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Der Hunger der Lebenden

Der zweite Fall für Friederike Matthée. Kriminalroman
Buch
Broschiert, 385 Seiten

Verlag: 

ISBN-10: 

354829121X

ISBN-13: 

9783548291215

Erscheinungsdatum: 

25.01.2019

Preis: 

13,00 EUR
Schauplätze: 
Amazon-Bestseller-Rang: 20.685
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Beschreibung von Bücher.de: 

Der Sommer 1947: heiß und tödlich.

Köln, Juni 1947. Eine Hitzewelle plagt die von Krieg und Hunger gezeichnete Stadt. Friederike Matthée von der Weiblichen Polizei untersucht den Mord an einer früheren Kollegin. Die Beamtin überwachte während des Nationalsozialismus die Unterbringung von Kindern und Jugendlichen in Polizeilichen Jugendschutzlagern. Die Zustände dort gehen Friederike nahe, Erinnerungen an ihre Flucht aus Ostpreußen werden in ihr wach. Der Fall bringt sie und Richard Davies von der Royal Military Police wieder zusammen. Der Offizier Richard schwankt zwischen beruflichem Ethos und seinem Hass auf die Deutschen. Friederike überschreitet einmal mehr ihre Befugnisse, um den Fall aufzuklären.

Der zweite Fall für Friederike Matthée.

Kriminetz-Rezensionen

Spannender Mix aus historischem Roman und Krimi

Im Sommer 1947 ermittelt Friederike Mathée von der Weiblichen Kriminalpolizei zum Mord an einer ehemaligen Kollegin. Die Täterin scheint festzustehen, wurde doch eine junge Frau mit einer Waffe in der Hand bei der Toten aufgefunden. Friederike vermutet, dass diese Beweisführung zu kurz greift, sie ahnt, dass hier ganz andere Beweggründe vorliegen und die angebliche Täterin bereits viel zu früh in ihrem Leben abgestempelt wurde. Überrascht ist Friederike, als Richard Davies wieder in Köln erscheint, wollte er doch in England den Dienst bei der Royal Military Police kündigen. Werden die beiden zusammen die Lösung in diesem verzwickten Fall finden? Wie wird überhaupt ihre Zusammenarbeit sein, wenn sie beide ihre Liebe zueinander nicht gestehen können?

Bereits der Vorgänger dieser Geschichte, „Echo der Toten“, hat mich als Leserin sehr schnell in die von Hunger geprägte Atmosphäre des Winters 1947 entführen können. An diese Geschichte knüpft die Autorin Beate Sauer in dieser Fortsetzung an und auch hier fühlt man sich sofort in den bedrückend heißen Sommer 1947 versetzt, wo Bruchstücke aus der kriegsbedingten Vergangenheit bei einem scheinbar klaren Mordfall hineinwirken. Sehr authentisch erscheint die Darstellung der örtlichen und zeitlichen Gegebenheiten, als Leser findet man sich gut zurecht in der Erzählung. Deshalb rätselt man gern mit den beiden Ermittlern über die wahren Schuldigen. Auch wenn ich nicht immer die Motivationen der Protagonisten nachvollziehen konnte, erscheinen sie sehr authentisch und in die damalige Zeit eingebettet. Ein gut vorbereiteter Showdown rundet den Spannungsbogen dieser Erzählung hervorragend ab.

Erneut konnte mich die Autorin mit diesem Mix aus historischem Roman und Krimi faszinieren, deshalb empfehle ich das Buch gerne weiter und vergebe vier von fünf Sternen.

Ein Mord im Bergischen Land

Im Bergischen Land wird auf einem Anwesen die brutal ermordete Gutsbesitzerin Ilse Röder aufgefunden. Die wunderschöne und charmante Frau war vor ihrer Heirat Kommissarin bei der Weiblichen Polizei in Köln, besaß ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden und arbeitete gerne mit Kindern und Jugendlichen. Doch Ilse hatte auch eine dunkle Vergangenheit und ihre Geheimnisse kommen nur sehr langsam ans Licht.

Friederike Matthée mag die Arbeit als Polizeiassistentin bei der Weiblichen Polizei in Köln. Aufgrund des aktuellen Personalmangels wird sie von ihrer Vorgesetzten mit der Vernehmung der Mordverdächtigen beauftragt. Friederike sieht darin eine willkommene Gelegenheit, sich in ihrem Job zu bewähren.

Franziska Wagners Akte weist ein langes Vorstrafenregister auf. Die Einundzwanzigjährige wurde von einem Hofknecht mit der Tatwaffe in Händen neben der Leiche entdeckt, sämtliche Indizien sprechen für ihre Schuld. Doch Friederikes Intuition rät ihr, auch in andere Richtungen zu ermitteln. Ein schwieriges Unterfangen für eine junge Polizeiassistentin, die keine Erfahrungen aufzuweisen hat und deren Vorgesetzte sich rasch auf Franziska als Täterin festgelegt haben. Als plötzlich der Mord an drei britischen Kampffliegern aufgedeckt wird, beordert die Royal Military Police den Ermittler Richard Davies nach Deutschland. Mit seiner Unterstützung verfolgt Friederike verschiedene Spuren. Und plötzlich erweist sich dieser Fall noch weit komplexer, als es zunächst den Anschein hatte.

Beate Sauer wählt als Schauplatz ihres Kriminalromans das Bergische Land bei Odenthal, wo im Juni 1947 besagter Mord an Ilse Röder verübt wurde. Die Handlung konzentriert sich in erster Linie auf die Zeit nach dem Kriegsende, wo die Protagonistin ihre Ausbildung bei der Polizei durchläuft. Die Lebensmittelrationierungen und die große Armut der Bevölkerung innerhalb der britischen Besatzungszone werden dem Leser anschaulich vor Augen geführt.

Der Schreibstil der Autorin ist hervorragend. Beate Sauer erzählt in eindringlichen Worten, sehr flüssig und einnehmend. Sie führt den zu Beginn in die Handlung eingebrachten Spannungsbogen kontinuierlich bis zum Ende fort und wartet mit einigen interessanten Fährten, aber auch mit Überraschungen auf. D

er Fall, der zunächst ganz klar scheint, erweist sich als äußerst verwickelt und reicht tief in die Vergangenheit zurück. Das Polizeiliche Jugendschutzlager in der Uckermark mit ihren brutalen Bestrafungen und Erziehungsmethoden spielt eine wesentliche Rolle im Leben einiger handelnder Figuren.

Sowohl die Protagonisten, als auch die Nebenfiguren dieses Buches wurden ausgezeichnet charakterisiert, sie wirken lebhaft und weisen hohe Authentizität auf. Friederike Matthée und Richard Davies wird die größte Aufmerksamkeit zuteil – die beiden ermitteln bereits in ihrem zweiten gemeinsamen Fall. Beate Sauer gewährt immer wieder kleine Einblicke in die Gefühls- und Gedankenwelt ihrer beiden Protagonisten, sowohl auf privater, als auch auf beruflicher Ebene. Richard Davies erwies sich für meinen Geschmack als sehr vielschichtige Persönlichkeit. Seine ruhige Gelassenheit, seine Integrität und der etwas ungeschickte Umgang im zwischenmenschlichen Bereich machten ihn für mich zutiefst sympathisch und überzeugend. Seinen furchtbaren Erinnerungen an die Vergangenheit stehen großer Mut und starke Willenskraft entgegen. Er möchte keinesfalls zulassen, dass der Nationalsozialismus, der ihm bereits die Kindheit genommen hat, auch sein gesamtes weiteres Leben bestimmt. Um etwaige Spoiler zu vermeiden, werde ich auf Nebenfiguren, die eine bedeutende Rolle im Buch spielen, nicht näher eingehen. Trotz alledem möchte ich an dieser Stelle das kleine Waisenkind Elli Berneike anführen, derer Franziska Wagner sich angenommen hatte. Das kleine, zerlumpt gekleidete blonde Mädchen, das in einer Fabrikruine in Köln-Mühlheim hauste, hat mein Herz im Sturm erobert. Und zu meiner großen Freude weckte dieses Kind auch den Beschützerinstinkt von Friederike Matthée.

Fazit: „Der Hunger der Lebenden“ war ein bemerkenswerter Roman, der mich in die schreckliche Welt des Krieges und die Zeit danach entführte. An Friederikes Seite durfte ich ein wenig in den Alltag des Jahres 1947 eintauchen und die hoch interessanten Ermittlungen verfolgen. Aufgrund des ausgezeichneten Schreibstils, der überzeugenden Charaktere und des geschickt konstruierten Kriminalfalls würde ich dieses Buch auf jeden Fall als ganz großes Lesehighlight bezeichnen. Ich freue mich bereits auf weitere Werke dieser Autorin, die für mich eine grandiose Neuentdeckung darstellt.

Mordfall in der Nachkriegszeit

Der Sommer 1947 ist sehr heiß und Friederike Matthée ist nun schon fast ein Jahr bei der weiblichen Polizei von Köln. Sie wird zu einem Mordfall ins Bergische Land geschickt, da man dort eine weibliche Tatverdächtige ausgemacht hat. Das Opfer ist die Gutsbesitzerin Ilse Rödel, die auch schon einmal bei der weiblichen Polizei gearbeitet hat. Die vermeintliche Täterin ist die junge Franziska Wagner, die aber die Tat leugnet. Doch sie wurde mit der Tatwaffe in der Hand neben dem Opfer aufgefunden. Außerdem hat sie ein starkes Motiv, denn die Rödel hate sie in das Frauenkonzentrationslager Uckermarck einweisen lassen, wo es Franziska Wagner sehr schlecht ergangen ist. Friederike ist die einzige, die Franziska für unschuldig hält. Daher ermittelt sie heimlich.

Auch Richard Davies von der britischen Military Police hat wieder in Köln zu tun, denn die Skelette einer vermissten englischen Flugzeugbesatzung tauchen auf und es stellt sich heraus, dass sie ermordet wurden. Richard fordert Friederike zur Unterstützung bei den Ermittlungen an.

Dieses Buch ist nach „Echo der Toten“ der zweite Band der Reihe. Der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen und die Geschichte interessant und spannend.

Für Friederike geht es langsam aufwärts. Es fehlt ihr immer noch ein wenig an Durchsetzungsvermögen, was sie aber durch Beharrlichkeit wieder wettmacht, wie in diesem Fall. Sie hat etwas gegen Ungerechtigkeit und schon deshalb mag ich sie. Ihre Befugnisse als weibliche Polizistin sind sehr eingeschränkt. Mit Richard tue ich mich etwas schwer, aber er ist auch nicht unsympathisch. Die Dämonen der Vergangenheit haben ihn immer noch im Griff, aber im Laufe der Geschichte macht er eine Entwicklung durch und kann sein Leben wieder in den Griff bekommen. Er arbeitet nun wieder mit Friederike zusammen. Sie sind ein gutes Team und fühlen sich zueinander hingezogen. Aber auch die anderen Charaktere sind sehr gut und authentisch beschrieben.

Der Fokus liegt nicht unbedingt auf der Ermittlungsarbeit, denn genauso wichtig sind die Umstände, die die Zeit mit sich bringt. Die Nachwirkungen des Krieges sind immer noch zu spüren. Der Autorin ist es gut gelungen, diese schwierige Zeit einzufangen. Die Städte sind noch immer Trümmerfelder und die Wohnungsnot ist groß. Aber auch die Versorgung der Menschen ist schwierig und viele sind traumatisiert nach dem, was sie erlebt haben.

Ein interessantes und spannendes Buch.

Sommer 1947

Köln 1947, seit einem guten Jahr arbeitet Friederike Matthée nun bei der Weiblichen Polizei, die Arbeit, die sie anfangs nur als Verdienstmöglichkeit ergriffen hat, beginnt ihr zu gefallen. Auch wenn es sich meist nur um Zeugenbefragung bei Kindern oder jungen Frauen handelt, seit Lieutenant Davies von der englischen Militärpolizei nicht mehr in Deutschland stationiert ist. Er hatte ihre Intuition durchaus geschätzt und nicht nur das, Friederike hat gespürt, dass sie ihm nicht ganz gleichgültig ist, genau wie sie sich selbst zu ihm hingezogen fühlte. Doch es kam nie der versprochene Brief.

Nun wird sie erneut beruflich gefordert. Im Bergischen Land wurde eine Hofbesitzerin ermordet, die Täterin ist wohl eine junge, renitente Frau. Vor ihrer Heirat war das Opfer ebenfalls bei der Polizei und auch als Wehrmachtshelferin tätig. Sie hat dafür gesorgt, dass „liederliche“ junge Mädchen in ein Erziehungslager in der Uckermark gebracht wurden. Auch die junge Frau, die nun mit einer Waffe in der Hand bei der Toten gefunden wurde, hat ihre Leidenszeit in diesem unmenschlichen Lager dem Opfer zu verdanken.

Dann wird Richard Davies wieder nach Köln geschickt, er soll ein Kriegsverbrechen aufklären und die Spuren kreuzen sich mit Friederikes Fall.

Der zweite Roman von Beate Sauer führt nahtlos weiter in der Kölner Nachkriegszeit. Das zweite Friedensjahr hat schon manche Erleichterung gebracht, aber es herrscht überall noch Not und Hunger. Auch wenn die ersten Baustellen an den Bombenlücken in den Straßen neuen Wohnraum versprechen, ist eine Hütte in einem Schrebergarten schon eine große Verbesserung für Friederike und ihre Mutter. Sehr authentisch ist diese Zeit des Aufbruchs und auch der Verunsicherung eingefangen. In diesem historischen Kriminalroman geht es um Schuld und die Aufarbeitung der Nazizeit, die schon in vielen Köpfen wieder verdrängt werden soll. Da auch Friederike ganz persönlich mit dieser Frage konfrontiert wird, muss auch sie sich der Vergangenheit stellen. Das gibt der Protagonistin noch mehr Profil und Charakter.

Es hat mir auch gefallen, wie die Anfänge der Weiblichen Polizei erzählt werden, da steckte die Gleichberechtigung noch sehr in den Kinderschuhen. Wenn Friederike dienstlich unterwegs ist und bei Befragungen sich von jedem Wachtmeister fragen lassen muss „Na, Fräulein, wo ist denn ihr Vorgesetzter“ wird die Wegstrecke deutlich, die inzwischen zurückgelegt wurde.

Ein spannender Krimi und noch darüber hinaus ein spannendes Zeitbild, das hat mir besonders gefallen. Eine gelungene Fortsetzung, die auch ohne Vorkenntnis gelesen werden kann.

Emotional gestrickter Nachkriegskrimi aus dem Sommer 1947

Köln im Sommer 1947: Friederike Matthée von der weiblichen Polizei, wird abkommandiert, um bei den Ermittlungen eines blutigen Mordfalls im bergischen Land zu ermitteln. Das Opfer ist eine ehemalige Kollegin, die während der NS-Zeit für die Einweisung von angeblich asozialen Jugendlichen in Besserungsanstalten zuständig war. Am Tatort wurde ein Mädchen mit einer Waffe überrascht, eine ihrer einstigen Schutzbefohlenen. Für den ermittelnden Kommissar ist sofort klar, die junge Frau wird mit Sicherheit den Mord aus Rache begangen haben. Doch Friederike glaubt den Unschuldsbeteuerungen des Mädchens und beginnt heimlich auf eigene Faust zu recherchieren ...

Im Roman „Der Hunger der Lebenden“ aus der Feder von Beate Sauer ermittelt Polizeiassistentin Frederike Matthée nun schon zum zweiten Mal. Die Geschichte spielt nach dem Zweiten Weltkrieg, zur Zeit der Besatzung, im heißen Sommer 1947 als die meisten Überlebenden noch traumatisiert waren und beflissen manche Kriegsverbrechen unter den Teppich zu kehren. Der Hunger war ein täglicher Begleiter und auch Friederike und ihre Mutter kämpfen, trotz Arbeitsstelle, täglich um das Überlebensnotwendige.

Die Autorin versteht es genial, diese Phase der Not und den Überlebenswillen ihrer Charaktere herauszuarbeiten und auch tief in deren Psyche einzudringen. Der Hunger nach Normalität, Liebe und einem geregelten Alltag sind sehr intensiv spürbar.

In diese hoffnungsvolle, aber auch entbehrungsreiche Zeit ist ein sehr interessanter Mordfall eingefügt, der aus dem historischen Roman einen überaus spannenden historischen Kriminalfall macht.

Das Lesen des ersten Bandes ist für das Verständnis der Geschichte nicht notwendig. Zum besseren Verständnis ist am Ende des Buches noch ein Personenverzeichnis, ein sehr interessantes Nachwort zum Thema Weibliche Polizei (WBK), Besatzungsmilitärpolizei und anderer historische Vorkommnisse der Handlung angehängt.

Mein Fazit: Ein wirklich gelungener historischer Krimi, der einen treffend beschriebenen Eindruck in das damalige Zeitgeschehen und die Stimmung der Menschen gibt und dazu eine hervorragende Unterhaltung bietet. Der Band 1 „Echo der Toten“ wandert auf alle Fälle auf meine Wunschliste!

Eindrücklich

Im extrem trockenen Hitzesommer 1947 wird die Gutsbesitzerin Ilse Röder brutal ermordet. Franziska, eine junge Frau, welche schon öfters straffällig geworden ist, steht mit der Waffe bei der getöteten Frau, als sie beobachtet wird. Schnell wird klar, dass sie die Mörderin sein muss. Friederike Matthée, die Polizeiassistentin bei der Weiblichen Polizei, erfährt, dass Franziska einen schlechten Ruf hat, doch für eine Person ist Franziska sehr wichtig, nämlich für Elli, ein Waisenmädchen, das mit Franziska aufwachsen darf. Friederike versucht nun zu beweisen, dass nicht Franziska den Mord begangen hat.

Zur gleichen Zeit soll Richard Davies, Lieutnant bei der Royal Military Police, wieder in Deutschland ermitteln, und zwar an einem Mord an drei englischen Soldaten, deren Flugzeug abgestürzt ist, und deren Leichen man in der Erde verscharrt gefunden hat. Und so kommt es wieder, dass Friederike Matthée und Richard Davies zusammen ermitteln.

Dieses Buch ist, wie das erste von Beate Sauer, wunderbar zu lesen. Es erzählt eindrücklich vom harten Leben in einem zerstörten Deutschland nach dem 2. Weltkrieg. Was mir erneut positiv ins Auge gestochen ist: Hinten findet sich ein Personenverzeichnis und ein Nachwort. Genau in diesem erfährt man, was so stattgefunden hat und was fiktiv ist, und wie die Autorin auf ihre Ideen kam. Vieles ist ja erfunden, aber das Wetter war an jedem beschriebenen Tag genau so in der Wirklichkeit.

Natürlich passieren wieder sehr, wenn nicht zu viele Zufälle und das wirkt neben den traurigen Szenen fast ein bisschen kitschig, aber das machen die Bücher um Friederike und Richard auch so liebenswert. Ich bin begeistert und hoffe, dass Friederikes schwierige Chefin, Gesine Langen, sie noch in mehreren Fällen ermitteln lassen wird.

Sehr gelungener zweiter Band, der dem ersten nicht nachsteht

Sommer 1947: Auf einem Hof im Bergischen Land wird die Besitzerin brutal ermordet aufgefunden. Schnell ist eine Verdächtige ausgemacht: Franziska Wagner wurde mit einer Schusswaffe in der Hand neben der Toten gefunden. Friederike Matthée von der Weiblichen Polizei in Köln wird zu den Ermittlungen hinzugezogen und zweifelt an Franziskas Schuld. Ermittlungen ergeben, dass die Tote kein Unschuldslamm war, und somit auch andere als Täter infrage kämen.

Richard Davies ist nach England zurückgekehrt, wird aber für einen Fall wieder nach Deutschland gerufen: In einem Waldstück werden die Leichen einer britischen Jagdbomberbesatzung gefunden.

Der zweite Band der Reihe spielt ca. ein halbes Jahr nach dem ersten und führt die beiden Protagonisten wieder zusammen. Friederikes private Lage hat sich etwas verbessert, sie fühlt sich nun wohl bei der Weiblichen Polizei, auch wenn sie manchmal gegen Mauern stößt, wie man gleich zu Anfang des Romans feststellen kann. Sie denkt noch viel an Richard, versucht aber ihr Leben zu leben. Einfach wird ihr das nicht immer gemacht, auch hier muss sie sich einigen Herausforderungen stellen und schwere Entscheidungen treffen.

Auch Richard Davies denkt immer noch an Friederike, kann sich ein Leben in Deutschland aber nicht vorstellen. Auch er wird vor neue Herausforderungen gestellt, kann aber auch ein Stück Frieden mit seiner Vergangenheit machen. Die Autorin hat alle, auch die Nebencharaktere, gut gezeichnet, und auch das Handeln schwieriger Personen, wie etwa Franziskas, kann man ein Stück weit nachvollziehen, erfährt man doch auch deren Hintergründe.

Eine große Rolle spielt auch hier wieder das Nachkriegs-Deutschland, speziell Köln und Umgebung, und wie die Menschen in dieser Zeit mit der Situation klar kommen. Nicht jeder hat dem Gedankengut der Nazizeit abgeschworen, mancher hat Leichen im Keller, andere versuchen einfach nur zu überleben. Beate Sauer gelingt das Aufzeigen des Lebens zur damaligen Zeit sehr gut, man fühlt sich in die Zeit versetzt, das Zeitkolorit stimmt – daneben auch das Lokalkolorit, wer die Gegend kennt, begleitet die Charaktere regelrecht auf ihren Wegen.

Auch die Fälle sind interessant und passen sehr gut in die erzählte Zeit. Manchmal ist vielleicht der Zufall etwas zu präsent, aber tatsächlich gibt es solche Zufälligkeiten ja wirklich. Es ist ebenso interessant, die Ermittlungen sowohl auf der deutschen als auch auf der britischen Seite mitzuerleben und auch die historischen Hintergründe kennenzulernen. Diese werden übrigens im lesenswerten Nachwort weiter ausgeführt. Einen Teil konnte man bereits im ersten Band lesen, er wird hier für die wiederholt, die diesen nicht gelesen haben, man sollte aber unbedingt weiterlesen, es gibt auch Neues zu erfahren.

Ich hoffe sehr, dass es noch viele weitere Romane der Reihe geben wird, es ist eine interessante Zeit, über die man heute zu wenig weiß, die Protagonisten sind gelungen, ich würde ihr Leben gerne noch ein Stück weiter begleiten, Zeit- und Lokalkolorit stimmen, und auch die Kriminalfälle sind gelungen. Von mir gibt es wieder volle Punktzahl und eine Leseempfehlung.