Interview mit Ostfrieslandkrimi-Autor Hans-Rainer Riekers zu »Baljenmord«

Ostfrieslandkrimi-Autor Hans-Rainer Riekers im Interview zu seinem neuen Buch »Baljenmord«

Hans-Rainer Riekers hat jetzt seinen neuen Ostfrieslandkrimi »Baljenmord« im Klarant Verlag veröffentlicht. Zu dem neunten Fall mit den Kommissaren Stefan Grote und Stine Lessing haben wir dem Autor ein paar Fragen gestellt.

Ihr neuer Ostfrieslandkrimi „Baljenmord“ ist gerade erschienen. Worum geht es?

In meinen Romanen versuche ich einen Weg zu finden, der den von Lokalkolorit geprägten Ostfrieslandkrimi mit aktuellem Zeitgeschehen verbindet. So auch im „Baljenmord.“ Die Handlung nimmt mit einem Windradunglück ihren Lauf und lässt Grote und Lessing im Zuge ihrer Ermittlungen nach und nach in die Abgründe der menschlichen Seele blicken. Betrug, Habgier - viele Dinge kommen da zusammen und treiben die Protagonisten, je mehr ihnen die Polizisten auf die Spur kommen, in die Enge. Das Ganze entlädt sich in einer Serie von Morden, die der Täter, so skrupellos er auch sein mag, ursprünglich wohl nicht geplant hat.

Ist denn so ein schreckliches Unglück mit einem Windrad schon einmal passiert?

Leider ja. Zum Glück ist bisher jedoch noch niemand zu Schaden gekommen, soviel ich weiß. Aber abgeknickte Türme und abgerissene Propeller, das hat es schon mehrfach gegeben. Die größten Windanlagen nähern sich inzwischen auf dem Festland der 200-Meter-Marke. Da kann sich auch der Laie vorstellen, welche Kräfte bei Sturm auf diese Konstrukte einwirken. Da Windkraftanlagen gerade in Ostfriesland das Bild prägen, war es naheliegend, daraus den Stoff für einen Ostfrieslandkrimi zu weben. Im Vorgriff auf diesen Krimi habe ich mich eingehend mit dieser Technik beschäftigt, um nahe an der Realität zu bleiben. Ich muss sagen, eine spannende Angelegenheit, so eine Windanlage.

Wie so oft entwickeln sich auch in diesem Krimi mehrere Handlungsstränge, die am Ende überraschend zusammenlaufen. Warum diese Eigenart?

Wenn ein Krimi für den Leser spannend sein soll, muss es dem Autor gelingen, ihn zu fesseln. Es gibt verschiedene Wege, um das zu erreichen. Mir gefällt es, den Leser lange im Dunkeln tappen zu lassen. Dazu baue ich verschiedene, teils nebeneinanderlaufende Stränge auf, die sich irgendwann treffen und alles auflösen. Übrigens gibt es bei meinen Krimis eine zweite Eigenart. Spätestens dann, wenn der Leser ahnt, wer der Täter ist, stelle ich auch seine Sicht der Dinge dar. So lassen sich offene Fragen beantworten und die Motive des Täters werden deutlicher herausgestellt.

Grote und Stine müssen diesmal mit Staatsanwalt Klinge zusammenarbeiten und nicht mit der von ihnen hochgeschätzten Staatsanwältin Theda Siefken. Nach Klinges Ermordung taucht sie ja wieder in der Handlung auf - sehr zur Freude der Kommissare und sicher auch der Leser. Da haben Sie einen außergewöhnlichen Charakter geschaffen, gibt es ein Vorbild in Ihrer beruflichen Laufbahn?

Diese Frage lässt mich lächeln. Nein, eine „Theda Siefken“ in Reinkultur habe ich niemals kennengelernt. Sie trägt aber Züge in sich, die ich Menschen entliehen habe, mit denen ich einmal zusammengearbeitet habe. Theda Siefken vereinigt gewissermaßen die Marotten einiger sehr ungewöhnlicher, dennoch liebenswerter Kollegen. Die Siefken ist ein ziemlich schräger Typ und bei meinen Lesern besonders beliebt, da haben Sie recht.

Der Ostfrieslandkrimi heißt „Baljenmord“. Erklären Sie doch bitte unseren Lesern, was eine Balje ist.

Baljen sind breite Priele, die auch bei Ebbe noch Wasser führen. Sie sind sehr tückisch, denn wenn sich der Wattwanderer noch sicher fühlt, weil es um ihn herum noch trocken ist, drückt die Flut schon das Wasser in die Balje und lässt es sehr schnell steigen. Dabei entsteht eine heftige Strömung. Mancher Wanderer wurde dadurch Opfer seiner Unaufmerksamkeit und vom rettenden Ufer abgeschnitten.
Das Drama, das sich in meinem Krimi an der Baltrumer Balje im Seenebel abspielt, ist übrigens einer der oben genannten Handlungsstränge, die sich erst im Nachhinein auflösen. Und, das sei bei dieser Gelegenheit auch gleich erläutert: Seenebel ist ein Wetterphänomen, das besonders im Frühsommer an der Nordsee zu beobachten ist. Innerhalb von Minuten bildet sich über Meer und Watt undurchdringlicher Nebel, der jede Orientierung nimmt. Ich habe es in dem Krimi aus eigenem Erleben geschildert. Schon zweimal bin ich selbst im Watt davon überrascht worden. Da heißt es, Nerven zu bewahren.

Das Interview wurde geführt auf www.ostfrieslandkrimi.de.