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Prager Verbrechen
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Die Gerichts- und Kriminalreporterin Sabine Rückert stellt vor: Egon Erwin Kisch, Wegbereiter der True-Crime-Reportage, als schillernder Ermittler in der Prager Unterwelt.
Was sagen uns Verbrechen über Menschen und Gesellschaften? Was waren die Umstände, die sie ermöglicht haben, was ist das Alltägliche am außergewöhnlichen Geschehen?
Vor der Kulisse Prags erzählt Egon Erwin Kisch in literarisch brillanten Reportagen von kaltblütigen Verbrechen und menschlichen Abgründen. Mal tritt er als investigativer Ermittler in Erscheinung, mal lässt er seine Heldinnen und Schurken zu Wort kommen, dann wieder mischt er sich direkt in das Geschehen ein.
In ganz eigener Weise verband er journalistische Genauigkeit mit literarischem Stil, noch bevor Truman Capote das Prinzip für sich entdeckte.
Sabine Rückert beleuchtet, was uns bis heute daran fasziniert – und was sie anders machen würde als der »rasende Reporter«.
»Das sind ganz tolle Texte. Interessanterweise war Egon Erwin Kisch auch ein Kriminalreporter. Er ermittelte regelrecht. Und manchmal wandte er dabei Methoden an, die uns heute stark verwundern.« Sabine Rückert
Wenn in der Zeitung von heute schon der Mord von morgen steht, kann da nur der »rasende Reporter« am Werk gewesen sein …





















Prager Verbrechen
Egon Erwin Kisch ist der Inbegriff des „rasenden Reporters“, den die Gerichts- und Kriminalreporterin Sabine Rückert mit dem Band „Prager Verbrechen“ als Wegbereiter der True-Crime-Reportage vorstellt. Egon Erwin Kisch wurde 1885 in Prag geboren und starb dort im Jahr 1948. Dazwischen lag ein überaus bewegtes Leben. Sabine Rückert zitiert im Vorwort Buckard: „Kisch war einer, der am 20. Jahrhundert zerbrochen ist.“ (S. 13) Seine Reportagen sind lebendig, unterhaltsam und, wie Sabine Rückert ausführt, nicht immer so ganz „true“.
Andererseits sind seine Texte voll Mitgefühl und Empathie wie etwa die Geschichte „Die Mutter des Mörders“, in der eine Frau aus einfachen Verhältnissen mehrfach be- und ausgenutzt wurde und nun in ihrer Ohnmacht versucht, ihren erwachsenen Sohn vor einer Haftstrafe zu bewahren. Heute würden die Übergriffe, denen Frau Polanski nicht nur vom Bruder ihrer „Gnädigen“ ausgesetzt war, unter die Me-Too-Debatte fallen. Kisch ist seiner Zeit weit voraus, wenn er diese Vorfälle benennt.
Im Text „Ein Henker geht in Rente“ wird ein – zumindest in einigen Teilen der Welt – ausgestorbener Beruf vorgestellt. Und immer ist Kisch in seinen Reportagen ganz nah an den Porträtierten und gibt ein eindrucksvolles Bild. Die Spionagegeschichte „Der Fall des Generalstabschefs Redl“ erzählt er in einem überaus spannenden, mitreißenden Duktus.
Als Kisch 1946 in seine alte Heimat Prag zurückkehrte, war beinahe seine gesamte Familie ermordet worden. „Es ist ein trauriges Gefühl, auf einen Friedhof zurückzukehren.“ (S. 296) In „Mörder bauten dem zu ermordenden ein Mausoleum“ beschreibt er das misslungene Kalkül der Nazis. Denn anstatt eines Ortes, der ihre menschenverachtenden Ansichten untermauerte, wurde es „gegen ihre Absicht – zu einem Ort, an dem Zeugnisse jüdischer Geschichte, Kultur und Widerstandskraft überdauerten.“ (S. 295).
Der „Extradruck“ der „Prager Verbrechen“ ist in der Anderen Bibliothek im Aufbau Verlag erschienen. Der hochwertige Band ist liebevoll ausgestattet. Die Texte hat Sabine Rückert ausgewählt und mit einem Vorwort versehen. Die schönen, stimmigen Illustrationen, die den Band so besonders machen, sind von Jörg Hülsmann.
Gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen geht Sabine Rückert mit dem beliebten und erfolgreichen Kriminalpodcast „Verbrechen“ regelmäßig auf Deutschlandtournee und füllt große Veranstaltungshallen.