Cover von: Spook Street
Amazon Preis: 18,00 €
Bücher.de Preis: 18,00 €

Spook Street

Der vierte Fall für Jackson Lamb
Buch
Broschiert, 448 Seiten
Übersetzer: 

Verlag: 

ISBN-10: 

3257300840

ISBN-13: 

9783257300840

Auflage: 

1 (29.09.2021)

Preis: 

18,00 EUR
Schauplätze: 
Amazon Bestellnummer (ASIN): 3257300840

Beschreibung von Bücher.de: 

River Cartwright ist einer dieser Abservierten. Sein Großvater dagegen, einst Nummer 2 des MI5, ist heute alt und vergesslich und deshalb ein potentielles Risiko, aber nicht hilflos.

Als eines Abends ein Fremder an seiner Tür steht und sich als sein Enkel ausgibt, erschießt er ihn sofort. Der echte Enkel findet in den Taschen des Toten eine Fahrkarte nach Frankreich – zufällig in den Ort, in dem sein Großvater immer »Urlaub« gemacht hatte.

Kriminetz-Rezensionen

Die Abservierten in Hochform

Nun schon zum vierten Mal lässt Mick Herron die abservierten Geheimdienstleute aus Slough House ermitteln.

Der Roman beginnt mit einer grandiosen Idee: Anhand der alten, maroden Heizungsrohre, die sich durch das Haus ziehen, geht der Leser mit auf Entdeckungsreise durch die leeren Büros und lernt die Leute kennen. Mal sind es die vertrauten, mal neue Mitarbeiter, denn auch im Slough House gibt es immer wieder ungewollte Abgänge, aber es gibt genügend Nachschub von Geheimdienstlern, die einen Fehler machten oder aus anderen Gründen abserviert wurden und nun auf dem Abstellgleis auf eine Chance warten, so wie der junge River Cartwright. Sein Großvater war in seiner aktiven Zeit eine der Legenden des britischen Geheimdiensts. Aber nun beginnt sein Gedächtnis zu bröckeln, er wird gebrechlich. Aber nicht so hilflos, dass er nicht darauf reagiert, als ein Fremder sich als sein Enkel ausgibt. River findet den Toten bei seinem Großvater, er ist über die Ähnlichkeit erstaunt und als er eine Fahrkarte nach Frankreich in der Tasche des Toten findet, zufällig zu dem Ort, an dem der Großvater immer Urlaub machte, riskiert River einen Alleingang.

Die Spionageromane von Mick Herron sind einfach Klasse. Wenn jemand dem großen Le Carré das Wasser reichen kann, dann ist es Herron. Der Plot ist reichlich verzwickt, aber intelligent und sein Sarkasmus bringt reichlich Unterhaltungspotenzial in den Roman.

Ganz besonders liebe ich seine Protagonisten. Alle sind vom Beruf gezeichnet und tragen eine schwere Last mit sich, aber wenn sie gefordert werden, laufen sie wieder zur Hochform auf, egal welchen Ruf sie im »Park«, haben. Geführt werden sie von Lamb, der sein abgewracktes Image mit Hingabe pflegt. Ungepflegt, ungerecht und ignorant – damit verbirgt er geschickt seinen messerscharfen Verstand. Vor allem weiß er um die Intrigen in den Führungsetagen des Geheimdiensts und der politischen Verstrickungen um Macht und Einfluss. Lamb mit seiner Truppe, die »Lahmen Gäule« (so der Titel des ersten Romans) weiß sie zu nutzen.

Herron schreibt bissig und temporeich und immer stellt sich das Gefühl ein, so könnte sich das Geschäft um Spionage auch abspielen. Die Wirklichkeit hat schon manchen ausgefallenen Plot eingeholt.

»Spook Street« hat alles, was ein Spionageroman braucht. Vielschichtige Charaktere, spannende Wendungen und dazu der unnachahmlich bissig-sarkastische Schreibstil und die pointierten Dialoge – einfach spitze.

Schade nur, dass der Diogenes Verlag sich nun für eine Paperback-Ausgabe entschieden hat, ich hätte den Band gern in der gleichen Ausstattung wie die Vorläufer im Regal gehabt.

Man sollte Slow Horses nicht unterschätzen

Als es bei einem Flashmob in einer Shopping Mall zu einer Katastrophe kommt, werden die »Lahmen Gäule« vom Slough House erst gar nicht eingespannt. Doch als River Cartwrights dementer Großvater einen Fremden, der sich als Enkel ausgibt, erschießt, taucht Jackson Lamb mal wieder im Büro auf und seine Mitarbeiter bekommen alle Hände voll zu tun.

Mir hat dieser Agentenroman sehr gut gefallen. Mick Herron hat einen genialen Schreibstil, witzig und ziemlich schräg. Die Dialoge sind einfach klasse. Trotzdem wird es auch actionreich und spannend. Herron hat auch eine besondere Art, uns mit dem Personal bekannt zu machen; so ist es dieses Mal die alte Heizung im Slough House, die den Rahmen zur Geschichte liefert mit ihrem Klackern und Gurgeln, Glucksen und Knallen.

Die Charaktere sind alle sehr speziell. In dem Job sollte es ein Miteinander geben, doch in Slough House kämpft eigentlich jeder für sich und meist gegen seine eigenen Probleme. Aber was will man auch erwarten bei dem exzentrischen Chef? Auch wenn Lamb auf den ersten Blick heruntergekommen wirkt, so durchschaut er schnell, was Sache ist, er zieht seine Fäden und lässt sich nicht in die Suppe spucken. David Cartwright war ein hohes Tier beim MI5, doch nun wird er vergesslich und taucht mehr und mehr in die Vergangenheit ein. Er fühlt sich verfolgt und das zu Recht. Denn er könnte Geheimnisse ausplaudern, was auch nach langer Zeit noch sehr unangenehm für den Geheimdienst wäre. Während River versucht, seinen Großvater zu schützen, kochen andere ihre eigenen Süppchen. Es wird intrigiert und manipuliert und ein bisschen Schwund macht auch kein Kopfzerbrechen.

Dies war bereits der vierte Band über die abservierten Agenten im Slough House. Mir hat das Buch so gut gefallen, dass ich die anderen Bände unbedingt lesen muss und schon gespannt auf den nächsten Fall für Jackson Lamb und seine Truppe bin.

Ich kann »Spook Street« nur empfehlen, Spannung gepaart mit schrägem Humor.