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Ausflug ins Grüne

Vincent Jacobs' 1. Fall
Buch
Taschenbuch, 240 Seiten

Verlag: 

ISBN-10: 

3934327001

ISBN-13: 

9783934327009

Auflage: 

1 (09.1999)

Preis: 

9,20 EUR
Schauplätze: 
Amazon Bestellnummer (ASIN): 3934327001

Beschreibung von Bücher.de: 

Es ist schon verrückt. Zunächst bekommt Kölschtrinker Vincent Jakobs diese Stelle als Lehrer. An einer katholischen Privatschule. In einer sauerländischen Kleinstadt. Und gerade beginnt er, das gemütliche Städtchen und seine illustren Gestalten zu schätzen, da muss er feststellen, dass sein Vorgänger auf nicht ganz undramatische Art und Weise zu Tode gekommen ist...

Kriminetz-Rezensionen

Ausflug ins Grüne

Vincent Jakobs lebt in Köln, ist eingefleischter Kölsch-Trinker, Großstadtpflanze und arbeitslos seit seinem Referendarexamen. Als er auf eine Stellenannonce antwortet, bekommt er innerhalb kürzester Zeit diese Stelle als Lehrer angeboten. Das Angebot kommt von einer katholischen Privatschule im Sauerland, geführt von Nonnen. Vincent Jakobs nimmt die Chance wahr, obwohl für ihn der Umzug von Köln in die Provinz einen erheblichen Wechsel seiner Lebensumstände darstellt. Selbst seine Freundin versteht ihn nicht mehr, die Wege des 32-Jährigen und seiner langjährigen Lebensgefährtin trennen sich. Mit eher verhaltenen Gefühlen reist Jakobs in die sauerländische Kleinstadt, um während der Osterferien seinen neuen Wohnort kennenzulernen und die Umgebung zu erkunden und einen Blick auf seine neue Arbeitsstätte zu werden. Aber diese kleine Erkundungsreise gerät für den Helden nicht zu einem »Ausflug ins Grüne«, sondern zu einem bedrohlichen Problem. Sein Wagen wird zwischen Eisenbahnschranken eingeschlossen und er kann sich nur mit einem gewagten Sprung über diese Schranken retten.

Aufhorchen lässt Vincent Jakobs, als er über die Umstände unterrichtet wird, warum ausgerechnet mitten im Schuljahr die Stelle am Gymnasium besetzt werden muss. Schwester Dorothea, verantwortlich für die Schulpforte, berichtet ihm, dass sein Vorgänger Bruno Lagensiep bei einem Spaziergang in einem örtlichen Steinbruch zu Tode stürzte. Ein tragischer Unglücksfall, wie die Schwester meint – an einen Selbstmord wagen die Nonnen gar nicht zu denken. Jakobs beginnt Interesse an diesem eigenartigen Unfall zu zeigen, nachdem er in den Unterrichtsunterlagen seines Vorgängers einige verdächtig klingenden Notizen findet, die von »Leben und Tod« und einer anderen wichtigen Entscheidung handeln. Seine Nachfragen bei seinen neuen Bekannten vor Ort bringen zunächst keine Aufklärung. Nur sein Kollege, Sportlehrer Leo, wird ebenfalls misstrauisch und möchte als selbsternannter »Sherlock Holmes« Ermittlungen beginnen, zusammen mit Vincent, seinem »Watson«. Für Vincent Jakobs sind Wohnungssuche und Unterrichtsvorbereitungen zunächst wichtiger als Detektivspiele. Dazu kommt, dass er sich am ersten Abend im Ort bereits unsterblich in die Tierärztin Alexa Schnittler verliebt hat. Neben häuslichen und beruflichen Vorbereitungen, nebenbei wird der Horizont des Verliebten durch ein verpatztes Rendezvous mit Alexa verdunkelt, erfährt Jakobs – eher unfreiwillig – immer mehr über den zu Tode gestürzten Langensiep.

Die Kollegen hielten ihn für einen echten Kotzbrocken und eine ehemalige Schülerin beschreibt ihn als Choleriker. Von seinen momentanen Wirtsleuten erfährt Jakobs, dass sein Vorgänger in schwierigen Familienverhältnissen mit äußerst dominantem Vater aufgewachsen ist. Regine Langensiep, die Frau des Verstorbenen, bei der Vincent Jakobs Arbeitsunterlagen sichtet, wirkt verschlossen, lässt aber dennoch deutlich erkennen, dass ihr Mann ein Einzelgänger war, der sich nicht einmal ihr anvertraut hat. Je länger sich Vincent und Leo mit dem Unglücksfall beschäftigen, um so mehr erkennen sie, dass auch Kollegen am Elisabeth Gymnasium Motive gehabt haben könnten, sich des unbeliebten Kollegen zu entsorgen. Frau Erkens, die unter einem fatalen Mutterkomplex leidet, könnte Gründe für eine Beseitigung Langensieps gehabt haben. Ebenso Bernhard Sondermann, besessen von Regeln und Vorschriften. Beider Motive wäre die Beförderung zum Studiendirektor durch ein wie auch immer geartetes Ausscheiden Langensieps aus dem Kollegium. Der Landadlige und Lehrer aus Leidenschaft, Ignaz von Feldhausen, hatte zudem ein wesentlich schwerwiegenderes Problem mit dem ehemaligen Kollegen. Er wurde von Langensiep erpresst, als dieser von Feldhausens Spielsucht erfuhr. Dabei ging es jedoch weniger um Geld, als um Langensieps fast schon fanatischen Wunsch, seine mehr schlecht als recht geschriebene Biographie im bekannten Verlag von Feldhausens Bruder publizieren zu lassen. Durch eine Verstellung, bei der sich Jakobs alter Freund Robert als Cousin Langensieps ausgibt, finden die Hobbydetektive Feldhausens Desaster heraus, bringen dadurch aber auch Jakobs Angebetete, die noch ahnungslose Tierärztin Alexa, in größte Gefahr.

Doch dann tut sich eine neue Spur auf, als Jakobs mehr über das Leben von Regine Langensiep herausfindet. Sie ist zusammen mit ihrem späteren Mann als Adoptivtochter bei den Eltern Bruno Langensieps aufgewachsen. Die Ehe selbst bestand zuletzt nur noch auf dem Papier, da Regine Langensiep einen Liebhaber hatte. Jakobs dunkle Ahnung, dass Regine zum Tode ihres Mannes beigetragen haben könnte, bekräftigt sich, als er sich über die Arbeitsverhältnisse des Ehepaars Klarheit verschafft. Beider Arbeitgeber waren katholische Institutionen; er unterrichtete an der Schule und sie arbeitete im örtlichen Krankenhaus. Eine Scheidung kam nicht in Frage, sie hätte automatisch den Verlust des Arbeitsplatzes bedeutet. Regine Langensiep, mit den Erkenntnissen von Jakobs konfrontiert, legt ein Geständnis ab. Ihre psychologische Abhängigkeit vom Ehemann konnte nur durch einen radikalen Schritt beendet werden. Jakobs verlässt das Haus der Mörderin, um einige Zeit später zu erfahren, dass sie sich nach ihrem Geständnis das Leben genommen hat. Am nächsten Morgen wird für Vincent Jakobs der erste Schultag an seiner neuen Wirkungsstätte beginnen.

Mit »Ausflug ins Grüne« von Kathrin Heinrichs installiert der Blatt-Verlag einen ersten Kriminalroman in einer geplanten Reihe von Sauerland-Krimis. Kathrin Heinrichs gelingt es, die Atmosphäre einer katholisch geführten Privatschule, bevölkert mit zum Teil etwas skurrilen, aber nicht unrealistischen Protagonisten zu beschreiben. Schwester Wulfhilde, die hintergründige Schulleiterin; Schwester Getrudies, fußball- und computerbegeistert, als Schulsekretärin; Schwester Dorothea, albern aber durchsetzungsfähig. Neben dem Lehrerkollegium sind es vor allem die Milieuschilderungen einer sauerländischen Kleinstadt, die unter anderem den Reiz dieses Krimis ausmachen. Der idyllische Ort und das für Zugezogene erst einmal undurchschaubare Beziehungsgeflecht lassen in Vincent Jakobs zunächst ambivalente Gedanken zum Wechsel aus der Großstadt in das ländliche-sittliche Milieu der Kleinstadt aufkommen. Erst mit der Zeit erwärmt er sich für seine neuen Lebensumstände, nicht ohne Hilfe von Alexa, deren sauerländische Art im totalen Kontrast zur Art des Rheinländers steht.

Neben den bereits bestehenden Regionalkrimi-Serien (Eifel, Ruhrgebiet und Westerwald zum Beispiel) wird die Sauerlandkrimi-Serie des Blatt-Verlages bestimmt auch ihre Leser und Fans finden.

Rezension: © Thomas Przybilka

www.bokas.de
www.das-syndikat.com/autoren/autor/120-thomas-przybilka.html