Interview zum Ostfrieslandkrimi »Wangerooger Maskentod«
1. »Wangerooger Maskentod« heißt Ihr neuer Ostfrieslandkrimi. Worum geht es?
Thorsten Siemens: Auf Wangerooge werden die ersten Wangerooger Gentlemen-Tage gefeiert. Dabei tragen die Männer einheitliche Kapuzenpullover und Seehundmasken und können ebenfalls maskierten Damen bei Gefallen eine Rose schenken.
Doch kurz vor Beginn der Feierlichkeiten wird Tim, der auf der Ostfriesischen Insel mit seinen Mitschülern das bestandene Abitur feiern wollte, im Tuunpad-Wäldchen getötet.
Einer seiner Freunde hat den vermeintlichen Täter verfolgt. Da dieser aber ebenfalls ein Gentleman-Outfit trug, scheint eine Identifizierung des Flüchtigen anhand dessen äußerlicher Merkmale nahezu unmöglich zu sein.
2. Die Gentlemen-Tage auf Wangerooge spielen eine zentrale Rolle in Ihrem Ostfrieslandkrimi. Gab es ein reales Vorbild für dieses Fest, oder ist es vollständig Ihrer Fantasie entsprungen?
Thorsten Siemens: Das Fest ist vollkommen meiner Fantasie entsprungen. Inspiriert wurde ich allerdings tatsächlich von dem Klaasohm-Brauch auf Borkum. Ich habe mich gefragt, wie man als Insulaner einen harmonischen Ersatz für den in die Kritik geratenen Brauch schaffen könnte, und bin bei diesen Überlegungen auf die Gentlemen-Tage gekommen.
3. Tim ist kein sympathischer Charakter. Wie schwierig ist es, einen unsympathischen Toten so zu inszenieren, dass die Leser trotzdem mitfiebern?
Thorsten Siemens: Tim ist zwar kein Sympathieträger, aber ich habe im Ostfrieslandkrimi mehrfach betont, dass ein Mensch manchmal auch das Ergebnis seiner Erlebnisse ist. Deshalb nimmt sein Tod auch diejenigen mit, zu denen Tim zu Lebzeiten nicht besonders freundlich gewesen war.
Abgesehen davon, können die Leser in meinem Buch mit den zahlreichen Verdächtigen mitfiebern. Denn deren potenzielle Täterschaften zeigen, wie schnell man in seinem Leben einen wegweisenden Fehler begehen kann, wenn man als junger und unerfahrener Mensch nur ein einziges Mal das Maß der Verhältnismäßigkeit verliert.
4. Und dann gibt es ein Geständnis – normalerweise eine gute Nachricht bei einer Mordermittlung. Was macht Theda und Onno in diesem Fall so skeptisch?
Thorsten Siemens: Der Geständige macht auf die beiden Inselpolizisten nicht den Eindruck, als könne ihm tatsächlich die spektakuläre Flucht gelungen sein, die Augenzeugen beobachtet haben. Außerdem melden sich aus seinem Umfeld Stimmen zu Wort, die einen ganz anderen Grund für seine Beichte vermuten.
5. Beim Lesen hat man das Gefühl, dass Sie die Insel und ihre Atmosphäre sehr genau kennen. Wie viel persönliche Erfahrung oder Recherche steckt in der Beschreibung von Wangerooge?
Thorsten Siemens: Wangerooge ist die östlichste der Ostfriesischen Inseln und liegt nur etwa 30 Kilometer Luftlinie von meinem Wohnort entfernt. Dementsprechend war ich schon öfter für einige Tage und manchmal auch nur für wenige Stunden auf der Insel. Aber egal, ob ich als Tourist, als recherchierender Autor oder für eine Lesung dort gewesen bin: Es war jedes Mal wunderschön und ich freue mich bereits jetzt auf meinen nächsten Besuch auf meiner Lieblingsinsel.
Das Interview wurde geführt auf www.ostfrieslandkrimi.de.























