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Bücher.de Preis: 22,99 €

Die Schuld der anderen

Roman
Buch
Gebundene Ausgabe, 496 Seiten

Verlag: 

ISBN-10: 

3827012279

ISBN-13: 

9783827012272

Erscheinungsdatum: 

19.01.2015

Preis: 

22,99 EUR
Schauplätze: 
Amazon Bestellnummer (ASIN): 3827012279

Beschreibung von Bücher.de: 

Ein Jahrhundertsommer über dem ganzen Land, ein Mordfall, dessen Lösung zu viele Fragen offen lässt, und ein hartnäckiger Journalist, der den Zweifel zum Prinzip erhebt: In unnachahmlichem Ton entwirft Gila Lustiger ein Bild der Grande Nation, das Land und Leute lebendig werden lässt und einen der empörendsten Wirtschaftsskandale Frankreichs in einem fesselnden Gesellschaftsroman präsentiert.

Zehn Zeilen mehr hat Marc Rappaport einem 27 Jahre zurückliegenden Prostituiertenmord, der jetzt durch DNA-Abgleich gelöst sein soll, nicht zu widmen gedacht. Und doch will er mehr über die Geschichte der jungen Frau erfahren, die mit 18 aus der Enge ihrer Industriekleinstadt nach Paris floh, um zu studieren, und dort in die Prostitution schlitterte. Dabei stößt er bald auf einen Skandal von schockierendem Ausmaß, der die unlösbaren Verstrickungen von Wirtschaft, Geld und Politik durchscheinen lässt. Was als klassische Ermittlungsgeschichte beginnt, entpuppt sich bald als ein atmosphärisch dichter und mit souveräner Leichtigkeit erzählter Gesellschaftsroman über ein ganzes Land und unsere Gegenwart.

Kriminetz-Rezensionen

Die Schuld der anderen

Marc Rappaport beißt sich fest an einem siebenundzwanzig Jahre alten Fall, dem unaufgeklärten Mord an einer jungen Prostituierten. Die kam aus der Provinz in die französische Hauptstadt und hat, so ergeben die Recherchen, auch „ausgefallene“ Wünsche betuchter Kunden bedient. Marc selbst waren – anders als der jungen Frau - aufgrund seiner Herkunft und seines Intellekts alle möglichen Türen sperrangelweit offen gestanden. Er entschied sich für die Laufbahn des Journalisten. Finanziell unabhängig ist er aufgrund seines Erbes ohnehin, der Großvater lenkte einen großen Konzern. Warum beißt er sich so fest an diesem Fall der Emilie Thevenin, deren mutmaßlicher Täter nun gefasst wurde? Ihn lässt die Frage nicht mehr los, was den mittlerweile 49jährigen, angepassten und unauffälligen Bankangestellten Gilles Neuhart, der mit Ausnahme dieses Details ein angepasstes Leben als freundlicher Familienmensch führte, zu diesem Ausrutscher in seiner Biographie gebracht hat. Marc scheint schon jetzt zu ahnen, dass hinter diesem Fall mehr steckt, etwas, das ihn zur Recherche reizt und ihn dazu bringt, sich in die Provinz zu begeben. In eine Kleinstadt mit Industriekultur. Marc findet heraus, dass Emilies Vater in einem Industriebetrieb arbeitete und an Krebs starb.

Geht es anfangs nur um einen Täter, der nach beinahe dreißig Jahren überführt werden soll, dringt Marc immer tiefer ein in die Gesellschaft Frankreichs. Er durchdringt die Zusammenhänge. Die brutalen, sexuell maskierten „Ausrutscher“ demaskieren die moralische Verkommenheit einer machtbesessenen Schicht. Der menschenverachtende Umgang mit den Prostituierten, der im Falle Emilies in einem Mord gipfelte, wird stellvertretend zum Umgang des Kapitals mit der Masse der Arbeiter, die zum austauschbaren Faktor degradiert werden. Denn Marc kommt einem ungeheuren Industrie-Skandal auf die Spur und bringt sich, je mehr er sich dessen Lösung annähert, selbst in Gefahr.

Deborah, seine Freundin und jüdisch wie er selbst, erklärt ihm, weshalb er sich für diejenigen Menschen interessiert, „die aus dem System herausgefallen sind“. Und sie versucht wacker, den Bindungsscheuen in ihr eigenes Leben einzufügen und überredet ihn, sie zu Partys bei ihren Freunden und Verwandten zu begleiten. Marc fühlt sich dort als Fremdkörper, als nicht zugehörig. Viel lieber jagt er seinen Fällen hinterher.

Es ist auch ein Roman einer Vater-Sohn-, oder vielmehr einer Großvater-Enkel-Beziehung. Der übermächtige Großvater, dessen Liebling Marc war, ist bis über seinen Tod hinaus mit seinem Enkel verbunden. Eine Umklammerung und gleichsam Verknüpfung, die Marc nicht los wird.

„Die Schuld der anderen“ ist ein großartig geschriebener und spannender Roman, der sich aufgrund der Erzählkunst der Autorin nur schwer aus der Hand legen lässt. Der im Roman geschilderte Antisemitismus hat durch die Ereignisse Anfang Januar in Paris traurige und beklemmende Aktualität erlangt.