Kommissare auf Abwegen

Dominic Raacke, Michael Rotschopf, Joachim Król, Niki Stein und Leslie Malton wurden von begeisterten Fans auf dem roten Teppich in Ludwigshafen empfangen. Foto: © Jürgen Schmid, Kriminetz

Man kennt sie als Kommissare: Herbert Knaup als Kluftinger in den Bestsellerverfilmungen von Volker Klüpfl und Michael Kobr, Dominic Raacke als Hauptkommissar Till Ritter im Berliner TATORT, Joachim Król als Frank Steier im Frankfurter TATORT. Michael Rotschopf ist neben anderen Rollen in Krimis bekannt als Staatsanwalt Dr. Alexander Binz in Soko Leipzig. Auch Niki Stein hat vielfache TATORT-Erfahrung (Regie + Drehbuch). Sie waren beinahe alle gemeinsam mit Leslie Malton zur Vorführung von Die Auferstehung auf die Ludwigshafener Parkinsel gekommen. Das Drehbuch schrieb der ebenfalls anwesende Karl Heinz Käfer nach der Romanvorlage von Karl-Heinz Ott. Mit dabei waren außerdem SWR-Redakteurin Brigitte Dithard und Produzent Ernst Ludwig Ganzert.

Der gesamte Film spielt wie bei einem Theaterstück an einem einzigen Ort, dem Haus des Vaters. Dort klingelt die Tochter Linda, ihren Mann Fred hat sie im Schlepptau. Als niemand öffnet, schlägt der beherzt eine Glastür ein. Der Vater, in den hohen Achtzigern, liegt auf der Couch. Tot, wie die couragierte Tochter, fulminant gespielt von Leslie Malton, rasch feststellt. Schnell werden ihre drei Brüder Joschi, Jakob und Uli informiert, die hastig anreisen. Die Besetzung ist großartig und alle geben ihr Bestes, um die Komödie um die Erbschleicher filmisch umzusetzen. Das Szenario gleicht einem Agatha-Christie-Krimi, wo jeder schuldig zu sein scheint und ein Motiv hat, hier ist es das gemeinsame Schleichen und Taktieren um das Erbe, von dem sie trotz aller gegenseitigen Beschuldigungen allesamt befürchten, die ungarische Pflegerin, die „Hure“, wie sie sie alle hasserfüllt nennen, könnte neben dem Ferienhaus, das der Vater ihr bereits überschrieben hat, auch noch den Rest einheimsen. Diverse Fundstücke im Haus weisen auf eine aktive Paar-Interaktion zwischen dem Greis und seiner jungen Pflegerin hin. Die Tochter, einst Vaters Liebling, ist außer sich vor Wut. Der Anwalt aus München (gespielt von Mathieu Carriére) wird herbeitelefoniert. Fiebrig wird seine Ankunft in dem Ulmer Haus erwartet, die Tochter, die ihn beinahe mal geheiratet hätte, bittet ihn gar, das Testament verschwinden zu lassen. Vergeblich. Verbittert und sich die Klauen zeigend bleiben die Geschwister zurück. Alte Verletzungen werden hervorgezerrt. Das Gehacke wird heftiger. „Du in deinem Heidelberger Loch“, wird dem Alt-68er vorgeworfen. „Ich wohne im Souterrain“, entgegnet der empört. Zwischen Schwager und Bruder kommt es zum Schlagabtausch, Volkshochschuldozent der eine, Fernsehschaffender in Paris der andere. Zitate von Philosophen werden als verbale Schwerter benutzt. Die Nerven der Geschwister liegen blank, alle haben sie ihr Erwachsenenleben in Abgrenzung zum bürgerlichen Elternhaus verbracht. Jeder von ihnen hat aber nun einen dringenden Grund, für sich auf einen Anteil am Erbe zu hoffen. Gebrauchen können sie es alle.

Brigitte Zeh spielt die angeheiratete Schwägerin Franziska, deren Interesse am Schwager immer mehr zunimmt. Tatjana Nekrasov als Pflegerin Anna bauscht sich durch ihre Abwesenheit zur immer größer werdenden Bedrohung bezüglich des Erbes auf. Am Ende kommt auch sie und führt vor, dass ihre, von den Kindern aufs Finanzielle und Berechnende reduzierte Beziehung zu dem Mann, der ihr Großvater sein könnte, zumindest im Film auf Anziehung beruht. Auch wenn man sich dies schwer vorzustellen vermag. Peter Maertens darf die ganze Zeit über, während die anderen mit Verve durchs Haus toben, auf der Couch liegen. Erst zum Ende … aber das verrät eigentlich schon der Titel, nicht wahr?

Entstanden ist mit Die Auferstehung eine bissige Kömodie mit ernstem Hintergrund.

Julia Teichmann bittet nach der Vorführung und nach heftigem Schlussapplaus das Team auf die Bühne des Gesprächszeltes. Drehbuchautor Karl Heinz Schäfer antwortet auf eine diesbezügliche Frage, er habe sich in seinem Plot an die Romanvorlage gehalten. Viele hätten es auch metaphorisch als eine „Auferstehung“ der Familie im Verlauf der Handlung gesehen. Niki Stein, der zum ersten Mal auf der Ludwigshafener Parkinsel zu Besuch ist und im vollbesetzten Kinozelt begeistert von der Bühne aus das Publikum fotografierte, findet es schön, dass ein Festival für den deutschen Film stattfindet. Der Film, der in einem einzigen Bild stattfindet, nahm 18 Drehtage in Anspruch. Joachim Król hatte mit dem Drehjahr bereits abgeschlossen, da kam die Anfrage seiner Agentur, ob er in diesem Jahr noch einen Film mache. Kurz vor Weihnachten waren die Dreharbeiten zu Ende.
Leslie Malton kommentiert zur Erheiterung des Publikums ihre dominante Schwesternrolle, „Wann hat man das schon mal, dass man DIESEN Kollegen sagen kann, wo es lang geht.“ Niki Stein will diesen Film und die Romanvorlage als Erinnerung daran sehen, dass die 68er-Revolution kein „Treppenwitz der Geschichte“ ist. Zu einem früher geführten Interview mit Niki Stein zum SWR-TATORT Inder, wobei er nicht nur Regie führte sondern auch das Drehbuch schrieb, hier klicken.

Während des Filmgesprächs ist zu merken, da hat für 18 Tage eine Filmfamilie zusammengefunden, die mit großem gegenseitigem Respekt und mit viel Spaß gemeinsam gearbeitet hat. Kamera: Michael Schreitel, Schnitt: Julia Karg, Musik: Jacki Engelken, Ton: Jerome Burkhard, Produktion: EIKON Media GmbH.

Das Festival des deutschen Films dauert noch bis zum 9. September 2018. Zum Programm hier klicken. "Die Auferstehung" ist nochmals am 3.9., um 16 Uhr, am 6.9. um 16.30 h und am 9.9. um 17 h zu sehen. Der Film läuft im Wettbewerb für den Rheingold-Publikumspreis.

Joachim Król war beim 14. Festival des deutschen Films in Ludwigshafen in mehreren Filmen zu sehen und einige Tage auf der Parkinsel anwesend. Foto: © Jürgen Schmid, Kriminetz
Leslie Malton ist spätestens seit "Der große Bellheim" einem größeren Publikumskreis bekannt. Sie war auch bereits in der Jury des Festivals des deutschen Films. Sie spielt in "Die Auferstehung" mit ungeheurer Intensität die Tochter. Foto: © Jürgen Schmid, Kriminetz
Michael Rotschopf bei der Ankunft auf dem roten Teppich in Ludwigshafen. Foto: © Jürgen Schmid, Kriminetz
Dominic Raacke, einer der Söhne in "Die Auferstehung", überzeugte schon beim vorjährigen Filmfestival mit seiner Rolle in dem Thriller "Die Therapie". Foto: © Jürgen Schmid, Kriminetz
Regisseur Niki Stein war zum ersten Mal beim Festival des deutschen Films und sichtlich begeistert davon. Foto: © Jürgen Schmid, Kriminetz
Das zum Film "Die Auferstehung" angereiste Team im voll besetzten Kinozelt. Foto: © Jürgen Schmid, Kriminetz
Produzent von "Die Auferstehung" ist Ernst Ludwig Ganzert. Foto: © Jürgen Schmid, Kriminetz
Karl Heinz Käfer schrieb nach dem gleichnamigen Roman von Karl-Heinz Ott das Drehbuch zu "Die Auferstehung". Foto: © Jürgen Schmid, Kriminetz
Julia Teichert, Joachim Król, Ernst Ludwig Ganzert, Niki Stein, Leslie Malton, Dominic Raacke, Karl Heinz Käfer, Michael Rotschopf und Josef Schnelle beilm Filmgespräch zu "Die Auferstehung". Foto: © Jürgen Schmid, Kriminetz
Niki Stein hat schon die 7 Fragen Claudia Schmids für Kriminetz beantwortet: hier klicken. Foto: © Jürgen Schmid, Kriminetz