Cover von: Engelskinder
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Engelskinder

Der 6. Fall für Dr. Ruth Galloway. Kriminalroman
Buch
Gebundene Ausgabe, 384 Seiten
Übersetzer: 

Verlag: 

ISBN-10: 

3805250967

ISBN-13: 

9783805250962

Auflage: 

1 (21.07.2017)

Preis: 

19,95 EUR
Schauplätze: 
Amazon-Bestseller-Rang: 407.579
Amazon Bestellnummer (ASIN): 3805250967

Beschreibung von Bücher.de: 

Ihr sechster Fall führt die forensische Archäologin Dr. Ruth Galloway auf die Spur der grausamsten Kindesmörderin des 19. Jahrhunderts. Beste britische Krimikost für alle Leser von Minette Walters, Val McDermid und Ann Cleeves. Man nannte sie »Mother Hook«: Jemima Green, die berüchtigtste Tagesmutter Norfolks, soll über zwanzig Kinder in ihrer Obhut ermordet haben. Als unter dem Gemäuer einer Burg ein Skelett aus viktorianischer Zeit mit einem Eisenhaken statt der linken Hand freigelegt wird, ist sich die forensische Archäologin Dr. Ruth Galloway sicher, die sterblichen Überreste der legendären Schreckensgestalt gefunden zu haben. Ein Fall, der Ruth als alleinerziehende Mutter ganz besonders unter die Haut geht. Auch DCI Nelson muss sich mit einem mutmaßlichen Fall von Kindesmord befassen: Als innerhalb weniger Jahre das dritte Kind von Liz Donaldson den plötzlichen Kindstod stirbt, nimmt der Polizist die junge Mutter ins Visier. Und während Ruth sich noch fragt, welches Geheimnis das »Buch der toten Kinder« in sich birgt, in das Mother Hook verstörende Gedichte über ihre toten Schützlinge notierte, verschwindet ein Kind aus der Nachbarschaft ...

Kriminetz-Rezensionen

Tagesmütter und Babysitter

Dr. Ruth Galloway gräbt unter dem Gemäuer einer Burg ein Skelett aus viktorianischer Zeit frei. Die Tote hat die Arme auf dem Rücken gefesselt und hat einen rosigen Eisenhaken als linke Hand. Es ist die berüchtigste Mörderin von Norfolk, um sie ranken sich viele Schauermärchen. „Mother Hook“ soll Kinder bei sich aufgenommen und dann getötet haben.

Der Historiker Frank zweifelt aber an dieser These, sondern hält die Tot für eine der ersten Tagesmütter, die sich liebevoll um die ihr anvertrauten Kinder gekümmert hat.

Frank und Ruth sollen zusammen einen Film über „Mother Hook“ drehen und dem Mythos auf die Spur gehen.
Der Vater von Ruths Tochter Nelson ermittelt in einem Mordfall eines Kindes und muss klären, ob die Eltern mit dem Tod des Kindes zu tun haben. Wichtige Hinweise bekommt er von dem Babysitter des toten Jungen.
Da verschwindet wieder ein Kind.

„Engelskinder“ von Elly Griffiths ist der mittlerweile 6. Band um die Protagonistin Ruth Galloway. Für mich war es der erste Band und ich habe beim Lesen gar nicht gemerkt, dass es noch 5 weitere Bände gibt. Man kann sie also auch völlig unabhängig voneinander lesen.

Die Autorin schaffte es, den historischen Teil und den aktuellen Krimi gekonnt zu verweben, das machte die ganze Geschichte unheimlich spannend.

Etwas merkwürdig mutete an, dass die Charaktere sich untereinander irgendwie alle kannten bzw. wer alles mit wem mal was hatte. Anfangs wirkte es familiär, aber als dann noch die Affären und Babysitter dazu kamen, wirkte es konstruiert.

Die Charaktere der Geschichte sind alle ganz unterschiedlich, es ist eine bunte Mischung vorhanden. Über den Druiden Cathbad hätte ich gern mehr gewusst. Er schien die schillerndste Figur zu sein, allerdings agierte er nur am Rande. Und ich fragte mich, wieso ist er für die anderen so wichtig? Warum schätzen sie ihn so? Hier hilft vielleicht das Lesen der Vorgängerbände.

Das Ende war etwas unbefriedigend. Es wurde vieles im Dunkeln gelassen und nicht richtig aufgeklärt. Hier wären ein paar mehr Informationen schön gewesen, stattdessen lag der Schwerpunkt auf die privaten Belange von Judy.

„Engelskinder“ bietet eine gute Mischung zwischen dem historischen und dem aktuellen Fall mit interessanten Charakteren, allerdings mit kleinen Schwächen bei der Auflösung.

Mother Hook

Elly Griffiths ist eine Autorin, die ich sehr schätze und ihre Hauptfigur, die forensische Anthropologin Dr. Ruth Galloway, ist eine Frau nach meinen Geschmack. Inzwischen liegt mit „Engelskinder“ das siebte Buch vor und auch dieses Mal hat mich die Geschichte absolut überzeugt.

Dr. Galloway findet bei Sicherungsgrabungen ein Frauenskelett. Der Fundort am Richtplatz, die Art der Beisetzung und eine Besonderheit am Skelett, nämlich ein Eisenhaken statt der linken Hand, deuten auf „Mother Hook“ hin, eine sogenannte Babyfarmerin im viktorianischen England. Die Frau wurde wegen vielfachem Kindsmord gehenkt und ihre Geschichte ist in Literatur und Liedgut eingegangen, wie bei uns der „schwarze Mann“. Gleichzeitig beschäftigt sich DCI Nelson mit einem verdächtigen Fall von plötzlichem Kindstod. Der Mutter verstarb schon zum dritten Mal ein Baby und Faserspuren in Mund und Nase lassen einen furchtbaren Verdacht bei Nelson keimen, aber die Beweislage ist dürftig und die Presse und die Öffentlichkeit stehen auf Seiten der verzweifelten Frau.

Ich bin immer wieder fasziniert, wie geschickt die Autorin aktuelle Fälle mit historischen Begebenheiten verknüpft und dadurch eine ganz besondere Spannung erzielt. Dabei zwingt sie die Leser zur Stellungnahme. Auch Ruth hat ihre Tochter bei einer Tagesmutter, ist sie deshalb eine schlechtere Mutter als Liz, die sich ganz ihren Kindern widmete und doch ihren Tod nicht verhindern konnte? Waren die Babyfarmerinnen des frühen 19. Jahrhunderts die Vorläuferinnen unserer Tagesmütter?

Während Ruth historischen Fällen von Kindesmord und Verwahrlosung nachgeht, muss Nelson sich der gleichen Problematik in der Gegenwart annehmen. Pikant ist das Verhältnis zwischen Ruth und Nelson, denn er ist der Vater ihrer Tochter, entstanden aus einem verzweifelten One-Night-Stand, den beide nicht vergessen können. Die berufliche Zusammenarbeit ist immer in labilem Gleichgewicht.

Elly Griffiths kann wunderbar Stimmung erzeugen, mit ihr tauche ich immer wieder in vergangene Zeitalter, wobei in diesem Fall die viktorianische Ära nicht ganz so geheimnisvoll wirkt, wie die keltische Atmosphäre der früheren Bücher. Der Figurenkosmos um Ruth ist mir inzwischen schon vertraut, aber auch Neuentdecker werden keine Probleme haben, in die Geschichte zu finden. Der Sog entwickelt sich schon nach kurzer Zeit.

Wieder ein ausgezeichneter, klassischer Kriminalroman, den ich nur empfehlen kann.

Es herrscht wie immer ein gewisses Chaos, aber mit System.

Wie bereits in den anderen Büchern verbindet sich auch in »Engelskinder« der historische Fund bzw. der historische Fall mit einem aktuellen Fall. In diesem Fall ist das ein kleiner Junge namens David, dessen Tod noch nicht geklärt ist. War es plötzlicher Kindstod oder doch ein Verbrechen? Es gibt mehrere Verdächtige, denen man aber im Prinzip nichts nachweisen kann. Dann verschwindet mitten in der Nacht ein weiteres Kleinkind und alles muss noch einmal neu überdacht werden.

Nebensache
Die Geschichten rund um die Archäologin Ruth Galloway entsprechen ein bisschen den Krimiserien, die es früher (?) öfter im Fernsehen gab. Ein bestimmte Gruppe an Menschen, aller irgendwie untereinander bekannt und befreundet, versuchen ihre persönlichen Problemchen zu lösen und ihr Leben zu regeln. Nebenbei stoßen sie auf einen Kriminalfall, den sie dann ebenfalls gemeinsam lösen. Im Grunde ein sehr simples Konzept, das von den handelnden Charakteren lebt.

Liebenswert
In dieser Reihe sind die stets vorhandenen Charaktere allesamt ein bisschen schrullig und seltsam, aber durchaus liebenswert und nett. Die meisten jedenfalls :-) Wesentlich interessanter als der Kriminalfall ist in der Regel, wer gerade mit wem und warum ein Problem oder eine Liaison hat. Nebenbei erfährt man noch recht viel über die Arbeitsmethoden bei archäologischen Ausgrabungen und ein bisschen was über diverse Geschichtsepochen und natürlich geht es auch um den Kriminalfall, aber letzteres eher am Rande.

Entwicklung
Man sollte diese Art Geschichten schon mögen, ansonsten sollte man besser zu einem anderen Buch greifen. Wenn man aber solche Erzählungen mag, dann hat man mit dieser Reihe von Elly Griffiths eine ganz wunderbar unterhaltsame Serie gefunden, die viel Spaß macht. Alle Charaktere entwickeln sich von Buch zu Buch weiter, und zwar so, wie man sich das auch im ganz normalen Leben vorstellen könnte. Ich finde es immer wieder sehr entspannend zwischendurch solche Cosy Crime Geschichten zu lesen.

Mein Fazit
»Engelskinder« hat mich, genau wie die Bücher davor, wunderbar leicht unterhalten. Es macht dem Genre Cosy Crime alle Ehre.