Interview mit Ursula Poznanski

Ursula Poznanski ist eine der erfolgreichsten Autorinnen deutscher Sprache. Foto © Jürgen Schmid, Kriminetz

Ursula Poznanski wurde 1968 in Wien geboren, wo sie mit ihrer Familie auch heute lebt. Die ehemalige Medizin-Journalistin ist eine der erfolgreichsten Autorinnen deutscher Sprache: Mit ihren Jugendbüchern (zuletzt «Erebos 2») steht sie Jahr für Jahr ganz oben auf den Bestsellerlisten, ihre Thriller für Erwachsene erfreuen sich ebenso großer Beliebtheit. Nun hat sie eine ungewöhnliche Figur der Kriminalliteratur geschaffen – eine Blumenhändlerin mit dunkler Vergangenheit…

Sie bleiben in Band 2 dem Wiener Zentralfriedhof nicht nur treu, sondern intensivieren diesen Schauplatz nochmals. Wie kommt das?

Ursula Poznanski: Ich wollte die Gelegenheit ergreifen, erstmals ein Buch zur Gänze in der Stadt anzusiedeln, in der ich lebe. Dass der Zentralfriedhof Dreh- und Angelpunkt für die Handlung wurde, liegt natürlich auch daran, dass er schon im ersten Band von „Vanitas“ eine gewisse Rolle gespielt hat. Ihn als Kulisse diesmal nicht so intensiv wie möglich zu nutzen, wäre eine Unterlassungssünde gewesen.

Welche neuen Wesenzüge bzw. Charakteristika von Carolin lernen die Leser_innen im neuen Thriller kennen?

Ursula Poznanski: Angst ist immer noch das beherrschende Gefühl in Carolins Leben, aber ihr Umgang damit wandelt sich allmählich. Sie begegnet Bedrohungen mit viel mehr Härte als im ersten Band, auch wenn sie nicht sicher sein kann, dass sie damit nicht die Falschen trifft. Mit dem Gesetz hat sie es noch nie so genau genommen – das wird jetzt noch deutlicher.

Carolin kennt sich nicht nur mit organisiertem Verbrechen, sondern auch mit der „Sprache der Blumen“ perfekt aus. Woher kam diese Idee?

Ursula Poznanski: Die Idee ist daraus entstanden, dass ich Carolin den denkbar harmlosesten Kontrapunkt zu ihrer furchtbaren Vergangenheit geben wollte. Blumen als Kontrast zu den grausamen Morden, von denen sie so viele gesehen hat. Dass sie mit einem der wenigen Menschen, die von ihrem Überleben wissen, unter anderem in der Sprache der Blumen kommuniziert, war dann ein spontaner Zusatzeinfall. Es gibt dazu Bücher und eine Menge Internetseiten; an beidem habe ich mich ausgiebig bedient.

Was sind Ihre Lieblingsblumen?

Ursula Poznanski: Ich mag Lilien sehr gerne. Schon alleine weiße Lilien stehen für so unterschiedliche Dinge wie Unschuld, Hoffnung, Liebe, Vergebung und Tod. Man sieht, der Interpretationsspielraum ist riesig. Disteln bedeuten Sünde, mit Iris bittet man den Empfänger um eine Nachricht – beide spielen im Buch eine Rolle.

Was verbinden Sie mit dem Valentinstag, was wünschen Sie sich dafür und welche Blumen sind für diesen Tag perfekt geeignet?

Ursula Poznanski: Ich muss gestehen, ich habe keine besondere Beziehung zum Valentinstag, der geht meistens recht unbemerkt an mir vorüber. Aber der Klassiker wären da natürlich rote Rosen. Von der Bedeutung her ähnlich (und ein bisschen origineller) wären Fresien und Orchideen.

Was unterscheidet Ihre neue Thrillerserie von Ihren bisherigen Spannungsromanen, weshalb haben Sie sich dazu entschlossen?

Ursula Poznanski: Für mich ist der größte Unterschied, dass ich diesmal keine polizeilichen Ermittlungsarbeiten schildern muss. Die sind zwar auch hochinteressant, aber man läuft leicht Gefahr, sich zu wiederholen, weil gewisse Schritte einfach jedes Mal absolviert werden müssen. Das ist bei diesem Buch anders. Dafür entschieden habe ich mich aber vor allem, weil die Geschichte, die mir durch den Kopf ging, eine andere Erzählweise verlangte.

Sie schildern in körperlich spürbarer Eindringlichkeit Carolins panische Angst, von dem gnadenlosen Verbrechersyndikat gefunden zu werden. Wie bewerkstelligen Sie es, diese beklemmende Atmosphäre so realistisch entstehen zu lassen?

Ursula Poznanski: Ich tauche beim Schreiben so tief wie möglich in meine Charaktere ein und schreibe dann gewissermaßen aus ihnen heraus. Ich glaube, es ist ein wenig so wie bei Schauspielern, die sich ja auch in ihre Rollen hineindenken. Im besten Fall bringt man dann authentische Emotionen und Figuren auf die Bühne – oder eben aufs Papier.

Schreiben Sie lieber für Kinder und Jugendliche oder für Erwachsene?

Ursula Poznanski: Für Kinder schreibe ich aktuell nicht mehr, es werden aber einige meiner früheren Kinderbücher neu aufgelegt, was mich sehr freut! Für Jugendliche und Erwachsene schreibe ich tatsächlich gleich gerne, meine Lieblingszielgruppe sind Leserinnen und Leser, die sich gerne überraschen lassen, die Spaß am Miträtseln und Freude an versteckten Details haben, unabhängig vom Alter. Im Grunde also Menschen, die meinen eigenen Lesegeschmack teilen.

Von welchen Büchern sind Sie aktuell begeistert?

Ursula Poznanski: Aktuell lese ich „Ich bin Circe“ von Madeline Miller und es gefällt mir außerordentlich gut. Großartig fand ich letztens auch „Drei“ von Dror Mishani.

Gibt es Grenzen, die sie in Spannungsromanen für Jugendliche absichtlich nicht überschreiten?

Ursula Poznanski: Die gibt es definitiv. Meine Romane für Erwachsene sind ganz sicher blutiger; fast wichtiger finde ich es aber, dass die Jugendromane auf einer möglichst positiven Note enden. Das bedeutet nicht, dass ein rosarotes Happy End stattfinden muss, aber man soll das Buch mit dem Gefühl zuschlagen, dass alles gut werden kann.

Haben Sie ein Schreibritual und wie lange im Vorhinein planen Sie Ihre Bücher?

Ursula Poznanski: Nein, kein Schreibritual bisher, aber vielleicht finde ich ja noch eines!
Die Planung meiner Bücher passiert so schleichend, dass ich kaum sagen kann, wann sie beginnt und wann sie endet. Ich setzte mich nicht an den Schreibtisch und nehme mir vor, zu planen, sondern das passiert beim Zähneputzen, beim Autofahren, im Fitnesscenter – gewissermaßen ständig und von selbst.

Wie schaffen Sie es bei Lesungen, große Spannung aufzubauen, jedoch nicht zu viel über das Buch zu verraten?

Ursula Poznanski: Ich suche mir Stellen aus dem ersten Viertel des Buchs, damit ist eigentlich ausgeschlossen, dass ich zu viel verrate. Aus denen bastle ich mir ein eigenes Lesemanuskript mit einem eigenen Spannungsbogen zusammen. Das endet immer an einer Stelle, die viele Fragen offenlässt. Ist also eigentlich ganz einfach.

Haben Sie Tipps für angehende SpannungsautorInnen, und was erwartet einen in diesem Beruf?

Ursula Poznanski: Der Haupttipp an alle angehenden AutorInnen lautet: viel lesen. Ich glaube, dass man nur durch Lesen verinnerlichen kann, wie ein Buch funktioniert, wie Spannung entsteht und wie lebendige Figuren aussehen können. Außerdem sollte man eine ordentliche Portion Geduld mitbringen, denn gerade am Anfang geht es nicht schnell in diesem Beruf.
Was einen erwartet, hängt natürlich von allen möglichen Faktoren ab; was ich aber auf jeden Fall sagen kann ist, dass die Krimileserinnen und -leser ein tolles Publikum sind, mit dem immer wieder spannende Gespräche zustandekommen. Die KrimikollegInnen sind die nettesten, die man sich wünschen kann, und was den Beruf selbst angeht: Davon zu leben, die Ideen im eigenen Kopf für andere lebendig werden zu lassen - gibt’s was Besseres?

Das Interview mit Ursula Poznanski wurde Kriminetz.de vom Verlag Droemer Knaur zur Verfügung gestellt.