit auf den Prüfstand und zeichnet das Porträt eines leidenschaftlichen Mythomanen, charmant und voller Komplexe.

Kriminetz-Rezensionen

Manottis "Ausbruch"

Es gibt wohl einfachere Themen als die des Linksterrorismus, die man in Kriminalromanen behandeln kann. Der Autor läuft beinahe automatisch Gefahr, an diesem Thema zu scheitern. Und in dieser Hinsicht sei das Urteil vorweggenommen: Auch der von mir sehr wert geschätzten Dominique Manotti gelingt es nicht, diese äußerst komplexe Thematik souverän literarisch in Szene zu setzen. Ihre literarischen Fähigkeiten stehen dabei außer Frage. Die amerikanischen Vorbilder William Faulkner und James Ellroy haben tiefe Spuren hinterlassen, was die Stilistik und die Komposition betrifft. Und eigentlich ist die Idee, die Geschichte des italienischen Linksterrorismus anhand dessen Behandlung im Roman eines Romans darzustellen, nicht ohne Reiz.
Carlo, der ehemalige Logistik-Chef der Roten Brigaden, und der Kleinkriminelle Filippo brechen aus dem Gefängnis in Italien aus. Bald darauf trennt sich Carlo von Filippo. Filippo erfährt dann aus der Zeitung, dass Carlo kurz darauf bei einem missglückten Banküberfall erschossen wurde. Daraufhin flüchtet er sich nach Paris zu den italienischen, politischen Exilanten, da er befürchtet für den Bankraub, bei dem auch ein Polizist zu Tode kam, verantwortlich gemacht zu werden. In der französischen Hauptstadt avanciert er zum Schriftsteller, indem er seine Freundschaft und die Flucht mit dem Mann der Roten Brigaden literarisch verarbeitet. Dabei verschwimmen Erlebtes und Phantasie zu einem brandgefährlichen Konglomerat, das sowohl die italienische Justiz als auch die italienischen Geheimdienste auf den Plan ruft, zumal Filippos Buch auf dem Weg ist, zum Bestseller zu werden.
Was „Ausbruch“ scheitern lässt, ist der zu hohe Anspruch. Manotti möchte in ihrem Kriminalroman alles auf einmal abhandeln. Die Geschichte der Roten Brigaden, die Gladio-Strukturen in Italien, deren zahlreichen False-Flag-Operation, den Niedergang der radikalen Linken und neofaschistische Bewegungen, denen jedes Mittel recht ist, um linken Widerstand zu eliminieren. Und so wirkt die Geschichte um Filippo, der zudem in den erotischen Reiz von zwei hübschen Exil-Italienerinnen gerät, auch reichlich konstruiert und dem Publikumsgeschmack angepasst, da sich eben nur über die Geschichte der Linken schwerlich ein Roman schreiben geschweige denn verkaufen lässt. Und so mutet die Kernaussage von „Ausbruch“ reichlich seltsam an: Die Geschichte der radikalen Linken ist je nach Standpunkt – gelinde gesagt – unterschiedlich interpretierbar. Und damit spricht Manotti den politischen Intentionen und dem politischen Gehalt der linken außerparlamentarischen Aufbruchsbewegung in Italien jegliche Authentizität und Glaubhaftigkeit ab, indem sie mit großem Gewicht den Wandel ehemaliger Linksterroristen zu konventionellen Gangstern darstellt – zumindest als durchaus plausibel erscheinende Variante. Für „Ausbruch“ gilt: Weniger wäre mehr gewesen. Hätte sich Manotti auf Einzelschicksale Filippo und Carlo fokussiert, wäre die Story glaubhaft gewesen. Da sie an deren Beispiel aber die Roten Brigaden im Ganzen erledigt, muss der Roman als gescheitert angesehen werden, da weder der fiktive Erzähler noch die Autorin einen Standpunkt einnehmen und alles als Spiel des Potenziellen und Realen in einer undefinierbaren Grauzone vor sich hin wabert.