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Langeooger Gier

Der zweite Fall für die Langeooger Inselkommissare Gerret Kolbe und Rieke Voss
Buch
978-3965862715, 200 Seiten

Verlag: 

ISBN-10: 

3965862715

Auflage: 

1 (27.11.2020)

Preis: 

11,99 EUR

Krimitags: 

Amazon Bestellnummer (ASIN): 3965862715
Beschreibung von Marcel Gröger

Die Aufregung auf der ostfriesischen Insel Langeoog ist groß, als eines Morgens der Strand voller angeschwemmter Schuhe ist. Dabei handelt es sich um nagelneue Ware, die einer der vorbeiziehenden Frachter mitten in der Nacht auf offener See verloren haben muss. Gierig fallen die Urlauber darüber her. Die Inselkommissare Gerret Kolbe und Rieke Voss werfen einen belustigten Blick auf das Geschehen und ahnen noch nichts Böses. Aber das lässt nicht lange auf sich warten.

Etwas weiter, an Langeoogs Ostende, wurde nämlich ein beschädigter Container angespült. Einige Insulaner beharren vehement auf ihr altes Seefahrer- und Friesenrecht, wonach jegliches angespülte Strandgut den Inselbewohnern gehört. Zunächst gelingt es Kolbe mit diplomatischem Geschick, eine Plünderung und Eskalation zu verhindern, doch schon am nächsten Morgen haben die Ermittler eine Leiche …

Kriminetz-Rezensionen

Spannend, erschütternd, wendungsreich

Nachdem mir schon der Auftakt rund um die Inselkommissare von Marc Freund unheimlich gut gefallen hat, hab ich mir direkt den nächsten geschnappt. Der Klappentext gab nicht allzu viel her, weshalb ich umso gespannter auf die Handlung war.

Doch zunächst wird man in die Gedankenwelt von Gerret Kolbe gezogen, die ihre eigenen Dämonen beherbergt. Der Autor verschafft uns hier einen tieferen Einblick in die Vergangenheit des Kommissars, was enorm dramatisch und tragisch anmutet. Dennoch werde ich noch nicht ganz schlau daraus.

Und damit tauchen wir auch schon in die Welt von Langeoog ein. Oder besser gesagt, in die ungeschriebenen Gesetze der Insulaner. Allgemeines Friesenrecht besagt, wer etwas findet, der darf es behalten.

Wenn dann ein schön großer Container angeschwemmt wird, ist alles sogleich in Aufruhr. Blöd nur, wenn die Kommissare dazwischen funken und somit Öl ins Feuer gießen. Autsch. Sag ich nur.

Ein spektakulärer Vorspann, wenn man so will. Dennoch hat mich vor allem das aggressive und impulsive Verhalten der Insulaner erschüttert. Aber das soll noch nicht alles gewesen sein.

Marc Freund zog mich mit seiner packenden und bildhaft erzählenden Art sofort in den Bann. Hier steht vor allem der Fall absolut im Fokus, was mir enorm gut gefallen hat. Eskalation. Das bringt es verdammt gut auf den Punkt. Denn der Container steht wie ein Damoklesschwert über allem und wird quasi zum Dreh- und Angelpunkt. Dabei spielt der Container eher eine untergeordnete, aber trotzdem zentrale Rolle. Makaber, wenn man sich die Tragik hinter allem anschaut.

Der Autor geht hier auf die unterschiedlichsten Themen ein, schafft es aber auch, die zwischenmenschlichen Aspekte aufleben zu lassen. Dabei kommen die unglaublichsten Dinge ans Tageslicht, die mich wirklich immens erschüttert haben. Denn jeder Charakter wandelt sich immer weiter und am Schluss hat man das Gefühl, ihn gar nicht mehr wiederzuerkennen. Das fand ich schon extrem, da man im Laufe der Handlung zu dem einen oder anderen eine emotionale Bindung aufbaut, die dann auf extreme Weise erschüttert wird.
Dabei entdeckt man, wie verletzlich einige davon sind. Wie gekonnt manipuliert und intrigiert wird, als gäbe es kein Morgen mehr. Jeder möchte gefallen, sich anpassen und auf keinen Fall ausgestoßen werden. Was den emotionalen Bereich verstärkt und eine gewisse Abhängigkeit erkennen lässt. Die nur in eine Abwärtsspirale münden kann.

Und daneben die beiden Inselkommissare Gerret Kolbe und Rieke Voss, die immer wieder an ihre Grenzen stoßen und ihr Möglichstes tun, um diesen Fall zu lösen. Der sich schließlich als erstaunlich vielschichtig und dramatisch herausstellt. Dabei muss ich ehrlicherweise zugeben, dass mir die eine oder andere Szene zu zugespitzt, zu gewollt dargestellt wurde. Was zwar den Adrenalinspiegel gewaltig in die Höhe treibt, aber eben auch etwas zu perfekt wirkt.

Marc Freund schafft es dennoch, mit einer sehr abwechslungsreichen Story zu punkten, die mich am Ende ziemlich überrascht hat. Ihm gelingt es, die losen Fäden zusammenzubringen und damit eine Kette an dramatischen, sowie tragischen Ereignissen auszulösen. Das macht mitunter auch nachdenklich, weil es den schönen Schein de facto nicht gibt und man in seinem Glauben tief erschüttert wird.

Insgesamt ein sehr fesselnder Ostfrieslandkrimi, der es schafft mit Authentizität, Lebendigkeit und gut durchdachter Ermittlungsarbeit zu punkten. Besonders die Kommissare sind klasse, weil sie ihre Diskrepanzen haben und es dadurch niemals einfach wird. Gern könnte man Enno noch mehr in den Vordergrund rücken, denn er trägt verdammt großes Potential in sich, das dringend ausgeweitet werden muss.

Fazit:
»Langeooger Gier« ist der zweite Fall für Gerret Kolbe und Rieke Voss, in richtiges cooles Ermittlerpaar, das ihre Diskrepanzen hat und dadurch niemals Langeweile aufkommen lässt.

Der Fall hat mich diesmal enorm erschüttert und zum Nachdenken gebracht.
Nichts ist so wie es scheint. Es macht sich eine gewisse Beklemmung breit, wenn man erkennt, wie weit emotionale und psychische Abhängigkeit reichen kann.

Ein ziemlich komplexer Band, der am Ende nicht nur sprachlos macht, sondern auch einiges an Dramatik und Tragik aufkommen lässt. Ein fast perfekter Ostfrieslandkrimi, der nicht ganz ohne Kritik auskommt. 4 von 5 Sternen.