Cover von: Ich will dein Leben
Amazon Preis: 11,00 €
Bücher.de Preis: 11,00 €

Ich will dein Leben

Thriller
Buch
Taschenbuch, 448 Seiten
Übersetzer: 

Verlag: 

ISBN-10: 

3404180216

ISBN-13: 

9783404180219

Auflage: 

1 (28.07.2020)

Preis: 

11,00 EUR
Schauplätze: 
Amazon Bestellnummer (ASIN): 3404180216

Beschreibung von Bücher.de: 

Cornwall im Sommer 1986. Fasziniert beobachtet die sechzehnjährige Tamsyn ihre neuen Nachbarn: den attraktiven Mr. Davenport, seine wunderschöne Ehefrau und ihre schillernde Tochter Evie, die etwa in Tamsyns Alter ist.

Als sich die ungleichen Mädchen schließlich kennenlernen, hat dies ungeahnte Folgen. Denn hinter dem scheinbar perfekten Familienidyll der Davenports verbergen sich dunkle Abgründe, und Tamsyns neidvoller Blick auf ihre Nachbarn wird immer mehr zur unheilvollen Obsession …

Kriminetz-Rezensionen

Weder Fisch noch Fleisch

Cornwall, 1986: Als die sechzehnjährige Tamsyn Freundschaft mit Edie Davenport schließt, ist sie selig vor Glück. Das Feriendomizil der Londoner Familie Davenport ist ein Haus auf den Klippen. Dieses Haus ist der Ort, an welchem die traumatisierte Außenseiterin Tamsyn als Kind ungetrübtes Glück erlebte. Das Haus und den Swimmingpool verbindet Tamsyn mit ihrem Vater.

Seit dem Tod des Familienoberhaupts hat Tams Familie nicht nur emotional, sondern auch finanziell zu kämpfen. Die 1980er Jahre waren für strukturschwache Gegenden wie Cornwall oder Wales eine Zeit des wirtschaftlichen Abschwungs. Minen wurden geschlossen, die Arbeitslosigkeit schoss in die Höhe, insbesondere Arbeiterfamilien hatten zu kämpfen. Tamsyns Mutter Angie putzt bei den Davenports, Tam jobbt im Dorfladen, ihr Bruder Jago ist arbeitslos, der Großvater, ein ehemaliger Minenarbeiter, ist auf Sauerstoff angewiesen. Die Wohnverhältnisse sind mehr als beengt.

Das Luxusleben der Davenports fasziniert Tamsyn.

Die Davenports sind leider das wandelnde Klischee – Edie leidet unter der Wohlstandsverwahrlosung, ihre Mutter Eleanor ist ein süchtiges Ex-Model, der Vater ein reicher Schürzenjäger. Diese Konstellation gibt es schon lange, und sehr viel besser ist sie von Edward St. Aubyn beschrieben worden. Der Autorin Jennings gelingt es nicht, Figuren mit Tiefe zu präsentieren, und sie flicht Elemente ein, die bedrohlich wirken sollen: Leitmotivisch tauchen immer wieder Raben auf, aber leider fehlt es dem Roman einfach an Raffinesse, die Symbolik (der Swimmingpool als pars pro toto) wirkt irgendwie plump und platt, richtig geärgert habe ich mich über die »Küchenpsychologie« und über den letzten Satz des Romans. Gelungen fand ich eigentlich nur den sozialkritischen Mittelteil des Buches. Insgesamt ist der Roman aber weder Fisch noch Fleisch: Das pacing ist für einen Thriller zu gemächlich, für einen psychologischen Spannungsroman ist das Ganze zu flach, auch wenn die wechselnden Erzählperspektiven und die Zeitsprünge durchaus interessant sind. Ich hätte mir auch mehr 80-Jahre-Flair gewünscht und musste mich doch mit Schulterpolstern, Telefonzellen und Mixtapes begnügen. Das letzte Drittel des Buches ist zwar rasant erzählt, aber auch überfrachtet mit Drama, da die Autorin noch irgendwie die Kurve kriegen muss. "Die Trauer hat mich kaputtgemacht«, sagt Tamsyn. Die Autorin baut rund um diese traurige Aussage einen langatmigen Plot. Im Prinzip handelt der Roman von einem mehrfach traumatisierten Kind, das Böses tut.

Fazit: Der englische Originaltitel »The Cliff House« passt viel besser zur Geschichte als der deutsche Titel. Für mich war »Ich will dein Leben« leider eine Enttäuschung. Der Roman ist kein Spannungskracher und auch kein psychologisches Drama mit Tiefgang; über manche Elemente habe ich mich richtig geärgert. Daher kann ich leider keine Leseempfehlung aussprechen.

Der Schein trügt

Zum Inhalt
Tamsyn sitz nach dem Tod ihres Vaters, den sie nicht wirklich verkraftet, oft auf dem Felsen und beobachtete die Familie in dem weißen Haus und auf den Klippen. Sie wünscht sich nichts sehnlicher, als darin zu wohnen zu der Familie zu gehören. Als sie sich zufällig mit der Tochter anfreundet, scheint ihr Traum in Erfüllung zu gehen. Aber der Schein trügt.

Meine Meinung
Mich hat das Buch von Anfang an gefesselt. Der etwas teilweise düstere Schreibstil ist sehr passend zu der Story und reißt einen mit sich. Die Charaktere sind sehr gut beschrieben und ich konnte mich in alle hineinversetzen. Ein zusätzlicher Pluspunkt von mir ist, dass es in den 80er Jahren spielt, wo ich viele Bands wieder für mich entdeckt habe. Man weiß auch, dass man mit Tamsyn auf eine Katastrophe zusteuert, aber nicht auf welche. Es war auf jedenfalls eine andere als ich mir gedacht habe.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich werde die Autorin im Auge behalten.

Erschütternd, verstörend und zugleich sehr bewegend

Als ich »Ich will dein Leben« gesehen hab, wusste ich, ich muss es lesen. Es hörte sich so richtig schön düster und abgründig an. Also genau meins.

Tatsächlich muss ich aber sagen, dass der Titel nicht wirklich passt. Vielmehr hätte er, »Das Haus auf der Klippe« heißen müssen. Denn bei mir wurden völlig falsche Erwartungen geweckt, was den Verlauf und den Grundkern der Story angeht.

Die Story selbst lebt mehr von der Vergangenheit als der Gegenwart. Denn überwiegend befinden wir uns im Jahr 1986. Dem Jahr, als alles seinen Lauf nahm. Dem Zeitpunkt, als sich alles für Tamsyn veränderte.

Die Charaktere, ich kann es nicht anders sagen, wurden einfach verdammt gut ausgearbeitet. Man mag nicht jeden und das muss man auch nicht. Sie werden mit viel Liebe zum Detail gezeichnet. Ihr Innerstes wird nach außen gekehrt. Immer mehr bröckelt die mühsam errichtete Fassade und zutage kommen immer mehr Risse und Makel.

Dadurch, dass man hier verschiedene Perspektiven erfährt, erhalten sie sehr viel Raum und Tiefe. Im Vordergrund steht dennoch in erster Linie Tamsyn und ihr Leben. Besonders Tamsyn fand ich enorm faszinierend. Sie ist nicht unbedingt sympathisch. Eher seltsam, verletzlich, unbeugsam, immer mit klarem Ziel vor Augen. Einerseits möchte man sie wahnsinnig gern beschützen, aber auf der anderen Seite entwickelt sie ungesunde Züge, die gespenstisch und verstörend sind. Die Unheil heraufbeschwören und die zugleich zeigen, in welche Abwärtsspirale dies münden kann. Man sieht den Aufprall kommen und wartet nur, auf welche Art und Weise die Kollision zustande kommt. Denn dass sie kommt, ist unausweichlich.

Den Schreibstil der Autorin mochte ich dabei gern. Sehr einnehmend, fesselnd und bildhaft.

Es ist kein rasanter Psychothriller. Vielmehr wird hier die Spannung unterschwellig aufgebaut. Der Fokus liegt dabei auf den Charakteren und ihrer Verbindung untereinander. Dabei prallen hier Welten aufeinander. Was nicht unbedingt am Wohlstand zu messen ist. Die Autorin hat es vor allem auf der psychologischen Ebene unglaublich gut ausgebaut. Man ist erschüttert, sprachlos. Aber zugleich auch ungeheuer gefesselt. Denn sie zeigt, was ein Trauma für Folgen haben kann. Folgen, die man nicht abschätzen und kommen sehen kann. Man sitzt wie auf einem Pulverfass, ohne etwas dagegen unternehmen zu können. Einiges war vorhersehbar, anderes wiederum nicht.

Ich hab vor allem unglaublich mit Angie mitgelitten. Sie steht für Stärke und Mut. Sie kämpft mit ihrer Trauer, aber muss zugleich auch nach vorne schauen und ihr eigenes Glück finden. Ein Drahtseilakt, der nicht unbedingt leicht ist. Denn es geht nicht nur um sie, sondern auch um ihre Kinder.

Und dann sind da noch die Davenports. Wo mehr Schein, als Sein herrscht. Unterkühlt, fast fremd und man fragt sich einfach, wo das Bindeglied ist. Was sie wirklich fühlen.

Hier geht es vor allem um Liebe und Glück. Etwas das nicht so leicht zu definieren ist. Dabei ist der Facettenreichtum erstaunlich groß, was ich einfach großartig fand. Die Autorin legt dabei sehr viel zwischen den Zeilen hinein. Es wird manipuliert, intrigiert und bei Gott, es gibt niemand der frei von Schuld ist und trotzdem ist da so viel Unschuld und Verletzlichkeit. Es hat mich nicht losgelassen. Keine Sekunde. Es hat in mir geschwelt, zum Sinnieren gebracht. Ich hab getanzt auf dem Vulkan und der große Knall kam. Anders und nicht so kraftvoll wie erhofft. Weniger intensiv, aber dennoch voller Ausdruck und Durchschlagskraft. Die große Dramatik, kam so schnell und war für mich auch viel zu kurz. Man hätte es noch mehr ausbauen können. Denn wie sich alles entwickelt ist beachtlich und lässt nicht kalt.

Letztendlich bin ich von der Tragik dahinter ungeheuer vereinnahmt und einfach fasziniert. Es erschüttert, ist beängstigend und zugleich zieht es eine große Traurigkeit und Einsamkeit nach sich. Es geht hier vor allem um Obsession und wie sehr dies den eigentlichen Menschen verändern kann und wie dies auch das Umfeld beeinflussen kann. Dabei gibt es nicht einfach nur schwarz oder weiß. Es gibt nicht Opfer oder Täter. Es gibt einfach Momente, die in der Seele wehtun und einfach so weh tun, das man am liebsten schreien und weglaufen möchte. Man weiß nicht, wohin mit seiner Wut und den ganzen Emotionen.

Es ist einfach ein Roman, der gänzlich anders war, als erwartet, der mir am Ende etwas zu positiv war in einigen Dingen. Wer sich gern mit Schicksalen und Charakteren auseinandersetzt, ist hier definitiv an der richtigen Adresse.

Fazit:
»Ich will dein Leben« ist vielmehr »Das Haus auf der Klippe«. Ein erschütternder, verstörender und zugleich sehr bewegender Roman, der sehr viel Tragik und Einsamkeit in sich vereint. Keine leichte Kost. Denn dafür wiegt es zu schwer, zu intensiv. Besonders auf der psychologischen Ebene konnte mich die Autorin absolut begeistern. Denn was sie hier herausgeholt hat, ist absolut fantastisch.

Dennoch bin ich nicht ganz zufrieden. Was aber nicht daran liegt, dass es völlig anders war, als erwartet.

Lasst diesen Roman wirken. Denn er gibt auch enorm viel zwischen den Zeilen mit.

4 von 5 Sternen.