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Zeit der Schuld

Der sechste Fall für Avvocato Guido Guerrieri. Roman
Buch
Gebundene Ausgabe, 320 Seiten
Übersetzer: 

Verlag: 

ISBN-10: 

3442316197

ISBN-13: 

9783442316199

Auflage: 

1 (24.05.2021)

Preis: 

20,00 EUR
Schauplätze: 
Amazon Bestellnummer (ASIN): 3442316197

Beschreibung von Bücher.de: 

Als Anwalt kämpft Guido Guerrieri für das Recht der Unschuldigen. Doch in diesem Fall geht es um weit mehr als Gerechtigkeit …

In ihrer Jugend war Lorenza der Schwarm aller Männer: schön, klug und weltgewandt. Doch die Frau, die dem italienischen Anwalt Guido Guerrieri eines späten Nachmittags in seinem Studio in Bari gegenüber steht, hat nichts mehr von der einst so faszinierenden Frau. Trotzdem ist er sofort bereit, Lorenzas Sohn Jacopo vor Gericht zu vertreten, der wegen Mordes im Gefängnis sitzt.

Doch die Beweislage ist erdrückend, und bald muss sich Guerrieri fragen, ob sein nostalgisches Gefühl für seine Vergangenheit mit Lorenza nicht nur seine Urteilskraft beeinträchtigt, sondern auch seinen Ruf als Anwalt zerstören wird …

Kriminetz-Rezensionen

Erinnerungen können trügerisch sein

Ziemlich ernüchtert stellt Guido Guerrieri fest, dass die Zeit keineswegs spurlos an der schönen Lorenza Delle Foglia vorbeigegangen ist. In seiner Erinnerung hat er sie beinahe idealisiert und diese müde und irgendwie abgestumpfte Frau, die hier vor ihm sitzt, passt so gar nicht zu diesem Idealbild. Nachdem er kurz nachgerechnet hat, dass besagter  Jacopo nicht sein Sohn sein kann, sagt er ihr zu, ihn zu verteidigen.

Zufälle
Tatsächlich versucht er sein Bestes, um den jungen Mann von der Mordanklage zu befreien, aber das erweist sich als gar nicht so einfach. Es gibt so viele Zufälle in dem Tatgeschehen, das ihm zur Last gelegt wird, dass Guerrieri seine Schuld ausschließt. Andererseits macht das eben auch die Beweislage für den Ankläger erdrückend und bald muss sich Guerrieri dann doch fragen, ob seine nostalgischen Gefühle für Lorenza nicht auch seine Urteilskraft beeinträchtigen.

Moral
Zusätzlich zu dem zweifellos spannenden Fall geht es hier auch im weitesten Sinn um das Verhältnis zwischen Ethik, Recht und Gerechtigkeit. Das hört sich hier recht trocken und theoretisch an, aber Carofiglio schafft es, diese Dinge wirklich sehr fesselnd und durchaus auch faszinierend zu schildern. Anhand der persönlichen Verstrickungen des Anwaltes Guerrieri und deren Schilderungen werde ich als Leserin recht unterhaltsam in diesen Widerstreit eingebunden und quasi gezwungen, mir meine eigenen Gedanken zu diesem Thema zu machen.

Wunschvorstellungen
Nach Ansicht des Anwalts Guido Guerrieri (oder Autors Gianrico Carofiglio) muss ein Richter stets darauf achten, dass aus realen Menschen vor Gericht nicht einfach nur Aktennummern und Fallakten werden. Er muss Konflikte zwischen Sichtweisen, Werten und Weltbildern nach bestem Wissen und Gewissen lösen. Keine einfache Sache und nach meinen eigenen Erfahrungen haben unsere Gerichte da noch einen gewissen Nachholbedarf.

Ende
Das Ende der Geschichte ist recht überraschend – jedenfalls für mich – aber im Grunde ist die Geschichte hier auch gar nicht so wirklich wichtig. Es geht eher um das bereits geschilderte moralische Dilemma von Anwälten und Richtern. Das war alles recht spannend und unterhaltsam geschildert, hatte aber für meinen Geschmack etwas zu viel erhobenen Zeigefinger im Gepäck.

Mein Fazit
»Zeit der Schuld« von Gianrico Carofiglio ist ein interessantes Werk über Moral, Schuld, Unschuld, Anstand, Werte, Recht und Gerechtigkeit und wie man das alles in Einklang bringen kann.

Im Schein der Jugend-Erinnerungen

»Zeit der Schuld« von Gianrico Carofiglio ist bereits der sechste Fall für Avvocato Guerrieri im italienischen Bari. Es ist kein Kriminalroman im herkömmlichen Sinn. Der Avvocato, mittlerweile nicht mehr ganz so jung, resümiert über seine Jugend und vor allem über die damals leidenschaftliche Liebe zu Lorenza. Die taucht im Hier und Jetzt plötzlich auf. Beinahe hätte Guerrieri sie nicht wiedererkannt, von ihrer ehemals verführerischen Schönheit ist kaum noch etwas zu erahnen.

Lorenza bittet ihn, sich des Falles ihres Sohnes anzunehmen. Jacopo sitzt wegen Mordes im Gefängnis – ein Mord, den er nicht begangen haben will.

Avvocato Guerrieri bemüht sich um die Wiederaufnahme des Falles. Ist er wirklich selbst von der Unschuld des jungen Mannes überzeugt oder handelt er aus einer nostalgischen Verpflichtung gegenüber seiner Mutter heraus?

Der italienische Bestseller-Autor Gianrico Carofiglio war lange als Anti-Mafia-Staatsanwalt in seiner Heimatstadt Bari tätig. In »Zeit der Schuld« lässt er seinen fiktiven Avvocato moralische und ethische Probleme darlegen, abwägen und unter anderem ausführen, »dass die Fähigkeit, Antworten und Lösungen für Konflikte zu finden, die Fähigkeit voraussetzt, mit der Ungewissheit, der Undurchsichtigkeit der Wirklichkeit zu leben.« (Zitat: S. 128)

Den im Alter leicht fortgeschrittenen Anwalt lässt er im Nachgang der früheren Affäre mit Lorenza zu der Einsicht kommen, dass die geliebte Person als »Projektionsfläche der eigenen Wünsche, Sehnsüchte und Bedürfnisse« dient (Zitat, S. 142) und einem deshalb anders scheint, als sie tatsächlich ist. Und auch diese Erfahrung lässt der Autor seine fiktive Person machen: mit zunehmenden Alter die Verflüchtigung der Fähigkeit hinnehmen zu müssen, leicht in den Schlaf zu finden.

Ein angenehm zu lesender anspruchsvoller Roman, der mich über mehrere laue Sommerabende hinweg sehr gut unterhalten hat.

Vom Italienischen ins Deutsche übersetzt wurde »Zeit der Schuld« von Verena von Koskull. Der Roman ist bei Goldmann erschienen.