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Insel des Schweigens
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Beschreibung:
Am Flughafen von Melbourne wartet Kate auf die Ankunft ihres Ehemannes John. Vergeblich. Von seinen Kollegen muss Kate erfahren, dass er bereits vor Monaten gekündigt hat. John scheint wie vom Erdboden verschluckt. In der verzweifelten Hoffnung, ihn in ihrem Ferienhaus auf Belport Island zu finden, reist Kate auf die einsame, stürmische Insel.
Auf Belport Island macht eine weitere Frau, Abby, eine erschütternde Entdeckung über ihren Mann. Und als ihre und Kates Welt aufeinanderprallen, drohen die dunklen Geheimnisse der kleinen Insel auch die beiden Frauen in den Abgrund zu ziehen …





















Wenn das Unheimliche sich anschleicht
Die Geschichte beginnt damit, dass Kate und Töchterchen Mia ihren Mann und Vater John Keddies vom Flughafen abholen wollen. Er war auf einer Konferenz in London und die beiden wollen ihn überraschen. Aber er kommt nicht an, er meldet sich auch nicht und recht schnell findet Kate heraus, dass er nie auf dieser Konferenz in London war und dass er schon länger gar nicht mehr in seinem Job arbeitet. Stattdessen ist er nach Belport Island geflüchtet, einen Ort, den er nie leiden konnte – obwohl sie dort ein Ferienhäuschen besitzen.
Inselleben
Und während der folgenden Tage, an denen Kate und Mia ebenfalls nach Belport Island reisen, enthüllt Kate Stück für Stück die letzten zwei Wochen ihres Mannes. Belport Island ist eine fiktive Insel in der Bass Strait vor der Küste des Bundesstaates Victoria. Der Autor zeichnet ein wirklich sehr plastisches und lebendiges Bild des winterlichen Insellebens – aber gleichzeitig schleicht sich auch immer mehr düsteres, geheimnisvolles in dieses Bild ein.
Gemeinsamkeiten
Belport Island ist auch der Punkt, an dem sich die Lebenslinien von Kate und Abby treffen. Kate und John besitzen hier ein sporadisch genutztes Sommerhaus, wogegen Abby und ihr Mann Ray hier dauerhaft das ganze Jahr leben. Die beiden Männer verbindet zumindest ihre Abneigung gegen die kleine Insel, denn John hat Belport nie gemocht und Ray sehnt sich danach, ihr zu entkommen. Aber warum ist John dann ausgerechnet hierher geflohen und warum verhält sich Ray so merkwürdig? Haben die beiden eine gemeinsame ungute Vergangenheit?
Geduld
»Insel des Schweigens« ist auf jeden Fall eine Geschichte für die etwas Geduldigeren unter uns, denn sie wirkt lange Zeit wie eine ziemlich einfache, vertraute Geschichte. Nach und nach decken beide Frauen beunruhigen Details aus dem Leben ihrer Männer auf. Die unheimliche Leere einer Ferieninsel außerhalb der Saison trägt ihren Teil zur immer unheimlichen Atmosphäre bei und irgendwann folgen die Wendungen und Enthüllungen in immer schnelleren Tempo. Ich musste mich immer wieder ganz neu auf die Geschichte einstellen – was ein bisschen mühsam ist, sich aber auf jeden Fall lohnt.
Charakterstudien
Mich haben aber vor allem die sehr eindrücklich geschilderten Charaktere beeindruckt. Abby ist sachlich, praktisch und eher robust. Sie hat einen frechen Sinn für Humor, eine Leidenschaft für Krimis und sie präpariert hobbymäßig Tiere. Ich glaube, mit Abby würde ich mich wirklich gut verstehen. Kate ist dagegen eher schüchtern, zurückhaltend und sie ist immer sehr emotional. Sie bricht schnell mal in Tränen aus, verfügt aber über keine nennenswerten Hobbys. Aber beide müssen herausfinden, wie gut man den Menschen kennt, den man liebt und ob man wirklich immer jedes seiner Geheimnisse kennen muss.
Mein Fazit
»Insel des Schweigens« von Christian White ist auf jeden Fall ein sehr spannender und leicht gruseliger Thriller. Allerdings braucht es eine ganze Weile, bis sich diese Spannung aufbaut und dafür hat sicher nicht jeder die Geduld. Ich finde, es lohnt sich geduldig zu sein, kann aber verstehen, wenn jemand anders das Buch genervt in die Ecke pfeffert. Aber ganz am Ende will man doch wissen, wie es weitergeht und man hebt es wieder auf.
Ein gut durchdachter, australischer Thriller, der mich mit originellen Twists überzeugt hat!
»Insel des Schweigens« ist ein (Psycho)Thriller von Christian White, der am 14. März 2022 im Goldmann-Verlag erschienen ist. Mir hat diese komplexe und klasse ausgeklügelte Geschichte des australischen Autors sehr gut gefallen, denn originelle Twists haben die hier beschriebene Handlung regelmäßig zum Leben erweckt und nach vorne getrieben. Durch komplett unvorhersehbare Veränderungen und Wendungen, besonders ab der Mitte des Buches, gewann die Geschichte für mich eine unbeschreibliche Lebendigkeit, die mich komplett in den Bann gezogen hat.
Ich war dabei anfangs etwas verwirrt und im Glauben, etwas Entscheidendes übersehen zu haben. Deshalb habe ich einige Seiten zurückgeblättert, um herauszufinden, welchen Hinweis ich an welcher Stelle übersehen habe. Doch als mir klar wurde, worauf der Autor hinauswollte, war ich sprachlos. Deshalb empfand ich die mir gebotenen Überraschungen wirklich sehr gelungen. Rückblenden und Vorausblenden werden mit einem originellen Plot und raffinierten Twists vermischt, sodass mich die 375 Seiten hervorragend unterhalten haben. Diese Geschichte mit Tiefgang bewerte ich definitiv als gut durchdacht und clever strukturiert.
Die beste Wendung gegen kurz vor Ende der Handlung hat wirklich alles übertroffen. Spannende Ereignisse und dramatische Handlungen mit den beiden Protagonistinnen Kate und Abby enthüllen ein Familiendrama auf der unheimlichen Inselstadt Belport Island.
Ich konnte die angespannte Atmosphäre die ganze Zeit über sehr gut wahrnehmen, auch wenn Abby mit ihrer frischen, freundlichen und offenen Art zwischendurch versucht hat, diese etwas in den Hintergrund zu drängen. Kate ist vom Wesen her das komplette Gegenteil und mich hat diese fesselnde und rasante Geschichte der starken und komplexen Frauen bis zur letzten Seite gefesselt. Auch die Nebencharaktere sind gut ausgearbeitet. Da 33 Kapitel abwechselnd aus der Perspektive der Ehefrau Abby und der Witwe Kate geschrieben sind, konnte ich beide Charaktere mit der Zeit gut kennenlernen und ihre Gedanken und Handlungen verstehen. Auch konnte ich mich in einigen Situationen in dessen Lage hineinversetzen.
Kate ist in großer Sorge um ihren plötzlich verschwundenen Ehemann John, weshalb sie sich mit ihrem Schwiegervater auf die Suche nach Antworten nach Belport Island begibt. Denn als ein Alarm in ihrem Ferienhaus auf der einsamen und stürmischen Insel ausgelöst wird, sind sie sich sicher, ihn dort zu finden. Kate will wissen, welche Geheimnisse John vor ihr verheimlicht und erhält kurze Zeit nach ihrer Ankunft den Schock ihres Lebens: Eine Leiche auf der Insel wird als ihr Ehemann identifiziert. Während sie in ihrer Trauer und sogar Wut gefangen ist, erfährt sie häppchenweise von seinem dunklen Leben.
Gleichzeitig macht Abby in ihrem Haus auf Belport Island eine erschreckende Entdeckung über ihren Mann Ray, deren Erkenntnisse sie zuerst nicht einordnen kann und anschließend glauben will. Nach und nach erkennt sie die schreckliche Lage, dass ihr Mann ein Mörder ist, sodass sie ihr komplettes Leben infrage stellt. Als sie und Kate Aufeinandertreffen kommt eine schreckliche Wahrheit über ihre Männer ans Licht, die ungeahnte Wendungen mit sich zieht.
Die Frage, wie weit man für seine eigene Familie geht, ist hier kein unwichtiges Thema. Nichts auf dieser Insel ist so, wie es auf den ersten Blick scheint, denn schmutzige Enthüllungen jahrelanger Geheimniskrämerei, ein großes Spinnennetz aus Lügen und die Tiefe einer bedingungslosen Liebe zum eigenen Fleisch und Blut kommen ans Tageslicht.
Das Setting der Insel Belport Island ist klasse gewählt und passt perfekt zu dieser düsteren Geschichte, genau wie das hier beschriebene kalte und windige Wetter. Der Schreibstil des Autors ist authentisch und flüssig zu lesen, weshalb er bei mir für einen schnellen Lesefluss gesorgt hat. Außerdem werden Handlungen in einem perfekten Ausmaß beschrieben, weshalb ich während des Lesens deutliche Bilder vor meinen Augen hatte. Bei 375 Seiten gab es für mich keine unnötigen Längen, auch die kurzen Kapitel und der abwechselnde Perspektivenwechsel waren genau mein Fall. »Insel des Schweigens« ist zwar ein ruhiger Psychothriller, dennoch ein cleveres Puzzle, wo es bis zur letzten Seite keine offenen Fragen mehr gibt. Die Geschichte folgt einer gut durchdachten Struktur und enthält Szenen, dessen Verkettungen logisch und geschickt aneinanderreihen. Mir hat das Buch sehr gefallen, weshalb es von mir eine klare Leseempfehlung gibt!