Interview mit Susanne Fletemeyer

Du hast erst einen Liebesroman, dann Weihnachtsgeschichten und jetzt mit „Der Tote im Zoo“ einen Krimi veröffentlicht. Wie kam der Wechsel des Genres zustande?

Eigentlich fing alles vor zehn Jahren mit einem Advents-Kinderbuch an, das aus einer Fortsetzungsgeschichte entstanden ist, die ich meinem Sohn damals in den Adventskalender gesteckt habe. Dann wollte ich einen Roman schreiben, der mit Geocaching zu tun hat und in dem mal keine abgetrennten Gliedmaßen in Tupperdosen vorkommen. Dabei hat es mich gereizt, eine Liebesgeschichte in die Schnitzeljagd einzubetten. Die skurrile Weihnachts-Kurzgeschichte danach ist in einer Anthologie erschienen. Ja, und jetzt ein Krimi. Warum bloß? Die menschlichen und tierischen Protagonisten waren auf einmal da, und ich hatte Lust, diese leicht schräge Geschichte zu erzählen.

Was ist dir bei Krimis besonders wichtig?

Krimis dürfen nicht vorhersehbar sein. Der Täter oder die Täterin sollte möglichst spät aufgedeckt, die falschen Fährten müssen nachvollziehbar und nicht willkürlich gelegt werden. Zudem darf das Menschliche bei den Ermittlern nicht zu kurz kommen. Ein bisschen Privates muss sein, finde ich.

Neben Hannover spielt das Périgord eine besondere Rolle. Hast du einen persönlichen Bezug zu dieser Ecke Frankreichs?

In Frankreich war ich zwar schon mal im Urlaub, aber nicht im Périgord. Tatsächlich war ich noch nie dort – oh Frevel! Aber ich fahre bestimmt mal hin.

Gibt es die Trüffelmafia wirklich?

Tatsächlich habe ich mir erst eingebildet, den Begriff „Trüffelmafia“ erfunden zu haben und mich diebisch gefreut. Ich meine: Hallo? Wie genial ist das Wort? Dann habe ich danach gegoogelt und festgestellt, dass es die Trüffelmafia wirklich gibt. Sowohl in Italien als auch in Frankreich tobt anscheinend ein regelrechter Krieg um die Edelpilze.

Wieviel von dir steckt in deiner Kommissarin Inga?

Etwa fünf Prozent, glaube ich. Im Ernst: Inga mag keinen großen Rummel und hat oft das Bedürfnis, für sich sein zu wollen. Da geht es mir ähnlich. Sie ist bodenständig, stammt wie ich vom Land und im Roman gibt es ein Telefonat mit ihrer Mutter, in dem ich mich schon ziemlich wiedererkenne …

Was macht in deinen Augen Romanfiguren zu gelungenen Figuren?

Romanfiguren sollten Fehler und Macken haben und eine Vergangenheit, damit sie authentisch rüberkommen. Sie sollten eine eigene Sprache haben und nach-vollziehbar handeln – und sie dürfen selbstverständlich auch mal scheitern.

Willst du uns deine Meinung dazu verraten, ob ein Roman unbedingt sympathische Figuren braucht?

Ein Roman braucht meiner Ansicht nach vor allem authentische Figuren, die über-zeugend agieren. Eine Figur kann mich faszinieren, obwohl ich sie nicht sympathisch finde. Vielleicht empfinde ich Mitleid für sie oder verabscheue sie sogar. Wichtig ist, dass beim Leser eine Emotion erzeugt wird, die ihn an die Geschichte bindet. Wobei sympathische Figuren in Liebesromanen sicher wichtiger sind als in Krimis oder Thrillern.

Wie sieht ein Tag im Autorenleben der Susanne Fletemeyer aus? Wie, wann und wie viel schreibst du? Hast du dabei spezielle Rituale?

Da ich nebenberuflich schreibe, geht es leider nie so schnell voran, wie ich das gerne hätte. Zurzeit schreibe ich morgens eine Stunde vor der Arbeit. Wenn ich es schaffe, setze ich mich abends noch einmal an den Text und überarbeite. Rituale habe ich keine. Ich brauche einfach einen ruhigen Ort und eine richtige Tastatur, nicht diese furchtbaren flachen Modelle.

Entstehen deine Geschichten im Voraus »am Reißbrett«, oder schreibst du »drauflos« und lässt den Worten ihren Lauf? Warum hältst du deine Vorgehens-weise für die Richtige?

Bei mir es eine Mischung aus allem. Erst entwerfe ich einen groben Plot und eine Timeline. Aber oft entwickeln sich beim Schreiben auf einmal neue Möglichkeiten oder eine Figur taucht auf, die ich bisher noch nicht auf dem Schirm hatte. Dann muss eben angepasst werden. Ich glaube nicht, dass es so etwas wie „die richtige Vorgehensweise“ gibt. Für jeden Autor funktioniert das Schreiben sicher individuell.

Schreibst du schon am nächsten Band mit Inga?

Eine Idee schwirrt mit schon im Kopf herum, aber zurzeit schreibe ich an einem an-deren Projekt.