Was macht es mit einem Paar und seiner Beziehung, wenn die beiden plötzlich sehr reich werden? Und wenn sie nach außen in ihren zur Schau gestellten Rollen kommunizieren aber zwischen den beiden, die sich anfangs sehr liebten, längst Sprachlosigkeit herrscht?
Handlung
Influencerin "Pony" Hübner (Kim Riedle), ein ehemals von vielen bewundertes It-Girl, taucht bei heftigen Regen klatschnass in einer Stuttgarter Polizeiwache auf. Sie meldet ihren SUV, in dem ihre beiden Kinder Penelope und Hugo saßen, als gestohlen. Der Wagen wird zwar aus dem Neckar geborgen, jedoch mit der kleinen toten Penelope. Ihr großer Bruder Hugo ist spurlos verschwunden. Bald erreichen das Glamour-Paar, das in einer 400 qm großen, nobel eingerichteten Villa residiert, Lösegeldforderungen. Außerdem erzählt die Mutter, sie werde seit einigen Wochen verfolgt.
Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare), deren eigenes Privatleben in dieser TATORT-Folge komplett außen vor bleibt, beginnen zu ermitteln. "Ponys" Schwester (Anne Haug) und ihr Partner Eckhard "Echse" Bayer (eine feine Rolle, in der David Zimmerschied überzeugt) bilden den Gegenentwurf zu "Pony" und Stefan Hüber (Hans Löw). Die beiden leben auf engen Raum in prekären Verhältnissen, "Echse" hangelt sich von Job zu Job. Momentan ist er mit Straßenbau beschäftigt. "Pony" floh schon mehrmals zu ihrer Schwester, wenn es ihr in ihrer Villa „zu eng“ wurde. Nach ihrem letzten Besuch wollte sie an einem Kiosk Zigaretten kaufen, wobei sie fatalerweise die beiden Kinder alleine im Auto zurückließ.
Die Schwester klärt die beiden Kommissare über den „Netztod“ ihrer Schwester auf. Deren eigener Mann habe nämlich ausgerechnet an "Ponys" Geburtstag ein Foto von ihr in der Rubrik „Was macht eigentlich…“ veröffentlicht. „So, wie er seine Heftchen eingestellt hat, hat er Pony eingestellt.“ Ihr „Fame“ ist längst abgeflaut und niemand sagt ihr das deutlicher als ihr eigener Mann. "Pony" erklärt dem Kommissar, wenn sie sich selbst sehen wolle, gucke sie nicht in den Spiegel, sondern in die Magazine. Wenn sie sich dort nicht mehr sieht, denke sie, sie sei nur ein Geist. In den letzten Jahren hat sie nichts unversucht gelassen, um wieder „sichtbar“ zu werden.
"Echse" erklärt den Kommissaren, er und seine Frau seien nicht dort, wo ihr Schwager sei, „weil er ein Arsch ist und wir nicht. Ärsche haben Asche.“ Stefan Hüber hat es mit den neuen Medien zu schnellem Reichtum gebracht. Mehr Follower, mehr Likes bedeuten aber auch mehr Hater. Er wollte seine Frau schützen, indem er sie da rausnahm, ohne jedoch mit ihr darüber zu reden, denn er sei es eben gewohnt, Entscheidungen zu treffen und umzusetzen. Inmitten des gesamten Familienunidylls drängt immer mehr die Frage, wo Hugo ist und ob er noch lebt. Wer hat den Tod seiner kleinen Schwester Penelope verschuldet?
Das Drehbuch stammt von Wolfgang Stauch, Regie führte Friederike Rehn. Kamera: Michael Merkel. Filmeditorin: Claudia Lauter. Musik: Lorenz Dangel und Fabian Zeidler.
Würdigung
„Ex-It“ ist ein gesellschaftliches Drama und ein spannender Krimi. Gut beobachtet und pointiert werden die Schattenseiten des Influencer-Daseins aufgezeigt. Die Kamera zeigt tolle Bilder der auf Hochglanz polierten Vorzeige-Villa des Glamour-Paares und fängt das prekäre „Gegen-Leben“ der Schwester stimmig ein. Die Folge „Ex-It“ ist ein Solitär in der Reihe der TATORT-Folgen. Die Schauspieler-Riege agiert absolut überzeugend.
Filmgespräch
Premiere des Films war am 1. September 2025 beim Festival des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein. Auch zur Vorführung am 2. September fand nochmals ein Filmgespräch statt, moderiert von Julia Teichmann. Mit dabei war Regisseurin Friederike Jehn, die bereits 2008 zum ersten Mal auf der Parkinsel war. Kim Riedle, die so überzeugend „Pony“ in all ihren Facetten spielte, saß ebenfalls auf der Bühne. Mit David Zimmerschied nahm ein Schauspieler Platz, der in Passau geboren wurde und der Neffe des bekannten Kabarettisten Sigi Zimmerschied ist – das Schauspielen liegt wohl beiden „in den Genen“. Der Onkel war es auch, in dessen Film „Schartl“ David Zimmerschied seine erste Rolle spielte. Nach Schule und Zivildienst zog es ihn nach München, wo er Schauspiel studierte.
Kim Riedle erzählte, sie habe schon früh Filme geguckt und habe zunächst Tänzerin werden wollen. Nach der Schule entschied sie sich jedoch für den Beruf der Schauspielerin.
Für Regisseurin Friederike Jehn war es bereits die dritte Zusammenarbeit mit Wolfgang Stauch. Sie fand die zerrüttete Beziehung des Ehepaares interessiant. In dieser Beziehung läge viel Tragik, da sie von einer glücklichen zu einer toxischen wurde. Was im Film jeweils umgesetzt wird, wird teilweise lange abgewogen. So zum Beispiel die Straßenbauszene, weil sie aufwendig herzustellen war. Die Ausstatterin etwa wollte unbedingt eine Wand rosa streichen. Auf Nachfrage verrät sie, dass die nach Abschluss der Dreharbeiten wieder „zurückgestrichen“ wurde.
„Ex-It“ ist für den Rheingold Publikumspreis 2025 nominiert und ist beim 21. Festival des deutschen Films nochmals zu sehen. Zum Gesamtprogramm: Festival des deutschen Films .




















