Cover von: Verlorene Engel
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Verlorene Engel

Der sechste Fall für Max Heller. Kriminalroman
Buch
Broschiert, 352 Seiten

Verlag: 

ISBN-10: 

3423262834

ISBN-13: 

9783423262835

Erscheinungsdatum: 

23.04.2021

Preis: 

16,90 EUR
Schauplätze: 
Amazon Bestellnummer (ASIN): 3423262834

Beschreibung von Bücher.de: 

Wie ein Schatten in der Nacht.

An dunklen Herbstabenden 1956 werden in Dresden wiederholt Frauen brutal vergewaltigt. Als auch noch eine tote Frau an der Elbe gefunden wird, werden in der verunsicherten Bevölkerung die Rufe nach Selbstjustiz laut.

Kommissar Max Heller und sein Team ermitteln unter Hochdruck. Mithilfe eines weiblichen Lockvogels gelingt es ihnen, einen Verdächtigen festzunehmen. Der von Narben entstellte Mann gesteht zwar die Vergewaltigungen, leugnet aber den Mord. Sind vielleicht doch die von allen gefürchteten, desertierten russischen Soldaten die Täter? Die Lage eskaliert, als Hellers Familie in den Fall hineingezogen wird.

Kriminetz-Rezensionen

Ausgezeichneter historischer Kriminalroman

»Verlorene Engel« spielt 1956 und ist der neueste Band der Dresdner Nachkriegskrimis.

Max Heller ist inzwischen eine feste Größe der Kriminalpolizei der DDR. Nachdem seine alte Beinverletzung endlich erneut operiert und gerichtet wurde, kann er schmerzfrei gehen. Auch privat scheint es zum Besten zu stehen. Zwar hat letztendlich die Flucht in den Westen zu seinem Sohn nicht geklappt, aber er hat sich mit dem System arrangiert. Auch wenn er weiß, dass inzwischen das Ministerium für Staatssicherheit wie ein Krake alle Bereiche des Lebens in diesem Staat durchdringt.

Eine Serie von Vergewaltigungen macht der Polizei zu schaffen. Zumal jetzt zum ersten Mal auch eine Frau den Angriff nicht überlebte. Sexualverbrechen sind ein Tabu-Thema. Es darf nicht sein, was dem Bild des »neuen« Menschen widerspricht. Die Opfer sind völlig unterschiedlich, aber der Dresdner Mob hat natürlich sofort Schuldige ausgemacht. Außenseiter werden auch in diesem Staat gnadenlos ausgegrenzt und verdächtigt.

Da auch zwei russische Soldaten abgängig sind, mischt der Große Bruder mit. Alexej Saizev und Heller kennen sich seit dem Krieg und haben eine fragile Beziehung aufgebaut.

Bei den Dresden-Krimis von Frank Goldammer schätze ich den zeitgeschichtlichen Hintergrund ganz besonders, er ist mir fast wichtiger als der Spannungsaufbau. Sein Plot nimmt – wie immer – ein gesellschaftlich relevantes Thema auf. Vergewaltigungen wie überhaupt Sexualdelikte wurde gern totgeschwiegen, denn das passte überhaupt nicht in das Bild, das die DDR darstellen sollte. Umso größer ist der Druck, der auf Heller lastet.

Wenn ich Frank Goldammer lese, sehe ich Dresden immer wie in einem S/W Film vor mir. Die Atmosphäre der Stadt, das Zeitbild fängt der Autor sehr lebendig ein. Ich meine fast, die Gerüche und Geräusche wahrzunehmen.

Ausgezeichnet sind seine Charaktere dargestellt. Die Figuren sind vielschichtig gezeichnet, wirken real und haben wie alle Menschen ihre Stärken und Schwächen. Das macht sie auch so besonders. Sie passen einfach in die Zeit und in das Milieu. Hier möchte ich eine Figur besonders hervorheben: das junge Fräulein Schöneich, die Schreibkraft, die sich unbedingt als Polizistin bewerben möchte und sich deshalb als Lockvogel zur Verfügung stellt.

Für mich ist der Krimi wieder ein sehr spannendes Stück Zeitgeschichte.

Spannender und kniffliger Fall

Für Kriminaloberkommissar Max Heller aus Dresden ist es der 6. Fall, den er zu lösen hat. Die Handlung spielt zwischen dem 25.10.1956 und dem 30.11.1956 in Dresden.

Ein Hundebesitzer findet an der Prießnitz-Mündung die Leiche der 21-jährigen Marie Pressler. Es geht derzeit ein Serienvergewaltiger und Frauenmörder um und die Bewohner sind in heller Aufregung. Ein junges Mädchen, das entkommen konnte, und eine weitere Zeugin sagen übereinstimmend aus, dass der Mann eklig gerochen hat, Schlitzaugen hatte und „dawai“ sagte. Und dann stellt sich eine Kollegin als Lockvogel zur Verfügung. Ob es ihr wohl gelingt, den Täter zu finden?

In einem zweiten Strang erfährt der Leser, dass zwei russische Soldaten untergetaucht sind, somit könnte das ein Fingerzeig in diese Richtung sein.

Max Heller kämpft derzeit auch an der Familienfront, denn Adoptivtochter Anni hat von dritter Seite erfahren, dass sie nicht das leibliche Kind von Max und Karin ist. Das bringt sehr viel Unruhe in ihr Leben. Ebenso gibt die Freundschaft mit Vera, der Nachbarstochter, einige Rätsel auf. Zu Sohn Klaus hat er offensichtlich kein sehr enges Verhältnis und um die Ehe von Klaus scheint es nicht zum Besten zu stehen.

Auf den Autor wurde ich durch das Buch »Zwei fremde Leben« aufmerksam, das ich vor Kurzem mit Begeisterung gelesen habe. Deshalb bin ich auch gleich bei dem 6. Fall von Max Heller neu eingestiegen. Der Fall an sich war für mich kein Problem, aber über das Privatleben und insbesondere über die Vorgeschichte von Sohn Klaus und Adoptivtochter Anni hätte ich gerne mehr gewusst. Sohn Klaus scheint nach meinem Dafürhalten politisch auf der Gegenseite von Max zu stehen und über reichlich Einfluss zu verfügen. Ich habe zwar auf der Homepage des Autors quasi den Lebenslauf von Max Heller gelesen, aber die alten Fälle interessieren mich schon. Ein Grund, jetzt die vorherigen Bände zu lesen, um meine Wissenslücken zu schließen.

Max Heller empfand ich als sehr sympathisch und ganz besonders gut gefiel mir der Lockvogel Fräulein Schöneich. Vielleicht bleibt sie in künftigen Bänden erhalten, das würde mich sehr freuen. Der Schreibstil ist sehr flüssig und spannend zu lesen. Die politische und gesellschaftliche Atmosphäre des Jahres 1956 in der DDR – beispielsweise das MfS und der Ungarnaufstand – wurden sehr gründlich recherchiert, gut ausgearbeitet, in die Story eingebettet und für mich authentisch beschrieben. Die damaligen Ermittlungs- und Befragungsmethoden fand ich gut dargestellt. Die Figuren wurden ausführlich charakterisiert und ich hatte sie bildlich vor Augen. Der Plot selbst war auch durch die vielen Figuren und Verdächtigen komplex, der Leser konnte miträtseln, denn es gab immer wieder neue Hinweise und am Ende wurde der Fall für mich schlüssig aufgeklärt.

Von mir bekommt das Buch auf jeden Fall eine Leseempfehlung!