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Die Tote mit dem Buddelschiff

Der siebte Fall für Kommissar Steen. Ostfrieslandkrimi
Buch
Taschenbuch, 200 Seiten

Verlag: 

ISBN-10: 

3965862391

ISBN-13: 

9783965862395

Auflage: 

1 (16.10.2020)

Preis: 

11,99 EUR
Schauplätze: 

Krimitags: 

Amazon Bestellnummer (ASIN): 3965862391
Beschreibung von Marcel Gröger

15 Jahre nach ihrem Tod wird die Leiche der Frau entdeckt, die von den Kindern des Dorfes Twixlum nur »die Hexe« genannt wurde. Denn Frau Gadamer hasste Kinder, niemand schien vor ihr sicher. Und niemand hatte in den letzten 15 Jahren das unheimliche kleine Haus in Twixlum betreten. Alle glaubten, Frau Gadamer und ihr Mann hätten den Ort längst verlassen.

Doch jetzt haben Kommissar Steen und sein Team von der Kripo Emden einen neuen Mordfall, denn am unnatürlichen Tod besteht kein Zweifel. Ist das zertrümmerte Buddelschiff, das vor der Leiche auf dem Boden lag, der Schlüssel zur Lösung des Falls?

Kommissar Steen, der in Twixlum aufgewachsen ist, glaubt auch an einen Zusammenhang mit einem schrecklichen Ereignis seiner Kindheit. Damals ging sein Freund Andy zu dem »Hexenhaus«, um seinen Fußball zurückzuholen – und wurde danach nie mehr gesehen …

Kriminetz-Rezensionen

Steens persönlichster Fall

Der Hunger treibt Kommissar Ebbo Steen an den Fischwagen. In dem Verkäufer erkennt er einen alten Klassenkameraden. Durch diese Begegnung wird Steen wieder an das Verschwinden seines Freundes Andy erinnert und damit kommt auch die Erinnerung an Frau Gadamer, die von den Kindern des Dorfes Twixlum nur »die Hexe« genannt wurde. Sie hasste Kinder, und daher hatte sie Andys Fußball behalten, der auf ihr Grundstück geraten war.

Steen wird nun förmlich zu dem Haus der Hexe hingezogen, das inzwischen unbewohnt und verrammelt ist. Es bereitet ihm keine Schwierigkeiten ins Haus zu kommen. Doch mit dem, was er da entdeckt, hatte er nicht gerechnet. Die Frau sitzt in ihrem Sessel und ist seit Jahren tot. Es ist offensichtlich, dass sie ermordet wurde. Steen und sein Team beginnen mit den Ermittlungen.

Der Schreibstil von Alfred Bekker lässt sich gut und flüssig lesen. Der Kriminalfall ist sehr spannend und er ist auch ziemlich persönlich für Steen, denn das Verschwinden seines Freundes hat ihn nie losgelassen.

Die Charaktere sind individuell und sehr menschlich geschildert. Ebbo hasst seinen Vornamen, daher wird er nur Steen genannt. Polizeimeisterin Altje Remels sabbelt gerne und ist ständig überlastet, da sie neben ihrem Job auch noch auf dem elterlichen Hof eingespannt ist. Johnny Volkerts, der noch nicht lange im Team ist, hat es sehr mit den Vorschriften und Ulfert Jansen ist für die erkennungsdienstlichen Untersuchungen zuständig. Der Reporter Tammo Tjaden ist immer hinter Informationen her und geht Steen meist auf die Nerven.

Die Ermittlungen in dem alten Fall sind nicht einfach und erst als es einen weiteren Todesfall gibt, kommt Bewegung in die Sache. Das Ende ist schlüssig so wie es ist.

Ein spannender Krimi von der Küste, der mit gut gefallen hat.

Mehr als ein Cold Case

Im Mittelpunkt des neuen Krimis aus der Reihe »Kommissar Steen ermittelt« steht der Kommissar selbst. Als Leser lernt man ihn persönlich besser kennen und taucht gemeinsam mit ihm in seine Jugendjahre ein.

Nach einem Gespräch mit einem alten Klassenkameraden, der einen Fisch-Imbiss führt, beschließt Steen spontan in seinen Heimatort Twixlum zu fahren. Dort gibt ein altes Haus, eher eine Fischerkate, wo eine Frau, die unter den Kindern als Hexe verschrien war, gemeinsam mit ihrem Mann lebte. Hier hatte er seinen Freund Andy, einen begnadeten Fußballspieler zum letzten Mal gesehen. Sein Fußball – ein besonderes Exemplar mit Autogrammen aller damaligen Nationalspieler – war im Garten gelandet. Aber beide, der Junge und der Ball, tauchten nie wieder auf.

Als Steen sich jetzt, viele Jahre später, Zutritt zu dem verriegelten Haus verschafft, macht er eine grauenvolle Entdeckung. Er sieht eine Frau, die seit langer Zeit tot ist, im Sessel sitzen. Zu ihren Füßen liegt ein zertrümmertes Buddelschiff.

Doch die Suche nach dem Täter gestaltet sich ganz anders, als man vermuten könnte. Viel mehr interessiert Steen, was aus seinem Freund Andy geworden ist. Er hat das Gefühl, dass beide Ereignisse irgendwie zusammenhängen.

Nach dem recht gemächlichen Beginn des Krimis, entwickelt die Geschichte mit einer weiteren Erzählebene eine ungeahnte Dynamik. Eine Frau will eine Aussage bei der Polizei machen. Doch dazu wird es nie kommen, denn sie ist die Tote an der Bundesstraße zu der Steen gerufen wird. Dieses Mal ist es nicht Altje, die die Tote kennt, sondern Steen selbst. Es ist seine ehemalige Mitschülerin Heike. Ein Fund in ihrer Handtasche erschüttert ihn tief – es war sein Geschenk an Andy.

Die spannende Geschichte, die Alfred Bekker flüssig und mitreißend schildert, lässt den Leser nicht mehr los. Bevor alles logisch und schlüssig aufgeklärt wird, erwarten den Leser noch so einige überraschende Wendungen, die alte Geschichten in einem neuen Licht erscheinen lassen und auch Kommissar Steen und sein Team verblüffen.

Außerdem ist da noch der Journalist Tammo Tjaden von der Lokalpresse, der immer wieder den Weg von Kommissar Steen kreuzt, sich aber dieses Mal erstaunlicherweise als kooperativ und nützlich für den Fall erweist.

Fazit:
Ein ungewöhnlicher Krimi mit viel Lokalkolorit, der bald fesselt und mit einigen unerwarteten Wendungen punkten kann. »Die Tote mit dem Buddelschiff« ist absolut gelungen. Spannend und hintergründig – deshalb vergebe ich gern 5 Sterne und empfehle das Buch allen Freunden von guten Ostfrieslandkrimis.

Mein Dank gehrt an den Klarant-Verlag, der mir kostenlos ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Meine ehrliche Lesermeinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

Ein sehr interessanter und vielschichtiger Kriminalroman, dem eine große Tragik zugrunde liegt

Der neue Fall wird für Kommissar Steen der persönlichste überhaupt. Seine Spürnase führt ihn nach Twixlum, aber nicht, um an einen Tatort zu gelangen, sondern um dem Ruf seiner eigenen Vergangenheit zu folgen.

Doch dann geschieht etwas Unvorhergesehenes, plötzlich ist ein neuer Fall da und die Dinge überschlagen sich.

Alfred Bekker hat einen sehr angenehmen Schreibstil, wodurch ich diesen Ostfrieslandkrimi an einem Stück gelesen habe.

Der neue Fall rückt Steen sehr stark in den Fokus, weil es ihn selbst und seine eigene Vergangenheit betrifft. Eine Vergangenheit, die ihre Geheimnisse und Opfer mit sich bringt. Dinge, die endlich an die Oberfläche müssen, um ans Licht zu kommen.

Ich mag Steen an und für sich wirklich sehr gern. Besonders seine ruhige und etwas eigene Art. Aber hier hätte ich mir gewünscht, er würde etwas aus sich herausgehen, ordentlich auf den Tisch hauen und einfach Impulsivität zeigen. Aber so ist Steen einfach nicht. Das ist einfach eine Eigenart, wodurch dieser Krimi doch die eine oder andere Länge hat, was besonders bei den Dialogen zu beobachten ist. Das führt auch dazu, dass keine richtige Energie und kein Tempo aufkommt.

Altje und Johnny haben mir diesmal besonders gut gefallen, ebenso wie die Nebencharaktere, die nicht immer so scheinen, wie sie sind. Doch insgesamt wirklich gut greifbar und authentisch.

Dafür punktet der Autor mit einem extrem interessanten Fall, der nicht nur sehr komplex, sondern auch sehr beklemmend ist.

Zudem hat man hier das Gefühl, den Kommissar etwas näher kennenzulernen und zu verstehen, warum er niemanden an sich heranlässt.

Interessant war hier das erste Opfer, wodurch alles ins Rollen kam. Obwohl man recht viel über die Hintergründe erfährt, hätte ich mir jedoch noch mehr Details gewünscht.

Der Kriminalfall selbst wirkt anfangs recht simpel, entwickelt sich aber im Laufe der Handlung als ziemlich komplex. Dabei ist vor allem die große Tragik dahinter sehr gut erkennbar.

Ich mochte die Charaktere, die dabei hervorkamen, wahnsinnig gern. Denn sie sind völlig unterschiedlich in ihrer Art und Weise. Es ist auch keinesfalls so, dass jemand mit purer Kaltblütigkeit agiert. Vielmehr steht dabei im Fokus, was für eine Art von Menschen sie sind und was sie zu verlieren haben.

Alfred Bekker gelingt es, ein tragisches Bild mit einem verhängnisvollen und dramatischen Verlauf zu zeichnen, das man so nicht erwarten würde  und dem man bis zu einem gewissen Punkt Verständnis entgegenbringt.

Insgesamt ein sehr interessanter Kriminalroman, der wieder zeigt, dass man niemanden wirklich kennt. Manchmal nicht mal sich selbst. Er punktet mit gut gezielten Wendungen, die dem ganzen mehr Brisanz und Intensität verleihen. Ich bin gespannt, womit er sich als nächstes befasst.

Fazit:
»Die Tote mit dem Buddelschiff« ist ein sehr interessanter und vielschichtiger Kriminalroman, dem eine große Tragik zugrunde liegt, was ziemlich beklemmend und verstörend wirkt. Kommissar Steen wird mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert und endlich kann man ein Stück weit nachvollziehen, warum er ist, wie er ist.

Ein Roman, der definitiv nicht kaltlässt und zeigt, wie wenig man die Menschen aus seinem eigenen Umfeld kennt. Manchmal nicht mal sich selbst.

4 von 5 Sternen.