Krimi-Bestenliste Februar 2019

Image of Bluebird, Bluebird
Platz 1 (Vormonat: - )
Attica Locke: Bluebird, Bluebird
Aus dem Englischen von Susanna Mende
Polar, 330 Seiten, 20 €
„Lark“. Texas-Ranger Darren Mathews, persönlich, beruflich und ehelich vor dem Aus, kämpft im Kaff Lark wie ein Gentleman. Rassismus als Fluch, Irrsinn, paranoide Gewalt. Texas aus Sicht seiner schwarzen Mittelschicht – ein Heimatroman, wie er besser nicht sein kann. Bitter, wütend, glänzend komponiert.
Image of Der dunkle Garten: Roman
Platz 2 (Vormonat: 6)
Tana French: Der dunkle Garten
Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
Scherz, 656 Seiten, 16,99 €
Dublin. Alles läuft prima. Toby ist hip, ein Glückskind. Bis ihm Einbrecher den Schädel einschlagen. Als neurologischer Rekonvaleszent zieht er zu Onkel Hugo, der an einem Gehirntumor sterben wird. In Hugos Garten wird ein Skelett gefunden, Tobys Selbstvertrauen zerbröselt. Wurde er zum Mörder?
Image of Die man nicht sieht (Quartbuch)
Platz 3 (Vormonat: - )
Lucía Puenzo: Die man nicht sieht
Aus dem Spanischen von Anja Lutter
Wagenbach, 204 Seiten, 20 €
Argentinien, Uruguay. Ismael, Enana und Ajo sind Straßenkinder in Buenos Aires. Und Profi-Einbrecher. Ihr Chef vertickt sie an Kollegen in Uruguay. Die Halbwüchsigen sollen in der Öko-Wildnis eines Reichengettos einbrechen, jede Nacht in ein Haus. Und kämpfen allzu bald um ihr Leben. Umwerfend.
Image of Kritische Masse (Ariadne)
Platz 4 (Vormonat: 1)
Sara Paretsky: Kritische Masse
Aus dem Englischen von Laudan & Szelinski
Ariadne im Argument-Verlag, 540 Seiten, 24 €
Chicago, Österreich. V. I. Warshawski ermittelt wieder, und wie! Eine Drogensüchtige auf der Flucht, ihr genialer Sohn abgetaucht. Der Kern: 1943 in einem Nazi-Zwangsarbeitslager geraubte Erfindungen einer jüdischen Physikerin, mit denen ein IT-Konzern in den Vereinigten Staaten mächtig wurde. Schlicht großartig.
Image of Die Plotter
Platz 5 (Vormonat: 2)
Un-Su Kim: Die Plotter
Aus dem Englischen von Rainer Schmidt
Europa, 360 Seiten, 24 €
Südkorea. Wahlen stehen an, die alte Ordnung zerbricht. Auftragsmörder Raeseng versagt. Der treue Diener des alten Raccoon, der die Bibliothek der Auftragsmorde verwaltet, beginnt selbständig zu denken, zu fühlen, zu handeln. Durchgeknallt: Korea im Zerrspiegel, visiert durch seine Killer.
Image of Versammlung der Toten: Thriller (suhrkamp taschenbuch)
Platz 6 (Vormonat: - )
Tomás Bárbulo: Versammlung der Toten
Aus dem Spanischen von Carsten Regling
Suhrkamp, 398 Seiten, 14,95 €
Madrid, Marokko. Wer pleite ist, etwa nach 2008, greift gerne nach Geld. Besonders, wenn es so einfach zu bekommen ist wie durch einen Bankeinbruch in Marrakesch. Zwei Millionen winken. Guapo, seine Jungs und die Mädels fahren los, assistiert von einem zwielichtigen Araber. Milieustark, lustig.
Image of Der Nachbar: Kriminalroman
Platz 7 (Vormonat: 3)
Patrícia Melo: Der Nachbar
Aus dem Portugiesischen von Barbara Mesquita
Tropen, 160 Seiten, 18 €
São Paulo. Lärm ist Qual, vor allem dann, wenn er vom Nachbarn kommt und einen entnervten Lehrer trifft. Der tötet den Frevler, zerstückelt ihn und kriegt die Reste nicht weggeschafft. Knappe 160 Seiten braucht Melo für seine Rechtfertigungssuada. Jammer, Brasilien! Schärfster schwarzer Humor.
Image of Der wilde Detektiv: Roman
Platz 8 (Vormonat: - )
Jonathan Lethem: Der wilde Detektiv
Aus dem Englischen von Ulrich Blumenbach
Tropen, 336 Seiten, 22 €
New York, kalifornische Wüste. Nach Trumps Inauguration kündigt die Journalistin Phoebe. Als Amateurdetektivin sucht sie die Tochter ihrer Freundin. Auf der wilden Seite des Kontinents führt Detektiv Heist sie in die Stammesfehden von Hippie-Kommunen ein. Archäo-Geographie der desorientierten Großmacht.
Image of Tanzt! Singt! Morgen wird es schlechter
Platz 9 (Vormonat: - )
Tito Topin: Tanzt! Singt! Morgen wird es schlechter
Aus dem Französischen von Katarina Grän
Distel, 192 Seiten, 14,80 €
Frankreich, Portugal. In Frankreich herrschen die Kardinäle, assistiert von Imamen, keine Rabbis. Boris Prévert hat den Oberpfaffen als Pädokriminellen geoutet. Darauf steht die Todesstrafe, nicht wie bei Atheismus nur Vertreibung. Antitheokratische Dystopie. Grotesk, voller Anspielungen.
Image of Desperation Road
Platz 10 (Vormonat: - )
Michael Farris Smith: Desperation Road
Aus dem Englischen von Jürgen Bürger
Ars Vivendi, 288 Seiten, 22 €
McComb, Mississippi. Treffen zwei Verlorene aufeinander: Russell hat elf Jahre Knast hinter sich, Maben muss ihre kleine Tochter durchbringen, ohne Geld und Unterkunft. Sie erschießt in Notwehr einen Deputy, er hat die Rednecks am Hals. Manchmal widerspricht ein Titel zart und genau seinem Inhalt.
An jedem ersten Sonntag des Monats geben 19 Literaturkritiker und Krimispezialisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die Kriminalromane bekannt, die ihnen am besten gefallen haben. Die Krimibestenliste ist eine Kooperation der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung mit Deutschlandfunk Kultur.
 
Die Jury: Tobias Gohlis, Sprecher der Jury | Volker Albers, »Hamburger Abendblatt« | Andreas Ammer, »Druckfrisch«, BR | Gunter Blank, »Rolling Stone« | Thekla Dannenberg, »Perlentaucher« | Hanspeter Eggenberger, »Tages-Anzeiger« | Fritz Göttler, »Süddeutsche Zeitung« | Jutta Günther, »Radio Bremen Zwei« | Sonja Hartl, »Zeilenkino«, »Polar Noir« | Hannes Hintermeier, »Frankfurter Allgemeine Zeitung« | Peter Körte, »Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung« | Kolja Mensing, »Deutschlandradio Kultur« | Marcus Müntefering, »Spiegel Online« | Ulrich Noller, »Deutsche Welle«, WDR | Frank Rumpel, SWR | Margarete v. Schwarzkopf, Literaturkritikerin | Ingeborg Sperl, »Der Standard« | Sylvia Staude, »Frankfurter Rundschau« | Jochen Vogt, »NRZ«, »WAZ«