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Killerfrauen

Deutschlands bekanntester Serienmordexperte klärt auf
Buch
Taschenbuch, 240 Seiten

Verlag: 

ISBN-10: 

3426788667

ISBN-13: 

9783426788660

Erscheinungsdatum: 

01.03.2017

Preis: 

9,99 EUR
Amazon-Bestseller-Rang: 116.852
Amazon Bestellnummer (ASIN): 3426788667

Beschreibung von Bücher.de: 

Stephan Harbort erzählt packend beispielhafte Fälle von Serienmörderinnen, analysiert ihre Motive, Hintergründe und Persönlichkeitsprofile: Eine Krankenschwester, die im Namen Gottes Patienten ermordet. Zwei junge Frauen, die ihre Untergebenen in der Drückerkolonne mit Baseballschlägern prügeln und foltern. Eine Eis-Verkäuferin, die ihre Exmänner erschießt.

Deutschlands führender Serienmordexperte gibt beklemmende Einblicke in die Abgründe der Seele. Denn Frauen töten anders.

Kriminetz-Rezensionen

Zu was Frauen fähig sein können

Bei diesem Buch erging es mir genauso, als würde ich "Aktenzeichen xy ungelöst" anschauen. Ich weiß, dass diese Taten im realen Leben begangen wurden mit all ihren Grausamkeiten, aber da ich dies nicht nachvollziehen kann, versuche ich mir immer einzureden, das ist doch nur ein Film, bzw. wie hier, eine aufgeschriebene Story. Aber nein, es ist echt und nicht begreifbar.

Wie können Menschen so etwas tun? Wie kann eine Mutter ihre drei toten Säuglinge jahrelang im eigenen Haus, im Keller, in einer Gefriertruhe aufbewahren, ohne das der Ehemann oder die beiden größeren Kindern jemals etwas davon mitbekommen haben? Wie kann eine Mutter damit leben, mit diesem Gewissen, was da unten im Keller liegt? Dieser Fall hat mir, neben einer anderen Tat, schwer zu schaffen gemacht.

Zudem finde ich, dass man dieses Buch nicht so einfach runterlesen kann, wie einen Krimi oder einen Roman. Nach jedem Kapitel, welches sich mit einer Tat beschäftigt, musste ich meine Gedanken erst einmal sacken lassen und mir Notizen machen, um meine Empfindungen und Eindrücke später in eine Rezension zu verpacken. Im Kapitel "Jutta zwei" musste ich mehrmals das Buch zur Seite legen, da doch sehr detailliert beschrieben wird, wie ein Mann auf grausamste und brutalste Weise gequält und gefoltert wurde, bevor sein Tod ihm endlich die Erlösung brachte. Schlimmer hätte es kein Horror-Autor schreiben können.

Die meisten Kapitel sind in drei Abschnitte eingeteilt, zuerst wird die Tat beschrieben, dann erfolgt in Rückblicken die Kindheit der Täterinnen, das weitere Leben privat wie beruflich, dann wie es soweit kommen konnte, bis sie töteten und im letzten Teil lässt uns Herr Harbort an seiner Meinung und seiner Analyse teilhaben. Diese letzten Abschnitte des Autors bemerkt man sofort, denn irgendwie verändert sich hier sein Ausdruck. Im Gegensatz zu den Fallbeschreibungen, die sich oftmals so emotionslos und kalt lesen lassen, wie direkt aus den Akten abgeschrieben. Keine Ahnung, ob das so ist, aber beim Lesen bemerkte ich diese unterschiedlichen Schreibstile sofort.

Ein Sachbuch welches nichts für zartbesaitete Menschen ist, aber wer sich auch schon für die anderen Bücher von Stephan Harbort interessiert hat, kann sich getrost ans Lesen machen.

"Frauen töten anders"

In den Gefängnissen sitzen in der Mehrzahl männliche Straftäter ein, Frauen sind deutlich in der Minderzahl. Bei einem Informationstag in einer Justizvollzugsanstalt, an dem ich teilnahm, erläuterte die Referentin, dass der Frauenanteil in deutschen Gefängnissen grade mal bei zwei Prozent läge. So morden Männer bei Beziehungstaten, wenn sie das Opfer „behalten wollen“, Frauen in der Regel, um sich eines Peinigers zu entledigen.

Umso ungewöhnlicher sind die Fälle, die Serienmordexperte Stephan Harbort in seinem im Knaur-Verlag erschienenen Sachbuch „Killerfrauen“ akribisch beleuchtet. Vorneweg: Es ist kein Buch für Empfindsame. Und es geht auch nicht darum, sich gegen einen Peiniger schlussendlich zu wehren. Eine der Frauen ermordet ihre Kinder, die Polizei hegt zwar einen Verdacht gegen sie, doch man kann ihr lange ihre Taten nicht nachweisen. Eine „schwarze Witwe“ wird mit jedem Mord wohlhabender. Die Patientenmörderin nimmt einen das Vertrauen in den nächsten Klinikaufenthalt, eine Drückerchefin ist an gemeiner Grausamkeit kaum zu überbieten.
Alle sieben vorgestellten Fälle gehen unter die Haut und es drängt sich die Frage auf, was diese Frauen derart krank gemacht hat.

Im Nachwort geht Stephan Harbort dieser Frage allgemein auf den Grund, häufig litten diese Frauen an einer Persönlichkeitsstörung. Negative Erfahrungen in der Kindheit im eigenen familiären Umfeld wären „wissenschaftlich zwar häufig beschrieben worden und gut belegt, aber auch umstritten“. Denn dann wäre die Zahl an Täterinnen „exorbitant höher“.

Im Gegensatz zum Lesen eines Krimis bleibt beim Lesen dieses gut geschriebenen Sachbuchs das erschreckende Gefühl des „wahren Falles“ zurück. Ausgedachte Kriminalfälle sind leichter wegzustecken, da sie lediglich Fiktion sind. Wahre Fälle hingegen machen nachhaltig nachdenklich.

KILLERFRAUEN - das neue Buch von Stephan Harbort

Besprechung von Jürgen Ludwig

Stephan Harbort, Kriminalhauptkommissar beim Polizeipräsidium Düsseldorf, gilt nicht nur als einer der Spitzenexperten für Serienmörder und Fallanalyse (Profiling) in Deutschland. Nachdem er in der Fachzeitschrift Kriminalistik, die bereits 1926 gegründet wurde, diverse Fachartikel veröffentlichte (u. a. „Empirische Täterprofile“ 1997), erschien 2001 sein Buch „Das Hannibal-Syndrom“. Es folgten diverse populärwissenschaftliche Publikationen und TV-Auftritte, sodass Stephan Harbort verdientermaßen einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht hat.

„KILLERFRAUEN“ ist das neue Buch von Harbort, das Serienmörderinnen der „jüngeren Vergangenheit im deutschsprachigen Raum“ (Harbort) zum Thema hat.

Sieben authentische Fälle hat Harbort ausgewählt, die er in seiner bekannt sachlichen Herangehensweise vorstellt. Sieben Fälle, die einen Meilenstein in der Analyse des Phänomens „Serienmörderinnen“ darstellen. Wie Stephan Harbort in seinem Vorwort trefflich formuliert, verbindet man mit Serienmördern eher das männliche Geschlecht. Und die Statistik, so weist der Verfasser hin, spricht eine klare Sprache: Gerade einmal 12 Prozent der Tatverdächtigen in Bezug auf die vorgenannten Verbrechen sind weiblich.

Bleibt die Frage, wie kommt es dazu, dass aus Frauen Serientäterinnen werden?
Stephan Harbort gibt mit diesem Buch Aufschluss über eine Thematik, die bisher in der Kriminalistik wohl unzureichend behandelt wurde. Mit seiner Methodik des empirischen Täterprofils, gepaart mit Erfahrung, kriminalistischem Sachverstand und persönlichem Kontakt zu den Täterinnen kann Stephan Harbort die Frage beantworten, die sich die Leserschaft stellt: Wie konnte es zu diesen Taten kommen?

Der geneigten Leserschaft wird es wie mir ergehen: Sind diese Frauen noch Menschen oder Ungeheuer? Wie kaltblütig, wie gefühllos, muss man sein, um solche Taten zu begehen? Wie kann man solche Verbrechen begreifen? Haben die Stammtischler nicht recht, die formulieren: „Wegschließen und Schlüssel wegwerfen?“ Vielleicht sogar wieder die Forderung: „Rübe ab“?

Der Ruf nach staatlich verordneter Rache, die Dämonisierung und Gier der Boulevardpresse stehen dem entgegen, was Stephan Harbort aufzeigt: Seine Herangehensweise mit professioneller Distanz, die ihre Quelle wohl in seiner Charakterstärke, Disziplin und Fachkompetenz hat.

Der Autor gibt Antworten auf viele dieser elementaren Fragen, indem er die Beweggründe ausführlich erforscht und einordnet, die Abläufe strukturiert darstellt und jeden Fall für sich abschließend analysiert.
Die Tatsache, dass Stephan Harbort dankenswerter Weise auf Effekthascherei verzichtet, bedeutet aber nicht, dass beim Lesen dieser Lektüre einem nicht das Blut in den Adern gefriert. Im Gegensatz zu einem noch so blutrünstigen Krimi, der reine Fiktion ist, erleben wir hier die Realität. Die Opfer und die Täterinnen sind real, genau wie deren Angehörige.

Wenn man die Lebensläufe der Serienmörderinnen betrachtet, die Harbort in KILLERFRAUEN beschreibt, bleiben der Leserschaft nur folgende Fragen offen: Wo ist meine andere, dunkle Seite der Nacht? Was hält mich davon ab, den Schritt in den Abgrund zu tun? Oder um es mit den Worten von Stephan Harbort (Schlusswort zu Geboren, um zu sterben) auszudrücken: Dieser Mensch könnte ich selbst sein!
Stefan Harbort unterscheidet sich herzerfrischend von Profilern, die eine Mischung aus Kriminalfällen und Autobiographien zur Selbstdarstellung nutzen und zu narzisstischen Selbstbetrachtungen neigen. Er zieht es vor, durch populär wissenschaftliche Herangehensweise Serienmörder wie Profiling zu entmystifizieren. Nicht der Kriminalist und Fallanalytiker Harbort steht im Vordergrund, sondern das tatsächliche Geschehen. Wie auch schon in seinen vorherigen Publikationen beeindruckt die Tatsache, dass Harbort auf Selbstherrlichkeit und Schönfärberei verzichtet.

Mit „KILLERFRAUEN“ knüpft der Autor nahtlos an seine bisherigen hervorragenden Veröffentlichungen an. Sein eindrucksvoller Schreibstil, pragmatisch, prägnant und wohl strukturiert, sind ein Markenzeichen von Stephan Harbort.

Im Anschluss an sein Nachwort fügt er die Ergebnisse seiner umfangreichen und tiefgreifenden Studien in tabellarischer Form an (Kriminologie der Serienmörderin in Deutschland 1945 – 2015).

Bleibt mir nur noch, mein Prädikat zu vergeben: Besonders lesenswert!