Interview mit Ostfrieslandkrimi-Autor Hans-Rainer Riekers zu »Memmert Mord«

Ostfrieslandkrimi-Autor Hans-Rainer Riekers im Interview zu seinem neuen Buch »Memmert Mord«

Hans-Rainer Riekers hat jetzt seinen neuen Ostfrieslandkrimi »Memmert Mord« im Klarant Verlag veröffentlicht. Zu dem achten Fall mit den Kommissaren Stefan Grote und Stine Lessing haben wir dem Autor ein paar Fragen gestellt.

Gerade ist »Memmert Mord« erschienen, der 8. Fall aus der Krimi-Serie »Grote und Lessing ermitteln«. So ganz korrekt ist diese Schreibweise nicht. Handelt es sich dabei um einen Marketing-Gag?

Gute Idee, aber der Grund ist ein anderer. Fast alle Titel dieser Serie enden auf …mord. DÜNENHAUSMORD, EMSDEICHMORD und so weiter und so weiter. Aber man stelle sich einen »Memmertmord« vor. Mal ehrlich, das überfordert den Leser doch, oder? Da wird einem ja vor lauter »M« ganz schwummerig.

Also bin ich auf die Idee gekommen, den Titel durch eine ausgefallene Schreibweise leichter verdaulich zu machen.

Eine zweite Frage drängt sich gerade zu auf. Warum haben Sie ausgerechnet die unbewohnte Insel »Memmert« für eine Schlüsselszene des Romans ausgewählt?

Memmert übt schon seit meiner Jugend eine große Anziehungskraft auf mich aus. Die Einsamkeit dieser Insel war nicht nur mir Inspiration. Es gab einen berühmten Schriftsteller, Erskine Childers, der um diese Insel herum eine Geschichte spann: »Das Rätsel der Sandbank«. Ein echter Klassiker, den ich als den Urgroßvater aller Ostfrieslandkrimis betrachte. Dieser Spionagekrimi spielt in der Zeit kurz vor dem ersten Weltkrieg, mitten im Norddeutschen Wattenmeer. Damals war Memmert tatsächlich nicht viel mehr als eine Sandbank, doch sie wächst unaufhörlich. Ebbe und Flut haben über die Jahrzehnte Unmengen an Sand herantransportiert und aus der Sandbank eine kleine Insel geformt. Vielleicht wird sie eines Tages an Juist heranwachsen oder in einer Sturmflut wieder verschwinden. Niemand kann das voraussagen.

Heute ist Memmert als Vogelschutzinsel ein für Touristen gesperrter Bereich. Lediglich ein Inselvogt darf sich dort aufhalten. Allein die Vorstellung, dass dort ein Mensch ganz allein wohnt, weitgehend von der Außenwelt abgeschlossen, musste mich als Krimiautor einfach faszinieren.

Immer wieder spielt der »Dünenhausmord« in Ihren Romanen eine Rolle. Auch hier überkommt Stine Lessing in einer Szene die Erinnerung an ihren ersten, traumatischen Fall.

Das stimmt. Allerdings wird sie dieses Trauma nun endgültig überwinden, woran ein junger Mann, den sie kennenlernt, nicht ganz unschuldig ist. Aber mehr will ich nicht verraten. Und, keine Angst, aus meinem Krimi wird kein Liebesroman.

Nun einmal weg von Memmert, hin zum Schlüsselthema dieses spannenden Krimis. Es geht um einen Goldraub, bei dem neben historischem Schmuck auch die berühmte »Goldscheibe von Moordorf« gestohlen wird. Haben Sie sich diese »Goldscheibe« ausgedacht?

Nein, diese Goldscheibe (auch »Sonnenscheibe«) existiert tatsächlich. Sie stammt aus dem Bronzezeitalter um 1400 v. Christus und wurde 1910 in Moordorf nahe Aurich beim Torfstechen gefunden. Sie ist aus purem Gold und hat einen unschätzbaren historischen Wert. Das Original kann im Landesmuseum Hannover besichtigt werden.

Goldraub!? Der Einbruch in das »Grüne Gewölbe« in Dresden lässt grüßen?

Allerdings. Dieser dreiste Einbruch hat mich tatsächlich auf die Idee gebracht, eine solche Tat in den Mittelpunkt eines Ostfrieslandkrimis zu stellen. Der Raub findet in meinem Roman im Historischen Museum Aurich statt. Alles ist natürlich eine Nummer kleiner als damals in Dresden, aber sehr geschickt geplant und ausgeführt. Stefan Grote und Stine Lessing müssen ihre grauen Gehirnzellen schon kräftig anstrengen, um den Fall zu lösen. Ohne Skippers Hilfe, ihres Freundes und Kollegen aus Emden, und einer gewissen Portion Glück hätten sie sich vielleicht die Zähne ausgebissen.

Es fällt auf, dass Ihre Krimis sich immer auf dem Stand der Zeit bewegen. Neben den Abgründen der menschlichen Seele gibt es meist einen aktuellen Hintergrund. Im »Emsdeichmord« geht es zum Beispiel um die Sprengung von Geldautomaten, im »Sandbankmord« um illegale Giftmüllentsorgung und im »Johannismord« um skrupellose Grundstücksspekulanten. Werden Ihre Krimis auch künftig eng am Puls der Zeit liegen?

Unbedingt. Wer sagt denn, dass Ostfrieslandkrimis nicht modern sein dürfen und aktuelle Probleme ausblenden müssen? Im Grote-und-Lessing-Fall Nummer 9, an dem ich bereits arbeite, geht es zum Beispiel um Windräder und ihre Auswirkungen auf die Umwelt. Hochaktuell und prima geeignet, um drumherum eine dramatische Geschichte zu entwickeln.

Das Interview wurde geführt auf www.ostfrieslandkrimi.de.