Cover von: Systemfehler
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Bücher.de Preis: EUR 16.00

Systemfehler

Thriller
Buch
Broschiert, 480 Seiten

Verlag: 

ISBN-10: 

3499006618

ISBN-13: 

9783499006616

Auflage: 

1 (20.07.2021)

Preis: 

16,00 EUR
Schauplätze: 
Amazon Bestellnummer (ASIN): 3499006618

Beschreibung von Bücher.de: 

Wer die Zeit vor dem Internet erlebt hat, weiß, dass es sich genauso gut lebt ohne das Netz. Oder?

An einem heißen Tag im August fällt von einer Sekunde auf die andere in mehreren europäischen Städten das Internet aus. Behörden und Unternehmen können nicht mehr auf ihre Daten zugreifen, Flugzeuge nicht mehr landen, Ärzte nicht mehr operieren, weil die hochmodernen Geräte streiken, die Kommunikation bricht völlig zusammen.

Sonderermittler Nelson Carius vom BND vermutet einen hochkomplexen Computervirus hinter den Internetausfällen, die binnen Tagen immer größere Teile von Europa lahmlegen. Der Ausnahmezustand versetzt die Menschen in Panik, die Lage droht vollends zu entgleisen.

Eine Spur führt Ermittler Carius ausgerechnet zu einer Wohnung im Münchner Norden. Hier lebt IT-Experte Daniel Faber mit seiner Familie, und er versteht die Welt nicht mehr. Während das ganze Land im Chaos versinkt, muss Daniel nicht nur seine Familie retten, sondern auch seine Unschuld beweisen ….

Kriminetz-Rezensionen

offline: realitätsnahes Zukunfts-Schreckensszenario

Mitten im Sommer und der Ferienzeit fällt plötzlich das Internet aus. Flieger können nicht mehr starten, der Verkehr versinkt im Chaos, sogar Ärzte können nicht mehr operieren. Die Menschen können auch nicht mehr kommunizieren, da auch die Handynetze ausfallen. Es geht so weit, dass Wasser- und Lebensmittelknappheit herrscht, da die Lieferketten nicht mehr funktionieren, da alles am Netz hängt. Ganz Europa befindet sich im Ausnahmezustand und militante Gruppierungen wollen die Demokratie stürzen, weil sie das Volk an der Macht wollen.

In diesem Chaos kommt Familienvater und IT-Experte Daniel Faber auf die Spur eines hochkomplexen Computervirus, das für diese Störungen verantwortlich ist.

Eine Spur führt Nelson Carius vom BND auf die Spur von Faber und sieht ihn als Drahtzieher dieses Terrorismusaktes. Kann Daniel Faber seine Unschuld beweisen?

Meine Meinung:
Wolf Harlander hat es nach »42 Grad« mit diesem Buch wieder geschafft, einen realitätsnahen Zukunftsthriller zu schaffen, der so oder ähnlich stattfinden könnte, was einem die Gänsehaut aufkommen lässt.

Ein fesselnder Schreibstil, viele Szenenwechsel und kurze Kapitel mit teilweise Cliffhangern halten den Spannungsbogen konstant aufrecht. Auch springt man in vielen Städten Europas herum und verfolgt somit die Handlungen der verschiedenen Protagonisten.

Man fiebert nicht nur mit Daniel mit, ich habe ganz besonders seine Schwester Claudia ins Herz geschlossen, die Ärztin in einem Hamburger Klinikum ist und dort aufgrund der Systemausfälle viele Menschen sterben müssen.

Leider fand ich die Arbeit von Nelson Carius bzw. seine Befugnisse etwas unrealistisch. Er ist erst ein paar Tage im Amt, schon übernimmt er quasi das Kommando und kennt sich mit allen internen Vorgängen bestens aus.

Die Auflösung bzw. wer der Drahtzieher dieser Cyber-Attacken ist, war mir schnell klar, auch wenn der Autor es gut geschafft hat, eine falsche Spur zu legen.

Am Schluss gibt es eine spannungsgeladene Actionszene, um den Bundestag zu retten, die aber gut gepasst hat, obwohl ich sonst nicht so der Fan von zu viel Action bin ;)

In einem Interview mit dem Autor am Ende der Geschichte gibt dieser zu, dass ein Internetausfall in den nächsten 10 Jahren sehr wahrscheinlich ist, da heutzutage fast nichts mehr ohne das Netz funktioniert und dieses überlastet und anfällig für Störungen ist. Die immer häufigeren Cyberattacken belasten die Stabilität des Systems zusätzlich und ich habe schon richtig Angst vor diesem Tag bekommen. Nicht, weil ich dann nicht mehr surfen und online shoppen kann, sondern weil dann auch die Versorgung zusammenbrechen wird und Panik, solche Aufstände, Plünderungen und Kriminalität wie im Buch tatsächlich wahr werden könnten. Hoffen wir also, dass so ein Systemfehler nie passieren wird.

Fazit:
Ein Horrorszenario, das einen das Blut in den Adern gefrieren lässt und einen vor Augen führt, wie sehr heutzutage alles vernetzt ist und dass ohne das Internet das normale Leben nicht mehr stattfinden kann.

Am Anfang vom Ende steht eine Computertastatur

Am Anfang vom Ende steht eine Computertastatur – das Internet als Achillesferse einer ganzen Gesellschaft.

Ein ausgeklügelter und raffinierter Cyberangriff eines Unbekannten stellt in einer Zeit, in der Technik und Internet einen Großteil des Alltags bestimmen, einen massiven Schlag gegen die Infrastruktur in Europa dar. Der zunächst schleichende Ausfall von Verkehrsleitsystemen und Mobilfunknetzen eskaliert, als letztendlich auch die Mobilität und die Versorgung mit Strom, Wasser und Nahrungsmittel gefährdet sind. Szenarien wie panische Hamsterkäufe und Plünderungen, eine rasant steigende Kriminalität und brutale Gewalttaten lassen deutlich erkennen, dass es den Menschen nur noch um das eigene Überleben geht.

Der ausgebildete IT-Spezialist und Softwareentwickler Daniel Faber steht als Hauptverdächtiger im Fokus der Ermittlungen und versucht verzweifelt, seine Unschuld zu beweisen.

Der ehrgeizige BND-Ermittler Nelson Carius soll den vermeintlich koordinierten Großangriff untersuchen. Carius liebt die Herausforderung, ist von einem abgestimmten Angriff und nur einer Tätergruppe felsenfest überzeugt, hat jedoch Zweifel an der Täterschaft Fabers. Gemeinsam mit seiner Kollegin Diana Winkels ermittelt Carius in alle Richtungen, doch die Zeit wird knapp. Denn die Angriffe im Internet häufen sich, und deren Auswirkungen kosten zahlreiche Menschenleben.

Wolf Harlander nimmt sich in seiner Neuerscheinung »Systemfehler« eines hochaktuellen Themas an und führt seiner Leserschaft detailliert vor Augen, in wie vielen Bereichen wir diversen Computersystemen ausgeliefert sind und blind auf deren Zuverlässigkeit vertrauen. Thematisiert werden nicht nur die Auswirkungen eines europaweiten Internet-Versagens, sondern auch die Begleitumstände und die Auswirkungen auf die Menschen. Der Autor erzählt von der Suchtwirkung von Computerspielen und dem Einfluss einer permanenten Smartphone-Nutzung auf das Verhalten der Menschen, welche im Falle eines totalen Internetversagens zu regelrechten Entzugserscheinungen führt. Er beschreibt das Verhalten von Menschen in Krisenzeiten, manipulatives Handeln, aber auch gefährliche Ausschreitungen und Plünderungen bei drohenden Versorgungsengpässen. Wolf Harlander zeichnet ein drastisches und äußerst realistisches Szenario und erzeugt dadurch ein Gefühl der Beklemmung beim Lesen.

Die Aussage des Autors, dass Web und Mobiltelefon sich sehr langsam in das Leben von Milliarden Menschen eingeschlichen haben, nun ihre Aufmerksamkeit aufsaugen und deren Lebenszeit kapern, empfinde ich als erschreckende Tatsache. Es wird einem bewusst, wie viel Zeit man tatsächlich vor einem Bildschirm oder mit Smartphone in Händen verbringt, wie rasch man in eine Abhängigkeit schlittern kann und das Gefühl erzeugt wird, ständig online, stets informiert und erreichbar sein zu müssen.

Was mir sehr gut gefallen hat, war die Tatsache, dass der Autor bei jedem Szenenwechsel, bei jedem Wechsel zu einem anderen Handlungsort und anderen handelnden Figuren einen neuen Absatz mit Nennung des Schauplatzes als Überschrift beginnt. Dies erleichtert die Orientierung im Buch ungemein.

Der Spannungsfaktor wird durch die permanenten virtuellen Bedrohungen und deren verheerenden Auswirkungen durchgehend hochgehalten. Die Geschichte dieser mit teuflischer Raffinesse ausgeführten Cyberattacke hat mich sofort in den Bann gezogen. Die handelnden Figuren empfand ich jedoch als etwas blass, die Charakterzeichnung der Protagonisten war für meinen Geschmack unzureichend, die Akteure konnten mich emotional nicht einbeziehen. Was Nebenfiguren wie beispielsweise Daniel Fabers Ehefrau Isabelle sowie die beiden Töchter Carolin und Sophie betrifft, erhält man nur spärliche Informationen. Darüber hinaus gab es nach Beendigung der letzten Seite noch offene Fragen, aber auch zu rasch in nur wenigen Sätzen abgehandelte offene Themen. Was mir persönlich bei diesem Buch nicht gefallen hat, war die sprachliche Umsetzung. Saloppe Ausdrücke und die Verwendung der Umgangssprache, der reichhaltige Einsatz derber Ausdrücke und Flüche sowie vereinzelte Fehler im Buch verleideten mir ein wenig die Freude an dieser Lektüre.

FAZIT: Ich empfand »Systemfehler« als anregende, unterhaltsame, mit hohem Spannungsfaktor versehene Geschichte eines Szenarios, welches theoretisch zu jedem Zeitpunkt stattfinden könnte. Der hochspannende Plot entschädigte mich für etwas zu blasse Charaktere, ein paar bis zuletzt offengebliebene Fragen und einen Sprachstil, der meinem persönlichen Lesegeschmack leider nicht so ganz entspricht.

Ein Thriller der besonderen Art

»Systemfehler« ist ein Kriminalroman von Wolf Harlander, der 2021 bei Rowohlt Taschenbuch erschienen ist.

Zum Autor:
Wolf Harlander, geboren 1958 in Nürnberg, studierte Journalistik, Politik und Volkswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Nach einem Volontariat bei einer Tageszeitung und der Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule arbeitete er für Tageszeitungen, Radio, Fernsehen und als Redakteur der Wirtschaftsmagazine Capital und Wirtschaftswoche. Für seinen ersten Thriller »42 Grad« wurde Harlander ausgezeichnet mit dem Stuttgarter Krimipreis und der MIMI 2021, dem Publikumspreis des Deutschen Buchhandels. Er lebt heute als Autor in München.

Meine Meinung:
In diesem Buch finde ich viele Komponenten, die für mich einen spannenden Thriller ausmachen können. Interessante Figuren mit Ecken und Kanten, eine komplexe Handlung mit einigen Nebenhandlungen, Behandlung aktueller Themen, wechselnde Perspektiven, ein romantischer Zweig, bedrohliche Entwicklungen, Überraschungsmomente und viel Spannung. Dazu wirkt die Geschichte durchaus realistisch. Bestimmt erinnert sich jeder Mensch an meist kurzzeitige Ausfälle von EDV-Systemen. Mit gut gewählten Beispielen wird die zunehmende Abhängigkeit von Systemen verdeutlicht, die auf einer permanenten Verfügbarkeit des Internets basieren. Kriminell oder terroristisch motivierte Anschläge und Attacken treffen wichtige Lebensadern, die Politik und Nachrichtendienste auf den Plan rufen.

Schon der Einstieg ist beeindruckend. Wie harmlos wirkt es doch, wenn ein Hacker ein Virus kreiert und es auf die Reise schickt.

Am Beispiel einer Hamburger Chirurgin im Universitätsklinikum wird die steigende Bedrohungslage deutlich und die Hilflosigkeit der Ärzte und Pfleger, wenn die Technik im Krankenhaus ausfällt. Viele weitere Beispiele von persönlich betroffenen Menschen zeigen das ganze Ausmaß der Bedrohung.

Nelson Carius ist ein chaotisch wirkender Typ, der eigentlich ein Praktikum beim BND macht, um ein persönliches Problem zu lösen. Er teilt sein Büro mit einer kühl wirkenden Kollegin, die sehr gut organisiert ist, sehr überzeugend auftritt und zudem attraktiv auf Nelson wirkt. Gemeinsam werden sie mit dem Fall betraut und sie müssen sich erst zusammenraufen. Schnell sind sie in europäische Ermittlungsaktionen involviert, in denen die globalen Auswirkungen der Attacken auf Menschen und Politiker thematisiert werden.

In einem weiteren Erzählstrang kämpft der Spieleentwickler Daniel Faber um seine Familie und seine Reputation. Er setzt seine Kontakte in die Spieleentwickler- und Hackerszene ein.

Besonders beeindruckt hat mich die Schilderung der gesellschaftlichen Auswirkungen der Cyberattacken, die weit über die Auswirkungen der Covid19-Pandemie hinausgehen. Auch die Hinweise auf das Zerstörungspotential bei den Nachrichtendiensten sorgt für unschöne Gefühle.

Der Spannungsbogen ist gekonnt konstruiert und mit den weiteren Eskalationsstufen der Attacken nimmt die Spannung sogar noch zu. Der Showdown ist relativ unspektakulär und doch lässt er dem Leser das Blut in den Adern gefrieren.

Fazit:
Ein eindringlicher, spannender und realistischer Thriller, der die zunehmende Abhängigkeit von Kommunikationssystemen thematisiert. Ich habe ihn begeistert gelesen und bewerte das Buch deshalb mit fünf von fünf Sternen (100 von 100 Punkten). Natürlich gibt es dazu auch eine Leseempfehlung.