Wenn Du über einen Link auf dieser Website kaufst, unterstützt Du Kriminetz, da wir dann eine kleine Provision erhalten.
Insel der Ratten
Verlag:
ISBN-10:
ISBN-13:
Auflage:
Preis:
Beschreibung:
Ein erschreckend realistischer Roman – relevant, dramatisch, wahr.
Nach einer verheerenden Pandemie ist die Welt nicht wiederzuerkennen: Massenarbeitslosigkeit und Armut haben das demokratische Gleichgewicht gekippt, marodierende Banden beherrschen die Straßen der großen Stadt.
Colin Lowe, einer der reichsten Unternehmer des Landes, rettet sich mit seiner Familie auf die Insel der Ratten.
Derweil wütet sein Sohn Brad mit seiner Bande auf dem Festland und verschont nicht einmal Colins engsten Freund Will. Als er dessen Tochter Amy bei einem Überfall in seine Gewalt bringt, sinnt Will auf Rache. Sein Feldzug führt ihn auf das Dach eines Hochhauses, Schauplatz eines gnadenlosen Countdowns auf Leben und Tod.
Dieses Buch hat das Potential wie Herr der Fliegen oder Farm der Tiere zu ihrer Zeit.





















Brutal
„Die Insel der Ratten“ wurde einem 2021 erschienen Sammelband entnommen und in einem kleinen Format mit dickem Einband, 200 Seiten und für knapp 20€ vermarktet.
In diesem Buch schildert Nesbø den Zusammenbruch des Systems nach einer Pandemie. Die Gesellschaft driftet in Armut, Arbeitslosigkeit und Gewalt ab. Es bilden sich rivalisierende und plündernde Banden, die auch vor Mord und Totschlag nicht zurückschrecken. Die Polizei steht dem machtlos gegenüber und hat in vielen Vierteln ihre Arbeit eingestellt. Viele Reiche versuchen nun, aus der Stadt zu fliehen. So auch Colin Lowe, der reichste Unternehmer des Landes. Er hat sich die Insel der Ratten ausgesucht und sein Leben dort bereits vorbereitet. Sein Sohn Brad ist hingegen der Anführer einer dieser brutalen Gangs. Als er die Tochter von Will, dem besten Freund seines Vaters, in seine Gewalt bringt, gerät auch für den gutmütigen und loyalen Will die Welt aus den Fugen. Nun will er sich nur noch rächen. Er ersinnt einen ausgeklügelten Plan, den nicht einmal sein reicher Freund durchschaut.
Die Perspektiven wechseln zwischen Wills Leben und dem der Straßengang, wodurch man beide Seiten kennenlernt, was die Situation jedoch nicht verbessert.
Die Geschichte beleuchtet soziale Ungleichheit und den Zerfall staatlicher Strukturen in einer postpandemischen Welt. Die Kluft zwischen Reichtum und Armut wird in klaffenden Kontrasten sichtbar: Während Colin Lowe auf einer Insel Zuflucht sucht, tobt am Festland der Überlebenskampf der weniger Privilegierten. Insel der Ratten ist ein düsterer, kompromissloser, gesellschaftskritischer Thriller, der von Gewalt und Egoismus geprägt ist und die Frage aufwirft, wie weit man selbst in solch einer Situation gehen würde.
Beklemmend, beängstigend, düster
Diese Geschichte lebt von Überspitzungen, der wahre Kern jedoch ist deutlich spürbar. Wie man sich während einer Pandemie fühlt, dürften wir alle noch wissen. Jo Nesbø nimmt sich dieser Thematik an, auf seine INSEL DER RATTEN flüchten sich jene, die sich in der großen Stadt nicht mehr sicher fühlen und es sich zudem leisten können, sich hierher zu retten.
Colin Lowe ist einer davon, er wartet hier auf eine Weiterfahrt, eine Elite hat sich hierfür Tickets gesichert. Als einer der reichsten Bewohner wähnt er sich mit seiner Familie in momentaner Sicherheit, wenngleich sein Sohn Brad ganz anderes im Sinn hat. Er wütet mit seiner Bande, die sich Chaos nennt, in der Stadt. Hier gilt das Recht des Stärkeren, auf einzelne Befindlichkeiten wird keine Rücksicht genommen. Das Gesetz scheint geltungslos, Selbstjustiz das Instrument der Stunde. Es herrscht Anarchie. Brad nimmt sich, was er will, er ist in seiner gewalttätigen Art unberechenbar. Und da ist Will mit seiner Familie, die der Familie Lowe sehr nahe stehen. Wills Tochter Amy gerät in die Fänge der Chaos-Truppe. Und Will sinnt auf Rache.
Die einen werden aus schierem Überlebenswillen zum Plünderer, notfalls mit Gewalt. Und die anderen leben ihre dunkle Seite aus, sie haben keinerlei Gewissensbisse. Grausame Szenen werden in abstoßender Deutlichkeit beschrieben, auch innerhalb von Chaos gibt es die blutrünstigen Typen, denen jedes Mittel recht ist und auch jene, die noch einen Funken Mitgefühl besitzen.
„Jeder verdient eine zweite Chance“ meint einer, der trotz schmerzlicher Verluste an die Gesetzmäßigkeit, an die gesellschaftlichen Normen glaubt. Es ist ein düsteres Buch, ein beängstigendes Szenario, das menschliche Abgründe aufdeckt.
All das, was Jo Nesbø hier beschreibt, ist mit zutiefst zuwider. Und doch zeigt er deutlich auf, wozu Mensch in der Lage ist. Man muss sich nur umschauen, es herrscht in gewissen Kreisen eine Verrohung sondersgleichen, jeder ist sich selbst der Nächste und jene, die denen das nicht genug ist, setzen todbringende Waffen ein.
Die INSEL DER RATTEN beschreibt ein düsteres Szenario, das der Wirklichkeit sehr nahe kommt. Eine Dystopie. Gesellschaftskritisch, grenzüberschreitend, brutal.
Chaos
Nach einer Pandemie herrscht Anarchie in den USA. In den Straßen bekriegen sich Banden und gehen auf alles los, was sich bewegt. Auf dem Dach eines Hochhaus warten die reichsten Menschen auf die Helikopter, die sie auf ein autarkes Schiff bringen sollen, wo sie die nächsten Jahre (luxuriös) überleben werden. Der Besitzer des Schiffes ist der Magnat Colin Lowe und er steht hier mit seinem ehemaligen besten Freund Will. Colins Sohn Brad ist der Anführer einer der schlimmsten Banden und er hat Wills Familie Schreckliches angetan. Auf diesem Dach stehen sich die beiden ehemaligen Freunde als Feinde gegenüber; ihre Werte und Weltanschauungen clashen in einer finalen Konfrontation gegeneinander ...
Die Geschichte selbst hat viel Potenzial und es ist auch nicht so, als könnte Nesbo nicht schreiben. Wie er das Ganze aufbaut und aus zwei Perspektiven - Wills und Yvonnes, Mitglied von Brads Gang mit Anflügen von Gewissen - erzählt, könnte ganz großes Kino sein und ist in sich auch spannend und gut zu lesen. Es gibt jedoch zwei Dinge, die ich kritisiere. Erstens: Er bleibt zu distanziert, arbeitet auch viel mit indirekten Reden und sagt vieles, ohne es zu zeigen. Gerade die Entwicklung der Welt bis zu diesem Zeitpunkt ist eine Art "Was bisher geschah". Klar, ist eigentlich eher eine Kurzgeschichte, aber das ist eine Baustelle, auf die ich noch eingehen werde.
Mein größter Kritikpunkt ist die Nonchalance, mit der Nesbo über sexuelle Gewalt und Gewalt an Frauen hinweggeht. Er benutzt es als Mittel zum Zweck, als Grund, dass der ach so rechtschaffende Will, der ja so sehr an Justitia glaubt, sich selbst aufmacht, um "Gerechtigkeit" auszuüben. Dabei wird keine Sekunde, kein Wort lang, nicht in einem einzigen Satz reflektiert, was es für die Frauen und Mädchen bedeutet, die er hier so nebensächlich den Wölfen vorwirft. Und dass Will ein liebender Vater ist, kann man ihm nicht abnehmen. Als er das Mädchen - seine Tochter - findet, agiert er in einer Weise, als hätte er den Einkaufszettel für den Wochenendeinkauf abgehakt. Da kommt nichts rüber, keine Trauer, kein Entsetzen, kein Bedauern, nichts. Aber Hauptsache, er liebt seine Frau zärtlich, der sexuelle Gewalt angetan wurde, nach einem Massaker an etwa dreißig Leuten. Alles klar. Keine Ahnung, was Nesbo sich dabei gedacht hat - in Bezug auf Frauen jedenfalls nichts.
Das zur Geschichte. Was mich ebenfalls ärgert - auch wenn es nicht direkt in die Bewertung einfließt - ist Folgendes: Auf der letzten Seite des Buches steht "Die Originalausgabe erschien 2021 in dem Sammelband "Rotteoya og andre fortellinger". Jetzt ist mein Norwegisch nicht das Beste, aber auch, wenn man sich "Ratteninsel und andere Erzählungen" nicht selbst zusammenreimen kann, ist doch der Begriff "Sammelband" eindeutig. Anstatt also ein ganzes Buch voller relativ kurzer Geschichten zu übersetzen, hat Ullstein eine einzige daraus entnommen, sie in knappe 200 Seiten in ein handgroßes Buch mit Pappeinband gepresst, verlangt dafür stolze 20 Euro und bezeichnet das Ganze als Hardcover. Besser kann man "Wir zocken mal so richtig mit einer kurzen Geschichte eines beliebten Autors ab" nicht in die Welt schreien.
Nesbo mal anders
Jo Nesbo überrascht mich immer wieder wie vielfältig seine erzählerische
Fantasie ist, diesmal zeigt der Autor eine vollig andere Seite von sich.
Nesbo beschreibt hier die Auswirkungen einer Pandemie und was diese aus
den Menschen macht. Jede Form von Rechtsstaatlichkeit, Menschenwürde,
Empathie gehen verloren, es herscht Gewalt und Hass, Egoismus und Gier, jeder versuchtzu überleben, ohne Rücksicht auf seine Mitmenschenn. Nur
der Reiche und starke hat eine Überlebenschance.
Die Ausarbeitung der Charaktere ist hervorragend gelungen, es zeigt die
Abgründe des menschlichen Charakters.
Bei mir überwiegt nicht der Thrillerefekt, auch wenn das Buch mit einigen
harten Elementen bestückt ist, sondern der gesellschaftskritische Effekt, wenn
auch sehr überspiezt dargestellt.
Ich habe mich sehr gefreut, dieses Buch als Rezessionsexemplar lesen zu
dürfen, gerne vergebe ich 5 Sterne, leider empfinde ich den Preis für dieses
Buch mit 127 Seiten (ebook) sehr hoch.
Gnadenlose Rache
Das Hörbuch:
Das Sprecherduo Jenny Laura Bischoff und Oliver Siebeck erzählt die Geschichte nüchtern, aber auch mit Nuanchen an den richtigen Stellen. Wobei mir die Performance von Oliver Siebeck etwas besser gefallen hat. Seine angenehme Stimme führt gekonnt durch dieses Hörbuch und man kann sich das Geschehen gut vorstellen. Jenny Laura Bischoff wirkt daneben etwas blass und ihre Stimmlage ist seltener variabel und vielleicht etwas monoton.
Die Geschichte:
Die Welt versinkt im Chaos. Eine Pandemie, Massenarbeitslosigkeit und der Totalausfall von Recht und Ordnung haben Bandenkriminalität, Mord und Plünderung auf den Plan gerufen. Es gilt das Recht des Stärkeren, denn nur der überlebt. Colin ein reicher Industrieller hat sich mit seiner Familie auf der Insel der Ratten niedergelassen, während sein Sohn Brad auf dem Festland mit seiner Bande Gewalt und Angst säht. Er schreckt auch nicht vor der Entführung der Tochter des besten Freundes seines Vaters zurück. Will, ihr Vater schwört Rache und eine gnadenlose Jagd auf Leben und Tod beginnt..
Es ist eher eine Kurzgeschichte, die kompromisslos, brutal und schonungslos erzählt wird. Mit einem düsteren Blick auf eine mögliche Zukunft. Sie ist erschreckend nüchtern und ausweglos, lässt den Leser pessimistisch zurück. War mir irgendwie zu wenig.