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Bühlerhöhe

Roman
Buch
Gebundene Ausgabe, 448 Seiten

Verlag: 

ISBN-10: 

3471351264

ISBN-13: 

9783471351260

Erscheinungsdatum: 

12.08.2016

Preis: 

20,00 EUR
Schauplätze: 
Amazon Bestellnummer (ASIN): 3471351264
Kurzbeschreibung Amazon: 

Rosa Silbermann wird 1952 mit einem geheimen Auftrag in das Nobelhotel Bühlerhöhe geschickt. Die in den 1930ern aus Köln nach Palästina emigrierte Jüdin arbeitet für den israelischen Geheimdienst.

Ihre Gegenspielerin ist die misstrauische Hausdame Sophie Reisacher. Die musste 1945 das Elsass verlassen und sucht ihre Chance zum gesellschaftlichen Aufstieg. Beide haben erlebt, was es heißt, wenn ein ganzes Land neu beginnen will. Keine von ihnen vertraut der beschaulichen´Landschaft des Schwarzwalds.

Und beide wissen von einem geplanten Attentat auf Bundeskanzler Adenauer, wobei jede ihre eigenen Pläne verfolgt. Zwei Frauen in einer Männerwelt, in der es um Macht, Geschäfte und alte Seilschaften geht – und irgendwann um Leben und Tod.

Kriminetz-Rezensionen

Deutschland, blutig Vaterland

Rosa Silbermann ist Jüdin, geboren in Deutschland, in den Dreißigern zusammen mit ihrer Schwester nach Palästina emigriert. Sie war damals gerade 14, ihre Schwester Rachel zwei Jahre älter. Die Nazis haben alle anderen Mitglieder ihrer Familie ermordet. Niemals wollte sie nach Deutschland zurück, zu sehr quälen sie die Erinnerungen, und doch kehrt sie zurück auf Forderung des israelischen Geheimdienstes. Es ist 1952, nur wenige Jahre nach dem Krieg, und Adenauer will Wiedergutmachung in Form von Geld für Israel leisten. Das geht nicht nur den alten Naziseilschaften gegen den Strich, sondern auch radikalen Juden, die keinen einzigen "blutigen" Pfennig des Landes annehmen wollen, das für den Mord an ihrem Volk verantwortlich zeichnet. Ein Attentat auf Adenauer ist geplant, während seines Aufenthalts auf der Bühlerhöhe, einem Luxushotel im Schwarzwald. Rosa, die dort aufgewachsen ist, soll dem Agenten Ari als kenntnisreiche Begleitung dienen, doch schon bei ihrer Ankunft geht alles schief.

Manchmal kommen einem Romane unter, denen man nicht annähernd zutraut, was sie zu bieten haben. Bühlerhöhe ist einer davon. Er ist kein actionreicher Thriller, kein Agentenroman á la James Bond, trotzdem oder gerade deshalb ist er viel mehr. Anhand von drei Frauenschicksalen (klingt jetzt kitschig nach Frauenroman, ist es aber nicht!), gelingt es Glaser, in einer ruhigen und intensiven Erzählweise das Nachkriegsdeutschland sowie die jüdische Lebensweise in einem Kibbuzim auferstehen zu lassen, mit einer Eindringlichkeit, die geradezu filmreif ist. Nicht einmal habe ich an den Ereignissen oder Erlebnissen gezweifelt oder irgendwas hinterfragt, ganz im Gegenteil. Für mich hätte alles so stattfinden können, jede einzelne Minute, jede einzelne Person war authentisch und menschlich, ganz egal, ob ich diese Person mochte oder nicht. Es gab extrem kluge Gedanken, die hier und da eingestreut wurden, wie zum Beispiel Rachel, die mit einem jüngeren Araber zusammenlebt - etwas, das tabu, verpönt war, doch sie sagt selbst: Haben die Nazis nicht schon genug Rassentrennung geschaffen? Oder zum Schluss, als ein Katholike, ein Protestant und ein Jude gemeinsam (und als Freunde) vor dem Kanzler musizieren; geradezu die Ringparabel in Reinform. Der Schluss mehr bitter als süß und perfekt auf die Grundstimmung des Buches abgestimmt, einfach nur genial. Absolute Leseempfehlung!

Ein Attentat auf Adenauer

Rosa Silbermann hat seit Jahren Deutschland nicht mehr besucht. Nun wird sie vom israelischen Geheimdienst im geheimen Auftrag auf die Bühlerhöhe im Schwarzwald geschickt um den Bundeskanzler Konrad Adenauer zu schützen. In der Hausdame Sophie Reisacher hat sie eine Gegenspielerin, die mit allen Wassern gewaschen ist. Sophie musste ihre Heimatstadt Straßburg verlassen und sucht nach Anerkennung. Beide Frauen haben im Krieg alles verloren und sind doch völlig verschieden und doch eint sie eins die Geschehnisse auf der Bühlerhöhe.

Von der Autorin Brigitte Glaser habe ich persönlich noch nichts gelesen gehabt, bis ich diesen Roman in die Hand genommen habe. Der Klappentext hatte mich gleich neugierig gemacht und da ich die Bühlerhöhe wenigstens dem Namen nach kenne und dazu historische Romane sehr gerne lese, war dies genau mein Buch.

In den Roman bin ich recht leicht reingekommen, aber nach einiger Zeit hatte ich leichte Probleme alles den richtigen Personen zuzuordnen. Denn der Roman war auf drei Erzählstränge aufgebaut, zum einen war da Rosa dann gab es noch die Hausdame der Bühlerhöhe, Sophie Reisacher, und dann noch den eine Angestellte eines anderen Hotels. Zwar gab es genug Absätze, die auch alle einen Titel bzw. die Ortsangabe vorangestellt hatten, aber es war leider nie angegeben, um welche Person es sich handelt, und da dies nicht immer gleich ersichtlich war, hat mich das doch etwas im Lesefluss behindert.

Die Handlung an sich war sehr gut aufgebaut, wobei die Geschichte bzw. der historische Teil so interessant erzählt war und man so einiges von der deutschen Geschichte erfahren hat, was man so vielleicht noch gar nicht gewusst hat.

Natürlich gab es auch einen Spannungsbogen welcher bis zum Schluss erhalten war und so konnte man sich als Leser sehr gut seine Gedanken machen, wer wohl der Attentäter sein könnte. Zwar hatte ich die Figur schon etwas länger im Visier, aber ich hätte mir als Täter auch jemand anderen vorstellen können.

Mir hat auch die Mischung aus einem historischen Roman und einem Krimi gut gefallen, so wurden gleich zwei meiner Lieblingsgenres abgedeckt. Die vielen verschiedenen Figuren des Romans fand ich alle sehr detailliert beschrieben und so konnte man sie sich während des Lesens sehr gut vorstellen. Auch die Beschreibungen der Handlungsorte waren sehr detailgetreu und gerade auch wenn man die verschiedenen Orte kennt hat man schnell gemerkt, dass es an einigen Orten in Baden-Baden wirklich noch so ist wie damals.

Im Anhang des Buches wurde auch einiges erklärt, wie zur jüdischen Geschichte oder auch die Geschichte der Bühlerhöhe, was ich recht interessant fand, auch wenn leider nicht alles von der Bühlerhöhe angegeben war, wie eben die ganzen Besitzerwechsel.

Alles in allem habe ich sehr schöne Lesestunden mit dem Buch verbracht und deshalb vergebe ich sehr gerne die volle Punktzahl für das Buch.

Eine spannende Reise in die beginnenden 50er Jahre

Schauplatz Deutschland, Schwarzwald 1952

Im Hotel Bühlerhöhe wartet man auf das Eintreffen von Kanzler Adenauer. Hausdame Sophie Reisacher spricht mit Hauptmann Droste die Planung samt Sicherheitsvorkehrungen ab. Sophie ist 35 Jahre, seit 9 Jahren verwitwet, sehr streng zu ihren Untergebenen, Elsässerin, hat in Xavier Pfister einen Geliebten bzw. Verlobten und wartet auf eine baldige Hochzeit, damit ihr Traum vom besseren Leben in Erfüllung geht.

Die Ankunft von Rosa Goldberg, geb. Silbermann beäugt sie mit Argwohn, denn deren Ehemann Ari verspätet sich und mit jedem Tag wird Sophie misstrauischer. So betrachtet sie kritisch die bäuerlichen Hände von Rosa, die nicht zu ihrem eleganten Äußeren passen. Rosa wurde gegen ihren Willen vom israelischen Geheimdienst damit beauftragt, auf die Sicherheit von Adenauer zu achten, damit der junge Staat Israel tatsächlich das zugesagte Geld aus Deutschland erhält. Sie wurde ausgewählt, da sie die Sprache spricht und die Gegend aus ihrer Kindheit gut kennt. In verschiedenen Rückblenden erfährt der Leser einiges über ihre Vergangenheit, ihre große Liebe Nathan, ihren Sohn Ben, sowie über ihre Schwester Rachel in Tanger.

Rosa und Sophie umkreisen sich ständig, beobachten sich und spionieren sich gegenseitig aus – ein echtes Katz-und-Maus-Spiel. Umrahmt werden sie von einer illustren, internationalen Gesellschaft von Hotelgästen und diversen Hausangestellten. Darunter auch Agnes, ein junges Mädel, das ungewollt immer wieder zwischen die Fronten von Sophie und Rosa gerät. Außerdem wurde sie und ihre Schwester Walburg vergewaltigt und nun befindet sich unter den Gästen ihr damaliger Peiniger.

Ungefähr die Hälfte des Buches beschäftigt sich quasi mit diesem Vorspiel und der detaillierten Vorstellung der Figuren bis endlich der Kanzler und seine Tochter Libeth eintreffen. Kurz darauf beginnen die Anschläge auf den Kanzler. Am Ende können die Zusammenhänge offen gelegt werden und der Attentäter wird enttarnt. Es ist eine sehr vielschichtige Geschichte, die dadurch eine breite Leserschaft ansprechen dürfte.

Dass Cover des Buches findet ich sehr passend und schön gestaltet. Die Autorin fügt noch eine Schlussbemerkung an den Roman, erklärt noch Begriffe aus der deutschen und israelischen Geschichte, sowie Zitate und Quellen. Gefehlt hat mir bei dieser vorbildlichen Gestaltung nur ein Personenregister.

Der Inhalt des Romans wurde m. E. sehr gut und intensiv recherchiert, die Einsamkeit der Bühlerhöhe und der Umgebung konnte man spüren, die Figuren waren sehr lebendig und authentisch beschrieben. Als Leserin fühlte ich mich auf jeden Fall mitgenommen und war mittendrin in der Handlung. Der Roman ließ sich flüssig, spannend und angenehm lesen. Für mich war es ein echter Lesegenuß!