Cover von: Jakobs Weg
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Jakobs Weg

Krimi
Buch
Taschenbuch, 390 Seiten

Verlag: 

ISBN-10: 

3961360952

ISBN-13: 

9783961360956

Auflage: 

1 (25.02.2021)

Preis: 

16,90 EUR
Schauplätze: 
Amazon Bestellnummer (ASIN): 3961360952

Beschreibung von Bücher.de: 

Acht Personen aus europäischen Ländern erhalten eine anonyme Aufforderung, sich am französischen Jakobsweg in den Pyrenäen einzufinden, anderenfalls würde ein beigefügtes Video über sexuelle Gewalttaten an Kindern den Medien zugespielt. Alle erscheinen. Mit ihnen der ebenso anonym eingeladene BKA-Ermittler Joe Jaeger sowie Hanna Dohnanyi, eine Investigativ-Journalistin des SPIEGEL.

Auf der Pilgerwanderung von Saint-Jean-Pied-De-Port nach Burgos ereignen sich in der Gruppe mysteriöse Todesfälle. Der mystische Glaubensweg wird für die mutmaßlichen Missbrauchstäter zu einem Pilgerweg der Angst. Joe und Hanna stehen vor Rätseln, bis sie bei ihrer Recherche auf dem Jakobsweg selbst in Lebensgefahr geraten.

Kriminetz-Rezensionen

Eine etwas andere Bewältigung des Jakobswegs, Beschreibung einer Kriminalität mit hoher Dunkelziffer

Als erstes möchte ich mich beim Autor Jörg H. Trauboth für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars bedanken, welches jedoch meine unabhängige und ehrliche Meinung nicht beeinflusst hat.

Auf den Inhalt möchte ich hier nicht näher eingehen, denn dieser ist aus dem Klappentext ersichtlich. 

Meine Meinung:
Immer wieder wird anschaulich die Problematik in der Verfolgung der pädophilen Täter beschrieben. Der Gesetzgeber traut sich anscheinend nicht, aus welchen Gründen auch immer, härtere Maßstäbe bei der Verfolgung der Straftäter anzulegen. Dabei hilft ihm die Bereitschaft der Öffentlichkeit, bei Bekanntwerden eines spektakulären neuen Falles nach einer heftigen Betroffenheitsbekundung doch schnell wieder die Augen zu verschließen.

Die tagebuchartige Schilderung der Jakobswegwanderung fesselt den Leser. Die Beschreibung der Täter lässt anfangs eine genaue Kategorisierung in Organisatoren und »Mitläufer« nicht zu. Über allem steht die Frage, wer diese gemeinsame Wanderung auf dem Jakobsweg initiiert hat und wie dann das geplante Ende aussehen soll. Die Spannung steigert sich von Tag zu Tag und hält den Leser durch seine Nachvollziehbarkeit in seinem Bann.

Der Schreibstil wird durch die Aneinanderreihung von Fakten bestimmt. Er animiert zum Weiterlesen und zu einer Auseinandersetzung mit der Thematik des Buches.

Mein Fazit:
Dieses Buch zeigt u.a. die Problematik in der Bekämpfung dieser Art der Kriminalität auf und bringt den Leser hoffentlich dazu, die Augen nicht wieder schnell davor zu verschließen. Von der Thematik her ist dieses Buch meiner Ansicht nach sehr zu empfehlen und ich vergebe 5 *****+.

Schweres Thema gut verpackt

Ich empfehle, den Klappentext genau zu lesen, um im Vorfeld zu wissen, um was es geht, denn das Buch ist für Menschen gedacht, die die Augen nicht verschließen wollen und eher weniger für Menschen, die einen Heile- Welt-Reiseführer erwarten.

Schon beim Einstieg in die Handlung hielt ich die Luft an, angesichts der Brutalität und der Qual. Dies sollte mir noch häufiger passieren, es gab immer wieder Momente, bei denen es mir eiskalt über den Rücken lief, obwohl die Taten nur angedeutet wurden. Wie oft denken wir: Was sind das nur für Monster und warum werden sie nicht gnadenlos bestraft? Auch dazu liefert das Buch Hintergrundinformationen, die spannend verpackt wurden.

Ich konnte den Krimi nicht mehr aus der Hand legen und ich bin immer noch sehr nachdenklich. Es wird noch einige Zeit dauern, bis ich das Buch verdaut habe.

Wer ist Täter, wer ist Opfer? Lässt sich diese Frage wirklich so einfach beantworten?

Ich wollte diesen Fragen auf den Grund gehen und begab mich auf den Jakobsweg, um die verschiedenen Charaktere kennenzulernen und sie auf ihrem wahrlich schweren Weg zu begleiten. Werden sie tatsächlich in sich gehen und ihre Taten bereuen, oder was treibt sie an? Das müsst ihr leider selbst lesen.

Die Spannung war von Anfang an sehr hoch und hielt sich auf diesem Niveau bis zum unvorhersehbaren Ende. Ich fragte mich schnell, wer der Initiator dieser Pilgerreise ist und was er oder sie damit bezwecken will. Ich rätselte von Anfang an mit und war dann über die Beweggründe doch sehr überrascht. Natürlich wollte ich auch unbedingt wissen, wie das geplante Ende aussieht. Wird das Video tatsächlich ausgehändigt, oder dient es nur als Druckmittel, um sich am Ende in irgendeiner Form zu rächen? Lasst euch überraschen.

Besonders gut hat mir gefallen, dass auch die Ermittlungsarbeit der Polizei beschrieben wurde und auch die Problematik, wo die Ermittlungen an ihre Grenzen stoßen. Diese genaue Recherche des Autors hat mich positiv überrascht. Leider ist Datenschutz immer noch wichtiger als das Kindeswohl. Da sträuben sich mir die Nackenhaare. Leider scheinen die Gesetzgeber der Problematik immer noch auszuweichen. Ob wir da eingreifen können, indem wir die Augen nicht mehr verschließen und eine gerechtere Gesetzgebung verlangen? Auf jeden Fall ist Handeln gefragt und dieses Buch ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Ich wünsche diesem Buch, dass es viele Leser erreicht, um ihnen die Augen zu öffnen und für dieses schwere Thema zu sensibilisieren. Von mir eine überzeugte Leseempfehlung.

Fesselnd bis zur letzten Seite

Der Roman »Jakobs Weg« ist nicht allein ein überaus spannender Kriminalroman, er ist nicht allein ein Sachbuch zum Thema sexuelle Gewalt gegen Kinder und deren Verfolgung, auch ist er nicht allein ein Buch, das dem Leser den Pilgerweg näher bringt.

Vielmehr ist der Roman von Jörg H. Trauboth eine überaus gelungene Symbiose aller drei Genres. Er verwebt sie ebenso gekonnt und spannend miteinander wie das Leiden und Handeln der Opfer und Täter des Missbrauchs.

Beeindruckend ist auch die Darstellung der Möglichkeiten und auch Grenzen der ermittelnden Personen und Institutionen.

Das Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite überaus fesselnd und gleichsam informativ, ohne – trotz des heiklen Themas – explizit drastisch zu werden. Das sei dem sensiblen Umgang des Autors – auch mit den Gefühlen seiner Leser – gedankt.

Durch die aktuellen Bezüge zu Missbrauchsfällen, die in der jüngsten Vergangenheit aufgedeckt wurden, erreicht der Autor eine hohe Authentizität. Er schafft Gehör, Problemverständnis und -bewusstsein für eine inzwischen gesellschaftliche Herausforderung, deren tatsächliches Ausmaß nur zu erahnen ist.

Sehr spannender Krimi um ein heikles, aber allgegenwärtiges Thema

Ein wirklich spannender Krimi bis zum Schluss. Wenn man erst angefangen hat, kann man fast nicht mehr aufhören zu lesen!

Das Thema Kindesmissbrauch ist allgegenwärtiger, als der Laie denkt, und der Autor rückt dieses Thema hier geschickt in den Fokus. Auch sind viele informative Dinge gut und interessant in die Geschichte eingebunden. Ein Buch, das einen noch lange nachdenken lässt …

Ganz klare Leseempfehlung!

Jakobs Weg

Brisantes Gesellschaftsthema!!

Für mich ist es ein Sach- und Kriminalroman zugleich. Von Beginn an fesselnd und grausam. Eine heiße Story über das Thema »Kindesmissbrauch«, welches oft nicht ganz beachtet wird.

Sehr gut recherchiert und glaubwürdig geschrieben.

Die teilnehmenden Charaktere sind aus unterschiedlichen Schichten. Am schlimmsten fand ich den Leiter des Internats mit seiner Schwester und deren Machenschaften der sexuellen Gewalt an den Kindern.

Der Gang auf dem Jakobsweg sollte wohl dem Einzelnen seine Taten aufzeigen und  ihn zur Reue kommen lassen.

Der verdeckte Ermittler der Kripo zeigte auf, wie schwer Ermittlungen in Missbrauchsfällen sind.

Der Roman von Jörg H. Trauboth ist sehr gelungen und sollte unbedingt gelesen werden. Schön fand ich den versöhnlichen Ausgang.

Für mich 5 Sterne!

EİN KRİMİ DER GANZ BESONDEREN ART !

Erst einmal muss man dem Autor ein Kompliment aussprechen für den Mut, zwei auf den ersten Blick vollkommen gegensaetzliche Themen wie Kindesmissbrauch und den Jakobs Weg in einem Buch miteinander zu verknüpfen, und sich dafür auch noch das Genre Krimi auszusuchen. Dem Leser wird sich aber im weiteren Verlauf des Buches erschliessen, das das gar kein so grosser Spagat ist und es sehr wohl Berührungspunkte zwischen diesen beiden Themen gibt. Und als Resümee bleibt, das in diesem Buch die Geschichte Rund um den Kindesmissbrauch sicherlich auch nur durch die mit dem Jakobs Weg verknüpften Attribute Schuld, Demuth, Reue und Verzeihen zu ertragen war.

Wer vom Autor Jörg Trauboth die Triologie um Marc Anderson gelesen hat, wird schnell strukturelle Paralellen im Aufbau des Buches und in der Entwicklung der Geschichte erkennen. Der Autor greift hier auf erfolgreich erprobte Stilmuster zurück. Nach einem sehr harten, um nicht zu sagen brutalen Einstieg folgt eine laengere Sequenz mit viel Tiefgang, in der sich die Protagonisten der Reihe nach positionieren können und es auch Zeit dafür bleibt, die einzelnen Profile und Charaktere zu entwickeln und zu schaerfen. Nur so lassen sich dann im weiteren Verlauf des Buches die teilweise unterschiedlichen, vielschichtigen Handlungsstraenge konsequent verfolgen.

Die Sprache des Buches ist wie schon in den früheren Werken von Jörg Trauboth kurz, knapp und praezise. Es gibt keine Worthülsen und keine langatmigen Schachtelsaetze, die den Leser ermüden. Dies ist sicherlich der Vita des Autors geschuldet. Es gelingt ihm einen Spannungsbogen aufzubauen, der kontinuierlich und konsequent ansteigt, um in einem überraschenden ‘Finale Grande‘ zu explodieren. Es passt aber auch zum Stil des Autors, das er danach nicht alles in Schutt und Asche zerfallen laesst, sondern mit einigen wenigen versöhnlichen Gesten der Phantasie des Lesers viel Spielraum für sein eigenes, individuelles Ende des Buches laesst.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, das ich einen sehr guten und spannenden Krimi lesen durfte. Es ist Jörg Trauboth wieder einmal gelungen , ein aeusserst schwieriges, aber mehr denn je wichtiges und aktuelles Thema in einem spannenden Buch zu verarbeiten. Man darf sich hoffentlich auf neue Werke vom Autor Jörg Trauboth freuen……

Jakobs Weg oder Jakobsweg?

Betrachtet man das Cover, fällt einem nicht gleich auf, dass »Jakobsweg« auch »Jakobs Weg« bedeuten kann. Pilgert man auf dem Camino Frances in Richtung Santiago di Compostela, will man vermutlich das Grab des Apostels Jakobus in Santiago besuchen. Die meisten Wanderer suchen nach „sich selbst“, manche kommen regelmäßig, einige wandern Teilstücke oder nur die letzten einhundert Kilometer. Der Camino Frances gilt als der klassische, der bekannteste Jakobsweg. Noch mehr bekannt wurde er durch Hape Kerkelings Buch »Ich bin dann mal weg«; es wurde 2015 verfilmt.

Wenn Jörg H. Trauboth ein Buch »Jakobs Weg« nennt, dann wird es vermutlich sehr ernst. Wie ernst es wird, erschließt sich relativ schnell.

Die Handlung beginnt vor zwanzig Jahren in einem kirchlichen Internat im Sauerland mit dem bezeichnenden Namen »Maria hilf«. Wir lernen einen verzweifelten Schüler namens Jakob kennen und einen ukrainisch-stämmigen Hausmeister. Der hat mal einem Kunden eine Menge Geld entwendet und seitdem ist er in des Internatsleiters Hand. Wenn ein katholischer Pater den Hausmeister seines Internats erpressen kann und ein verzweifelter Schüler zum Suizid ansetzt, dann dürften viele Leserinnen und Lesern ahnen, worauf das hinausläuft. Jörg H. Trauboth kommt auch schnell zur Sache: Im Raum der Ergebenheit findet das »Finale« statt, die vorbereiteten Jungs werden den Kunden zugeführt. Sergey, der Hausmeister, der macht, was dieser kaltherzige Hartmann will, ist kein schlechter Mensch …

Eine Gruppe von Personen bekommt zwanzig Jahre nach diesen Vorfällen ein Video zugespielt, welches zeigt, dass sie sich in einer Art und Weise strafbar gemacht haben, die zu jahrelangem bis lebenslänglichen Gefängnis führen kann. Heute. Die Gruppe soll sich zu einem festgelegten Zeitpunkt in Saint-Jean-Pied-de Point treffen und den Camino Frances zumindest bis Burgos absolvieren, dann wären sie »geläutert« und würden das widerliche Videomaterial ausgehändigt bekommen. Der Internatsleiter und seine Schwester gehören dazu, ein Geschäftsmann aus der Schweiz, ein Ex-Soldat, ein Cyberkrimineller, ein ehemaliger EU-Parlamentarier und ein ukrainischer Busfahrer. Die Gruppe führt ein Pater Domingo auf den Camino. Doch sie ist erst vollständig, als Joe Jaeger und Hanna Dohn dazustoßen. Jaeger, genannt Hunter, ist Kriminalhauptkommissar beim BKA, Hanna Journalistin. Beide lernten sich im Zusammenhang mit Vorfällen im Collegium Maria hilf kennen. Auch sie wurden so eingeladen und nehmen nun unter Decknamen an der Wanderung teil, die alles andere ist als ein »Buen Camino«. Es wird ein Pilgerweg der Angst.

Im zehnten Kapitel beginnt der Camino und führt über elf Etappen …

Ich verrate nicht zu viel, wenn der Jakobsweg durchaus vor den Augen der Leserinnen und Leser verläuft, jedoch wird dies auch für uns kein Spaziergang.

Trauboth konfrontiert uns mit der gesamten Breite des sogenannten »Kindesmissbrauchs«, ein Wort, welches aus gutem Grund heute durch »sexuelle Gewalt gegenüber Kindern« ersetzt wurde. Doch hat er sich entschieden, die Gewalt, die jüngsten Kinder und sogar Babies angetan wird, nicht im Detail zu beschreiben, es kommt einem schon so die Galle hoch. Deutlich wird dies, wenn die Journalistin dem Busfahrer, um ihn zu ködern, echtes BKA-Material zeigt, woran der sich aufgeilen kann …

Ich denke, das ist in Ordnung so. Das Buch soll kein Krimi sein, auch wenn es vorn auf der dritten Seite so steht. Natürlich ist es ein Kriminalroman, der an Spannung ständig gewinnt, der den Lesern ein gesellschaftliches Problem vor die Augen führt, bei dem Wegsehen aus verschiedensten Gründen viel zu oft als Regel erscheint.

Die Tätergruppe ist Gegenstand des Romans und die Ermittlungen im Darknet, die Schwierigkeiten, die damit verbunden sind. Wir finden sicherlich jeden einzelnen Täter (samt Schwester Hartmann) widerlich und abscheulich, trotzdem sind diese Menschen unterschiedlich gezeichnet. Dabei wird einer, der Züricher Geschäftsmann, mit seinen Zwiespalt zwischen Familie und seiner Pädophilie differenzierter gezeichnet. Den gemeinsamen Sohn hat die Frau auf ein Internat geschickt, um ihn dem Vater zu entziehen, der sich ihm nicht genähert hatte.

Der Showdown ist allerdings eines echten Krimis würdig. Er zeigt, dass auch Eliteeinheiten bei genauester Lagebeurteilung nicht alles gelingt, wobei das Zeitmanagement der Einsatzleitung etwas zu wünschen übrig lässt, zumal die Zugriffseinheit schon länger in der Gegend ist. Damit erschöpft sich meine Kritik.

Der Autor macht in einem Abspann das Problem noch einmal deutlich. 16000 Kinder sollen 2019 sexueller Gewalt ausgeliefert gewesen sein. Die Dunkelziffer soll 15 Mal höher sein. Das wären dann über 500 Verbrechen pro Tag in diesem Delitktsfeld. Damit säßen in jeder Schulklasse in jeder Kita Kinder, die davon betroffen sind. Das macht durchaus betroffen.

War ich Mitte 2020 in Bezug auf die Schulschließungen wegen Covid-19 gegenüber den Warnungen zu Erhöhungen von derartigen Straftaten noch skeptisch, so stimmt mich dies hier vorliegende Buch nachdenklich, denn ob mit oder ohne Corona, die meisten Verbrechen dieser Art finden im Familienzusammenhang statt. Wenn dies so ist, und es gibt keinen Grund daran zu zweifeln, dann sind diese Schulschließungen für bereits betroffene Kinder ein schlimmer Umstand, denn sie können nun auch nicht mehr zeitweise entfliehen. Ob sich deswegen Zahl in Bezug auf bisher nicht betroffenen Kinder und Jugendliche erhöht, spielt angesichts der eben genannten Größenordnung weniger eine Rolle.

Angesichts der Vorwürfe im Erzbistum Köln – und auch das Collegium Maria hilf ist in diesem angesiedelt – ist die Aktualität unbedingt gegeben.

Jörg H. Trauboth hat mit diesem Buch ein völlig anderes Thema angeschlagen als bisher mit seinen Büchern um Angehörige von Spezialeinheiten wie dem KSK. Es ist ein eindringliches, ein wichtiges Buch. Die Charaktere sind gut gezeichnet, die Lebenswege aller Straftäter der Caminogruppe ROSE im Detail darzustellen, hätte den Rahmen gesprengt.

Das Buch beinhaltet außerdem einen Appell für die von Datenschützern abgelehnte Datenvorratsspeicherung. Trauboth schildert die Schwierigkeiten der Ermittlungen, den ungeheuren Aufwand und geht auf die Polizisten ein, die sich bereit erklärt haben, im Darknet zu fahnden und sich dabei die unglaublichsten, hässlichsten, gemeinsten und grausamsten Dinge anzusehen, die man sich eigentlich nicht vorstellen kann. Im Netz müssen »Kandidaten« Zeugnisse abliefern darüber, dass sie zum Kreis gehören. Aber wie sollen das die verdeckt ermittelnden Polizisten machen? Ergo stellen sie pornografische und gewalttätige Videos als Computeranimation her. Was macht das mit einem? Supervision, psychologische Betreuung, Pausen von diesem Job, manch einer schafft dies nicht … Aber die ermittelten Daten speichern, bis sie verifiziert sind, dass sollen wir nicht dürfen?

Datenschutz vor Kinderschutz? Wenn der Schutz der Kinder demnächst im Grundgesetz deutlicher ausgedrückt werden soll, dann muss dies auch hinsichtlich der polizeilichen Aufklärung Konsequenzen haben.

Die geplanten Gesetzesnovellierungen, die Trauboth erläutert, sind allerdings noch nicht im Strafgesetzbuch verankert worden.

Es ist ein Plädoyer für die Kinder und Jugendlichen, für die, die sich in Betreuungseinrichtungen um Betroffene kümmern. Ein Plädoyer für die ermittelnden Beamten und deren schwere Arbeit.

Und es ist trotzdem ein Reisebuch, dass zum Wandern auf dem Camino Frances einlädt.

Sexuelle Gewalt

»Es sind Bilder, die kaum zu ertragen sind. Und doch müssen sich die Ermittler Tag für Tag durch Abertausende derartiger Zeugnisse der Gewalt kämpfen, um den Tätern auf die Spur zu kommen.«

Abgeordnete, so Rettinger, seien Repräsentanten des gesamten Volkes und damit auch der Kinder. 

»Das Thema darf von Parlamentariern nicht verdrängt, ignoriert oder gar bagatellisiert werden. Wer diese Bilder einmal gesehen hat, versteht wie wichtig der Kinderschutz in Deutschland ist und entsprechend auf die Tagesordnung aller Abgeordneten gehört.« 

Das Thema gehöre in die Parlamente, um wirksame Verbesserungen im Kinderschutz, die längst angemahnt seien, in der Gesetzgebung umzusetzen.

Rainer Rettinger, Geschäftsführer Deutscher Kinderverein e.V.

Aufrüttelnd

In einem Internat spielen sich furchtbare Szenen ab: Einige Schüler werden systematisch verkauft an Pädophile. Doch es gibt heimliche Aufnahmen der Perversionen und so werden einige der – beruflich höchst erfolgreichen – Täter Jahre später aufgefordert, als Reisegruppe den Jakobsweg zu gehen, wenn sie nicht wollen, dass diese Aufnahmen an die Öffentlichkeit gelangen. Ebenfalls mit dabei auf dem Camino sind der BKA-Ermittler Joe »Hunter« Jäger und die Investigativ-Journalistin Hanna Donahnyi.

Wer wird das Ziel erreichen und am Ende des Weges das belastende Material ausgehändigt bekommen? Und wird dem »Hunter« endlich ein großer Schlag gegen das abartige Pädophilen-Netzwerk gelingen? Jede Etappe des Weges birgt ihre Überraschungen, einige Todesfälle überraschen und schließlich geraten auch die Ermittler in Lebensgefahr …

Jörg H. Trauboth, international tätiger Krisenmanager und ehemaliger Generalstabsoffizier der Luftwaffe, Notfallseelsorger und gefragter Experte, hat mit »Jakobs Weg« seinen vierten Roman auf den Weg gebracht, in dem er sich mit dem Thema der »sexualisierten Gewalt an Kindern« beschäftigt. Die in der Presse immer wieder nur kurz auftauchenden Schlagzeilen über Pädophile und die Tatsache, dass die herrschende Corona-Pandemie mit häuslicher Isolation zu vermehrtem Missbrauch führt, machen es wichtig, sich mit diesen Problemen genauer auseinanderzusetzen.

Trauboth hat, um das Thema »lesbarer« zu machen und so einer breiteren Masse zuzuführen, als Genre hier nicht das Sachbuch, sondern den Krimi gewählt. Dabei vermag er es geschickt, zahlreiche Fakten und wichtige Informationen in den Text einzuarbeiten und dem Leser so auf leichte Art eine Menge an Fachwissen zu vermitteln. Gleichzeitig gelingt es ihm, die Grausamkeit der sexualisierten Gewalt oftmals nur so anzureißen, dass die Perversitäten nicht ausgeschlachtet werden, sondern sich Handlungen oftmals nur im Kopf des Lesers abspielen, der hier nicht zum Voyeur wird und das Grauen nicht bis ins kleinste Detail nachlesen muss. Doch auch so lief es mir bei der Lektüre immer wieder kalt den Rücken hinunter und der »Mord an der Seele« der Kinder macht mich sprachlos. Deutlich wird, wie aus Opfern später selbst Täter werden, welches Geschäft hinter dem Grauen steht und mit welchen großen Problemen die Polizei bei der Aufklärung der Verbrechen zu kämpfen hat.

Am Ende wendet sich Trauboth noch in einer persönlichen Angelegenheit an die Leser und erläutert seine Motivation als Autor für dieses Buch, mit dem er das Thema des Missbrauchs aus der Tabuecke herausholen will sowie Menschen aufrütteln und animieren, genau hinzuschauen – was ihm interessanterweise schon mit dem Cover gelingt, das – neben dem Titel – den gelben Pfeil des Jakobsweges auf einer rauen Baumrinde zeigt. Überaus gelungen! Ergänzend gibt es am Ende auch noch konkrete Informationen für Erste Hilfe und Anlaufstellen, was das Buch absolut abrundet.

Trauboth hat ausnehmend gut recherchiert und sich in das Thema nicht nur sachlich, sondern auch mitfühlend eingearbeitet und nimmt den Leser mit.

Trotz der vielen Sachinformationen ist der Krimi spannend von Anfang bis Ende und ein wahrer Page-Turner, den ich nicht aus der Hand legen wollte. Viele Fragen ergaben sich und beschäftigten mich lange mitzurätseln nach Tätern und Motiven und mitzufiebern mit dem Gelingen der Operation bis zu einer überraschenden Wendung am Schluss.

Ich bin sehr glücklich, dass dieser Krimi zu einem ruhigen und doch einigermaßen glücklichen Ende findet, so dass ich mit Hoffnung in die Zukunft blicken kann und mich keine Albträume plagen.

Wieder einmal mehr hat sich der Autor intensiv mit seinen Figuren auseinandergesetzt und erweckt diese vor den Augen des Lesers zum Leben. Ihr Handeln ist authentisch, sie sind mehrdimensional und ihr Schicksal bewegt in jeder Richtung – und das auch, wenn man sie nicht unbedingt mögen muss.

Last not least ist auch das Setting von besonderer Bedeutung und ergibt ein drittes Genre, das genannt werden muss neben Krimi und Sachbuch: der Reiseführer. Durch die intensive Beschäftigung mit den Etappen des Camino Francés (sehr schön dazu auch die Grafik am Anfang des Buches) habe sogar ich Lust bekommen, auf dem Jakosweg zu pilgern und viele Eindrücke zu erwandern.

Für mich ergibt sich hieraus eine klare 5-Sterne-Bewertung, denn dieses Buch ist absolut herausragend und ich kann die Lektüre einfach nur klar empfehlen: Bitte unbedingt lesen und Konsequenzen ziehen!!!

Allerdings möchte ich eine Triggerwarnung aussprechen für Missbrauchsopfer, selbstverletzendes Verhalten, suizidale Gedanken u.a.

Traut Euch an dieses Buch!

Dieser Krimi war für mich eine neue Erfahrung: Krimispannung mit aktuellen Themen gepaart. Es geht hierbei um sexuellen Missbrauch an Kindern. 

Man erfährt zum einen Hintergrundinfos, warum das von der Polizei so schwierig nachzuverfolgen ist (Darknet, Datenschutz etc.). Zum anderen handelt es von einer Pilgerwanderung auf dem Jakobsweg, zu der frühere Täter eingeladen wurden. Von wem und warum erfährt man auch in dem Buch.

Ich bin selbst Betroffene und tue mich mit dieser Rezension etwas schwer. Würde ich so gerne vieles hier erzählen und als Beispiele aufführen, so würde ich Euch die Spannung allerdings auch nehmen.

Ich fand es unglaublich spannend, wie der Autor Fachliches und auch Fantasie zusammen brachte. Man braucht sich nicht vor eventuellen Szenen fürchten, da diese immer »oberflächlich/grob« geschildert/angedeutet sind und somit dem Leser die freie Fantasie lassen, wie sehr man sich das vorstellen möchte.

Man erlebt einen Teil des Jakobsweges, erfährt einiges über die Landschaft, Menschen und auch Stationen.

Der Autor hat eine Leichtigkeit in das Buch gebracht, welche unglaublich ist und auch sehr wichtig, da sie zum genaueren Hinsehen anregen kann. Sehr hilfreich sind auch am Buchende aufgeführte Stellen, an denen weitere Informationen und auch helfende Kontaktstellen aufgezeigt sind. 

Mit dem Einblick weiß ich, dass sich der Autor sehr lange und auch sehr intensiv mit diesem »Schauweg-Thema« beschäftigt hat.

Traut Euch an dieses Buch!

Erkenntnis, Rache und Sühne auf dem Jakobsweg?

Vielen Dank, dass ich das Buch vorab lesen durfte. Und Danke, dass ich dabei sein durfte.

Ein heikles Thema, und zwar die sexualisierte Gewalt, wurde  hier feinfühlig in eine Krimihandlung eingebunden. Der Autor hat darauf geachtet, dass es keine voyeuristischen Beschreibungen gibt, eher so, dass man erahnt, was die Opfer durchlebt haben, aber keine Detail-Beschreibungen. 

Es hat einen Wachrütteleffekt, da  in eine Krimihandlung quasi die aktuellen Fälle (2019/2020) in irgendeiner Art aufgegriffen wurden.

Ganz toll finde ich die Verweise am Schluss des Buches, in denen Hilfsangebote und Anlaufadressen aufgeführt sind.

Ein weiteres, was mir sehr gefallen hat, ist, dass in dem Buch nichts verherrlicht wurde, wie es leider in Romanen anderer Autoren schon vorgekommen ist, die dasselbe Thema behandeln.

Buen Camino

Im katholischen Internat Maria Hilf trifft sich die illustre Gruppe »Rose«, um junge Schüler wie Jakob zu vergewaltigen und zu missbrauchen.

Zwanzig Jahre später erhalten 8 Personen, die damals involviert waren, Post: Sie sollen sich auf den Jakobsweg machen, dann bekommen sie ein kompromittierendes Video von damals. Sollten sie sich nicht auf die Pilgerreise begeben, wird das Video an die Medien übergeben. Zusätzlich wurden Hauptkommissar Joe »Hunter«Jaeger vom BKA und die Investigativ-Journalistin Hanna Dohn eingeladen. Sie waren damals in die erfolglosen Ermittlungen integriert. Zwar ist der Fall von damals verjährt, aber sie wollen trotzdem die Täter drankriegen. So begeben sich die 10 Personen auf die Pilgerreise unter der Leitung von Pater Ambrosius, der im Auftrag von dem anonymen »Servatius« handelt. Doch schon bald werden die »Pilger« durch Todesfälle dezimiert.

Das Cover ist einfach gemacht, passt aber hervorragend zum Buch. Es zeigt einen Pfeil, der den Jakobsweg anzeigt. Der Titel ist ebenfalls ausgezeichnet gewählt, denn es geht nicht nur über den »Jakobsweg«, sondern auch über »Jakobs Weg«.

Der Schreibstil ist brillant; Orte (also v.a. der Jakobsweg) werden ebenso wie die Charaktere bildgewaltig dargestellt.

Das Buch ist auch sehr gut recherchiert, kein Wunder schließlich hat der Autor auch mit Missbrauchsopfern zu tun. So werden Fakten (Ermittlungsarbeit der Behörden mit all ihren Problemen und Zahlen von Missbrauchen an Kindern) genialerweise in den Krimi eingebaut – ebenso wie das ganze heikle »Tabu«-Thema in einen Krimi eingebaut wurde.

Dabei wird auch das Wesen der Päderasten genau unter die Lupe genommen. So sieht man im Buch klar heraus, dass der eine sich dafür schämt und keine Kinder mehr missbrauchen will, während andere eine Geldquelle darin sehen und wieder andere einfach Spaß an der Macht haben. Dabei werden die Opfer nie (auch nicht durch entsprechende Szenen) herabgewürdigt.

Der Spannungsbogen ist sehr hoch gesetzt und bricht nie ab.

Dem Autor ist es daher gelungen, ein sensibles Thema, das nicht aktueller sein könnte, gekonnt in einen Krimi zu verpacken.

Es gibt als Anhang nicht nur eine Skizze des Jakobsweges, sondern auch ein Personenregister und Erste-Hilfe-Kontakte für Betroffene.

Hunter und Hanna gefielen mir als Undercover-Ermittler ausgezeichnet.

Das Einzige, was ich nicht ganz verstand, ist, wo Marta – Hunters Enkeltochter – eigentlich wohnt. Es wird zwar erwähnt, dass ihre Mutter in China weilt, aber von ihrem Vater ist nie die Rede. Und wenn sich Hunter dann auf die Reise macht, wo ist dann seine 13-jährige Enkelin, die sich nach einem Vorfall bei ihrem Großvater meldet und dann vorübergehend bei einer Kollegin wohnen kann, bis Joe wieder zurückkommt? Für diese kleine Unstimmigkeit muss ich leider einen 1/2 Stern abziehen.

Fazit: Wichtiges Thema, grandios in einen Krimi eingearbeitet. 4,5 von 5 Sternen.