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Keine Angst, Darling
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Millionen wollen sein wie sie. Doch ihr Leben ist eine gefährliche Lüge.
In der Luxussiedlung Sancta Familia in Florida hat Lea endlich, wonach sie sich immer gesehnt hat: ein sicheres Zuhause, eine Tochter, die sie über alles liebt, und einen Mann, der sie auf Händen trägt. Für ihr schillerndes Leben wird sie online von Millionen gefeiert – nur ihre Schwester Paula misstraut der makellosen Inszenierung.
Als Lea plötzlich verstummt, reist Paula besorgt von Deutschland nach Florida. Doch in der Sancta Familia ist ihre Schwester nicht. Ihr Mann behauptet, sie sei in einem Retreat. Aber warum gibt es kein Lebenszeichen?
Je tiefer Paula in die scheinbar heile Welt der Siedlung eindringt, desto sichtbarer werden die Risse: Strenge Regeln erfordern bedingungslosen Gehorsam. Und Frauen, die sich widersetzen, verschwinden …
»Ein Thriller, der unter die Haut geht. Unerschrocken, modern und unglaublich spannend« EMILY RUDOLF
Psychologische Spannung auf höchstem Niveau: atemberaubend fesselnd und beängstigend aktuell – der neue Thriller der preisgekrönten SPIEGEL-Bestsellerautorin.























Tradwife. Die Risse in Leas perfekter Welt
Tradwife. Über diesen Begriff bin ich schon des Öfteren gestolpert, so richtig auseinandergesetzt habe ich mich damit nicht. Ganz einfach deshalb, weil dies für mich keine Lebensform ist. Dieser Trend verherrlicht das Hausfrauendasein der 1950er Jahre - das Nur-Hausfrau-Dasein, dem Manne dienen, ihm jeden Wunsch schon im Vorfeld von den Lippen ablesen, dabei sich selbst hintanstellen oder besser gesagt, sich komplett zurücknehmen. Denn schließlich ist er es, das das Geld verdient.
Lea ist eine dieser glücklichen Frauen. Sie lebt in der nach außen hin abgeschotteten Siedlung Sancta Familia in Florida, kümmert sich liebevoll um Matt, ihren Ehemann und um Emma, ihre kleine Tochter. Zuvor hat sie ganz anders gelebt, aber seit sie Matt begegnet ist, ist ihr Leben, an dem sie online ihre Follower teilhaben lässt, sinnerfüllt. Den Kontakt zu Paula, ihrer Schwester in Deutschland, hat sie abgebrochen, Paula macht sich dennoch Sorgen, sie folgt Leas Kanal. Als dann urplötzlich Leas Heile-Welt-Clips enden, fliegt Paula kurzerhand nach Florida. Und – trifft Lea nicht an. Angeblich erholt sie sich in einem Retreat, das Matt jedoch nicht näher benennen kann oder es auch nicht will. Paula lässt nicht locker, sie setzt alle Hebel in Bewegung, trifft dann auf eine Frau, die mehr von Sancta Familia zu wissen scheint.
Von Vera Buck habe ich schon einiges gelesen. Der dunkle Sommer, Das Baumhaus, Wolfskinder - ihre Thriller haben mich komplett überzeugt. Jeder einzelne. Keine Angst, Darling möchte ich hier unbedingt einreihen.
Man ahnt, dass Leas heile Welt nicht von Dauer sein kann, trotzdem sie von dieser Lebensform überzeugt zu sein scheint. Ich folge ihr durch ihren Alltag, den sie einst selbst gewählt hat. Die Autorin lässt Leas Gedanken in Tagebuchform, getarnt als Haushaltsbuch, mit einfließen. Lässt ihre Leser an Emmas Geburt teilhaben, eigentlich schon ab dem Zeitpunkt der Zeugung. Auch viele andere Szenen meint man, einschätzen zu können. Aber – nichts ist so, wie es den Anschein hat. Vera Buck ist eine Meisterin darin, Situationen darzubieten, lässt an vielen Einzelmomenten teilhaben, löst spät auf, verblüfft einmal mehr.
„Keine Angst, Darling“ ist ein wiederum sehr fesselnder, zudem beklemmender Thriller, der von Abhängigkeiten, von Manipulation und häuslicher Gewalt erzählt, der dem jahrzehntelangen Kampf um die Gleichberechtigung der Frau mit diesem Tradwife-Trend entgegenwirkt. Ein Buch, das ich nicht weglegen konnte, das mich noch lange beschäftigen wird.
Beklemmendes Thema
Lea hat sich von ihrer Schwester Paula abgewendet, fühlt sich von vielen Dingen bedrängt und flieht nach Florida. Dort trifft sie auf Matt Graves. Als Paula wochenlang nichts von Lea hört und selbst ihre Social-Media-Profile verstummen, reist sie ihr hinterher und gerät in ein Netz aus Geheimnissen, Manipulation und psychologischer Gewalt.
Im Zentrum steht der Tradwife-Trend, bei dem Frauen sich freiwillig in ein Leben zurückziehen, das an die 50er Jahre erinnert: Hausfrauendasein, Unterordnung, Kontrolle. Die Rückblenden, die sich immer weiter der Gegenwart annähern, erzeugen eine stetig wachsende Spannung. Die Story ist sehr intensiv und erzeugt eine bedrohliche Atmosphäre die sich bis zum Ende des Buches hält. Systematische Erniedrigung und Unterwerfung sind hier ein eindringliches und beklemmendes Thema.
Die Figuren, besonders Paula und Lea, sind authentisch gezeichnet. Sie wirken menschlich und verletzlich. Ihre Ängste, Fehler und Sehnsüchte machen die Handlung emotional greifbar und verstärken die Spannung.
Schließlich baut sich die Story langsam und präzise auf. Keine Szene ist überflüssig, man hat das Gefühl der Wahrheit immer näher zu kommen und einen Blick auf die Geheimnisse hinter der Fassade zu werfen.
Eine perfekte Familie?
Das Thema „Trade Wife“ geht in letzter Zeit immer wieder durch die Medien und nun hat die Autorin Vera Buck dieses Thema als Grundlage für ihren Thriller benutzt.
Die Schwestern Paula und Lea sind sich fremd geworden, seit Lea in Florida lebt und ihr Leben als Influencerin in Social Media ausbreitet. Während Leas Follower sie feiern, ist Paula skeptisch. Als Lea plötzlich nichts mehr postet, reist sie nach Florida, um nach ihrer Schwester zu schauen. Doch Leas Ehemann Matt reagiert abweisend und behauptet, dass Lea eine Auszeit in einem Retreat nimmt. Doch Paula gibt nicht auf und sucht weiter nach Lea. Dabei zeigt sich, dass die heile Welt, die Lea nach außen hin gezeigt hat, nur Fassade ist.
Der Schreibstil der Autorin gefällt mir gut. Die Atmosphäre ist von Anfang an bedrohlich und die Spannung die ganze Zeit über hoch. Erzählt wird aus unterschiedlichen Perspektiven und auf verschiedenen Zeitebenen. Das Nachwort ist sehr aufschlussreich.
Auch die Charaktere sind gut und glaubhaft gezeichnet. Obwohl sich die Schwestern vor Jahren entfremdet haben, fühlt sich Paula immer noch für Lea verantwortlich. Als sie hört, dass Lea plötzlich in den Medien schweigt, ist sie sehr besorgt. Sie trifft auf Matt, der abweisend ist und ihre Besorgnis nicht verstehen will. Mir war dieser Mann von Anfang an unsympathisch. Obwohl es ihr nicht leicht gemacht wird, gibt Paula nicht auf. Die verschwundene Lea ist eine interessante Persönlichkeit. Ihr fehlt es wohl an Selbstsicherheit, als sie auf den charmanten und selbstbewussten Matt trifft. Sie ordnet sich ihm unter. Dann lässt sie die Welt an ihrem scheinbar perfekten Leben mit perfektem Ehemann und toller Tochter teilhaben. Doch das alles hat seinen Preis.
Mir ist es unverständlich, dass sich Frauen so unterordnen, nachdem sie viele Jahrzehnte für die Gleichberechtigung gekämpft haben. Sie begeben sich in eine Abhängigkeit, aus der sie kaum wieder herausfinden. Besonders bedrückend fand ich es, dass auch das Umfeld in der Siedlung sich genauso verhielt.
Diese Geschichte hat mich von Beginn an gefesselt. Immer wieder gab es unverhoffte Wendungen. Ich hatte meine Vermutung, wie alles enden würde, doch die Autorin hat mich auch hier überrascht.
Mir hat dieser spannende, aber auch beklemmende Thriller gut gefallen und ich gebe gerne eine Leseempfehlung.