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Grimms Morde

Roman
Buch
Gebundene Ausgabe, 480 Seiten

Verlag: 

ISBN-10: 

3426281015

ISBN-13: 

9783426281017

Auflage: 

1 (02.10.2017)

Preis: 

22,90 EUR
Schauplätze: 

Krimitags: 

Amazon-Bestseller-Rang: 280.448
Amazon Bestellnummer (ASIN): 3426281015

Beschreibung von Bücher.de: 

Der neue historische Roman der Spiegel-Bestsellerautorin Tanja Kinkel führt zurück in das neunzehnte Jahrhundert und verbindet märchenhaftes Setting und historische Spannung mit einer grausamen Mordserie. Rot wie Blut ...

Kassel, 1821: Die ehemalige Mätresse des Landesfürsten wird nach Märchenart bestialisch ermordet. Die einzigen Indizien weisen ausgerechnet auf die Gebrüder Grimm. Weil die Polizei nicht in Adelskreisen ermitteln kann, die sich lieber Bericht erstatten lassen, anstatt Fragen zu beantworten, kommen den Grimms Jenny und Annette von Droste-Hülshoff zur Hilfe. Ein Zitat aus einer der Geschichten, welche die Schwestern zur Märchensammlung der Grimms beigetragen hatten, war bei der Leiche gefunden worden. Bei ihrer Suche müssen sich die vier aber auch ihrer Vergangenheit stellen: Vorurteilen, Zuneigung, Liebe - und Hass, und diese Aufgabe ist nicht weniger schwierig. In einer Zeit, wo am Theater in Kassel ein Beifallsverbot erteilt wird, damit Stücke nicht politisch missbraucht werden können, Zensur und Überwachung in deutschen Fürstentümern wieder Einzug halten und von Frauen nur Unterordnung erwartet wird, sind Herz und Verstand gefragt.

Geschickt verwebt Tanja Kinkel die privaten Verwicklungen von zwei der berühmtesten Geschwisterpaare der deutschen Literaturgeschichte in ein unglaubliches Verbrechen. Ein Mordsbuch.

Kriminetz-Rezensionen

Von Märchensammlern und Mordgesellen

Kassel, Ende März 1821: Die ehemalige Mätresse des Landesfürsten wird auf bestialische Weise ermordet. Gefesselt wurde ihr heißes Wachs über das Gesicht gegossen. Genau so, wie es die Gebrüder Grimm in einem ihrer gesammelten Märchen in ihrem zweiten Buch beschrieben haben. Und um den Bogen noch weiter zu Brüder zu spannen, findet sich auch noch ein Zitat aus dem Märchen bei der Leiche.

Schnell steht für die Polizei fest, dass die Gebrüder Grimm etwas mit dem Mord zu tun haben müssen. Wenn nicht als Mörder, dann zumindest als Inspiration für den tatsächlichen Mörder.

Wilhelm und Jacob wollen sich das nicht gefallen lassen und beratschlagen mit den beiden Autorinnen der Geschichte, wer wohl der wahre Täter sein könnte. Doch die Zeit drängt, denn schon geschieht ein weiterer Mord, ebenfalls durch ein Märchen inspiriert und wieder mit einem entsprechenden Zitat versehen.

Ich konnte mich zu Beginn nicht entscheiden, was das Buch für ein Genre vorweist, denn irgendwie beinhaltet es recht viele. Von einer tragischen Liebesgeschichte, historisch angehaucht bis hin zu einem dichten Kriminalroman.

Die Geschichte selbst machte mich neugierig. Das berühmte Geschwisterpaar Grimm spielt in diesem Buch eine nicht unwesentliche Rolle. Tanja Kinkel bietet dem Leser einen tieferen Eindruck nicht nur in das Leben der Brüder, sondern auch in das Mätressentum der hessischen Kurfürsten.

Der Start in das Buch war etwas holprig, denn der Schreibstil entsprach nicht dem, den ich von der Autorin gewohnt war. Er ist der Zeit, in der das Buch spielt, etwas angepasst, macht die Geschichte daher authentischer, fordert dem Leser aber zunächst etwas ab. Sobald man sich eingelesen hat, stellt er aber kein Problem mehr da. Nur diese Hürde will zunächst genommen werden.

Der Krimi ist spannend, zeigt die Probleme, Intrigen und politischen Situationen der damaligen Zeit auf. Man fühlt sich von dem Buch nicht nur unterhalten, es ist auch lehrreich und man wird als Leser in jeder Hinsicht gefordert. Für mich war es definitiv kein Buch, das man abends nach einem stressigen Tag zur Entspannung lesen kann. Hier musste ich wach sein, Ruhe haben, um mich ganz in die Geschichte und die Verwicklungen einlassen zu können.

Fazit:
Lehrreich, spannend mit vielen Verwicklungen und einem interessanten Blick auf das Leben der Gebrüder Grimm, bietet Tanja Kinkel ein Buch, das den Leser in mehr als einer Hinsicht fordert und noch lange nachklingen wird.

Mord und Märchen

Kassel 1821: Die napoleonische Besetzung ist vorbei, der alte Kurfürst verstorben, sein Sohn hat die Regentschaft über das Fürstentum übernommen und die alte Ordnung wieder hergestellt. Da wird die langjährige Mätresse des alten Kurfürsten tot aufgefunden. Ermordet, wie in einem Märchen der Brüder Grimm.

Jacob Grimm, Bibliothekar und Zensor im Kurfürstentum gerät in das Blickfeld des Polizisten Blauberg. Grimm ist nicht sonderlich gut angesehen im Beamtenstaat, war er doch auch während der Napoleonszeit Beamter und daher schon per se verdächtig. Die Schwestern Anette und Jenny von Droste haben dieses Märchen zur Sammlung beigesteuert und namentlich Anette fühlt sich mitschuldig, denn es ist kein altes Märchen, das sie den Grimms übermittelt haben, sondern eine von ihr ausgedachte Geschichte.

Tanja Kinkel, die wie immer in ihren Romanen das Umfeld hervorragend recherchiert, lässt eine unruhige Zeit lebendig werden. Auch ihren Hauptprotagonisten, den Brüdern Grimm und den Schwestern Droste, gibt sie viel Raum. Sie werden lebendig, so sehr, dass man sehr gern mehr über sie erfahren möchte und das ist ein Mehrwert, den ich an diesem Buch gleich von Beginn an schätzte.

Die restriktive Ständepolitik und die fest gemauerte Vorherrschaft des Adels machen es der bürgerlichen Polizei schwer, in diesen Kreisen zu ermitteln. Umso einfacher ist es, sich an den bürgerlichen Jacob Grimm zu halten. Trotz allerlei Bedenken gegen weibliche Einmischung – damals hatte die Frau den gottgewollten Platz einzunehmen – ist Jacob zunehmend von der klugen und scharfzüngigen Anette angetan und nimmt ihre Hilfe an.

Mir gefiel ausnehmend gut, wie die Autorin historisch Belegtes mit romanhaften Elementen mischt und sie damit die Figuren lebendig und interessant gestaltet. Eine Nebenfigur, Lotte Grimm, die dem Haushalt der Brüder vorsteht und sich weder von den finanziellen Einschränkungen, noch von den männlichen Vorstellungen vom rechten Platz der Frau einschränken lässt, hat mir besonders gut gefallen.

Kinkel wählt einen Sprachstil, der der Zeit angepasst ist. Vielleicht einige Seiten lang ungewohnt für heutige Leser, aber man ist sehr schnell vertraut damit.

„Grimms Morde“ ist eine lebendige und unterhaltsame Mischung aus Kriminalroman, Literatur- und Zeitgeschichte. Es war spannend und weckte den Wunsch, mehr über die Zeit und die Personen zu erfahren. Das machte das Buch zu einem richtigen Lese-Highlight für mich. Eine Biographie der Droste steht nun gleich als nächstes Buch auf meiner Wunschliste.

Brüderliches und schwesterliches Ermittlungsgeschick

Im hessischen Kassel kommt im Jahre 1821 die ehemalige Mätresse des verstorbenen Kurfürsten zu Tode. Die grausame Ausführung des Mordes an Freifrau von Bachros erinnert an eine plattdeutsche Erzählung aus der Märchensammlung der Gebrüder Grimm. Oberwachtmeister Blaubart hat den am Tatort auftauchenden Hofbibliothekar Jacob Grimm natürlich sogleich in Verdacht, etwas mit dem Morden zu tun zu haben. Auf seine Unschuld plädierend, beginnen die Gebrüder auf eigene Faust zu ermitteln! Die mit den Grimms befreundeten Schwestern Jenny und Annette von Droste-Hülshoff eilen den Brüdern zu Hilfe, stammt doch das besagte Märchen aus ihrer Feder ...

In ihren historischen Krimi „Grimms Morde“ steigt die Autorin Tanja Kinkel schon im Prolog mit dem märchenhaft grausigen Mordfall mitten ins Geschehen ein. Daraus entwickelt sich so langsam eine Geschichte, in der die Hauptrolle auf die Gebrüder Grimm und als Gegenpart die Schwestern Droste Hülshoff stehen. Daraus entwickelt sich neben der spannenden Verbrechensrecherche auch ein Sittenportrait der damaligen Zustände. Rechte und Sitten werden aufgezeigt und auch die damalige Politik und ihre Auswirkungen kommen zur Sprache. Ein besonders Augenmerk wird auch auf die Stellung von Mann und Frau, sowie auf die Standesdünkel der damaligen Zeit gelegt.

Der ein wenig altmodisch anmutende Schreibstil der Autorin passt hervorragend zu dieser unterhaltsamen, kriminellen und historischen Romangeschichte. Es ist kein Buch, das sich mal so schnell nebenbei lesen lässt, man muss schon Aufmerksamkeit und ein wenig Muße in die Zeilen stecken um das Buch genießen zu können;) Besonders gelungen fand ich die Dialoge der Protagonisten, die sehr charakteristisch angelegt waren. Das Hintergrundwissen von Tanja Kinkel ist wirklich enorm und ihre Sprachgewandtheit einfach bewundernswert!

Eine hervorragende und interessante Lektüre, die mir wirklich großen Spaß bereitet hat und einen ganz anderen, neuen Blickwinkel auf die beschriebenen berühmten Persönlichkeiten gegeben hat. Die fiktive Handlung wurde in deren Leben und um ihre Persönlichkeit gewoben, was ich unglaublich spannend fand. Sehr empfehlenswert für historisch Interessierte und Liebhaber guter Erzählkunst!