Cover von: Stille Havel
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Stille Havel

Der vierte Fall für Hauptkommissar Toni Sanftleben. Kriminalroman
Buch
Taschenbuch, 336 Seiten

Verlag: 

ISBN-10: 

3740806702

ISBN-13: 

9783740806705

Erscheinungsdatum: 

19.09.2019

Preis: 

11,90 EUR
Schauplätze: 
Amazon-Bestseller-Rang: 32.635
Amazon Bestellnummer (ASIN): 3740806702

Beschreibung von Bücher.de: 

Toni Sanftleben und die »Traumfabrik«.

Potsdam. Im Park Sanssouci wird ein Kunstsachverständiger erschlagen aufgefunden. Der Tote stellte zuletzt Recherchen zum Filmunternehmen Ufa an und zeigte außerdem auffälliges Interesse an einem Gemälde im Museum Barberini. Das wertvolle Porträt zeigt eine schwarz gekleidete Frau. Doch sie trägt einen Schleier, der ihr Gesicht verhüllt, und ihre Identität ist unbekannt. Wer ist die Geheimnisvolle? Seine Nachforschungen führen Hauptkommissar Toni Sanftleben zu einer alten Havelvilla, hinter deren Mauern sich ein schreckliches Geheimnis verbirgt.

Kriminetz-Rezensionen

Fiktion und Realität geschickt verknüpft

Klappentext:
Potsdam. Im Park Sanssouci wird ein Kunstsachverständiger erschlagen aufgefunden. Der Tote zeigte zuletzt auffälliges Interesse an einem wertvollen Gemälde im Museum Barberini, auf dem eine schwarz gekleidete Frau zu sehen ist.
Doch sie trägt einen Schleier, der ihr Gesicht verhüllt, und ihre Identität ist nicht geklärt. Wer ist die Unbekannte?

Seine Nachforschungen führen Hauptkommissar Toni Sanftleben zum Filmunternehmen Ufa und einer alten Hafenvilla, hinter deren Mauern sich etwas Ungeheuerliches verbirgt.

Meine Meinung:
Der neue Fall für das bewährte Ermittlerteam gibt viele Rätsel auf. Warum hat der Tote sich für dieses Gemälde interessiert? Und warum hat er die Havelvilla beobachtet und immer wieder fotografiert?

Die Geschichte spielt auf verschiedenen Zeitebenen, was mir immer besonders gut gefällt.

Es wird ein Stück der Nazi-Vergangenheit ausgebreitet, in welcher diesmal die Filmbranche im Mittelpunkt steht. Man erfährt, wie Reichsminister Goebbels die Fäden in der Hand hat und den Schauspielerinnen je nach „Willfährigkeit“ die Rollen zuteilt.

Haben die Ereignisse der Gegenwart ihren Ursprung in der damaligen Zeit? Diese und andere Fragen werden von Toni Sanftleben und seinem Team Stück für Stück beantwortet.

Man erfährt auch einiges vom Privatleben der Ermittler, worauf ich aber nicht gesondert eingehen möchte, was dem Roman eine persönliche Note verleiht.

Ich habe schon einige Bücher des Autors gelesen, sie haben mir immer sehr gut gefallen. Auf eine leicht lesbare Art, vermischt er Fiktion und Realität sehr geschickt, Geschichtsunterricht auf die unterhaltsame Weise.

Fazit:
Ich habe mich sehr gut unterhalten und freue mich schon auf den nächsten Fall.

Nazischatz

„Stille Havel“ von Tim Pieper habe ich als Taschenbuch des emons Verlages gelesen. Es hat 333 Seiten mit 56 Kapiteln. Es ist der 4. Fall für Hauptkommissar Toni Sanftleben und sein Team in der Havelregion.

Das Buch wird in zwei Zeitebenen erzählt.

In der Gegenwart wird Helmut Lothroh tot im Park von Sanssouci aufgefunden. Er war Kunstsachverständiger. Bei den Ermittlungen werden in seiner Wohnung Bilder von verschiedenen Gebäuden gefunden und ein Gemälde einer verschleierten Frau. Die Recherchen führen Toni dann zur Villa Helström, eines der Gebäude auf den Fotos. Marie Helström erzählt ihm von dem Konzern ihrer Familie, sie wirkt etwas schutzbedürftig und Toni macht hoffentlich keinen Fehler. Bei einer weiteren Befragung ihres Vaters stellt sich heraus, dass es Zusammenhänge zwischen dem Toten und der Firma gibt.

In der Vergangenheit wird von Lydias Leben ab 1938 berichtet. Diese geht von zu Hause weg, um dem tristen Dasein zu entkommen. Sie arbeitet sich bis zum Film hoch und dreht in den Ufa-Studios. Während des Krieges hat sie noch einen Gönner gefunden, der ihr zu vielen Hauptrollen verhilft. Dabei ist sie nicht zimperlich und ziemlich egoistisch.

Weitere kurze Abschnitte gibt es aus Sicht des Täters.

Mir hat das Buch sehr gefallen. Die Zeitabschnitte um Lydia und ihre Freundschaft mit einer bekannten Familie fand ich besonders interessant. Die Handlungen sind sehr vielschichtig und verzweigt. Es werden unterschiedliche Motive und Verdächtige präsentiert, die immer auf die falsche Fährte führen. Dadurch bleibt die Geschichte immer spannend. Gut fand ich, dass bei Lydia’s Geschichte nicht der Krieg im Vordergrund stand, der wurde nur am Rande und situativ erwähnt. Erst bei der Aufarbeitung der Geschehnisse spielte er wieder eine Rolle.

Auch die Charaktere sind sehr verschieden. Toni selbst ist trockener Alkoholiker, seine Frau hat ihn verlassen und sein Sohn lebt in Amerika. In der Staatsanwältin Caren Winter hat er eine Verehrerin gefunden, aber auch Marie Helström zieht ihn in seinen Bann. Für wen wird er sich entscheiden? Außerdem scheint er recht gutmütig zu sein. Obwohl es in seinem Team kriselt, greift er nicht sofort ein und denkt, das wird schon wieder. Gerade sein ITler Phong ist, seit er sich sehr eiweißhaltig und von blutigem Fleisch ernährt, schwer zu ertragen, besonders für Gesa, die mehr mit ihm zu tun hat als Toni. Er ist aufgedreht, anmaßend und sogar frech. Letztendlich findet Toni doch noch eine Lösung für das Problem.

Durch den guten Schreibstil konnte ich zügig lesen, auch die Beschreibungen der Gegenden und Gebäude fand ich sehr anschaulich.

Das Cover wirkt auf mich mit dem stillen See eher beruhigend, auch wenn die aus dem Wasser ragenden Äste anderes vermuten lassen könnten.

Schwierige Ermittlungen

„... Mit den Wohlfühlfilmen wollen wir dem Zuschauer eine Oase bieten, wo er Kraft tanken kann. Wenn er das Kino verlässt, soll er denken, dass alles nicht so schlimm ist. Ausgeruht soll er sich an sein Tagwerk begeben, das unserer Wehrkraft dient ...“

Kriminalkommissar Toni Sanftleben ist bei Staatsanwältin Caren Winter zu einem Brunch eingeladen. Normalerweise ist das nicht seine Welt. Deshalb kommt ihm ein Anruf gerade recht. Im Park von Sanssouci hat man eine männliche Leiche gefunden. Es handelt sich um den 60-jährigen Helmut Lothroh, einen Kunstsachverständigen.

Der Autor hat einen fesselnden Krimi geschrieben. Die Geschichte hat mich schnell in ihren Bann gezogen. Das liegt auch an dem historischen Hintergrund, der die Ermittlungen begleitet. Der Schriftstil lässt sich angenehm lesen. Er passt sich gekonnt der jeweiligen Situation an.

Bei den Ermittlungen stellen Toni und sein Team fest, dass sich der Tote für ein spezielles Gemälde interessiert hat. Dort wird eine Frau mit Schleier abgebildet. Ihre Identität ist nicht bekannt.

Das Leben der Frau namens Lydia erfahre ich in dem Erzählstrang, der im Jahre 1938 in einer Leipziger Kneipe beginnt. Die Tochter des Wirtes will mehr aus ihrem Leben machen. Sie hat das Regime des prügelnden Vaters satt. Ihr Weg führt sie im Jahre 1942 zur Ufa. Hier zeigt sich die exakte Recherche des Autors. An mehreren Lebensbildern macht er deutlich, wie Goebbels die Ufa zu einem Instrument der Manipulation gestaltet hat. Das Eingangszitat hat der Autor Goebbels in den Mund gelegt. Der Preis, den die Schauspielerinnen für den Erfolg zahlen, ist hoch. Die Protagonistin aber fasst das so zusammen: „... Jetzt durfte sie nicht verzagen und sich nicht um den Erfolg bringen. Jetzt musste sie ihren Weg weitergehen. Zäh, mutig und entschlossen ...“

Gerade im Teil, der in der Vergangenheit spielt, legt der Autor viel Wert auf die Emotionen der Protagonisten. Der innerer Zwiespalt zwischen dem Wunsch nach einem Leben in Sicherheit und den Dingen, die man dafür tun muss, wird gut herausgearbeitet. Es ist ein Balancieren am Abgrund.

An anderen Stellen zeigt der Autor, dass er das Spiel mit Metaphern ausgezeichnet beherrscht, vor allem wenn Toni eine ruhige Stunde in der Natur verbringt: „... Das Wasser war spiegelglatt, nur an einigen Stellen kräuselte es sich. Die Sonne schickte die ersten Sonnenstrahlen aus, die wie goldenen Speere über den Himmel schossen ...“

Die Ermittlungen selbst erweisen sich als schwierig. Zum einen blocken viele der Befragten ab, zum anderen ist in Tonis Team momentan eine miserable Stimmung, denn Phong bringt alle gegen sich auf.

Nicht zuletzt hat die Spur in die Vergangenheit noch eine Menge weiterer Facetten. Der Tote ging davon aus, dass die Frau auf dem Gemälde Hinweise über das verschwundene Nazigold hat.

Zu den stilistisch und inhaltlich spannendsten Teilen gehören die Gespräche, sei es in Gegenwart oder Vergangenheit. In dem Gespräch, das Toni mit dem Antiquar Werg führt, wird zum Beispiel das Verhältnis zwischen Goebbels und Göring beleuchtet. Ein weiterer Zeuge gibt Auskunft über die Suche nach dem verschwundenen Gold und anderen Werten zu DDR-Zeiten. Und eine Frage wird von Lydia mehrmals angesprochen. Sie wird sie bis an ihr Lebensende begleiten. Warum hat Magda Goebbels ihre Kinder mit in den Tod genommen?

Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Ich kann es nur jedem empfehlen, der nicht nur an einem fesselnden Krimi interessiert ist, sondern sich auch einen unverstellten Blick auf die Geschichte der Ufa im Dritten Reich gönnen möchte. Ich bin mir bewusst, dass ich in meiner Rezension der Vergangenheit den größeren Raum eingeräumt habe. Sie ist es, die die Gegenwart durchzieht und nicht nur die Richtung der Ermittlung bestimmt. Mit einem Zitat von Lydia möchte ich enden, dass nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat: „... Ich bin keine Närrin. Ich weiß, dass Politiker Krieg führen, aber können sie sich nicht irgendwo in der Pampa treffen und sich gegenseitig die Köpfe einschlagen? Muss es immer auf Kosten der Schwächsten gehen? ...“

Stille Havel

Dies ist bereits der 4. Teil um Hauptkommissar Sanftleben und sein Team.

Der Kunstsachverständige Lothroh liegt erschlagen unter Bauschutt im Park Sanssouci. Er war auf der Suche nach einem Bild mit einer verschleierten schwarzen Frau und auf seinem Fotoapparat befanden sich Fotos von einer alten Havelvilla und Aufnahmen des Firmensitzes der Hellström AG. Das Recherchieren dieses Falles erweist sich als sehr schwierig. Keiner, der mit Lothroh zu tun hatte, kann etwas über ihn aussagen. Weder die Kuratorin des Barberini Museums, noch der Antiquitätenhändler, in dessen Besitz sich sehr viele Gegenstände und Uniformen aus der Nazizeit befinden. Auch der frühere Buchhalter der Fa. Hellström weiß so gut wie nichts und doch verhalten sich diese Personen irgendwie verdächtigt. Auch der Inhaber der Firma Hellström kann nicht weiterhelfen. Doch die Tochter von Hellström erkennt auf dem Foto ihre Großmutter.

Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen. Der Autor führt uns in die Nazizeit. Hier lernen wir die junge Lydia kennen, deren einziges Ziel es ist, eine bekannte Schauspielerin zu werden. Sie nimmt auch in Kauf, dass sie sich der Zeit und deren ideologischen Gesinnung anpasst und sogar mit Goebbels ein intimes Verhältnis anfängt, nur um eine geeignete Filmrolle bei der UFA zu bekommen.

Was hier zwei getrennte Geschichten zu sein scheinen, vereint sich am Ende zu einem einzigen Strang. Was hier besonderes Merkmal ist, ist der Umstand, dass sich Fiktion und Geschichte vereinen. Sehr interessant liest sich die Zeit um 1940/45 herum. Bekannte Namen und Ereignisse spielen hier eine Rolle.

Der kriminalistische Teil des Buches ist so gekonnt geschrieben, dass der Leser bewusst immer auf die falsche Fährte gelockt wird. Meint man, nun aber bestimmt den Täter zu kennen, schon wird er entlastet und das Augenmerk wird auf eine andere Person gerichtet. Sehr gut dargestellt sind auch die Kommissare. Sanftleben ist ein trockener Alkoholiker, der immer noch seiner Frau nachtrauert, die ihn wegen einer anderen Lebensform verlassen hat. Gesa ist stets stressresistent und immer voll zupackend und Phong hat sich vom Fastfood-Junkie zum gesundheitsbewussten Fanatiker mit immer schlechten Laune entwickelt. Hier zeigt uns der Autor, dass auch Kommissare keine Übermenschen sind, sondern auch Probleme haben wie andere auch.

Ich habe das Buch wirklich auf einem Zug ausgelesen und konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Besonders der historische Teil, der uns Einblicke in das Filmgeschäft der UFA gibt, hat mir sehr imponiert. Tim Pipers Bücher sind immer sehr gut, aber dieses hier ist das Beste überhaupt. Auch das Cover passt sich den Vorgängerbänden an. Minimalistisch sehen wir die Havel fließen.

Ein Toter im Park Sanssouci gibt Rätsel auf ...

„Stille Havel“ von Tim Pieper ist der vierte Band um den Hauptkommissar Toni Sanftleben. Ich hatte bisher nur den ersten Band „Dunkle Havel“ gelesen, hatte aber keinerlei Schwierigkeiten, in die Handlung zu kommen.

Der Tote im Park Sanssouci ist ein Kunst-Sachverständiger, der sich für ein bestimmtes Gemälde im Museum Barberini besonders interessiert hat (eine schwarzgekleidete Frau, deren Gesicht mit einem Schleier verdeckt ist), außerdem hat er auffallend viele Fotos einer alten Havelvilla und von einem Bürogebäude in Berlin aufgenommen. Gibt es einen Zusammenhang und worin besteht er? Toni Sanftleben und sein Team Gesa Müsebeck und Nguyen Duc Phong müssen „viele Steine umdrehen“, bis sie die Wahrheit entdecken – und es vereinfacht ihre Aufgabe wahrlich nicht, dass jetzt gerade „dicke Luft“ im Team herrscht und Tonis Leitungsqualität gefordert ist. Soviel sei hier verraten: Ja, der Fall wird gelöst!

Tim Pieper bringt uns Leser durch zwei Zeitebenen ans Ziel: einmal die Geschichte von Lydia, einer jungen UFA-Schauspielerin, die wir in der Zeit ab 1938 begleiten und der Gegenwart mit den Ermittlungen zum Mordfall. In kleinen Einschüben wird uns auch die Gefühlslage des Mörders / der Mörderin skizziert.

Beim geschichtlichen Teil merkt man besonders die intensive Recherche zur UFA und der damit verbundenen nationalsozialistischen Ideologie. Wie immer bei solcher Lektüre stellte sich mir die Frage: Wie weit wäre ich unter diesem Regime gegangen, um meine persönlichen Ziele zu verwirklichen? Ich denke fast, die Frage ist aus heutiger Sicht nicht zu beantworten, aber es ist immer wichtig, uns daran zu erinnern, dass es auch rein pragmatische und überlebensnotwendige Gründe gegeben haben mag, sich mit den Nationalsozialisten zu „arrangieren“ ...

Was uns allerdings Tim Pieper ebenfalls aufzeigt: Das nationalsozialistische Gedankengut endete keineswegs 1945, es wurden schnell entsprechende „Nischen“ gefunden. Frage: und heute?

Tim Pieper schreibt leicht, locker, flüssig, es macht Freude, das Buch zu lesen. Der Spannungsbogen wird in allen Teilen konsequent aufrechterhalten, wir als Leser „fiebern“ mit. Das Ende des Ermittlungsfalls war für mich zwar überraschend, aber logisch nachvollziehbar, lose Enden waren sorgfältig verknüpft. Und das Privatleben von Toni? Die letzten Gedanken, quasi das Ende des Buches, stimmen mich ausgesprochen optimistisch (und lassen mich auf weitere Havel-Krimis hoffen!).

Ich habe mit diesem Buch spannende, schöne und nachdenkliche Momente erlebt und empfehle es sehr gern weiter. Wie gesagt, ich hoffe auf eine Fortsetzung und werde mir die Wartezeit mit Band 2 und Band 3 versüßen ...

Filmdiva oder "Die Geliebte des Teufels"

Als ich erfahren habe, dass es eine Fortsetzung von Toni Sanftleben mit »Stille Havel« gibt, konnte ich gar nicht den Erscheinungstermin erwarten. Bei einer Fortsetzung sind meine Erwartungen sehr hoch, vor allem wenn die Vorgängerbände so genial sind. Aber die Erwartungen wurden übertroffen. Denn es ist Tim Pieper gelungen, die bisherigen Protagonisten so weiterzuentwickeln, dass es so scheint, als würde man sie kennen. Beim Lesen habe ich mich immer Toni nahe gefühlt und war teilweise mit im Kommissariat (interessant dort :-)). Wie oben schon geschrieben, finde ich, dass es Tim Pieper sehr gelungen ist, die Protagonisten wie Staatsanwältin Caren Winter und die beiden Ermittler Gesa und Phong so darzustellen, wie es im realen Leben ist. Da gibt es hier und da Reibereien.

Tonis Entwicklung finde ich sehr gut dargestellt, sein Kampf gegen Dämonen ist fast spürbar. Das drückt sich in diesem Abschnitt (Seite 44) deutlich aus: »Ja, ihn selbst müsse es kümmern, was für eine Figur er abgab. Er war davon überzeugt, dass jeder Mensch eine Entscheidung treffen konnte, wen er darstellen wollte. Er konnte ein Mann sein, der im Selbstmitleid zerfloss, oder ein Mann, der das Beste aus den Umständen machte und tat, was zig Millionen a auch taten: weitermachen, sich an den kleinen Dingen erfreuen und auf bessere Zeiten hoffen. Das zeigt, dass wenn man kämpft, am Ende Erfolge da sind.«

Mit diesem Teil taucht man beim Lesen mit dem Tod des Kunstsachverständigen in das Treiben von Berlin kurz vor Beginn des 2. Weltkriegs ein. Was für ein Flair und Aufbruchstimmung da vorherrschend war. Da kommt dann auch Lydia Riefenberg ins Spiel. Als einfaches Mädchen hat sie das Leben in der Leipziger Eckkneipe ihres Vaters satt. Sie möchte was in ihrem Leben erreichen und sie scheint Talent zu haben. Sie macht alles möglich, um ihr Ziel zu erreichen. Sicherlich lässt sie sich benutzen und zieht daraus ihren Vorteil, aber steht es uns zu, darüber zu urteilen? Seite 122: »In diesem Augenblick lag so viel Schönheit, dass sie nicht länger traurig sein wollte. Sie musste die Ereignisse anders bewerten und durfte sich nicht als Opfer fühlen. … Mit den wenigen Vorzügen, die ihr von der Natur gegeben waren, hatte sie ihr Schicksal selbst in die Hand genommen. Jetzt durfte sie nicht verzagen und sich nicht um den Erfolg bringen. Jetzt musste sie ihren Weg weitergehen. Zäh, mutig und entschlossen.« Der Kriminalroman wird perfekt mit viel Geschichte und Handlung aus der NS-Zeit gespickt und ich habe vieles dazugelernt, wie einige NS-Größen agiert haben. Ein Buch muss unterhaltsam, spannend und auch bildend sein.

Auch mit »Stille Havel« setzt Tim Pieper sein Schreibstil fort, kurze spannende Kapitel, die hier auch noch zwischen den Zeiten wechseln, ganz hohe Kunst.

Eine klare Leseempfehlung! Lest dieses Buch bzw. die Reihe!

Mein Dank geht an Tim Pieper für die tolle Lesestunden, die ich mit Toni hatte und den emons Verlag für das bereitgestellte Buch.