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Verspielt

Mücks erster Fall. Thriller
Buch
Broschiert, 312 Seiten

Verlag: 

ISBN-10: 

3839217970

ISBN-13: 

9783839217979

Auflage: 

1 (01.07.2015)

Preis: 

12,99 EUR
Schauplätze: 
Amazon Bestellnummer (ASIN): 3839217970
Beschreibung von Roman Klementovic

Als Martin Fink von einer Dienstreise nach Hause kommt, fehlt von seiner Frau Maria jede Spur. Er findet jedoch einen Brief mit der Anleitung zu einem grausamen Spiel. Nur wenn Martin die Regeln befolgt und innerhalb von drei Tagen den Grund für Marias Entführung herausfindet, kann er sie vor dem Tod bewahren.

Zur gleichen Zeit bekommt auch der kleinkriminelle Klaus Richter einen solchen Brief – seine Schwester ist ebenfalls spurlos verschwunden. Doch Klaus hat noch ein weiteres Problem: Ein mächtiger Drogenboss, dem er Geld schuldet, hat seine Schlägertypen auf ihn angesetzt.

Der von privaten Problemen geplagte Bezirksinspektor Mück wurde aufgrund anhaltender Differenzen mit seinem Vorgesetzten von der Mordgruppe zur Drogengruppe versetzt. Dort bekommt er den vermeintlich langweiligen Auftrag, einen Gebrauchtwagenhändler zu beschatten. Doch dieser verhält sich äußerst seltsam. Mück beginnt zu ermitteln und gerät in ein tödliches Spiel …

Kriminetz-Rezensionen

Spannung pur

Der De­büt­ro­man des jungen Autors Roman Klementovic hat mich mehr als überzeugt. Auf den 311 Seiten des Romans war wirklich keine einzige langweilige Stelle. Jedes der 80 Kapitel war wirklich Spannung pur. Man konnte das Buch überhaupt nicht mehr aus der Hand legen, ob man wollte oder nicht. Auch das Cover hat es in sich: Blutverschmierte Wände, auf denen man den Fingerabdruck noch sehen kann.

Martin Fink, erfolgreicher Anwalt einer Sozietät, kommt nach einem fast erfolgreichen Abschluss aus Zürich nach Hause. Er freut sich schon auf seine Frau Maria und einen gemütlichen Abend mit ihr. Aber sie ist nicht zu Hause. Schon sehr ungewöhnlich, da sie so gut wie keine anderen Kontakte hat. Doch dann findet er einen Brief. Maria ist entführt worden. Er gibt Martin drei Tage Zeit, um den Grund für die Entführung zu nennen. Er wird ihn jetzt drei Tage lang kurz vor 12 Uhr anrufen. Wenn er keine Antwort weiß, wird er seine Frau quälen, nach drei Tagen töten. Aber Martin findet keine Antwort. Er durchsucht die ganze Wohnung und findet in ihrem Schreibtisch eine doppelte Schublade, in der er ein Tagebuch und Fotos findet. Maria muss mit einer gewissen Christine befreundet gewesen sein. Mehr kann er nicht erfahren.

Klaus Richter bekommt ebenfalls solch einen Brief. Dabei handelt es sich um seine Schwester. Er nimmt dieses Schreiben nicht so ernst. Er betreibt einen Autohandel, der aber nichts abwirft. Deswegen handelt er so nebenbei mit Drogen.

Doch Maria und Christine sind in großer Gefahr. Sie sind nackt in kalten Kellerräumen gefangen. Wenn ihr Mann/Bruder keine Antwort weiß, werden sie brutal gequält. In seinen Briefen teilt der Entführer mit, dass er immer in der Nähe ist. Dank Martins und auch Klaus Spürsinn wird der Täter endlich ermittelt. Bis zum Schluss wusste ich nicht, wer der Täter war. Und als er entlarvt wurde, konnte ich es nicht fassen. Wie kann sich ein Mensch derart verstellen? Wie kann man so niederträchtig sein? Ich denke immer noch darüber nach. Es wird aber eine Fortsetzung geben. Ich kann es kaum erwarten ...

Ein Spiel ohne (Telefon)joker

Das Spiel ist das einzige, was Männer wirklich ernst nehmen. Deshalb sind Spielregeln älter als alle Gesetze der Welt. (Peter Bamm)

Der Gmeiner Verlag ist dafür bekannt, neue, junge Autor/innen zu entdecken und zu fördern. So geschehen auch mit Roman Klementovic, einem jungen Wiener, der im Juli sein Debüt im Gmeiner Verlag veröffentlicht hat. Der Verlag, der bis vor kurzem vorwiegend für Regionalkrimis bekannt war, hat nun auch eine Thriller-Schiene.

„Verspielt“ fällt in diese Kategorie, auch wenn sich im Roman sehr wohl Lokalkolorit findet: der Großteil spielt in Wien, aber der Show-Down führt die Leser beispielsweise in ein fiktives Dorf im niederösterreichischen Triestingtal.

Im Mittelpunkt des Thrillers stehen zwei entführte Frauen (Maria und Christine) und die ihnen am nächsten stehenden Männer (Marias Mann Martin und Christines Bruder Klaus), die vor eine schier unlösbare Aufgabe gestellt werden: Sie müssen binnen drei Tagen herausfinden, warum der Täter die Frauen entführt hat.

Er schreibt in den Briefen, dass er täglich um exakt 23.59 anrufen wird. Wenn die Männer abheben und die falsche oder keine Antwort geben, müssen die Frauen sterben, heben sie gar nicht ab, wird er den Frauen zwar Schmerzen zufügen, sie bleiben jedoch am Leben. Finden sie es innerhalb der drei Tage nicht heraus, tötet er die Frauen ebenfalls. Genauso, wenn sie die Polizei einschalten oder irgendeiner anderen Person davon erzählen.

Keine leichte Aufgabe und eine furchtbare Qual für Martin und Klaus, die zudem beide noch jede Menge andere Probleme haben. Martin, ein erfolgreicher Anwalt liegt im Clinch mit seinem Kollegen und Klaus mit einem Drogenboss. Bald treffen die Männer aufeinander und kommen aufgrund eines Fotos drauf, dass sich Maria und Christine kannten.

Bezirksinspektor Mück, der vom Mord- ins Drogendezernat versetzt worden ist, bekommt den Auftrag einen Gebrauchtwagenhändler zu beschatten und stolpert nach und nach in den Entführungsfall.

Der Thriller würde sehr gut ohne letztgenannten auskommen, da die Spannung durch die vier Hauptfiguren, deren Beziehung untereinander, deren Qual, Folter und private Probleme getragen wird. Eigentlich nimmt man als Leser auch an, dass Martin und Klaus gemeinsam das Rätsel lösen, weil die beiden vom Autor durch die klassische Heldenreise gepeitscht werden. Doch das passiert nicht, beide werden quasi vom Täter „geführt“, was durchaus als Teil des Spiels verstanden werden kann, und Inspektor Mück mischt mit.

Bezirksinspektor Mück ist ein eher passiver „Held“, zumindest in diesem Fall. Er hat zudem jede Menge privater Probleme, unter anderem mit seinem Vater, der einen Selbstmordversuch begeht, hadert mit seiner Versetzung, die durch seinen damaligen Vorgesetzten durchgesetzt wurde und als unfair zu bezeichnen ist.

Der Haupt-Plot ist konventionell, denn die Grundidee war bereits öfter ein Bestsellergarant und wurde unter anderem von erfolgreichen Autoren wie Arno Strobl oder Andreas Gruber umgesetzt.

Dennoch vermag es Roman Klementovic, seinem Roman einen eigenen Stil und persönliche Färbung zu geben. Seine Sprache ist knapp und präzise, die Dialoge authentisch und sehr gelungen. Teilweise geht Klementovic auch sehr ins Detail, aber nie ohne Grund.

Die Figuren sprechen ihrem Milieu entsprechend. Da eine der Hauptfiguren ein Kleinkrimineller ist, finden wir im Thriller bisweilen eine sehr derbe Sprache (manchmal im Wiener Dialekt) sowie Fäkalausdrücke und äußerst brutale und eklige Stellen. Dadurch wirkt der Roman allerdings noch authentischer und glaubwürdiger, beinhaltet eben alles, was einen guten Thriller ausmacht und erinnert durch seine gnadenlose Ehrlichkeit in der Erzählung und des Agierens der Figuren stellenweise an einen französischen Film Noir (im spanischen novela negra) oder amerikanischen Hard Boiled Roman. „Verspielt“ könnte demnach auch das Debüt von Mickey Spillane, Caroll John Daly oder Raymond Chandler sein. Wobei Inspektor Mück wiederum einem düsteren und dunklen skandinavischen Krimi entsprungen sein könnte.

Alle Charaktere, auch die teilweise verschrobenen Nebenfiguren, wie der Hausmeister, wurden vom Autor sehr gut ausgearbeitet und gestaltet. Sämtliche Szenen kann man sich bildhaft vorstellen. Auch schwarz-gefärbter Humor kommt nicht zu kurz.

Das Buch ist durchaus auch in die Kategorie „Psychothriller“ einzuordnen, da die „Psychospielchen“ des Täters, seine Pathologie, Rachegedanken, Mordlust und der Aufbau (ohne Inspektor) vortrefflich zu dieser Kategorie passt. Ebenso die Verzweiflung der Männer, die keine Ahnung haben, wie sie die Frauen retten können.

Das Buch ist in mehrere Teile und „Spieltage“ gegliedert. Kurze Kapitel fördern den Lesefluss. Langeweile kommt zu keiner Zeit auf. Das Spannungsniveau geht von Beginn an steil nach oben und wird während des ganzen Romans fast durchgehend auf diesem hohen Niveau gehalten, was zum aufreibenden Countdown, den die Männer erhalten passt.

Der Aufbau ist geradlinig und klar, sämtliche Erzählperspektiven münden in einen roten Faden bis zum ausgeklügelten Show-Down in einem fiktiven niederösterreichischen Dorf, wo die Spannung auf die Spitze getrieben wird.

Roman Klementovic hat aus einer bewährten Grundidee einen überzeugenden und spannenden Plot mit nicht vorhersehbarer Handlung, überraschenden Wendungen, authentischen Figuren gebastelt und eine Geschichte kreiert, die den Leser zu fesseln vermag.

Ein überzeugendes, handwerklich solides und packendes Debüt von einem vielversprechenden jungen Autor, von dem man sicher in den nächsten Jahren noch besseres erwarten darf und muss. Denn „Verspielt“ ist nur der gelungene Auftakt einer großen Autorenkarriere. Man darf gespannt sein auf den zweiten Thriller, der bereits im Februar 2016 erscheinen wird und eigentlich der Erstling des Autors ist.

Fazit: „Verspielt“ ist ein Top-Tipp für hartgesottene Thriller-Leser, Fans von Hard-Boiled Krimis und Psychothrillern. Prädikat: Sehr lesenswert.