Cover von: Finsteres Kliff
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Finsteres Kliff

Der dritte Fall für Liv Lammers. Sylt-Krimi
Buch
Taschenbuch, 400 Seiten

Verlag: 

ISBN-10: 

340417822X

ISBN-13: 

9783404178223

Auflage: 

1 (29.03.2019)

Preis: 

10,00 EUR
Schauplätze: 
Amazon-Bestseller-Rang: 17.070
Amazon Bestellnummer (ASIN): 340417822X

Beschreibung von Bücher.de: 

Ein Orkantief liegt über Sylt. Nicht die beste Zeit, um auf die Insel zu reisen, doch Liv Lammers ruft die Pflicht.

Auf dem Morsum-Kliff wurde eine Leiche entdeckt, kurz nach dem Biikebrennen, und der Tatort sieht aus, als habe ein blutiges Ritual stattgefunden. Das Opfer: ein Hobby-Archäologe, der angeblich einem Wikingerschatz auf der Spur war. Hat er seine Passion für die Wikinger zu weit getrieben? Oder ist die grausige Inszenierung nur ein Ablenkungsmanöver?

Liv Lammers und ihre Kollegen von der Flensburger Mordkommission ermitteln in alle Richtungen. Die Zeit drängt, denn eine junge Frau ist verschwunden - die Freundin des Opfers ...

Kriminetz-Rezensionen

Die abgründige Seite von Sylt

Kurz nach dem Biikebrennen wird auf dem Morsum-Kliff eine Leiche entdeckt. Es sieht so aus, als hätte ein Ritual stattgefunden. Es dauert nicht lange, bis feststeht, dass es sich um Gerald Erikson handelt. Er ist Bankkaufmann und hat in seiner Freizeit nach Wikingerschätzen gesucht. Seine Freundin Vanessa ist spurlos verschwunden. Liv Lammers muss wieder einmal zu Ermittlungen nach Sylt.

Dieses Buch ist der dritte Band um die sympathische Ermittlerin Liv Lammers. Der Schreibstil lässt sich sehr angenehm lesen. Die Autorin beschreibt Land und Leute sehr gut und authentisch. Dieser Krimi zeigt die Insel Sylt nicht als Destination für einen unbeschwerten Urlaub, sondern als ziemlich düsteren Handlungsort. Es gibt dort eine Reihe von Menschen, die den Wikingern mit ihren Mythen und Ritualen huldigen.

Liv Lammers lebt mit ihrer Tochter und der Großmutter in Flensburg. Sie hat Sylt aus privaten Gründen verlassen und vermeidet den Kontakt zu ihrer Familie, die dort lebt. Aber Ermittlungen bringen sie immer wieder zurück. Sie ist eine gute Ermittlerin, die sich auch auf ihr Bauchgefühl verlässt und schon mal zu Alleingängen neigt.

Dieser Fall ist sehr komplex und Liv und ihre Kollegen stehen unter Zeitdruck, denn sie wissen nicht, ob Vanessa noch lebt. Es gibt eine Reihe von Verdächtigen in diesem Fall. Da ist der impulsive Robin, Bruder des Toten, der charismatische Nilas, Vanessas Freundin Xenia und noch eine ganze Reihe von Wikinger-Freunden. Aber auch die Besitzer der Apotheke und ihr Sohn verhalten sich merkwürdig. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen. Außerdem funkt der ehemalige Kollege und selbsternannte Profiler Gitzelstein bei den Ermittlungen dazwischen.

Die Spannung ist von Anfang an da und bleibt auch hoch, selbst wenn immer wieder Privates in die Ermittlungen hineinspielt. Am Ende wird es noch ziemlich dramatisch und hat mir einige Überraschungen beschert.

Mir hat dieser interessante und spannende Krimi mit viel Sylt-Atmosphäre und interessanten Charakteren sehr gut gefallen.

Anno 2019: Liv und die Wikinger ...

Liv Lammers, Kommissarin bei der Flensburger Mordkommission, ist bekennender Fan des Handballvereins SG Flensburg-Handewitt, leidenschaftliche Schlagzeugerin, Mutter und Enkeltochter. Der Familienalltag wird in dem Krimi durchaus erwähnt, aber in einer angenehmen Mischung zur Handlung.

Auf Sylt findet am Abend des Biike-Feuers ein Mord statt und es stellt sich schnell heraus, dass auch eine junge Frau vermisst wird.

Liv wird gemeinsam mit ihren Kollegen auf die Insel geschickt. Liv hat den Vorteil (oder ist es eher doch ein Nachteil?), dass sie auf Sylt aufgewachsen ist, die Gegend, die Gepflogenheit und Bräuche der „Insulaner“ kennt. Die junge Kommissarin und ihre Kollegen tappen zunächst im Dunklen, die ersten Zeitungen berichten schon von einem „Ritualmord auf Sylt“ und sprechen von einem „Menschenopfer“, da der Tote mit merkwürdigen Verletzungen in der Nähe eines Hügelgrabes gefunden wurde. „'Auf dem Morsum-Kliff befindet sich das größte Hügelgrabgelände Deutschlands. In den Grabhügeln aus der Bronze- und Eisenzeit wurden Menschen bestattet und möglicherweise Opfer gebracht.' (…) fasste Liv die Informationen zusammen, an die sie sich noch aus ihrer Schulzeit erinnerte.“ (S. 29) Und es findet sich schnell eine Gruppe von Verdächtigen: Junge Frauen und Männer, die gemeinsam eine legale (mit Genehmigung des archäologischen Landesamts) Schatzsuche bei den Hügelgräbern betreiben und die Wikingergötter verehren.

Aber die Autorin schickt uns Leser in verschiedene Richtungen, zeigt unterschiedliche Spuren, offenbart immer neue Verdachtsmomente, drückt sich bewusst vage aus, legt falsche Fährten! Manchmal sind wir Leser sicher: es kann nur der / die gewesen sein – oh, nein: Irrtum … Mit den neuen Wendungen, die die Geschichte immer wieder nimmt, wird der Spannungsbogen hochgehalten und wir sind gespannt auf jedes neue Kapitel!

Zwischendurch erfahren wir nebenbei viel über die Geschichte und Geografie von Sylt, es wird einiges an Lokalkolorit vermittelt und zeigt uns Sylt abseits der „normalen“ Touristenpfade.

Der Stil der Autorin ist leicht, frisch, luftig-locker, er lässt sich sehr angenehm lesen. Die Charaktere sind liebevoll gestaltet und wirken sehr authentisch, Liv ist mir sehr sympathisch geworden und ihre Kollegen teilweise auch …

„Finsteres Kliff“ ist der 3. Krimi um Liv Lammers, ich kannte die vorhergehenden nicht, aber ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, etwas „verpasst“ zu haben – also auch für Quereinsteiger empfehlenswert.

Aber ein kleines Negativpünktchen sollte noch erwähnt werden: Ich war von dem Schluss nach dem Schluss etwas irritiert – aber das ist „Jammern auf hohem Niveau“ …

Ich kann das Buch mit gutem Gewissen weiterempfehlen: für Krimifreunde sowieso, für Sylt-Enthusiasten ein „Muss“, als Reiselektüre für zukünftige Sylt-Urlauber, als schöne Erinnerung an vergangene Sylt-Urlaube! Und ich werde mit Sicherheit auch die beiden vorangegangenen Bücher lesen …

Sylter Geständnisse

„Finsteres Kliff“ von Sabine Weiß ist bereits der dritte Fall für die Ermittlerin Liv Lammers in ihrer Sylter Krimreihe aus dem Bastei-Lübbe Verlag. Ich kannte die ersten beiden Bücher nicht, doch der Einstieg gelang mir problemlos.

Das Biikefest ist in Norddeutschland ein gemeinsames Feuerfest mit dem traditionell böse Geister vertrieben und die Saat geschützt werden soll. Doch in diesem Jahr wird unmittelbar nach dem Fest ein junger Mann tot aufgefunden. Kurze Zeit später verschwindet eine junge Frau, Vanessa, spurlos.

Da es auf der Insel keine Mordkommission gibt, muss die Kieler Kripo vor Ort ermitteln. Liv Lammers, die Kommissarin, ist gebürtige Sylterin. Um ihr Verhältnis zur Insel, wo noch ihr Vater und ihre Schwester leben, steht es nicht gut.

Bald erfahren die Kriminalisten, dass der tote Gerald ein Bankangestellter war, der sich für die Wikingerzeit und Archäologie interessierte. Die verschwundene Vanessa war seine Freundin. So ist es naheliegend, dass zunächst im privaten Umfeld recherchiert wird. Dabei gelingt es der Autorin nicht nur einen spannenden Kriminalfall zu schildern, sondern auch viel Wissenswertes über die Winkingerkultur auf der Insel zu vermitteln.

Als der berufliche Hintergrund der beiden untersucht wird, scheint ein mögliches Motiv Gestalt anzunehmen. Sehr geschickt beschreibt die Autorin die Polizeiarbeit und nimmt den Leser mit in ganz unterschiedliche Kreise der Sylter Gesellschaft. Sabine Weiß erzählt eine spannende und komplexe Geschichte, die den Leser schnell fesselt. Unerwartete Wendungen bringen Bewegung in den Fall und es ist nicht einfach für Kommissarin Lammers den Überblick zu behalten. Sie hat eine Neigung zu Alleingängen, die sie in höchste Gefahr bringen.

Der Fall ist gut strukturiert aufgebaut, hat viele Handlungsansätze, die nicht geradlinig zur Lösung führen und die Spannung bis zum Schluss aufrechterhalten.

Fazit:
Eine gut ausgedachte Geschichte, die in sich schlüssig gelöst wurde. Mich hat dieser Sylt-Krimi gefesselt und mir eine wirklich spannende Lesezeit beschert. Deshalb vergebe ich nicht nur 5 Sterne, sondern auch eine klare und eindeutige Leseempfehlung.

Abgründe auf Sylt

Liv Lammers hat an ihre Heimatinsel nicht nur gute Erinnerung. Nach einem Bruch mit der Familie meidet sie Sylt, aber da die Mordkommission Flensburg auch für Gewaltverbrechen auf der Insel zuständig ist, muss sie notgedrungen auch dort ermitteln.

Ein junger Hobbyarchäologe wurde am Morsumer Kliff bei den alten Hügelgräbern ermordet aufgefunden, ausgerechnet am Abend des traditionellen Biikefeuers, und es sieht aus, als habe ein Wikingeropferritual stattgefunden. Kurz danach wird die Freundin des Opfers vermisst. Es gibt Gerüchte, dass ein alter Wikingerschatz gefunden wurde und so ermittelt Liv in einer sehr aktiven Szene, die sich ganz dem Leben und der Religion nach der alten Wikingertradition verschrieben hat. Was hat diese Gruppe mit den Verbrechen zu tun oder sind die alten Historien vielleicht nur ein Blendwerk für die Ermittlungen?

Die Autorin lässt ihre Protagonistin in ein ganz fremdes Sylt eintauchen, es ist nicht die Welt der Schickimicki-Urlauber in ihren feinen Restaurants und Boutiquen. Sie wirft einen Blick auf die alte Geschichte der Insel, die Ausgrabungen und wie diese Vergangenheit auch die heutige Bevölkerung prägt. Da treffen zwei sehr verschiedene Welten aufeinander. Wenn gebürtige Sylter heute zum Festland pendeln müssen, weil sie die Mieten und Lebenshaltungskosten nicht mehr stemmen können und wenn andere gut am Touristenboom verdienen, birgt das sehr viel Zündstoff.

Der Krimi ist unglaublich fesselnd geschrieben und der historische Hintergrund war für mich neu und interessant. Es brachte aber auch eine ziemliche Brutalität in die Geschichte, die ich bei einem Regionalkrimi nicht unbedingt erwartet habe, es war aber trotzdem sehr stimmig und ich fand es nicht aufgesetzt oder zu vordergründig inszeniert.

Die Figur der Liv Lammers finde ich sehr sympathisch. Sie ist eine Frau, die sich nie vereinnahmen lässt, der ihre Familie viel bedeutet, auch wenn sie mit Vater und Schwester gebrochen hat. Ihren Eigensinn lebt sie aus, auch wenn sie dabei manchmal übers Ziel hinausschießt und sich zu gefährlichen Alleingängen hinreißen lässt. Das macht die Bücher von Sabine Weiss sehr lebendig und neugierig auf die weitere Entwicklung von Liv.

Außerdem gefällt mir der differenzierte Blick auf Sylt, das hier so ganz anders beschrieben wird.