Cover von: Tod in der Speicherstadt
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Tod in der Speicherstadt

Der vierte Fall für Kriminalinspektor Hauke Sötje. Historischer Kriminalroman
Buch
Taschenbuch, 384 Seiten

Verlag: 

ISBN-10: 

3740806613

ISBN-13: 

9783740806613

Erscheinungsdatum: 

17.10.2019

Preis: 

12,90 EUR
Schauplätze: 
Amazon-Bestseller-Rang: 154.115
Amazon Bestellnummer (ASIN): 3740806613

Beschreibung von Bücher.de: 

Hamburg zu Beginn der Hafenarbeiterstreiks.

Hamburg 1896: Der Sohn des wohlhabenden Kaffeehändlers Bellingrodt wird tot in der Elbe gefunden. Als Kommissar Hauke Sötje den Eltern die traurige Nachricht überbringt, gerät er in ein gefährliches Geflecht aus Macht, Gier und falscher Liebe. Sötje steckt tief in den Ermittlungen zwischen Kaffeesäcken und Kontoren, als seine Verlobte Sophie ihn bittet, eine junge vermisste Mutter und ihr Kind in der Stadt zu finden. Man hatte beide zuletzt vor der Villa der Bellingrodts gesehen ...

Kriminetz-Rezensionen

Eine kriminelle Zeitreise in das historische Hamburg von 1896

Anja Marschall hat mit „Tod in der Speicherstadt“ ihren 4. Krimi um Kommissar Hauke Sötje und seine Verlobte Sophie Struwe vorgelegt – und ich war mal wieder vollkommen begeistert! Für mich war es das 2. Buch mit diesen beiden sympathischen Protagonisten. Man kann jedes Buch einzeln lesen, die Geschichten sind in sich abgeschlossen.

Die Autorin schafft es, uns Leser*innen mit „lockerer Feder“ in das Hamburg von 1896 zu entführen: Die Speicherstadt ist gerade mal ein paar Jahre alt, Sophie und Hauke „konditorn“ im Alsterpavillon, Sophie bewundert das Angebot im neueröffneten Kaufhaus Tietz. Wir begleiten Sophie und Hauke bei ihren Ermittlungen quer durch die Stadt, erfahren von politischen Intrigen, nehmen die schlechte Arbeitssituation der Hafenarbeiter wahr, lernen einiges über den Kaffeehandel, staunen über den Dovenhof: „Das ist das feinste Kontorhaus in der ganzen Stadt. Hunderte von Büros gibt es dort und einen dieser neuen Paternoster.“ (S. 77). Aber was mich am meisten verwundert hat: Frau Marschall hat es geschafft, dass ich manchmal sogar meinte, die Gerüche wahrzunehmen: den intensiven Geruch frisch gerösteten Kaffees in der Rösterei oder den – sagen wir mal – unangenehmen Gestank im Hamburger Gängeviertel.

Hauke ermittelt in Hamburg gegen eine Schmugglerbande. Er ist nach Hamburg gereist, da eine wichtige Spur in die Hansestadt führt. Schnell merkt er aber, dass er sich durch seine Ermittlungen nicht gerade beliebt macht: Der Leiter der Hamburger Kriminalpolizei kämpft um das Überleben seiner Polizei: „Wussten Sie, dass Verbrecherjagd zu teuer, ja, sogar überflüssig sein kann? Gewisse Kreise in der Stadt würden gern die Kriminalpolizei wieder abschaffen, …“ (S. 26) Und Haukes Spur führt zu einem wohlhabenden Kaufmann … Herr Oberzollinspektor Jensen reagiert auf Haukes Verdacht vollkommen ungläubig und ungehalten:„‚Schmuggel gibt es bei mir nicht!‘ brüllte er.“ (S. 65) Keine einfache Situation für Hauke, wie kann er unter diesen Umständen den Fall lösen? Sophie wird währenddessen gebeten, eine vermisste junge Frau und deren Kind zu finden. Wo soll sie ansetzen?

Mit sicherer Hand führt die Autorin Sophie, Hauke und uns durch das Hamburg im ausgehenden 19. Jahrhundert, lässt sie und uns manchmal verzweifeln an dem undurchsichtigen Geflecht aus Intrigen, Macht, Gier und Lügen. Wir wurden im positiven Sinne „gefesselt“ von dem spannungsgeladenen, flüssigen Schreibstil, ich konnte manchmal das Buch nicht aus der Hand legen (schnell, nur noch eine Seite …)!

Als „Sahnehäubchen“ werden allen Kapiteln Originalzitate aus Hamburger Zeitungen vorangestellt, z.B. „Präsidentschaftswahl: Wer in Amerika auf die Massen wirken will, muss sich nicht scheuen, Worte zu gebrauchen, die es zweifelhaft lassen, ob sie mehr in den Bereich des landesüblichen Humors oder des politischen Fanatismus gehören. Bis zur Wählerentscheidung am 4. November wird man sich wohl noch auf manche ähnliche Blüthen der Beredsamkeit von beiden Seiten gefaßt machen müssen.“ (Originalauszug: Hamburger Nachrichten, 21. Oktober 1896), S. 226. Diese Zitate unterstreichen das Lokalkolorit und machen es in meinen Augen authentischer …

Der Schluss ist spannend, dramatisch, rührend, überraschend – zusammengefasst: äußerst befriedigend! Lose Enden waren kunstvoll verknüpft worden, mein Krimileserherz war rundum überzeugt! Ich habe es bedauert, mich von Sophie und Hauke trennen zu müssen – deshalb hoffe ich natürlich auf ein baldiges Wiedersehen und spreche in der Zwischenzeit für „Tod in der Speicherstadt“ eine absolute Leseempfehlung aus!

Hauke Sötje ermittelt in der Speicherstadt

»Die Anfänge der Speicherstadt, welche sich im Hamburger Hafen befindet, werden im Jahre 1881 datiert. In diesem Jahr begann der Bau der mittlerweile historischen Gebäude. Anlass des Baus war die Angliederung des Viertels an den Deutschen Zollverein, welcher von Otto von Bismarck veranlasst wurde. Die Speicherstadt sollte der Lagerung und Veredelung exklusiver Rohstoffe wie Gewürze, Kaffee, Tee und Kakao aus aller Welt dienen.« (speicher-consorten.de)

Hamburg 1896:
In der Elbe im Kieler Raum wird bei einem Brand der Wilhelmine ein unkenntlicher Toter geborgen. Lediglich ein Siegelring führt Kommissar Hauke Sötje deshalb nach Hamburg und zu den Bellingroths, einer großen Kaffeehändlerfamilie. Wie sich schnell herausstellt, scheint Johann Bellingroth der Tote zu sein, dieser wurde von seinem Vater verstoßen und nach Südamerika gesandt. Als Hauke der Familie den Tod ihres Sohnes mitteilt, gerät er in ein gefährliches Netz aus Intrige, Macht, Gier und einer Liebe zwischen unterschiedlichen Gesellschaftsschichten. Zu allem Überfluss gerät Sophie ebenfalls in die Kreise der Bellingroths, da sie Claras Abschiedsball organisieren muss. Dass Amelie Bellingroth Sophie bietet, Johanns Geliebte und ihr Kind zu suchen, um ihr einen Brief zu übergeben, bringt Sophie zu den Abgründen Hamburgs und in große Gefahr.

Meine Meinung:
Ein beeindruckendes, historisches Bild der Hamburger Speicherstadt ziert das Cover dieses bemerkenswerten vierten Falls von Kommissar Hauke Sötje. Der wunderbare Schreibstil, der sich hier wieder sehr lebhaft und locker präsentiert, wird wie schon in den Bänden davor durch mehrere Kapitel unterteilt. Mit viel Liebe zum Detail ziert jedes Kapitel ein gut recherchierter Zeitungsartikel, bei dem ich interessante Meldungen von damals erfahre. Diesmal erlebte ich Hauke Sötje nicht in Kiel, wo er sonst arbeitet, sondern in der Hansestadt Hamburg. Erneut hat sich die Autorin mit der Speicherstadt ein beeindruckendes Lokalkolorit ausgesucht. Durch die damaligen Kontore und Warenlager war dieser Ort eine Stadt in der Stadt, wo oft andere Gesetze herrschten. Dies bekommt nicht nur Hauke, sondern auch die Kripo Hamburgs zu spüren, die einigen ein Dorn im Auge ist. Bildhaft beschrieben Szenen lassen mich wieder spüren, was für harte Zeiten die ärmliche Bevölkerung damals durchmachen musste. Die Beschreibung des damaligen Gängeviertels, in das sich selbst die Polizei nicht gerne traute, hat mich schwer erschüttert. Zudem fieberte ich meist mit Sophie mit, die sich mal wieder – zwar ungewollt, aber eigenmächtig – in Haukes Fall einmischt. Diesmal spürt man jedoch, dass aus der schüchternen, ruhigen Sophie inzwischen eine durchsetzungsfähige, robuste Frau geworden ist. Ich könnte mir sie durchaus als eine gute Ermittlerin vorstellen, auch wenn dies zur damaligen Zeit noch unvorstellbar war. Hauke besticht wieder durch seine ruhige, kompetente Art, selbst wenn er gelegentlich wieder in seine Vergangenheit abtaucht. Dass er Sophie eigentlich fürsorglich beschützen möchte, gelingt ihm auch diesmal wieder nicht. Trotzdem ist er immer in den entscheidenden Moment an ihrer Seite und für mich bleiben die beiden weiter mein Traumpaar, denen ich eine gute Zukunft wünsche. Sehr unsympathisch empfand ich Wilhelm und Alfons Bellingroth, besonders bei Wilhelm spürt man den Patriarchen, der nicht nur seine Familie im Griff hat, sondern auch maßgebend die Speicherstadt beherrscht. Seine Frau Amalie hingegen ist eine liebevolle Frau, bei der ich sofort die Ängste einer Mutter spüre und die trotz ihres Standes, keinerlei Privilegien zu haben scheint. Die Atmosphäre der alten Speicherstadt mit ihren damaligen Aufgaben gibt diesem Kriminalfall wieder ein ganz besonderes Flair. Ich bin wieder einmal total begeistert, mit wie viel Liebe und Leidenschaft die Autorin dieses Buch geschrieben hat. Lasst Euch die Hauke Sötje Reihe nicht entgehen, sie ist eine einmalige Gelegenheit in die Zeiten Otto von Bismarcks und des deutschen Kaiserreichs zu reisen. Darum gibt es von mir 5 von 5 Sternen und eine Leseempfehlung nicht nur für Krimi-Fans, sondern auch für Leser von historischen Romanen.

Gut recherchiert und gelungen erzählt

Hamburg 1896: Hauke Sötjes aktueller Fall führt ihn nach Hamburg. Die Zusammenarbeit mit der Hamburger Polizei ist nicht einfach, diese hat sich Machtstrukturen unterzuordnen. Auch Sophie ist in Hamburg und bald kommt sie, ganz unabsichtlich, mit ihren Unternehmungen Haukes Ermittlungen in die Quere.

Schnell hat mich der Roman, der vierte der Reihe, wieder gepackt, und ich habe mich gefreut, Sophie und Hauke erneut zu treffen. Beide gefallen mir sehr gut, auch wenn Sophie manchmal zu unüberlegt handelt und sich damit in Gefahr begibt. Mir gefällt aber, dass sie immer wieder versucht, Konventionen zu umgehen und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Am Ende ergibt sich eine Situation für beide, die gespannt macht, wie es mit ihnen weitergeht. Dass es weitergeht, hat die Autorin mittlerweile bestätigt.

Auch die weiteren Charaktere sind der Autorin gut gelungen, besonders hat mir der junge Zollanwärter gefallen, der dazu abgeordnet wird, Hauke zu führen und ihn dabei im Auge zu behalten. Dass manch einer Platt spricht, trägt zum Lokalkolorit bei. Im Anhang findet sich ein »Kleines Hamburger Sprachlexikon« für alle, die Probleme beim Übersetzen haben sollten.

Auch in diesem Band gibt es wieder kapiteleinleitenden Originalzitate aus verschiedenen Zeitungen und Bekanntmachungen von 1896, die manchmal überraschend gut zum Inhalt des einzelnen Kapitels passen. Außerdem erfährt der Leser auf diese Weise einiges Interessante aus diesem Jahr. Überhaupt hat die Autorin wieder sehr gut recherchiert und führt uns dieses Mal in das Hamburg der Kaufleute, in den Freihafen und die Speicherstadt, in Kontore und die Börse. Man erfährt einiges darüber, wie Kaufleute arbeiten, aber auch über die Lebensbedingungen der Arbeiter und über Schmuggel. Im Mittelpunkt steht der Kaffeehandel. Im Anhang gibt es außerdem Anmerkungen zu historischen Ereignissen und Personen, wobei ich erstaunt war, wie viele historische Persönlichkeiten im Roman auftauchen, angesprochen werden oder zumindest zu Charakteren inspiriert haben.

Der Fall, es geht zunächst um Schmuggel und einen unidentifizierten Toten, weitet sich immer mehr aus. Am Ende hat man in einige erschütternde Abgründe geblickt, aber auch eine zufriedenstellende Auflösung erfahren und gut miträtseln können. Die Autorin erzählt sehr bildhaft, man hat immer wieder das Gefühl, selbst mit dabei zu sein, sogar Gerüche konnte ich wahrnehmen. Besonders gelungen ist z.B. der Besuch des Kaufhauses Tietz, hier stimmt die ganze Atmosphäre und das Kopfkino bekommt viel zu tun.

Auch der vierte Band der Reihe ist sehr gelungen: Gut recherchiert und mit viel Lokalkolorit nimmt er den Leser mit in die Vergangenheit und in einen verwickelten, spannenden Kriminalfall. Ich empfehle ihn sehr gerne weiter und vergebe volle Punktzahl.