Chamäleon

Mariella Aumann ist im Film "Chamäleon" Mia, die gemeinsam mit ihrem Zwillingsbruder Jacob (Philip Günsch) zum Tod ihres Vater ermittelt. Foto: © Jürgen Schmid, Kriminetz

Was geschieht, wenn ein Familienvater stirbt und außer seinen beiden Kindern alle von einem Suizid überzeugt sind? Die beiden Teenager, die an der Schwelle zum Erwachsensein stehen, glauben das Setting zum Tod ihres Vaters nicht. Stunden vor seinem Tod hat er Konzertkarten für sich und ihre Mutter gekauft. Macht man das tatsächlich, wenn man vorhat zu sterben? Was ist mit Alexander, dem mehr als merkwürdigen Onkel? Offensichtlich verbirgt er etwas in seinem vollgemüllten Haus. Und wo überhaupt ist Susanne, die Frau des anderen Onkels, die vor einem Jahr spurlos verschwand? Die in den gezeigten Rückblenden als einzige knallgelb trägt, während sämtliche Outfits der anderen in die warmen Herbstfarben des Films eingebettet sind. Und deren Mann den Bruder sogar bei dessen Geburtstagsfeier mit seiner Tätigkeit als Schriftsteller abwertet.

Je mehr die Zwillinge in die verborgenen Facetten des Seins der Erwachsenen vordringen, umso weniger glaubwürdig scheint ihnen ein Suizid ihres Vaters, des Schriftstellers, zu sein. Doch die Erwachsenen fordern sie vehement auf, ihre Ermittlungen bleiben zu lassen. Die Mutter meint: „Wir müssen da irgendwie durch. Irgendwie wird es weitergehen.“

Aber genau das tun die beiden unbeirrt weiter: sie ermitteln auf eigene Faust, nachdem die Polizei die Ermittlungen beendet hat. Ein Zaubertrick des Films ist dabei die Gedankensprache der beiden. Sie können sich miteinander verständigen, ohne hörbare Worte bemühen zu müssen. Es ist pure Freude, Mariella Aumann und Philip Günsch bei ihrem fantastischen Spiel zuzusehen. Wie überhaupt die gesamte Besetzung großartig harmoniert. Zum Ensemble gehören Kim Riedle, Fabian Hinrichs, Peter Fieseler, Konstantin Lindhorst, Sarah Bauerett, Sithembile Menck, Laura De Boer, Laura De Boer und Sarina Radomski.

Ähnlich wie bei Agatha Christie bekommt jeder reihum ein zunächst glaubwürdiges Motiv verpasst. Hat man selbst auf die richtige Person getippt? Das ist schwer vorhersehbar und Teil des Reizes dieses Films. Es fallen Sätze wie: „Alle sind völlig durchgedreht. Jeder hat ein Problem mit jedem.“ „Wir müssen Angst vor der Hälfte unserer Familie haben.“ Was für ein Mensch ist man wirklich hinter der Fassade, die man den anderen zeigt?

Das Drehbuch stammt von Frédéric Hambalek, Regie führte Dustin Loose. Kamera: Clemens Baumeister. Kostüm: Silke Sommer. Musik: René Dohmen und Joachim Dürbeck. Die beiden Schauspielenden, die dem Zwillingspaar Gestalt verliehen, wurden zum Festival des Deutschen Films von Produzentin Sophie von Uslar und Producerin Corina Böttger begleitet.

Die beiden Hauptdarsteller, die längst älter als die 17 Jahre im Film sind, nehmen mit Produzentin Sophie von Uslar Platz zum von Rüdiger Suchsland moderierten Filmgespräch. Mariella Aumann hat bereits mit fünf Jahren ihre erste Rolle vor der Kamera gespielt, ihre erste Hauptrolle kam dann mit sechzehn. Philip Günsch fing während der Oberstufe an zu drehen und zog nach dem Abitur um nach Berlin. Beim Casting zu „Chamäleon“ war das Drehbuch noch nicht fertig, aber die beiden vertrauten darauf, dass der Film etwas Besonderes wird. Sophie von Uslar erzählt, dass den Drehbuchautor das Böse im Normalen interessiere und der Regisseur habe das lustvoll ausgekostet.

„Chamäleon“ wurde von der Constantin Film im Auftrag des SWR für die ARD produziert.

„Chamäleon“ wird beim Festival des deutschen Films nochmals am 1. und am 2. September gezeigt. Das 22. Festival des deutschen Films in Ludwigshafen am Rhein findet bis zum 6. September 2026 statt. Das Gesamtprogramm ist hier zu finden: Festival des deutschen Films.

Philip Günsch ist als Jacob in "Chamäleon" die eine Hälfte des symbiotischen Zwillingspaares, das sich in "Gedankensprache" unterhält. Foto: © Jürgen Schmid, Kriminetz
Sophie von Uslar ist die Produzentin des ungewöhnlichen Films "Chamäleon". Das Foto zeigt sie bei der Ankunft auf dem roten Teppich beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen am Rhein. Foto: © Jürgen Schmid, Kriminetz
Corinna Röttger ist Producerin des Films "Chamäleon". Foto: © Jürgen Schmid, Kriminetz
Das Gastgeberpaar des Festivals des deutschen Films in Ludwigshafen am Rhein, Daniela und Michael Kötz (links und rechts außen stehend) kümmert sich mit großer Aufmerksamkeit um seine Gäste. Foto: © Jürgen Schmid, Kriminetz