Daniel Izquierdo-Hänni über seine Valencia-Krimis

Hallo Daniel, wer sind deine literarischen Vorbilder, besonders im Genre Krimi?

Irgendwann, vor 20, 25 Jahren, als ich noch in Basel lebte, hatte ich vom Fernseher genug, versorgte diesen im Estrich und begann, leichte „Feierabend-Krimis“ zu lesen, und zwar Donna Leons Brunetti. Mir gefiel die leichte Art der Romane, angereichert mit dem italienischen respektive venezianischem Lebensgefühl. Dieses ist sehr nahe bei der spanisch-mediterranen Lebensart, welches ich hier in Valencia tagtäglich genieße. Es gibt durchaus andere (Urlaubs-) Krimis, die ich gelesen habe, aber die Nähe zwischen V wie Venedig und V wie Valencia ist wohl ein direkter Einfluss.

Schon beim Lesen deiner Krimis irritierten mich manchmal deine Redewendungen. "... versorgte diesen im Estrich" habe ich noch nie zuvor gehört. Stammt der Ausdruck aus der Schweiz?

Ja, manchmal kann ich meine Schweizer Wurzeln nicht verneinen. Trottoir anstatt Bürgersteig, parkieren anstatt Parken und eben… Gemeint habe ich: Habe ich diesen auf die Diele weggestellt…

Das mit der leichten Art und dem mediterranen Lebensgefühl gelingt dir mit deinen Valencia-Krimis ausgezeichnet. Genau so habe ich deine beiden Romane als Leser empfunden. Beim Lesen habe ich mich gefragt, ob Andrea Camilleri mit seinen Sizilien-Krimis zu deinen Vorbildern gehört. Schwimmst du eigentlich gerne?

Sizilien mit seinen Leuten und Landschaften macht die Essenz der Romane um Comisario Brunetti aus, ein solches Lokalkolorit möchte auch ich in meinen Büchern vermitteln. Meinen Vicente Alapont sehe ich jedoch näher an Guido Brunetti, einerseits bewegen sich beide in einem urbanen Umfeld, andererseits spielt die Familie bei beiden eine wichtige Rolle. Allerdings wollte ich meine Figur, im Vergleich zu Donna Leons Inspektor, doch etwas brechen. Mein Protagonist hat seinen Job an den Nagel gehängt, seine Ehe ist in die Brüche gegangen… Im Gegensatz zu meinem Romanhelden bin ich überhaupt kein Wassermensch, ich bin ein miserabler Schwimmer.

Was ist dir bei Krimis besonders wichtig?

Ich glaube, hier sollte man die Bandbreite dieses Literaturgenres nuanciert betrachten. Wichtig ist mir bei Urlaubskrimis das Ambiente, die Kopfreise an andere Orte, bei Thriller-Plots geht es um Spannung, um das Miträtseln. Aber es muss immer fließen, einen anregen weiterzulesen, und zwar gerne. Und das ist nicht immer ganz so einfach, daher frage ich mich beim Schreiben immer wieder selbst: „Was bringt das Kapitel, an welchem ich gerade arbeite?“ Spannung oder Stimmung? Oder, im Idealfall beides?

Wieviel von dir steckt in deinem Kommissar Alapont?

Etwas von mir steckt sicher in dieser Figur, allen voran die mediterrane Lebensart, die Freude am Umgang mit den Menschen. Bei Alaponts Familiensinn habe ich mich von meiner eigenen Großfamilie hier in Valencia inspirieren, auch habe ich meine Vorliebe für gutes Essen in meine Romanfigur einfließen lassen.

Was macht in deinen Augen Romanfiguren zu gelungenen Figuren?

Diese Frage klingt einfach, ist aber recht schwer zu beantworten. Einerseits geht es um die Glaubwürdigkeit der Personen, deren Lebensumstände und Charakterzüge, andererseits um die Beschreibung der Figur. Dabei denke ich nicht so sehr an physische Merkmale, an die Frage, ob die Person eine schiefe Nase oder blaue Augen gar, sondern an Eigenheiten, welche den Charakter widerspiegeln.

Willst du uns deine Meinung dazu verraten, ob ein Roman unbedingt sympathische Figuren braucht?

Ich hoffe, mit meinem Vicente Alapont eine solche einnehme Person geschaffen zu haben. Wichtig jedoch ist, dass ein Roman eine Figur hat, welche die Leserschaft einnehmen und durch die Story führen kann. Das kann durchaus ein Mensch sein, mit welchem man lieber nicht ein Bierchen trinken gehen würde, von welchem aber trotzdem eine Faszination ausgeht.

Für mich ist es dir mit Alapont eindeutig gelungen. Auch den zweiten Teil deiner Antwort sehe ich wie du. Woraus entwickelst du eigentlich die Ideen für deine Geschichten?

Es mag wie ein Klischee klingen, aber das Leben um einen herum bietet so viele Stories und Geschichten. Ich arbeite hauptberuflich als Redaktor und Journalist und habe daher immer wieder mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten zu tun.

Wie sieht ein Tag im Autorenleben des Daniel Izquierdo Hänni aus? Wie, wann und wie viel schreibst du? Hast du dabei spezielle Rituale?

Bei mir geht das Schreiben in Wellen, abhängig natürlich auch von meinen anderen Beschäftigungen. Es gibt Tage, da bekomme ich an einem halben Tag gerade mal vier Zeilen hin, dann gibt es Phasen, da läuft es und zwar, und dies ist wahr, so gut, dass ich mir mal einen Sehnenscheidenentzündung zugezogen habe. Nachts habe ich immer das Handy neben meinem Bett liegen, wache ich mich einer Idee Mitten in der Nach auf, so kann ich diese gleich in einem Audiofile aufnehmen.

Stört das nicht deine Frau?

Sie schläft zu tief und ich flüstere. Sie hat jedenfalls Geduld mit mir, wenn ich etwa an einer Passage arbeite und ihr aus dem Nichts heraus und zusammenhangslos etwas kommentiere. Vor allem weil sie ja Spanierin ist, kein Deutsch spricht und gar nicht weiß, was ich da am Schreiben bin.

Entstehen deine Geschichten im Voraus »am Reißbrett«, oder schreibst du »drauflos« und lässt den Worten ihren Lauf? Warum hältst du deine Vorgehensweise für die Richtige?

Bei „Mörderische Hitze“, meinem ersten Alapont-Krimi, habe ich einfach darauf losgeschrieben dies ist der Grund, weshalb die Leiche erst auf Seite 60 vorkommt. Daraus habe ich gelernt, dass ich dem Spannungsbogen mehr Beachtung schenken muss. Daher arbeite ich jetzt mit PowerPoint, will heißen, jedes Kapitel, das ich im Word schreibe, bekommt eine PowerPoint-Seite mit Headline und Stichwort. So erhalte ich im „Kachelformat“ von PowerPoint auf dem Computerbildschirm eine klare Übersicht des Manuskripts, kann bestehende Kapitel hin und her schieben und fehlende Erzählbausteine definieren.

Schreibst du schon am nächsten Band mit Alapont?

Eigentlich wollte ich eine Schreibpause einlegen, aber es macht mir einfach Spaß. Somit ja, wobei ich sagen würde, dass ich rund 70% des dritten Bandes schon habe. Dieses Mal geht es um das Thema Wasser, welches ja in Spanien ein besonders kostbares Gut ist. Der Arbeitstitel lautet daher „Trübes Wasser“ und ich hoffe, dass der dritte Alapont-Krimi im Frühjahr 2025 erscheinen wird.

Das zu hören freut mich. Ich drücke dir fest die Daumen, dass es klappt und bedanke mich für das Interview.