Interview mit Ostfrieslandkrimi-Autor Stefan Albertsen

Ostfrieslandkrimi-Autor Marc Stefan Albertsen im Interview zu seinem neuen Buch »Die Leiche am Westerdeich«

Der bekannte Autor Stefan Albertsen hat seinen ersten Ostfrieslandkrimi im Klarant Verlag veröffentlicht. Zum ersten Werk seiner neuen Krimireihe haben wir dem Autor ein paar Fragen gestellt.

Ihr neuer Krimi ist auch der erste Band der neuen Krimireihe »Kripo Norden ermittelt«. Wer sind die beiden Kommissare Hilka Martens und Axel Groot?

Zum einen sind die beiden wirklich gute Ermittler. Axel Groot ist eher besonnen, oder besser: Er hat im Laufe seiner Karriere gelernt, seine Ausbrüche – emotionale als auch wutbedingte – zu steuern und sinnvoll zu nutzen. Er ist ein abgebrühter Hund, wenn ich das so formulieren darf, der so einiges erlebt und durchgemacht hat. Und dieser Erfahrungsschatz, in Verbindung mit einem scharfen Verstand und einem nicht minder geschärften trockenen Humor, kann manches Hindernis überwinden.

Hilka Martens hat andere Qualitäten. Sie gehört zu der Sorte Mensch, die ungestüm vorprescht, kann das aber durch ihre Zähigkeit, ihre hohe Anpassungsfähigkeit und ihren immensen Tatendrang wieder ausgleichen. Nicht immer, aber eben doch sehr oft.

Die beiden müssen sich erst zusammenraufen, was durch die Art ihres ersten Aufeinandertreffens nicht gerade begünstigt wird, aber da kommt dann jene Eigenschaft zutage, die ihnen beiden zu eigen ist: die Professionalität.

Welchen Zuständigkeitsbereich hat die Kripo Norden? Auf welche Schauplätze können sich die Leser der neuen Krimireihe freuen?

Die Kripo Norden geht, wenn man so will, mehr ins Eingemachte. Natürlich ist die Abteilung relativ klein, weil das Einsatzgebiet mehr im ländlichen und weniger dicht bewohnten Bereich von Ostfriesland liegt. Da kommen Straftaten, die den Einsatz einer Kripoabteilung erforderlich machen – erfahrungsgemäß – seltener vor. Ich muss es wissen, mein Heimatdorf liegt ebenfalls in einer so ruhigen Ecke.

Das Einsatzgebiet erstreckt sich über einen weiten Bereich des nördlichen Küstenverlauf, östlich der Ems. Neßmersiel spielt im ersten Fall des Teams eine wichtige Rolle und zu einem späteren Zeitpunkt werden die Kollegen wohl noch etwas weiter in diesen Bereich vordringen. Mir schwebt ein dienstlicher Abstecher nach Jever oder eventuell Schortens vor, da bin ich mir noch nicht hundertprozentig sicher.

Ich habe in der näheren Umgebung zu Norden allerdings schon die Lütetsburg und den damit verbundenen Schlosspark ins Auge gefasst, und mir ist vor kurzem eine Region südlich der Stadt aufgefallen, die Moorriege genannt wird. Das klingt für mich als Fan von Grusel- und Horrorgeschichten wahnsinnig interessant. Mal schauen, vielleicht lässt sich damit was anfangen.

Sie haben zuvor eine Reihe an Gruselgeschichten verfasst. Wie kam es, dass Sie sich jetzt dem im Vergleich dazu etwas »sanfteren« Genre des Ostfrieslandkrimis widmen?

Stefan Albertsen: Ich ging schon seit längerer Zeit mit der Idee schwanger, meinen „Autorenhorizont“ zu erweitern. Man braucht einfach von Zeit zu Zeit neue Herausforderungen.

Es ist schon richtig, dass ich vorzugsweise Horror- und Gruselgeschichten geschrieben habe – und ich werde von diesem Genre auch nicht ganz abkommen –, aber zumeist warteten diese Storys mit sehr starken Krimielementen auf, die sich mit Vampiren und anderen düsteren Gestalten sehr gut kombinieren ließen.

Hinzukommt, dass ich seit frühester Kindheit – da muss ich fünf oder sechs Jahre alt gewesen sein – leidenschaftlich gerne Krimis im Fernsehen gesehen habe. Columbo, Hart aber herzlich, die Miss-Marple-Filme, Diagnose: Mord oder die Hercule-Poirot-Serie von David Suchet haben mich über die Jahre immer begleitet und irgendwie formten sich neben meinen Geistergeschichten eben auch klassische oder moderner anmutende Kriminalgeschichten. Das lief irgendwie automatisch ab. Natürlich habe ich ebenfalls viel darüber gelesen. Ich liebe die Sherlock-Holmes-Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle oder Dorothy L. Sayers liebenswerte Erzählungen über den spleenigen Lord Peter Wimsey.

Ich bin jedenfalls zu dem Ergebnis gekommen, dass es schwieriger ist, einen guten Krimi zu schreiben als einen guten Horrorroman. Bei Ersterem muss man ungeheuer viele Abläufe genau im Auge behalten und kann seinen Helden letztlich nicht mit irgendwelchen übernatürlichen Winkelzügen aus einer brenzligen Situation retten.

Der Titel Ihres Krimis lautet »Die Leiche am Westerdeich«. Was erwartet interessierte Leser?

Stefan Albertsen: Also ich könnte es mir jetzt leicht machen und antworten: Den interessierten Leser erwartet eine Leiche am Westerdeich …

Okay, das wäre wohl zu simpel. Die Frage ist aber auch wirklich nicht leicht zu beantworten, wenn man nicht zu viel verraten will. Ich gehe mal mehr auf die Hauptprotagonisten ein, anstatt von der Handlung zu viel zu offenbaren. Also wir lernen natürlich vorrangig unsere beiden Hauptakteure kennen. Wir erfahren, wie die beiden überhaupt nach Norden gekommen sind, wo ihre Wurzeln liegen und dergleichen. Es ist – zusätzlich zum Mord, den es aufzuklären gilt – eine Art Vorstellungsrunde.

Der Leser erfährt noch nicht alles über Axel und Hilka, aber, zumindest hoffe ich das, genug, um die beiden interessant zu finden und in weiterer Folge noch mehr über sie zu lesen.

Aber es geht natürlich auch noch um einige andere Figuren, die regelmäßig auftreten werden. Die beiden haben Kollegen, mit denen sie erstmal warm werden müssen, genau wie der Leser. Es gibt noch andere Personen, mit denen sie öfters zusammenkommen und die ihnen zunächst fremd sind oder vielleicht sogar befremdlich vorkommen, genau wie dem Leser.

Und es werden ein paar Eckpunkte für spätere Geschehnisse und Erkenntnisse gesetzt, die den Hauptfiguren so eventuell noch nicht ganz bewusst sind, genau wie dem Leser. Die Leiche am Westerdeich bringt also einen Stein für die Kripo Norden ins Rollen … und für den interessierten Leser.

Das Interview wurde geführt auf www.ostfrieslandkrimi.de.