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Capitana

Lola Vasquez, Band 2. Thriller
Buch
Broschiert, 330 Seiten
Übersetzer: 

Verlag: 

ISBN-10: 

3518470507

ISBN-13: 

9783518470503

Auflage: 

1 (20.07.2020)

Preis: 

15,95 EUR
Schauplätze: 
Amazon Bestellnummer (ASIN): 3518470507

Beschreibung von Bücher.de: 

Lola Vasquez ist leicht zu unterschätzen: Sie ist zierlich, eher unscheinbar, kümmert sich liebevoll um ihre Pflegetochter Lucy und hilft ihren bedürftigen Nachbarn oft mit Lebensmitteln oder der Miete aus. Das ist allerdings nur ihre eine Seite: Denn sie ist auch eine rücksichtslose Drogenlady, eine brillante Gang-Leaderin mit einem hohen body count . Das bekamen auch ihre Rivalen zu spüren und ihr Bruder Hector, den sie aus strategischen Gründen in den Knast geschickt hatte. Seit sie ein Bündnis mit der Staatsanwältin Andrea geschlossen hat, die hinter ihrer makellosen Fassade selbst mit Drogen handelt, herrscht Lola über ihr eigenes Gebiet.

Es könnte also alles gut sein. Als aber eine schwangere Frau sie bittet, dafür zu sorgen, dass ihr fieser Ehemann weiter hinter Gittern bleibt, ahnt Lola nicht, dass dieser kleine Gefallen sie in einen weiteren Drogenkrieg führen wird. Und bald muss sie feststellen, dass die größte Gefahr nicht von der konkurrierenden Rivera-Gang ausgeht, sondern in ihrer unmittelbaren Nähe lauert: Hector wurde aus dem Gefängnis entlassen, aber kann sie ihm vertrauen? Und auch Andrea hat anscheinend ihre ganz eigene Agenda …

Bald brennt es an allen Ecken und Fronten, und Lola muss all ihre tödlichen Managerqualitäten einsetzen, um das Allerschlimmste zu verhindern und ihre Lieben zu schützen. Koste es, was es wolle.

Kriminetz-Rezensionen

Heldin oder einfach nur Kriminelle?

Suhrkamp schafft es immer wieder neue Autoren zu gewinnen, die mich komplett überzeugen können. Aber auch immer wieder Autoren, die etwas besonders macht oder die eine ungewöhnliche oder neue Art an sich haben. So auch dieser Roman, der mich beeindruckt.

Lola eine junge Latina ist die Anführerin einer kleinen Gang in Los Angeles, die hauptsächlich mit Drogen handelt und diese auch an Latinos in ihrer Gegend verkauft. Zusätzlich sorgt sie sich um die Menschen in ihrem Viertel und erfüllt Ihnen Gefallen, die sie bei Gelegenheit als Gegengefallen wieder einfordert. Dieses System ist für alle ein Gewinn und stärkt die Zusammengehörigkeit. Ihre angenommene Tochter Lucy versucht sie dagegen vom Gang-Leben abzuschirmen und lässt sie auf eine teure Privatschule gehen. Als eines Tages eine Frau kommt und sich beklagt, dass ihr Mann sie immer geschlagen hat und sie nicht will, dass er aus dem Gefängnis zu ihr zurückkommt, nimmt Lola einen Auftrag an. Als sich herausstellt, dass diese Frau eine falsche Geschichte erzählt hat, gehen die Schwierigkeiten erst richtig los, da Lola den Auftrag nicht mehr stoppen kann …

Wunderbar geschriebener und mit Sicherheit nicht an die Realität grenzender Thriller, der von einer Frau mit viel Herz und Leidenschaft ausgeht, die für andere kämpft und das Drogengeschäft am Laufen hält. Die Realität würde sicherlich anders aussehen. Doch dieser Roman ist spannend, entwickelt wunderbare Charaktere und hat eine Geschichte, die einmal am Rollen, nicht mehr zu stoppen ist. Lola ist eine Frau die zwischen allen Welten hängt. Früh auf sich gestellt, mit der Verantwortung für ihre Angestellten (Soldaten), dem Willen ihrer Tochter ein gutes Leben zu bieten, ihren Soldaten gegenüber keine Schwäche zu zeigen und da stellt ihr plötzlich jemand eine Falle und Lola muss überlegen, wer ihre Freunde sind und wer versucht sie zu manipulieren …

Ich kann es normalerweise nicht mehr ertragen, dass jeder Autor, jeder Film, jede Serie aus den USA versucht, die verschiedenen Kulturen immer als beste Freunde darzustellen. Keine Serie, in der nicht eine Weiße mit einer Asiatin, Farbigen und möglichst noch einer Latina befreundet ist, damit das alles ausgewogen ist. Dieses Gefühl hatte ich hier nicht, obwohl Lola wirklich gerne der Welt der Weißen angehören würde und teilweise nicht mal an einem Tisch mit ihnen sitzen sollte, ist der Patriotismus nicht sehr ausgeprägt und gefällt mir sehr gut.

Fazit: Ein Thriller mit absoluter Empfehlung. Ich wurde blendend unterhalten. Die Geschichte hat mich beschäftigt und war sehr spannend. Auch Tage nach dem Lesen, war die Geschichte noch präsent, so dass für mich 5 Sterne klar sind.

Waffenkampf statt Klassenkampf

Eine der härtesten nicht-weißen weiblichen Hauptfiguren der aktuellen Krimi-Literatur ist wieder zurück: Lola Vasquez, Anführerin, Drogenboss, Mutter und Latina (in stetig wechselnder Reihenfolge). Zwischen all ihren legalen und weniger legalen Aktivitäten im multikulturellen Los Angeles droht sie immer wieder, sich selbst zu verlieren.

Auch wenn Drogen, Waffen, Gewalt und Blut Lolas Welt bestimmen, finden sich im Thriller auch immer wieder nachdenkliche, kritische Zeilen. Melissa Scrivner Love verbindet Lolas fiktives, aber wohl auf vielen realen Biografien fußendes Leben mit Gesellschaftskritik am Amerika der »Weißen Männer«. Rassismus, Armut und Verbrechen lauern hinter vielen Mauern und unscheinbaren Gesichtern.

Für einen echten Klassenkampf sind die Unterschiede zu groß, dennoch drückt man Lola und ihrer Gang immer wieder die Daumen gegen das System, das sie einerseits unterdrückt, in dem sie sich aber so gut wie möglich zurechtfinden und einfügen (um nicht aufzufallen und weiter ihre Geschäfte machen zu können).

Lolas Welt ist weit von unserer entfernt, ist illegal, gefährlich und weitestgehend unmoralisch. Aber als Charakter ist sie faszinierend und durch ihre Brille betrachtet, ist das, was sie tut, logisch und fast verständlich. Eine Anti-Heldin, die für die Dauer des Buches als Heldin durchgeht. Eine toughe Frau, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten das Richtige tut.

»Capitana« ist Band 2 um Lola Vasquez. Die Reihe startet mit »Lola«.

Leader of the Pack

Zwei Jahre ist es her, seit Lola Vasquez beinahe vom mexikanischen Drogenkartell Los Liones getötet wurde. Seither hat Lola ihr Leben neu geordnet, sich von ihrem Lebensgefährten getrennt und eine Geschäftsbeziehung mit einer neuen Partnerin gebildet. Aber noch immer ist Lola die Capitana einer Straßengang, hält ihre Männer fest im Griff. Doch nun ist ein neues Kartell in Los Angeles aktiv, die Lolas Existenz bedroht. Ein weiterer Drogenkrieg eskaliert, der alle beruflichen und familiären Beziehungen Lolas infrage stellt.

»Capitana« ist nach »Lola« nun der zweite rasant spannende Thriller aus der Feder der amerikanischen Schriftstellerin Melissa Scrivner Love. Lola ist immer noch die äußerste interessante und zwiespältige Protagonistin, wie ich sie schon aus dem ersten Band kannte. In diesem Thriller verschieben sich die Grenzen zwischen Gut und Böse bei jedem Szenenwechsel. Wer Freund, wer Feind ist, kann in diesem schmutzigen Geschäft um Drogen, Geld und Macht sehr schnell wechseln.

Lola – klein und zierlich – darf man nicht unterschätzen, sie ist, wenn es darauf ankommt, knallhart. Ihr Gangkodex lautet, nicht an Kinder zu verkaufen und schon gar nicht an weiße reiche Kids.

»Wenn die Crenshaw Six an weiße Kids verkaufen, während die Stadt wieder einmal das Drogenproblem bekämpft, wird es Lolas Gang hinter Gitter bringen, nicht die weißen Kids.«

Die Stadt – Los Angeles – hat viele Probleme, gleich auf welcher Seite man in dieser Stadt lebt. Ob in Huntington Park, Lolas Viertel, das fast ausschließlich von Latinos bewohnt wird, wo Armut, Arbeitslosigkeit und Straßenkriminalität auf der Tagesordnung stehen, oder in den besseren weißen Vierteln, in denen Menschen wie Lola niemals im Vordergrund sind. Ein Gefälle von Arm und Reich, Diskriminierung, Rassismus: eine explosive Mischung, vor allem wenn rivalisierende Drogenhändler sich an beiden Seiten bedienen.

Lola bewegt sich in diesen beiden Welten, in der einen souverän, in der anderen zögerlich.

»In Huntington Park hat Lola das Sagen. In der Westside ist Lola so etwas wie die ›Andere‹, eine ruhige Latina, von der die meisten Eltern garantiert denken, dass ihre Tochter nur dank der Minderheitenquote und eines Stipendiums einen Platz in der Schule gekriegt hat.«

Lolas angenommene Tochter Lucy ist Lolas Achillesferse. Für Lucy nimmt sie alles in Kauf, für Lucy bringt sie auch schmerzhafte Opfer. Das macht Lola nicht nur angreifbar, sondern zeigt neben der skrupellosen Capitana ein ganz anderes Bild von Lola.

Es gibt in diesem Buch das Kapitel 8, das auf eine derart schockierende und eindringliche Art toxische männliche Gewalt zeigt, wie man es sich kaum vorstellen mag. Wie dieses Kapitel dann auch in die Geschichte passt, ist dramaturgisch fein ausgeführt.

Dieser Thriller kann etwas mehr, als nur spannend zu unterhalten. Das Buch ist auch eine Milieustudie einer amerikanischen Großstadt, in der Recht und Ordnung durchaus auch nur Macht und Geld bedeuten kann. Es zeigt Menschen in prekären Situationen, Frauen und Kinder, die durch häusliche Gewalt traumatisiert sind, Menschen, die außerhalb der kriminellen Strukturen keinen Platz in der »normalen« Welt finden, weil sie dort niemand haben will.

Melissa Scrivner Love spart nicht mit gesellschaftspolitischer Kritik, wenn sich die Polizei nicht für eine Schießerei nur unter Latinos schert, wenn sie Lola darüber nachdenken lässt, dass ihre Tochter noch nie in einem weißen Haushalt war und damit auch noch nie gesehen hat, wie Angehörige ihrer eigenen Minderheit den Dreck anderer Leute wegputzen, wenn schon Kinder der Diskriminierung durch die gleichaltrigen Spielkameraden ausgesetzt werden, oder wenn Lola eine weiße Frau mit ihrem Hund vor einer Kugel rettet.

»Eine Weiße mit einem Pudel, der Donald heißt. Scheißwelt, denkt Lola.«

Lola steht außerhalb jeglicher Konventionen: Leader of the Pack, abgebrüht, verwerflich, verantwortungsvoll und prinzipientreu. Eine Frau, die in einer Männerwelt dominiert. Damit setzt die Autorin einen schönen Kontrapunkt zum sonstigen Genre.