Cover von: Haarmann
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Haarmann

Ein Kriminalroman
Buch
Gebundene Ausgabe, 320 Seiten

Verlag: 

ISBN-10: 

3328600841

ISBN-13: 

9783328600848

Auflage: 

1 (17.02.2020)

Preis: 

22,00 EUR
Schauplätze: 
Amazon Bestellnummer (ASIN): 3328600841

Beschreibung von Bücher.de: 

Der spektakulärste Kriminalfall Deutschlands - psychologisch raffiniert und extrem fesselnd.

Im Hannover der 1920er-Jahre verschwinden Jungs, einer nach dem anderen, spurlos. Steckt ein bestialischer Massenmörder dahinter? Für Robert Lahnstein, Ermittler im Fall Haarmann, wird aus den Gerüchten bald schreckliche Gewissheit: Das Deutschland der Zwischenkriegszeit, selbst von allen guten Geistern verlassen, hat es mit einem Psychopathen zu tun. Lahnstein, der alles dafür gäbe, dass der Albtraum aufhört, weiß bald nicht mehr, was ihm mehr zu schaffen macht: das Schicksal der Vermissten; das Katz-und-Maus-Spiel mit dem mutmaßlichen Täter; die dubiosen Machenschaften seiner Kollegen bei der Polizei; oder eine Gesellschaft, die nicht mehr daran glaubt, dass die junge Weimarer Republik sie vor dem Verbrechen schützen kann.

Dirk Kurbjuweit inszeniert den spektakulärsten Serienmord der deutschen Kriminalgeschichte psychologisch raffiniert und extrem fesselnd. Eindringlich ergründet er die dunkle Seite der wilden 1920er-Jahre, zeigt ein Zeitalter der traumatisierten Seelen, der politischen Verrohung, der massenhaften Prostitution. So wird aus dem pathologischen Einzelfall ein historisches Lehrstück über menschliche Abgründe.

Kriminetz-Rezensionen

Der Totmacher

Ein interessantes Gesellschaftsporträt der frühen Weimarer Republik und über den Fall des Massenmörders Fritz Haarmann.

Im Hannover der 1920er Jahre verschwinden 24 Jungs spurlos. Robert Lahnstein, der ermittelnde Beamte, vermutet, dass ein Psychopath hinter dem Verschwinden steht. Vereinzelt werden Knochenüberreste und Schädel in der Leine gefunden. Schon bald gibt es einen Verdächtigen, könnte Fritz Haarmann der bestialische Massenmörder sein? Doch Lahnstein hat Mühe sich gegen die Kollegen und die Hannoversche Polizei durchzusetzen. Wird Haarmann als Spitzel geschützt? Ist der mehrfach vorbestrafte und geistig minderbemittelte Mann, der homosexuell veranlagt ist, der Mörder? Trotz der dubiosen Machenschaften der Kollegen und der verunsicherten Gesellschaft in der schwierigen Zeit der Zwischenkriegsjahre, gibt Lahnstein alles um den Fall aufzuklären.

Dieses Buch umfasst 10 dicht gepackte Kapitel in idealer Leselänge. Die Ansichten des Mörders und einiger Jungs, sowie Briefe sind kursiv geschrieben, im Ich-Stil verfasst und durch den besonderen Schriftstil deutlich gemacht. Lebhafte Dialoge, die leider ohne Redezeichen eingefügt sind, beleben die Erzählung, sind aber schwer als wörtliche Rede zu erkennen. Die Anmerkungen am Ende des Buches sind hilfreich.

Anfangs hatte ich Probleme in Lesefluss zu kommen. Kurze abgehackte Sätze im Telegrammstil ließen mich ganz schlecht ins Buch kommen, die fehlenden Redezeichen waren gewöhnungsbedürftig, es ist sehr schwer auszumachen, wer spricht oder Rednerwechsel zu erkennen. Dies ergibt einen hölzernen Erzählstil. Das hat mich am Anfang angestrengt, mit der Zeit gewöhnt man sich daran.

Dass es sich bei dem Buch um einen authentischen Fall handelt ist dem Leser jedoch jederzeit bewusst. Fakten, Originaldokumente und Zeitungsberichte sind genügend eingefügt. Vernehmungsprotokolle werden zitiert.

Für meinen Geschmack war die Story etwas zu politisch, auch die privaten Angelegenheiten Lahnsteins sind mir im Buch etwas zu sehr betont. Ich habe mich so sehr auf die Erzählung, eines der spektakulärsten Kriminalfälle in der deutschen Geschichte gefreut. Leider haben sich meine Erwartungen nicht ganz erfüllt. Es wurden eher die Lebensumstände in der frühen Weimarer Republik geschildert, viel Zeitkolorit ist vorhanden, dabei kommt m.E. der Täter, die Taten und auch die Homophobie der damaligen Zeit zu kurz. Aus dieser Mordserie hätte man etwas mehr machen können, wie im Film „Der Totmacher“. Meiner Meinung nach hat der Autor hier eine gute Gelegenheit vertan, da werde ich noch warten müssen, bis ein anderer Autor das Thema erneut aufgreift. Die Figur Lahnstein ist gut gezeichnet auch er hat einiges zu tragen, doch im vorliegenden Krimi hätte ich eine Charakterisierung von Fritz Haarmann erwartet.

Insgesamt war ich vom vorliegenden Buch etwas enttäuscht, der Fall Haarmann fasziniert mich schon jahrelang. Das Schicksal von Hans Grans habe ich nach der Lektüre noch nachrecherchiert, auch das hat mir im Buch gefehlt. Trotzdem ein informatives Buch zu diesem Thema, besonders für die Leser geeignet, die den geschichtlichen Hintergrund interessant finden, eine Leseempfehlung von mir.

Aus o.g. Gründen von mir 3 Sterne von 5 möglichen.

Im Graubereich angesiedelt und spannend

Fasziniert von der Zeit zwischen den beiden Kriegen, in denen es viele Gruppen gab, die irgendwie ihre neue Welt finden mussten, gab es nur wenig sehr gut ausgebildete Polizisten, doch hier hat sich Hartnäckigkeit ausgezahlt …

Hannover der 20er Jahre, Robert Lahnstein, versetzt aus dem Ruhrgebiet, das zu dieser Zeit noch französisch besetzt war, soll als neuer Kommissar, den erfolglosen Bemühungen seiner neuen Kollegen ein Ende setzen und ein Fall aufklären, der alle in Atem hält. Es verschwinden männliche Jugendliche im Alter zwischen 14 und 19 Jahren und es gibt keine Spuren. Sind alle von zu Hause ausgerissen, zur Fremdenlegion gegangen oder wurden sie alle ermordet? Lahnstein wartet auf das nächste Opfer, um überhaupt den Ansatz einer Spur zu finden, wird dabei aber nicht unbedingt von seinen Kollegen unterstützt, die dem »Neuen« nichts abgewinnen können. Auch Lahnstein hat eine Vergangenheit und hofft, dass niemand etwas davon erfahren wird …

Lahnstein als SPD-Mitglied hat es einfach nicht leicht. Seine Kollegen gehören eher noch zur alten Rechten Klicke und man erlebt schon die Spannung, die das Neue gegenüber den alten Methoden bringen soll, bei denen ein paar Schläge gegenüber Verdächtigen nicht geschadet haben. Dazu eine wahre Geschichte eines Mannes mit Namen Haarmann, der zeitlebens etwas zurückgeblieben sein soll und einfach gerne mit jungen Männern geflirtet und auch mehr gemacht haben soll. Lahnstein bewegt sich zwischen Vergangenheit, die durch Rückblicke auf seine Familie erzählt wird, und der Gefangenschaft in England, was ihn oft an sich zweifeln lässt. Hartnäckigkeit auf der anderen Seite bringt ihn bald auf die Spur eines verrückten Mörders.

Die ganze Atmosphäre, die Menschen, die Zeit und der Umgang miteinander ist so dermaßen überwältigend beschrieben, dass ich das Buch kaum zur Seite legen konnte. Der Erzählstil ist nicht von der Stange und glaubt man den Faden zu verlieren, erschließt sich in den nächsten Sätzen alles wieder zur Hauptgeschichte. Frauen, die im Stich gelassen wurden oder aber deren Ehemann nicht wieder kam aus dem Krieg. Die Situation, sich mit Kind durchschlagen müssen, aber auch das Misstrauen untereinander und die Verkommenheit, die auch geherrscht hat, entstehen als Kopfkino und lassen einen kleinen Blick in die Zeit werfen, die keiner erleben möchte.

Für alle, die sich für die Zeit und Kriminalromane begeistern ist das hier fast Pflichtlektüre. Absolute Empfehlung!

Der Werwolf von Hannover

In den unruhigen 20er Jahren trieb Haarmann in Hannover sein Unwesen. Er ermordete über 20 junge Männer und zerstückelte ihre Leichen. Die Spitze der Perversität war der Verkauf des Fleisches an die notleidende Bevölkerung. Wie Jack the Ripper ist auch Fritz Haarmann längst in die Kriminalgeschichte eingegangen. Seine Taten haben Filme und Bücher inspiriert.

Auch der Autor Dirk Kurbjuweit hat diesen Stoff aufgenommen. Sein Buch ist ein Roman, hält sich bei der Beschreibung Haarmanns eng an die vorhandenen Dokumente. Als Gegenspieler führt er die fiktiven Kriminalisten Lahnstein und Müller ein. Lahnstein ist erst kürzlich aus französischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt und noch nicht richtig im zivilen Leben angekommen. Er trägt schwer am Verlust seiner Frau und seines Sohnes, über deren Schicksal der Autor den Leser fast bis zum Schluss im Unklaren lässt.

Die Suche nach dem Mörder der Jungen zeigt die wirren Zeiten der Zwischenkriegsjahre. Die Bevölkerung leidet Not, die politische Situation ist mehr als unsicher und die noch junge Demokratie überhaupt nicht gefestigt. Extreme politische Anschauungen finden nicht nur bei der Bevölkerung Anklang, auch im Kommissariat sind mit dem Sozialdemokraten Lahnstein und dem reaktionären Müller zwei gegensätzliche Standpunkte vertreten. Müller nutzt auch die Stimmung, um gegen den angeschlagen wirkenden Lahnstein zu intrigieren.

Damit illustriert der Autor auch die historisch nachgewiesenen Fehleinschätzungen der damaligen Polizei und der zum Teil dilettantisch anmutenden Ermittlungen, die dem „Werwolf von Hannover“ jahrelang weiteres Morden ermöglichten. Kann man die Persönlichkeit des wohl krankhaft veranlagten Haarmann überhaupt erklären? Hier hatte ich nicht das Gefühl, da blieb für mich vieles im Dunkeln.

Der Kriminalroman ist auch ein Zeitbild der Zwanziger Jahre, die für weite Teile der jungen Republik und ihrer Menschen lange nicht so Golden war, wie es Filme oder Bücher suggerieren. Ein wenig habe ich die Spannung vermisst, vielleicht auch durch die Gewichtung auf die Figur des Kommissars Lahnstein. Auf alle Fälle aber ein interessanter Roman mit kriminalgeschichtlichem Hintergrund.

3,5 Sterne

Fritz Haarmann, der Schlächter von Hannover

»Warte, warte nur ein Weilchen, bald kommt Haarmann auch zu dir, mit dem kleinen Hackebeilchen, macht er Hackefleisch aus dir.« (Hawe Schneider)

In Hannover verschwinden in den 20er Jahren mehrere Jungs im Alter zwischen 10 und 22 Jahren. Die Polizei steckt in einer Krise, da sie sich nicht sicher ist, ob hinter dem Verschwinden ein Serienmörder steckt. Kommissar Robert Lahnstein wird deshalb nach Hannover berufen, um seine Kollegen zu unterstützen. Als weitere junge Männer verschwinden, wird aus den Gerüchten immer mehr die Gewissheit, dass sie es mit einem gefährlichen Psychopathen und Serienmörder zu tun haben. Doch auch Lahnsteins Ermittlungen stecken fest, weil er keinen Verdächtigen findet, besonders da seine Kollegen und die Gesellschaft wegschauen. Als er jedoch von Fritz Haarmann erfährt, ist er sich ziemlich schnell sicher, dass er der Täter sein könnte. Nur wie soll er ihm die Taten nachweisen? Ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Täter und Lahnstein beginnt.

Meine Meinung:
Das düstere Cover mit dem Mann, der jemanden verfolgt, passt, sehr gut zu der Geschichte. Der Schreibstil ist für mich etwas gewöhnungsbedürftig, schon alleine dadurch, dass die wörtliche Rede im gesamten Buch nicht mit Satzzeichen markiert wurde. Zudem fehlte es für mich total an Spannung und vom eigentlichen Täter erfuhr ich viel zu wenig. Stattdessen ließ der Autor sehr viel Belangloses aus dem Privatleben Lahnsteins in dem Fall hineinfließen. Gerade die vielen Rückblenden in Lahnsteins Vergangenheit, die ich als nichtig empfand, störten dann zusehends meinen Lesefluss. So stand ich mehr als einmal kurz davor dieses Buch abzubrechen. Der Vampir, der Schlächter, der Kannibale oder der Werwolf von Hannover, wie der Massenmörder Fritz Haarmann ebenfalls genannt wird, kannte ich schon zuvor. Von daher war dieser Fall nichts Neues für mich. Doch trotz der realen und fiktiven Umsetzung konnte mich die Darstellung des Autors nicht in allen Belangen überzeugen. Zwar erfahre ich von vereinzelten Jungs, was ihr Verschwinden von zu Hause anbelangt, doch selbst dies fand ich zu wenig. Ich hätte mir hier weitaus mehr gewünscht. Genauso wie über Haarmanns Motivation, die mir hier selbst am Ende noch nicht ganz klar dargestellt wurde. Ebenso wäre eine Namensaufstellung der toten Jungs am Ende oder Anfang des Buchs von Vorteil gewesen, sodass ich dafür nicht immer im Nachschlagen musste. Im Grunde erfuhr ich über Haarmann selbst nicht mehr als das, was ich schon wusste. Was mich von daher enttäuscht hat, besonders da der Autor ein renommierter Reporter ist. Dass Haarmann die Jungs beobachtet hatte, sie mit zu sich nahm, kennenlernte, missbrauchte und dann totbiss, kann einen schon erschüttern. Doch das so viele Menschen rücksichtslos weggesehen haben oder die Polizei ihm seinen Taten lange nicht nachweisen konnte, ist schon erschreckend. Dass dies, genauso wie seine sexuelle Neigung, Korruption, sowie die unerlaubten Vernehmungsmethoden im Buch angesprochen wurden, hat mir dagegen gut gefallen. Ungeachtet dessen kann ich diesem Buch nur 2 1/2 von 5 Sterne geben, da es für mich im Grunde nichts weiter Relevantes zutage brachte, als das, was ich sowieso schon über den Haarmann wusste.

Haarmann hat auch ein’ Gehilfen

Das Deutschland der Zwischenkriegszeit hat es mit einem brutalen Massenmörder zu tun. In Hannover verschwinden in den 20er Jahren auffällig viele Jungs spurlos.

Der Ermittler Robert Lahnstein hat schnell einen Verdächtigen: Fritz Haarmann. In der Nachkriegszeit mit dem knappen Warenangebot lebte Haarmann vom Handel mit Altkleidern und Fleisch. Außerdem ist Haarmann schon mal in Verdacht geraten auf Grund seiner sexuellen Neigung zwei Jungen getötet zu haben. Aber die Polizei kann ihm nichts beweisen. Der Ermittler Robert Lahnstein muss hilflos mit ansehen wie weitere Jungs verschwinden. Verbissen bleibt er an Haarmann dran.

„Haarmann“ von Dirk Kurbjuweit ist ein Kriminalroman, der die Geschichte des Serienmörders Fritz Haarmann aufgreift. Obwohl es ein Roman ist, ist der Schreibstil sehr sachlich und oft unzugänglich. Daher kommt man schwer ins Lesetempo. Des Weiteren fehlen die Begleitsätze der wörtlichen Rede, was den Erzählstil noch monotoner und emotionsloser macht. Diese Schreibart nutzt auch der Autor Bernhard Aichner, der es allerdings durch die Benutzung vieler Adjektive und Beschreibungen schafft, seine Krimis emotional und packend zu schreiben.

Der eigentliche Kriminalfall Haarmann bleibt bei Kurbjuweit farblos. Dabei ist gerade dieser historische Kriminalfall sehr brisant. Da hätte man weit aus mehr rausholen können.

Am Ende des Buches hätte ich mir gewünscht, dass noch genauer darauf eingegangen wird, was ist Fiktion und was Realität und warum der Autor beides genauso verknüpft hat.

Vielleicht bin ich auch mit der falschen Erwartungshaltung an dieses Buch gegangen. Von Franziska Steinhauer habe ich das Buch „Der Werwolf von Hannover – Fritz Haarmann“ aus der True Crime Reihe des Gmeiner Verlages gelesen, was mich vom Erzählstil deutlich mehr überzeugte.