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Tief unten. Tief im Flughafen. Tief im BER.

Ein Fall für den Hörfunk-Ermittler Adrian Schmith aus der Tempelhofer Schokoladenfabrik. Kriminalroman
Buch
Taschenbuch, 228 Seiten

Verlag: 

ISBN-10: 

3962900039

ISBN-13: 

9783962900038

Auflage: 

1 (28.05.2018)

Preis: 

14,00 EUR
Schauplätze: 

Krimitags: 

Amazon-Bestseller-Rang: 1.318.745
Amazon Bestellnummer (ASIN): 3962900039
Beschreibung von kaster

Die Besonderheit dieses Krimis ist nicht nur der Ermittler (ein Hörfunk-Journalist) namens Adrian oder auch kurz: Addi. Sondern der ganze Ton des Buches ist ungewöhnlich. Die Sprache ist auf eine moderne Weise schnoddrig, da steckt Berlin drin, aber auch eine ungewohnte, neuartige Krimi-Sprache.

Dieser Hörfunkermittler Adrian Schmith wird (neben Radiobeiträgen) zum Broterwerb nun auch noch Dinge aufklären, eigentlich kleine Fälle ... aber plötzlich in diesem Roman auch einen (für ihn zu großen?) Fall. Denn ein Mann ist verschwunden, der Mann heißt Itay Teichmann, der Mann ist ein Israeli, der in Berlin wohnt und arbeitet. Mit ihm scheint auch Geld verschwunden. Alles hat mit dem BER zu tun, dem Berliner Flughafen, der nicht und nie fertig wird. Offenbar kann man mit und über den Bau des BER aber auch schön Geld machen oder auch etwas viel Geld verschwinden lassen.

Adrian wird sich in die israelische Community von Berlin begeben, um mehr über Itay Teichmann und die Gelder um den BER zu erfahren. Er wird einen jüdischen Sportverein besuchen, den Friedhof Weißensee, eine jüdische Bäckerei ... und irgendwann sogar direkt nach Israel fliegen. Das alles ist spannungsvoll beschrieben ... und immer auch auf eine anziehend schnoddrige Art. Addi wird auch Massageliegen testen, gerne koreanische, und sich in einer Fan-Gruppe zu dieser Alltags-Thematik treffen. Und er muss immer wieder auf Koreaner stoßen, an allen Ecken und Kanten.

Der Roman verdichtet sich und wird auch seine Höhepunkte am Flughafen BER selber haben, vielleicht sein großes Finale. Da Adrian Schmith (man achte auf den seltsamen Mixtur-Nachnamen!) seine Zentrale in Tempelhof in der alten Schokoladenfabrik hat und Tempelhof ein wichtiger Bezugsort für alles ist, wird man immer wieder auf Orte in Tempelhof stoßen.

Damit ist dieser Krimi einer über den BER, einer über die investigative Suche eines Hörfunkjournalisten ... und einer über Tempelhof, das alles gemischt mit interkulturellen Bezügen zu Israel / jüdischem Leben und Korea (Nord- wie Südkorea). Mit seinen Korea-Bezügen ist der Roman sogar hochaktuell, wenn man die Ereignisse zu Korea und dem US-Präsidenten Trump im Frühling und Sommer 2018 betrachtet.

Kriminetz-Rezensionen

Wie im wirklichen Leben?

Es ist eine schrille Story um die skandalösen Machenschaften beim BER, dem Berliner Pseudo-Airport, an dem es nicht nur drunter und drüber, sondern auch noch alles daneben geht. Abstruse Spekulationen bieten sich hier geradezu an, wobei es schwierig erscheint, der Realität von Chaos und Desaster noch die Krone aufzusetzen. Das allerdings gelingt dem Autor, der den Leser in Bann zu ziehen weiß.

Man glaubt ihm schließlich, so oder so ähnlich müsse es sich zutragen, sonst sei der ganze Wahnsinn doch nicht zu erklären. "Unterstelle immer das Schlimmste, dann kommst du der Wahrheit am nächsten", scheint Peter Kaisers Arbeitshypothese gewesen zu sein. Sein Protagonist Addi, Radioreporter und Privatdetektiv in Personalunion, ist eingefleischter Berliner und damit kosmopolitisch angehaucht. Er zitiert sogar Pessoa, was sein Vorbild Philip Marlowe aus publikationstechnischen Gründen nicht gekonnt hätte. Zudem hat Addi ein Faible für fernöstliche Massagebänke – nur sitzweich müssen sie sein. Koreanische Kimchi sind ihm allerdings definitiv zu scharf gewürzt. Das ist bei Kimchi nicht zwangsläufig der Fall (kennt doch jede gute koreanische Hausfrau mindestens 70 Arten der Zubereitung), doch hier geht es ganz offensichtlich darum, den Protagonisten so richtig leiden zu lassen.

Da ist es bisweilen besser, Berlin zu verlassen. Bis nach Tel Aviv folgt er der Spur des verschwundenen Itay Teichman und legt sich da auch noch mit dem Geheimdienst an. Soviel scheint klar: Itay weiß zu viel über die Hintergründe des BER-Pfuschs und hält es für gesünder abzutauchen. Natürlich geht es auch um Geld ... viel Geld. Addis Auftraggeberin ist die Lebensgefährtin des Verschwundenen, eine schwer durchschaubare Person, der Itay immerhin eine so enorme Geldsumme zurückgelassen hat, so dass sie den ansonsten eher mittellosen Privatdetektiv fürstlich entlohnen kann. Doch gilt ihre Sorge wirklich dem entfleuchten Partner? Addi irrlichtert durch die von ihr gezündeten Nebelkerzen.

Und zurück in Berlin findet er das Geheimnis dann tief unten, tief unter dem BER. Da bedürfte es nicht nur den Nehmerqualitäten eines Philip Marlowe, sondern der Allmacht eines James Bond, um sich all der Nachstellungen zu entziehen. Addi gibt immerhin sein Bestes. Dumm nur, dass der Privatdetektiv erpressbar ist. Er hat Familie, auch wenn die schon seit Jahren nichts mehr von ihm wissen will ... Das Ende kommt dann so plötzlich wie unerwartet. Im Fußballjargon heißt das "Sudden Death". Na ja, dort hat man es inzwischen wieder abgeschafft, dass ein Spiel so rasch zu Ende geht. Und ob das mit dem Tod wörtlich zu nehmen ist, sei hier nicht verraten.

Insgesamt ergeben sich gute Sequenzen in dichter Atmosphäre, spannend, schräg und originell. Ein ungewöhnlicher Krimi, doch nicht unwahrscheinlich. Denn wie schon gesagt: Es könnte sich genau so verhalten beim BER ...