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Die Vergessenen

Roman
Buch
Broschiert, 512 Seiten

Verlag: 

ISBN-10: 

332810089X

ISBN-13: 

9783328100898

Erscheinungsdatum: 

27.12.2017

Preis: 

13,00 EUR
Schauplätze: 
Amazon-Bestseller-Rang: 10.158
Amazon Bestellnummer (ASIN): 332810089X

Beschreibung von Bücher.de: 

München, 1944. Die junge Kathrin Mändler tritt eine Stelle als Krankenschwester an und fühlt sich zum ersten Mal in ihrem Leben nützlich. Als sie dem charismatischen Arzt Karl Landmann begegnet, fühlt sie sich unweigerlich zu ihm hingezogen. Zu spät merkt sie, worin Landmanns Arbeit besteht und dass sie das Leben vieler Menschen bedroht - auch ihr eigenes. 2016. Manolis Lefteris erhält den Auftrag, geheimnisvolle Akten in seinen Besitz zu bringen. Er ahnt nicht, dass er im Begriff ist, ein Verbrechen aufzudecken, das Generationen überdauert ...

Kriminetz-Rezensionen

Die Gräuel der Vergangenheit

Die Journalistin Vera ist nicht besonders glücklich in ihrem Job bei einem Frauenmagazin. Als ihre Tante durch einen Schlaganfall pflegebedürftig wird, kümmert sich Vera um sie. Dadurch erfährt sie, dass ihre Tante Kathrin ein Geheimnis hütet.

Am Ende des Krieges wird Kathrin Mändler Krankenschwester in Heil- und Pflegeanstalt Winkelberg. Sie ist von dem Arzt Karl Landmann fasziniert. Doch dann merkt sie, was dort vor sich geht. Viele der behinderten Patienten überleben nicht. Warum hat Kathrin Fälle dokumentiert und dann nach dem Krieg doch nichts unternommen?

Manolis Lefteris erhält den Auftrag, Unterlagen einer alten Damen zu beschaffen. Er ist ein „Mann für besondere Fälle“. Im Prolog erleben wir, was 1944 in einem griechischen Dorf geschieht. Manolis Vater hat als Achtjähriger dieses Massaker überlebt.

Die Autorin ist bekannt als Inge Löhnig, die erfolgreich mit ihren Krimis um den Münchner Konstantin Dühnfort ist. Mit diesem Buch wechselt sie das Genre und berichtet über ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte. „Die Vergessenen“ ist zumindest genauso spannend wie ein Krimi, aber darüber hinaus auch sehr bedrückend.

Vera erkennt die berufliche Chance, die ihr die Unterlagen ihrer Tante bieten. Aber es gibt auch Menschen, die in den Besitz der Dokumente kommen wollen, denen jedes Mittel recht ist. Es wird lebensgefährlich für Vera.
Die Verbrechen, die von den Nazis begangen wurden, dürfen niemals in Vergessenheit geraten. Eines dieser Verbrechen ist die Einstufung von Menschlichem Leben als „wertlos“. Die Verbrechen wurden nicht gesühnt, Entschädigungen wurden verwehrt und die Schuldigen kamen davon.

Auch Landmann wurde nicht zur Rechenschaft gezogen und die Dokumente könnten seinem Ansehen als Unternehmer schaden.

Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet, so dass man sich in sie hineinversetzen kann. Ich mochte Manolis und Vera und mir hat es gefallen, wie sie gemeinsam für Gerechtigkeit kämpfen.

Ein Buch, welches unter die Haut geht und das ich nur empfehlen kann.

Starke Story

Dieser Roman erzählt eine Geschichte die einen so schnell nicht mehr loslässt.

1944 arbeitet Kathrin als Krankenschwester in der Heil- und Pflegeanstalt Winkelberg. Sie ist angetan von dem Arzt Karl Landmann und beginnt ein Verhältnis mit ihm, bis sie entdeckt, was er wirklich in dieser Anstalt tut. Sie verbündet sich mit dem Medizinstudenten Matthias Cramer und sammelt Beweise für diese abscheulichen Verbrechen.

Zeitsprung ins Jahr 2013. Kathrin hat einen Schlaganfall erlitten und liegt im Krankenhaus. Ihre Nichte Vera, von Beruf Journalistin, muss sich nun um die anfallende Bürokratie kümmern. Dabei entdeckt sie ein Foto, das sie stutzig macht. Sie beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen, um zu erfahren, was für ein Geheimnis ihre Tante verbirgt. Doch mittlerweile sind noch mehr Personen dran interessiert.

Vera trifft bei ihren Recherchen immer wieder auf den geheimnisvollen Manolis, einen Mann für besondere Aufträge. Als er entdeckt, für wen er diesen Auftrag erledigen soll, melden sich seine eigenen Dämonen, gegen die er schon viel zu lange ankämpft. Und er beschließt, diesmal soll die Gerechtigkeit siegen.

Ein toller Roman, der mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat. Was nicht zuletzt an Manolis, Vera und Kathrin lag. Ihre Geschichten sind so glaubhaft beschrieben, dass ich mich in jeden von ihnen hineinversetzen konnte.

Gekonnt verwebt die Autorin eine grausame Thematik in einen spannenden Krimi.

Absolute Leseempfehlung.

Spannender Roman zu einem Thema, das nicht vergessen werden sollte

Manolis Lefteris ist „Problemlöser“ des Anwalts Bernd Köster. Sein neuester Auftrag, er soll bestimmte Dokumente beschaffen, erweist sich als schwieriger als gedacht.

Vera Mändler ist als Journalistin bei einem Frauenmagazin nicht sehr glücklich, sie möchte Gehaltvolleres schreiben. Als ihre Tante Kathrin einen Schlaganfall erleidet und sich jemand an deren Unterlagen zu schaffen macht, führt das Vera in die Vergangenheit Kathrins, die als Krankenschwester im 2. Weltkrieg in einer Heil- und Pflegeanstalt arbeitete und dabei erschütternden Ereignissen auf die Spur kam – für Vera vielleicht die Chance, ihre Zukunft neu zu gestalten.

Eine bekannte deutsche Kriminalautorin hat unter Pseudonym einmal einen anderen Roman geschrieben (spätestens wenn Kommissar Dühnfort auftaucht, werden viele wissen, wer dahintersteckt). Sie nimmt sich dabei eines Themas an, das die deutsche Vergangenheit betrifft, und zwar jene schlimmen Jahre unter der Herrschaft der Nationalsozialisten, ein Thema, das, wie der Titel schon sagt, weniger oft erwähnt wird, aber dennoch erinnert werden sollte.

Ellen Sandberg erzählt auf zwei Zeitebenen, in der Jetztzeit aus den Perspektiven Manolis' und Veras, in der Vergangenheit erfahren wir, was Kathrin erlebt hat – beide Ebenen unterscheiden sich durch die Schriftart, sind aber auch sonst gut auseinander zu halten.

Ich finde, dass der Autorin vor allem ihre Charaktere gut gelungen sind, insbesondere die Protagonisten, die recht ambivalent gestaltet sind. Vor allem Manolis, dessen „Problemlöser“-Tätigkeit weit außerhalb der Legalität stattfindet, der aber trotzdem dem Leser nicht unsympathisch ist. Man lernt ihn gut kennen, seine Vorgeschichte erschüttert (auch seine Familiengeschichte ist von der Zeit des Nationalsozialismus geprägt) und als er am Ende die Gelegenheit bekommt, das Richtige zu tun, hofft man als Leser sehr, dass er diese nutzt. Vera ist eine starke Frau, doch das muss sie erst einmal erkennen. Und Kathrin, die in der Jetztzeit als fast 90-Jährige im Koma liegt, gibt dem Leser Rätsel auf, die sich erst nach und nach auflösen.

Die Autorin erzählt, wie von ihr bereits gewohnt, packend und spannend. Die Ereignisse, die im Mittelpunkt des Romans stehen, sind erschütternd (besonders schlimm die Rechtfertigungsversuche der damaligen Täter sowie die Rolle der Gerichte) und sollten uns auch heute noch zu denken geben. So ganz sind diese speziellen Gedanken meiner Meinung nach leider noch nicht aus vielen Köpfen verschwunden. Ich hoffe daher, dass sich manch einer nach der Lektüre weitergehend mit dieser Thematik beschäftigen wird.

Das Ende enthält meiner Meinung nach die Möglichkeit zu einer Reihe – ich würde mich freuen!

Der Roman ist nicht nur spannend geschrieben, sondern greift auch ein wichtiges Thema auf, und verdient daher viele Leser. Von mir gibt es nicht nur volle Punktzahl, sondern auch eine uneingeschränkte Leseempfehlung!

Es darf nicht vergessen werden!

Mir war bewusst, um wen es sich bei der Autorin handelt, und da ich ihre Krimis immer gerne gelesen habe, der Schreibstil mir zusagt, wollte ich unbedingt wissen, wie sie die historisch belegten Ereignisse des Dritten Reiches mit einem Krimi verwoben hat.

Als Erstes treffen wir auf den Problemlöser Manolis Lefteris, Besitzer eines Autohauses mit einer schwierigen Kindheit und Jugend. Sein Vater hat ihm als Kind schon von der Vernichtung der ganzen Familie durch deutsche Soldaten während des 2. Weltkrieges in Griechenland erzählt und damit bei Manolis immer wieder Bilder heraufbeschworen, die ihn bis heute begleiten. Es geht aber um weit mehr, denn das Kriegsverbrechen wurde als Totschlag gewertet und ist deshalb verjährt. Aktuell hat Manolis von seinem Mentor den Auftrag erhalten, ein Dossier zu besorgen, mehr Informationen zum Inhalt hat er nicht. Unterstützung erhält er bei dieser Mission von einer befreundeten IT-Spezialistin.

Dann begegnen wir Vera Mändler, einer Journalistin, die sich derzeit sowohl im Beruf als auch privat in einer Umbruchs- bzw. Aufbruchsstimmung befindet. Und nun hatte auch noch ihre Tante Kathrin einen Schlaganfall. Beim Suchen nach persönlichen Unterlagen für das Krankenhaus stößt sie auf ein altes Fotoalbum und entdeckt ein Bild ihrer Tante mit einer Kollegin, beide mit einem Nazi-Anstecker am Revers. Da ihre Tante nicht ansprechbar ist, macht sie sich selbst an die Recherche, was ihre Tante damals als Krankenschwester erlebt hat, mit ansehen musste und dagegen unternommen hat.

Und nun erfährt der Leser in Rückblenden – durch ein anderes Schriftbild klar abgegrenzt – einiges über die Erinnerungen von Tante Kathrin. Diese umfassen sowohl ihre Arbeit in Winkelberg und damit zusammenhängend die Verbrechen an Behinderten, aber auch über ihre Liebe bzw. Hörigkeit zum Anstaltsleiter Dr. Landmann.

Der Schreibstil selbst ist flüssig und fesselnd. Das Thema selbst ist keine leichte Kost und es berührt in jeder Szene des Rückblicks die Gräueltaten. Und es geht u.a. anschließend um Recht und Gerechtigkeit. Die Autorin hat akribisch recherchiert, um die Vorkommnisse und Schauplätze so bewegend und eindringlich schildern zu können. Es gab lediglich einen Grund, der mich schmunzeln ließ – die kurzen Auftritte von Dühnfort. Die einzige Passage, über die ich mit Unverständnis gestolpert bin, ist das Leben bzw. die Liebe von Tante Kathrin nach dem Krieg.

Für mich hat die Autorin den spannenden Krimiplot sehr gut mit den historischen Ereignissen verbunden und so ein sehr berührendes Buch geschrieben. Es wird mich mit Sicherheit noch einige Zeit beschäftigen und ich werde es sehr gerne weiterempfehlen. Denn eines ist klar, so etwas darf nie vergessen werden und nie mehr passieren!

Niemals darf man vergessen

Über eines der grausamsten Verbrechen der jüngeren Vergangenheit und die Notwendigkeit, dieses nicht zu vergessen.

Manolis Lefteris ist ein „lautloser Problemlöser“ für seinen Mentor Köster. Köster, dem er vor vielen Jahren das Leben gerettet hat – und der ihn dafür in seine Obhut genommen hat. Nun soll er für ihn geheimnisvolle Unterlagen beschaffen, die sich im Besitz einer älteren Dame befinden. Auch ihre Nichte Vera ist dem Geheimnis auf der Spur. Dabei enthüllen die beiden ein Verbrechen, welches Jahrzehnte im Verborgenen blieb.

Vorliegender Krimi ist eingeteilt in 63 überschaubare Kapitel, die sich in zwei Zeitebenen und zwei Erzählstränge aufgliedern. Zum einen das Geschehen in der Gegenwart, die Suche Manolis nach den geheimnisvollen Unterlagen und die Recherchen der Journalistin Vera nach den grausamen Verbrechen und Verbrechern des 2. Weltkriegs. Zum anderen die Erinnerungen von Kathrin, der Zeitzeugin und ihren Eindrücken und Erlebnissen, diese Kapitel haben mich ganz extrem betroffen gemacht. Die beiden Stränge waren sehr leicht auseinanderzuhalten, denn es wurden verschiedene Schriftarten gewählt, dadurch fiel es mir nicht schwer, den Überblick zu behalten. Karten und Briefe aus der Nazi-Zeit und den frühen 60er Jahren sind im typischen Schriftbild einer mechanischen Schreibmaschine gedruckt. Dadurch konnte man sich gut in die jeweilige Zeit hineindenken.

Ellen Sandberg schaffte es mit Bravour und großem Geschick, die Spannung, die sie schon im Prolog aufgebaut hat, durch die Geschichte hindurch gleichbleibend hoch zu halten. Nicht zuletzt durch die lebhafte Erzählweise und packende Dialoge. Besonders gut gefallen hat mir, dass die Autorin in ihrer Erzählung immer wieder Zeilen aus meinem Lieblings-Rilke-Gedicht „Herr es ist Zeit“ verwendet, an den haargenau dazu passenden Stellen, toll gemacht. Die Geschichte ist mir bis unter die Haut gegangen, besonders die Schilderungen wie mit den gehandicapten Patienten in der „Heil- und Pflegeanstalt“ Winkelberg umgegangen wird. Die Schilderungen wie in dieser Einrichtung „billig getötet“ wurde, rührte mich zu Tränen. Durch zu wenig Nahrung und Sedierung konnten die geschwächten Patienten nicht mehr richtig atmen und verstarben dadurch an Tuberkulose oder Lungenentzündung.

Zu jeder Zeit war es mir möglich, dem Plot zu folgen. Meine Lieblingsfigur war Manolis Lefteris, obwohl er am Anfang etwas suspekt erscheint, gefiel er mir zum Ende hin immer mehr, trotz seiner traumatischen Kindheit, hat er im Buch die größte Entwicklung gemacht und am Ende sogar die Seiten gewechselt. Auch die Figur Vera war mir sympathisch, vehement versucht sie Licht in die Vergangenheit ihrer Tante zu bringen. Einzig Kathrin blieb für mich undurchschaubar. Obwohl sie während der Nazizeit ihr Leben aufs Spiel setzte, um an die Beweise für Landmanns Machenschaften zu kommen und m.E. wirklich um die Opfer besorgt war, hat sie später nicht die Möglichkeit genutzt, um den Euthanasie-Arzt seiner gerechten Strafe zuzuführen. Wie kann man so einen Menschen lieben? Nur dafür, dass es einen Mann in ihrem Leben gibt, hat sie die Opfer verraten. Landmann war ein Teufel, ihn konnte ich nur hassen. Selbst nach dem Krieg war er der Meinung: „An der Front ließ die Jugend ihr Leben, während Verblödete und Asoziale in Winkelberg ein gesichertes Dasein führen“. Seine Taten waren, seiner Meinung nach, „Ein nützlicher Akt im Dienst der Allgemeinheit“.

Ich werde dieses Buch ganz sicher nicht vergessen. Ellen Sandberg, alias Inge Löhnig, hat hier ein Mahnmal gegen das Vergessen gesetzt. Unbedingte Leseempfehlung und 5 Sterne.