Interview mit Ostfrieslandkrimi-Autorin Elke Nansen zu »Tödliches Ostfriesenherz«

Ostfrieslandkrimi-Autorin Elke Nansen im Interview zu ihrem neuen Buch »Tödliches Ostfriesenherz«.

1. Ihr neuer Ostfrieslandkrimi »Tödliches Ostfriesenherz« ist erschienen. Würden Sie uns mit eigenen Worten erzählen, worum es in Ihrem neuen Buch geht?

Elke Nansen: Die Geschichte beginnt mit dem Verschwinden eines sechsjährigen Jungen auf dem Weg zur Schule. Schnell kann Fabers Team ausschließen, dass der Kleine weggelaufen ist, denn man findet seinen geliebten Schulranzen, den der Junge nie stehen lassen würde. Außerdem wurde der Junge mit jemandem gesehen, und man ist sich sicher, es ist der jugendliche Sohn der als asozial geltenden Familie Bleeker. In den sozialen Medien beginnt eine Hexenjagd und kurz danach gibt es einen Toten. Doch damit enden die Ereignisse nicht. Das Team der Kripo Emden sieht sich plötzlich mehreren Entführungsfällen gegenüber, die bereits vor Jahren passierten.

Außerdem ist bei den Faber/Waatstedts zu Hause einiges los. Fabers vierjähriger Sohn Benny lebt mittlerweile bei ihnen und bringt ihr Leben auf entzückende Weise völlig durcheinander. Nur Opa Knut ist überglücklich, denn endlich hat er einen Urenkel, dem er das Angeln beibringen kann.

2. An welche Schauplätze entführen Sie die Leserinnen und Leser Ihres neuen Krimis?

Elke Nansen: In der ostfriesischen Heimat spielt die Geschichte in Rysum, Loquard, Emden und wie immer Klein Hauen, wo Rike, Faber und Opa leben. Doch auch Hamburg, der Bayerische Wald, Tschechien, Dänemark, Wien und Thüringen sind relevant. Am besten lesen Sie selbst, wie das alles zusammenhängt.

3. »Ein Mensch hat meist den übermächtigen Naturdrang, andere zu verdächtigen«, heißt es schon am Anfang eines Gedichts von Eugen Roth. Was besagt die Rysumer Gerüchteküche im Fall des verschwundenen kleinen Fynn?

Elke Nansen: Nun, es ist in diesem Fall sehr traurig, wie schnell eine Ansammlung von Leuten einen anderen Menschen nicht nur verdächtigen, sondern auch Selbstjustiz üben wollen. Die Idee zu dieser Geschichte kam mir, als ich mich vor Jahren mit dem damaligen Ersten Hauptkommissar in Emden unterhielt. Dort war vor zehn Jahren ein kleines Mädchen ermordet worden und via Facebook kam es zu einem Menschenauflauf vor dem Präsidium. Die Parolen, die dort gebrüllt wurden, musste die Polizei als Aufrufe zur Lynchjustiz verstehen. Der erste Verdächtige der Polizei, der sich später als unschuldig herausstellte, wurde zur Sicherheit aus Emden weggebracht, weil in den sozialen Medien zu Straftaten gegen ihn aufgerufen wurde.

Ein wütender Mob von Menschen scheint wirklich zu allem fähig zu sein. Und die sozialen Medien sind natürlich eine gute Plattform für so etwas. Nur selten muss man dort Verantwortung übernehmen, weil man ja anonym hetzen kann. Es ist leider eine gefährliche Mentalität, von der ich mir wünschte, sie würde härter verfolgt.

4. Ein verschwundenes Kind spielt eine wichtige Rolle in Ihrem neuen Krimi, aber wie bereits von Ihnen erwähnt haben auch Rike und Faber seit Neuestem einen Jungen zu Hause. Wie kommen die beiden mit dieser Aufgabe zurecht?

Elke Nansen: Na ja, die beiden haben von heute auf morgen ein vierjähriges Kind bekommen, ohne sich überhaupt darauf vorbereiten zu können. Faber findet auf recht natürliche Weise in seine neue Vaterrolle, doch Rike tut sich schwer. Sie hat Angst, Fehler zu machen, weiß nicht, wie sie dem Kleinen ihre Liebe zeigen kann. Außerdem macht der Umstand, dass beide jetzt auch ein kleines Kind haben, das Verschwinden des sechsjährigen Jungen in dem Fall nicht einfacher für beide.

Aber zu Hause haben sie ja Opa Knut, der seinen neuen Urenkel nicht nur vergöttert, auch Benny hat Opa sofort ins Herz geschlossen. Wenn Opa seinen Benny zum Aalangeln mitnimmt oder mit ihm Plätzchen backt, fühlt sich das Kind sehr geliebt. Erstaunlich ist, dass ausgerechnet Philipp Schorlau ziemlich gut mit dem Kleinen kann. Und schon bald hat Doktor Schorlau seinen neuen Spitznamen weg, denn Benny nennt ihn nur: Flip!

Das Interview wurde geführt auf www.ostfrieslandkrimi.de.