Cover von: Im Haus der Lügen
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Im Haus der Lügen

Der siebte Fall für Kommissar Wilhelm Berger. Kriminalroman
Buch
Taschenbuch, 350 Seiten

Verlag: 

ISBN-10: 

3954414546

ISBN-13: 

9783954414543

Erscheinungsdatum: 

11.03.2019

Preis: 

13,00 EUR
Schauplätze: 
Amazon-Bestseller-Rang: 840.621
Amazon Bestellnummer (ASIN): 3954414546

Beschreibung von Bücher.de: 

Du kannst lügen, aber du kannst die Wahrheit nicht töten.

In einem Teich bei Hamburg wird 1947 in einem Seesack die nackte Leiche eines unbekannten Mannes gefunden. Kommissar Wilhelm Berger wird mit den Ermittlungen betraut. Handelt es sich womöglich um das fünfte Opfer des sogenannten »Trümmermörders«, wie Bergers Vorgesetzter glaubt? Niemand scheint den Toten zu vermissen. Aber dann meldet sich eine Zeugin, und in einem Haus unweit des Teiches werden Blutspuren gefunden. Bergers Assistent glaubt an eine klassische Dreiecksgeschichte. Aber warum lügen alle Beteiligten?

Jürgen Ehlers verfasste diesen Roman nach Motiven eines bekannten Kriminalfalls der Nachkriegszeit, der 1963 unter dem Titel »Das Haus an der Stör« für die berühmte Fernsehreihe »Stahlnetz« verfilmt wurde.

Kriminetz-Rezensionen

Bbrillant geschriebenes Buch

Ein wirklich wahrhaft spannender Kriminalroman, der im Nachkriegsdeutschland in der Zeit zwischen 1947 und 1955 spielt.

In einem Teich in der Nähe von Hamburg wird eine nackte männliche Leiche gefunden, die in einem Seesack steckt. Kommissar Wilhelm Berger und sein Kollege Pagels übernehmen den Fall. Die Kripo geht davon aus, dass es um einen weiteren Toten des Trümmermöders handelt. Als sich nach einem Aufruf mehre Zeugen melden, wird auch eine junge Frau befragt, da es sich bei der Leiche um ihren Ehemann handeln könnte. Sie bestreitet das. Die Ermittlungen gehen weiter, führen Berger bis nach Ostdeutschland und nach Dänemark. Bei verschiedenen Zeugenvernehmungen scheinen alle die Unwahrheit zu sagen.

Ein brillant geschriebenes Buch. Hier werden einige in das Geschehen involvierte Personen durch kursive Schreibweise näher beschrieben. Wir erfahren aber auch über die Nöte und die politische Situation zu dieser Zeit. Besonders Ruth Blaue scheint eine interessante Person zu sein. Der Autor versteht es gekonnt, den Leser spannend zu unterhalten. Gerade die Ermittlungen von Berger und Pagels bringen sehr viel Unterhaltungswert in das Buch. Hat man einmal mit der Lektüre begonnen, kann man nicht mehr aufhören. Auch die sprachliche Ausdrucksweise ist sehr gut gewählt.

Dies ist ein weiterer Band um Kommissar Berger. Man braucht aber die Vorgängerbücher nicht gelesen zu haben, denn jedes Buch ist für sich alleine abgeschlossen. Sehr gut gewählt finde ich das Cover. Hier sieht man eine Tapete aus den 50er Jahren, davon ein Beil mit einer nach sich ziehenden Blutspur.

Der Krimi basiert zum Teil auf einen in Wirklichkeit erfolgten Kriminalfall. Dieser wurde auch schon in der Fernsehreihe »Stahlnetz« verfilmt.

Hamburg in der Nachkriegsszeit...

Nach „In Deinem schönen Leibe“ war „Im Haus der Lügen“ der zweite Krimi von Jürgen Ehlers, den ich gelesen habe. Es ist zwar eine Reihe von mindestens 6 Büchern, aber ich bin vollkommen problemlos in die jeweilige Handlung gekommen.

Der Protagonist dieser Reihe ist Kommissar Wilhelm Berger. Er ist jetzt aus dem 2. Weltkrieg in seine Heimatstadt Hamburg zurückgekehrt und beginnt im Januar 1947 wieder, bei der Polizei zu arbeiten. Zu diesem Zeitpunkt wird die Hansestadt durch den sog. „Trümmermörder“ in Angst und Schrecken versetzt. Als dann in einem Teich die nackte Leiche eines unbekannten Mannes gefunden wird, liegt der Verdacht nahe, dass der „Trümmermörder“ erneut zugeschlagen hat. Aber Wilhelm Berger hat eine andere Theorie ...

Doch mehr sei hier an dieser Stelle nicht verraten!

Mir hatte schon „In Deinem schönen Leibe“ die Charakterdarstellung von Wilhelm Berger gut gefallen: Er steht zwar dem nationalsozialistischen Gedankengut skeptisch gegenüber, aber es hindert ihn nicht, sich durch private Kontakte zum Gauleiter Karl Kaufmann kleine „Vorteile“ zu verschaffen, z.B. als er wegen „regierungsfeindlicher Äußerungen“ denunziert wird oder aber um seiner Stieftochter Susanne, einer Halbjüdin, die Ausreise aus Deutschland zu ermöglichen. Ich denke, er hat nur „seine Nische“ gesucht, sicher nicht korrekt, aber die Beweggründe waren für mich menschlich verständlich und nachvollziehbar ...

Als er sich jedoch im vorliegenden Band erneut an den ehemaligen Gauleiter wendet, war ich dann doch etwas irritiert ... Sein Kollege Wilfried Pagels sieht es ähnlich: „Hast du mir nicht gerade vor wenigen Tagen erklärt, dass du ohne eigenes Verschulden in immer neue Abhängigkeiten von dem Gauleiter hineingeschlittert bist? Und nun ist der ganze Zirkus vorbei und du weißt nichts Besseres zu tun, als dich in neue Abhängigkeiten zu begeben?“ „Es ist geschehen“, sagte Berger kleinlaut.“ (S. 35)

Denn anders als Wilhelm Berger, der sich immer mal wieder mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt und seine Fehler einsieht, wäscht der Gauleiter (!) „seine Hände in Unschuld“ und erklärt: „Um das gleich vornweg zu sagen: Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen. Ich bin unschuldig. (...) Wenn es in Hamburg während des Dritten Reichs zu irgendwelchen Unregelmäßigkeiten gekommen ist, so habe ich davon nichts gewusst.“ (S. 48) In seiner Erinnerung habe er die Juden beschützt ...

Ich bin regelrecht durch dieses Buch „geflogen“, der Schreibstil war sehr angenehm und flüssig, der Spannungsbogen hoch: Wir Leser schauen Wilhelm Berger und seinen Kollegen über die Schulter und nehmen Anteil an ihren Ermittlungen, wir verzweifeln mit ihnen über die vielen Lügen (sind es wirklich alles Lügen?). Es wird aber auch viel Zeitgeschehen und Lokalkolorit eingefangen, so dass ich mir Hamburg in der Nachkriegszeit sehr gut vorstellen konnte (und ich bin kritisch, da ich selbst Hamburgerin bin!). Und mir gefallen Bücher, in denen sich die Protagonisten ehrlich und authentisch mit ihren Handlungen im Nationalsozialismus auseinandersetzen!

Mir hat dieses Buch so gut gefallen, dass ich mit Sicherheit noch das eine oder andere Buch aus dieser Reihe um Wilhelm Berger lesen werde. Dieser Krimi hat mir spannende, aber auch nachdenkliche Lesemomente beschert, ich kann es deshalb mit sehr gutem Gewissen weiterempfehlen!

Der Fall Ruth Blaue

In einem Teich taucht nach dem Tauwetter die Leiche eines Unbekannten in einem Seesack auf. Kommissar Bergers Vorgesetzter glaubt, dass der Tote Opfer des Trümmermörders ist, der seit einiger Zeit sein Unwesen in Hamburg treibt. Doch warum sollte der Täter seine Methode geändert haben? Wilhelm Berger hat seine Zweifel. Niemand scheint den Toten zu vermissen. Als die Polizei an die Öffentlichkeit geht, gibt es einen ersten Hinweis, dass es sich um den verschwundenen Mann von Ruth Blaue handeln könnte. Aber alle Befragten scheinen zu lügen und es geht einfach nicht weiter mit den Ermittlungen. Doch der Fall lässt Wilhelm Berger nicht los. Immer wieder versucht er auf eigene Faust etwas herauszufinden und geht dabei Risiken ein, wobei er von seinem Kollegen Pagels gedeckt wird, obwohl Pagels häufig anderer Meinung ist als Berger. Jahre später scheint sich eine Wende in diesem Fall zu ergeben.

Das Buch ist spannend und lässt sich gut und flüssig lesen. Mir gefällt es, wenn ich über die Zeit nach dem Krieg mehr erfahre, besonders wenn die Fakten so gut recherchiert sind.

Ich kannte Wilhelm Berger schon aus einem anderen Buch der Reihe. Er ist nach dem Krieg zurück nach Hamburg gekommen und darf nun wieder als Kommissar arbeiten. Berger hat seine Bedenken gegenüber denen, die mit dem Regime sympathisiert hatten, und zeigt das auch. Umso verwunderlicher ist es, dass er, als er seinem Sohn helfen will und in Schwierigkeiten gerät, ausgerechnet Karl Kaufmann um Hilfe bittet, der Gauleiter war. Ihm muss bewusst sein, dass an die Hilfe Erwartungen geknüpft werden. Auch Wilfried Pagels redet offen und macht Berger deswegen Vorhaltungen. Aber die beiden arbeiten gut zusammen.

Mich hat erschreckt, wie Kaufmann im Nachhinein seine Handlungen rechtfertigt und angeblich von vielem nichts gewusst hat. Er dreht sein Fähnchen nach dem Wind und erwartet, dass ihm ein gutes Leumundszeugnis ausgestellt wird. Berger ist ihm gegenüber ziemlich naiv, weil die Familien langjährige Beziehungen hatten. Aber Berger ist halt auch nur ein Mensch.

Ruth Blaue ist eine Person, die wirklich nicht sympathisch rüberkommt. Was sie bei den Vernehmungen erzählt, ist oft zu unwahrscheinlich, dass man ihr nicht glaubt. Doch je mehr Fakten ans Tageslicht kommen, umso verständlicher wird ihr Verhalten und man begreift, was sie zu dem gemacht hat, was sie nun ist.

Auch die Nebencharaktere sind interessant und authentisch gezeichnet.

Dieser Fall beruht auf Tatsachen, die auch die Grundlage für einen Fernsehfilm „Stahlnetz“ waren.

Auch wenn das Cover wenig ansprechend ist, so kann ich diesen interessanten und spannenden Krimi nur empfehlen.