Cover von: Schwarzes Gold
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Schwarzes Gold

Kriminalroman
Buch
Gebundene Ausgabe, 384 Seiten
Übersetzer: 

Verlag: 

ISBN-10: 

3867542139

ISBN-13: 

9783867542135

Auflage: 

1 (18.04.2016)

Preis: 

19,00 EUR
Schauplätze: 
Amazon-Bestseller-Rang: 331.449
Amazon Bestellnummer (ASIN): 3867542139

Beschreibung von Bücher.de: 

März 1973: Nach der Auflösung der French Connection tobt in Marseille ein blutiger Bandenkrieg um die Nachfolge von Mafiaboss Antoine Guérini. In dieser aufgeheizten Atmosphäre wird der dynamische Geschäftsmann Maxime Piéri vor dem Casino von Nizza mit zehn Kugeln hingerichtet. Der Held der Résistance, vormals rechte Hand der Guérini-Brüder und dann zum Frachtreeder konvertiert, scheint seiner Mafiavergangenheit erlegen zu sein. So jedenfalls die bevorzugte Version von Polizei und Justiz, wo man an einer echten Untersuchung nicht interessiert ist.

Mit dem Fall betraut wird der unerfahrene Commissaire Théodore Daquin, der in Marseille seinen ersten Posten antritt. Er stößt auf dubiose Aktivitäten von Piéris Frachtern im Mittelmeer, die offenbar nicht nur Erz und Getreide transportieren. Und in Zusammenarbeit mit einem anonymen Partner schien der Reeder sich soeben für den Einstieg in ein heiß umkämpftes neues Geschäftsfeld zu rüsten.

Daquin bleiben genau fünfzehn Tage, die ihm im Rahmen eines beschleunigten Verfahrens für seine Ermittlung zustehen, um sich in das Labyrinth der lokalen Geheimnisse, des Seefrachtgeschäfts und der internationalen Finanzkreisläufe einzuarbeiten. Eine Herkulesaufgabe im Angesicht einer undurchsich tigen Gemengelage und einer ihm fremden, bedrohlichen Stadt.

In ihrem neusten Roman (Orig. Gallimard 2015) schickt Dominique Manotti ihren Protagonisten Théo Daquin in seine Vergangenheit - in eine Affäre, die nicht nur sämtliche unterirdischen Netzwerke von Marseille und Nizza umfasst, sondern vor allem die obskure Welt des Erdölhandels. Meisterhaft gestaltet die Wirtschaftshistorikerin das gigantische ökonomische und geopolitische Fresko einer hoch komplexen Epoche, die bereits das Gesicht des 21. Jahrhunderts erahnen lässt.

Kriminetz-Rezensionen

Ölkriminalität zur Zeit des Kalten Krieges

Nachdem der letzte Roman „Abpfiff“ von Dominique Manotti zumindest halbwegs zu überzeugen vermochte (vgl. meine Rezension an dieser Stelle), ist für mich mit dem jüngst im Ariadne Verlag erschienen „Schwarzes Gold“ wieder ein herber Rückschritt erfolgt. Dies liegt nicht daran, dass der dieses Mal eher langweilige Krimi stilistisch oder kompositorisch nicht zu überzeugen vermag. Vielmehr erscheint Manottis Sujet, einen historischen Wirtschaftskrimi über die Ölgeschäfte der 1970er Jahre zu schreiben, verfehlt bzw. unpassend. Wie viel gewinnbringender, aktueller und fesselnder wäre doch ein brandaktueller Krimi um die heutigen illegalen Ölmachenschaften des Islamischen Staats. Denn die Problematik mit diesem Thema heute ist exakt dieselbe wie damals. Auf dunklen wirtschaftskriminellen Wegen gelangen exorbitante Ölmengen in die Hände von raffgierigen Kriminellen, denen der Profit alles, aber Menschenleben nichts bedeuten.

Der Roman beschreibt den jungen, homophilen Kommissar Daquin, der Manottis Leserinnen und Lesern ja bereits bestens bekannt ist. Daquin tritt seinen ersten Job in Marseille an. An der Côte kommt es zu zahlreichen Abrechnungen im Milieu und Daquin und seine Kollegen finden bald heraus, dass kriminelle Machenschaften um Ölgeschäfte Hauptantrieb für diese Verbrechen sind. Daquin erschließt sich ein Dickicht von Korruption, High Society und deren dekadenter Lebensweise (Hauptbestandteile: Drogen, Sex und Luxus), das bis in die höchsten gesellschaftspolitischen Kreise reicht. Doch das schreckt Daquin nicht ab, sondern spornt ihn vielmehr an, denn er und seine Männer sind fest entschlossen, dem Treiben der Wirtschaftsgangster, die sprichwörtlich über Leichen gehen, Einhalt zu gebieten ...

Manotti kombiniert wie gewöhnlich hard-boiled, Noir und feinsinnige sowie schonungslose Gesellschaftskritik und zeigt zudem schockierende Einblicke in die wirtschaftspolitischen Funktionsweisen des Kapitalismus und kombiniert dies mit einem hohen Maß an literarischer Qualität. Aber dieses Mal ist sie für mich inhaltlich völlig am Ziel vorbeigeschossen. Zunächst ist es wie schon erwähnt fragwürdig, wieso sie die Thematik der Öl-Kriminalität im historischen Gewand beschreibt. Hier böte sich die oben skizzierte tagesaktuelle Aufarbeitung viel eher an, die zudem ein großes Plus an Spannung verspräche. Zudem bleibt die historische Kontextualisierung in „Schwarzes Gold“ stark unterbelichtet. Eine Rekonstruktion der bipolaren - von zwei Supermächten beherrschten – Weltordnung? Weitgehend Fehlanzeige. Stattdessen ergeht sich Manotti in platten antiamerikanischen und antiisraelischen Klischees und die Zeichnung der südafrikanischen Apartheid-Verhältnisse bleibt weitgehend blass. Wo zeigen sich antiamerikanische Klischees? Z.B. in der durch wenig bis nichts untermauerten Behauptung, dass Richard Nixons (durchaus ein sehr fragwürdiger Charakter und beileibe kein guter Präsident!) War on Drugs sich nur gegen das Heroin der French Connection gewendet habe, um dem Mafia-Boss Santo Trafficante einen größtmöglichen Gewinn im Kokain-Handel zu ermöglichen. Belege und Plausibilität? Nicht vorhanden. Zudem wird Israel als „Öl-Bösewicht“ skizziert, da es von Feinden umgeben ist und nicht über eigene Rohstoffe verfügt. Israel wird somit einmal mehr zum Sündenbock für so ziemlich alles erkoren. In der Summe scheinen dies wunschpolitische Vorstellungen und Reminiszenzen einer alt-68erin zu sein, die mehrfach bewiesen hat, dass sie es deutlich besser kann. Manotti täte gut daran, sich wieder auf den wirtschaftspolitischen Filz Frankreichs zu fokussieren, den sie meisterhaft zu analysieren in der Lage ist, statt sich weitgehend in Klischees und Plattitüden zu ergehen.