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Kreuzverhör
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Die dunkle Seite Stockholms: Seit Jahren werden junge Mädchen von einem geheimen Täterring missbraucht. Jeder, der droht, die Machenschaften dieses menschenverachtenden Netzwerks aufzudecken, wird gnadenlos eliminiert.
Anwältin Emilie vertritt eines der jungen Opfer. Katja ist schwer traumatisiert, stellt sich aber dennoch den quälenden Fragen der Staatsanwaltschaft, um die Peiniger dingfest zu machen.
Als Katja brutal niedergemetzelt wird, setzen Emilie und ihr Freund Teddy - ein Ex-Knacki, der sich in der Stockholmer Unterwelt bestens auskennt - alles daran, den Mörder zu finden. Doch sie werden selbst von Jägern zu Gejagten, die mit aller Macht zum Schweigen gebracht werden sollen.






















Grundsätzlich spannend
Ein geheimes Netzwerk in Stockholm, das jahrzehntelang junge Mädchen ausgebeutet, gequält, missbraucht und gefoltert hat – wenn man die Meldungen der weltweiten Presse mal so verfolgt überhaupt kein unwahrscheinliches Szenario. Im englischen Rotherham, im deutschen Bergisch-Gladbach oder im belgischen Charleroi sind nur die bekanntesten europäischen Netzwerke und nur die, die bisher aufgefallen sind. Insofern ist Kreuzverhör mit seinem Plot schon erschreckend nah dran an der Realität.
Observation
Allerdings widerstrebt es mir immer wieder, mir so etwas in Stockholm – im Herzen Schwedens – vorzustellen. So ganz komme ich aus dem Bullerbü-Klischee immer noch nicht raus – aber Jens Lapidus arbeitet daran. In dieser Geschichte sind Teddy und Emilie, aber eben auch die Polizei mit einer speziellen Gruppe dabei, Licht in Abgründe dieses Netzwerkes zu bringen. Allerdings ist das nicht so einfach und zieht sich ziemlich hin. Zu lange für Teddy und Emilie die es schon aus Eigennutz eilig haben, denn sie stehen auf der Abschussliste des Netzwerkes.
Strafrechtlich
Auch wenn in »Kreuzverhör« der Fokus nicht so sehr auf der Polizei und deren Ermittlungen liegt, sondern eher auf der strafrechtlichen Seite, ordne ich es eher in die Reihe moderner Polizeithriller ein. Es geht hauptsächlich um Ermittlungen im kriminellen Milieu, Verschwörungen, es gibt ein ganz kleines bisschen Romantik – aber auch einen Hauch von Ironie. Die Hauptfiguren tragen alte Traumata mit sich herum, haben ihren ganz eigenen moralischen Kompass und scheinen das »Rauhe Schale, weicher Kern«-Klischee erfunden zu haben.
Nicht meins
Abgesehen davon, dass ich es nicht so mit diesen mehrfach traumatisierten Ermittlertypen habe, kann ich mit Sprache und dem Stil nichts anfangen. Es ist überhaupt nicht meine Art zu reden und schon gar nicht zu lesen. Mag sein, dass das so modern ist – aber ich bleibe dann lieber altmodisch, sorry. Die Handlung fand ich dagegen superspannend ausgedacht und sehr geschickt verwoben. Vielleicht wäre es hilfreich gewesen, die beiden Bücher (also auch das nicht übersetzte) zu kennen, aber ich kam auch so ganz gut klar.
Mein Fazit:
»Kreuzverhör« von Jens Lapidus lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Ich fand den Plot wirklich sehr spannend und wahnsinnig erschreckend, aber Sprache und Stil haben mich zunehmend genervt.
Düster und stimmungsvoll
Mitten in Stockholm werden Mädchen entführt, gequält und missbraucht, ein ganzer Ring hat sich hier zusammengeschlossen – und sie jagen jeden, der ihnen in die Quere kommt. Auch als das Opfer Katja mit der Polizei zusammenarbeitet und mit ihren Aussagen den Tätern gefährlich nahekommt, wird die bestialisch ermordet. Ihre Anwältin Emilie und ihr Freund Teddy, der noch nicht lange aus dem Gefängnis entlassen wurde, starten einen Gegenangriff quer durch die Stockholmer Unterwelt – und geraten bald selbst ins Fadenkreuz …
Mit »Kreuzverhör« hat der schwedische Bestsellerautor Jens Lapidus bereits den zweiten Band aus seiner Reihe um die engagierte Anwältin Emilie geschrieben, wieder werden eher die düsteren Seiten der Großstadt und einige menschliche Abgründe thematisiert. Allein das sorgt schon für ein beklemmendes Gefühl: Die Klarheit des Missbrauchs von Kindern, ihre Hilflosigkeit, ihre Ohnmacht, die schrecklichen Martyrien, die sie durchleiden müssen. Auch wenn das nicht voyeuristisch bis ins Detail präsentiert wird und der Schwerpunkt eben auf den Ermittlungen liegt, ist das schon sehr markant umgesetzt. Mir gefällt auch die ansonsten eher düstere Stimmung mit rauen Charakteren und immer wieder auf dem Fokus auf das Schlechte im Menschen, auch wenn durchaus auch einige humorvolle Momente eingebaut sind, die dann das Geschehen etwas auflockern. In meinen Augen hat es der Autor etwas zu gut damit gemeint, seine beiden Hauptfiguren mit dem einen oder anderen Trauma und psychischen Knacks zu belegen, was zwar die Stimmung immer wieder intensiviert, in dieser geballten Form aber einfach zu überzogen wirkt.
Der Plot ist gut erdacht, der Spannungsbogen geschickt ausgelegt, sodass am Ende doch einige gelungene Überraschungen vorhanden sind. Viele packende Szenen und die ständige Bedrohung durch die Hintermänner des Rings sorgen für Spannung, allerdings gibt es auch einige Passagen, die sich merklich in die Länge ziehen, in denen die Spannung und die Dynamik nicht gehalten werden kann. Auch sind für meinen Geschmack zu viele Handlungsstränge vorhanden. Nichts gegen Komplexität, hier ist es mir aber schwergefallen, die Ereignisse in einen sinnvollen Zusammenhang zu setzen. Das wirkte stellenweise etwas verwirrend und löst sich auch am Ende nicht vollkommen auf, sodass mir diese Sequenzen einfach verschlossen bleiben.
»Kreuzverhör« hat mir grundsätzlich gut gefallen, ist düster und stimmungsvoll, spannend und dramatisch, versehen mit interessanten Charakteren und einer lebendigen Geschichte. Aber es gibt eben auch Passagen, die sich in die Länge ziehen und in denen die Spannung verloren geht, auch wirkt einiges etwas überladen – auch wenn das Ende stimmig und aufregend geraten ist.