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Notizen zu einer Hinrichtung

Roman
Buch
Gebundene Ausgabe, 348 Seiten
Übersetzer: 

Verlag: 

ISBN-10: 

3351051212

ISBN-13: 

9783351051211

Auflage: 

1 (14.02.2024)

Preis: 

22,00 EUR
Schauplätze: 
Amazon-Bestseller-Rang: 9.765
Amazon Bestellnummer (ASIN): 3351051212

Beschreibung von Bücher.de: 

»Ein erschütternder Thriller über drei Frauen, die in den Bannkreis eines Serienmörders geraten.« Brit Bennett

In 12 Stunden soll Ansel Packer hingerichtet werden. Doch dies ist nicht seine Geschichte. Dies ist die Geschichte der Frauen, die er zurückgelassen hat.

Ansel Packer weiß ganz genau, was er verbrochen hat, und wartet nun auf seine Hinrichtung – das gleiche grausame Schicksal, das er vor Jahren seinen Opfern auferlegt hat. Doch er will nicht sterben. Er will anerkannt und verstanden werden.

Durch ein Kaleidoskop von Frauen – eine Mutter, eine Schwester, eine Kommissarin der Mordkommission – erfahren wir die Geschichte von Ansels Leben.

Atemberaubend spannend und mit erstaunlichem Einfühlungsvermögen zeichnet Kukafka ein erschütterndes Porträt von Weiblichkeit, während sie gleichzeitig das Narrativ des Serienmörders und unsere kulturelle Besessenheit von Kriminalgeschichten hinterfragt.

»Brillant.« Chris Whitaker
»Ein Muss.« The Times
»Umwerfend.« Observer
»Fesselnd.« New York Times
»Meisterhaft.« Guardian

Kriminetz-Rezensionen

„Was in jener Nacht geschah…“

…und davor und danach - davon erzählt Danya Kukafka. Da sind wir schon mittendrin, aber beginnen wir von vorne, ab der Geburt des kleinen Jungen - Ansel Packer. Seine Mutter ist blutjung und unerfahren, sein Vater ein jähzorniger Mensch, man könnte ihn ohne Weiteres als gewalttätig bezeichnen. Bis zu seinem vierten Lebensjahr lebt der Junge in einem abgeschiedenen Hof. Er kennt sich gut aus im Wald und spürt nur allzu häufig des Vaters Zorn. Ein Geschwisterchen wird geboren, es ist noch namenlos, es ist ganz einfach Baby Packer. Als dann Vater wieder mal ausrastet, ersinnt Mutter eine Möglichkeit, die Kinder vor ihm zu schützen.

Es ist die Geschichte eines Serienmörders, der mich in seinen Bann zieht und mich zugleich abstößt und gleichzeitig und vor allem sind es jene Geschichten der Mutter, einer Schwester und einer Kommissarin. Aus mehreren Perspektiven legt die Autorin ein erschütterndes Zeugnis eines verirrten Geistes ab, der seine Hinrichtung erwartet, diese aber meint, doch noch umgehen zu können. Er ist angezählt, es sind noch zwölf Stunden bis zur Stunde Null. Dabei lässt er die vergangenen Jahre Revue passieren. Es ist ein eindringliches Zeugnis eines Lebens geworden, das – hätte es einen besseren Start gehabt – vielleicht ganz anders verlaufen wäre. Zumindest drängen sich diese Gedanken auf, während die Frauen, die in seinem Leben eine entscheidende Rolle spielen, immer deutlicher zum Vorschein kommen.

„Es gibt Gut, und es gibt Böse, diese Gegensätze existieren in jedem Menschen.“ Nur manchmal gerät so einiges in Schieflage.

Die „Notizen zu einer Hinrichtung“ sind ganz einfach grandios. Es ist so viel mehr, als der Klappentext verrät. Der Erzählstil ist meisterlich, er bietet alles, lässt tief blicken und drängt etappenweise vorwärts. Kein herkömmlicher Thriller, blutig und actionreich – nein, das hat dieses so eindringlich dargebotene Buch nicht nötig. Jede Berührung, jeden Gesichtsausdruck, jedes Gefühlschaos spürt man direkt, man kann sich dem nicht entziehen.

Auch das Cover spricht Bände. Es hat mich zunächst nicht so recht angesprochen und doch auf eigentümliche Weise angezogen. Und ja, auch der Fuchs gehört hier dazu, das Gesamtbild ist in sich stimmig wie das ganze Buch, das ich am Stück verschlungen habe.
5 Sterne

Schuld und Sühne?

Setzt sich Gewalt durch Generationen durch – und was führt dazu, Böses zu tun? Was geht in einem Menschen vor, der nur noch zwölf Stunden zu leben hat? Und was bedeutet sein bevorstehender Tod für die Angehörigen der Opfer?

In »Notizen zu einer Hinrichtung« von Danya Kukafka geht es um schwere Kost. Doch ihr Buch über einen Serienmörder und die Frauen, die durch sein Leben berührt wurden, kommt ohne Voyeurismus oder Sentimentalität aus. Es ist auch eine Annäherung an das Böse, ohne zu dämonisieren.

Es ist ein Countdown der letzten Stunden von Ansel, der als Mädchenmörder in der Todeszelle sitzt. Zunächst ist er noch zuversichtlich, er glaubt, er hat einen Ausweg gefunden, das Schicksal anderer Todeskandidaten zu vermeiden. Er wird feststellen: Falsch gedacht. Während die Erzählung einerseits Ansels Leben folgt, widmet sich der zweite Erzählstrang den Frauen: Lavender, Ansels Mutter, die als Teenager in eine gewalttätige Beziehung geriet und schließlich floh, wobei sie ihre beiden kleinen Kinder zurückließ. Saffron, die als Kind im gleichen Kinderheim lebte wie Ansel und später Polizistin wird. Hazel, die Schwester von Ansels letztem Opfer.

Ansels Geschichte ist die eines verpfuschten Lebens, das andere Leben zerstörte, aber auch eine von Selbstüberschätzung, Manipulation und einem gewissen Narzissmus. Wer öfter mit Strafprozessen zu tun hat, kennt das: Sehr häufig sitzen auf der Anklagebank für schwere Straftaten Menschen, die eine grauenvolle Kindheit hatten. Andererseits: Nicht jeder, der als Kind Gewalt, Missbrauch oder Lieblosigkeit erfuhr, wird zum Gewalttäter. Was lässt also die einen zum Verbrecher werden und die anderen zu ganz normalen Nachbarn und Kollegen? Das ist auch eine Frage, zu der Ansel in der Zeit im Todestrakt eine Art philosophisches Manifest zu entwickeln versucht. Oder versucht er nur, vor sich selbst seine Taten zu rechtfertigen?

Vor allem Saffron – als Kontrapunkt und gewissermaßen Gegenspielerin – ist eine starke, beeindruckende Figur. Auch sie hätte angesichts schwieriger Ausgangsbedingungen scheitern können, war als wurzellose Jugendliche kurz vor dem Absturz. Dann aber schafft sie die totale Kehrtwende, behauptet sich in einer frauenfeindlichen und rassistischen Umwelt, hat bei der Polizei eine fördernde Vorgesetzte und wird später selbst zur Mentorin einer jungen Kollegin. Überhaupt sind die Frauennetzwerke in diesem Buch die Erfahrungen von Solidarität und Halt. Ist es das, was Ansel zu dem machte, was er wurde? Dass er diesen Rückhalt nicht erfahren hatte und eigentlich immer einsam blieb?

Warum Ansel zum Mörder wurde, aus welchem Motiv er tötete, bleibt unklar. Die Taten selbst werden nicht beschrieben, und auch im inneren Monolog des Täters bleibt die Frage nach dem Warum unbeantwortet. Ist die Todesstrafe die Antwort?

Die Autorin argumentiert nicht explizit für oder gegen die Todesstrafe, auch wenn sie sich wiederholt auf die Ungerechtigkeiten und institutionellen Rassismus im Justizsystem bezieht: Im Trakt der Todeskandidaten ist Ansel einer von nur drei Weißen. Die Verzweiflung der letzten Minuten, die sterile Kälte der Hinrichtungskammer, das Ritual des staatlich legitimierten Tötens jedenfalls machen klar: Auch auf schreckliche Taten kann die Antwort nicht eine so schreckliche Strafe sein. Ein eindringliches Buch über ein schwieriges Thema, spannend geschrieben.