Krimi-Bestenliste Mai 2022

Image of Die Aosawa-Morde
Platz 1 (Vormonat: 1)
Riku Onda: Die Aosawa-Morde
Aus dem Japanischen von Nora Bartels
Atrium, 368 Seiten, 22 €
»K.« 1973 wird die betuchte Arztfamilie Aosawa bei einem Familienfest durch Cyanid ausgerottet. 17 Tote, eine Überlebende: die zwölfjährige blinde Hisako. »Wenn etwas Unfassbares passiert, brauchen die Menschen Antworten.« Doch gibt sie der gesichtslose Erzähler? Zettel, ein Gedicht, Zeugenaussagen – das Rätsel bleibt und fasziniert.
Image of Vertrauen
Platz 2 (Vormonat: 2)
Dror Mishani: Vertrauen
Aus dem Hebräischen von Markus Lemke
Diogenes, 351 Seiten, 22 €
Tel Aviv. Zwar ist Avi Avraham befördert worden, will aber noch lieber Fälle von nationaler Bedeutung bearbeiten. Stattdessen hat er es mit einer renitenten Großmutter zu tun und mit einem verschwundenen Hotelgast. Avi wäre nicht der gefinkelte Bulle, würde er nicht im Kleinkram große Zusammenhänge entdecken. Toll.
Image of Wer ohne Sünde ist: Thriller. Der neue Thriller der Bestsellerautorin – ausgezeichnet als bester schwedischer Krimi des Jahres (Ein Fall für Rebecka Martinsson, Band 6)
Platz 3 (Vormonat: 5)
Åsa Larsson: Wer ohne Sünde ist
Aus dem Schwedischen von Lotta Rüegger, Holger Wolandt
C. Bertelsmann, 590 Seiten, 22 €
Kiruna. Die Erz-Stadt Schwedens wird verlegt; Staatsanwältin Martinsson im Clinch mit Vorgesetzten. Dabei bietet sich endlich die Chance, verzwickte Familienprobleme zu lösen, zwei Morde aufzuklären, einen lokalen Drahtzieher und russische Mafiosi dingfest zu machen. Boxen kommt auch nicht zu kurz. Superschwedin.
Image of Am roten Strand (Die Ben-Neven-Krimis, Band 2)
Platz 4 (Vormonat: 3)
Jan Costin Wagner: Am roten Strand
Galiani Berlin, 303 Seiten, 22 €
Wiesbaden. 24 Fälle sexualisierter Gewalt gegen Kinder. Die Ermittlungen offenbaren ein tief gespanntes Netzwerk, gleichzeitig gibt es Mordanschläge auf die Täter. Aber wer ist hier Täter, wer ist Opfer? Verstörend: Kommissar und Familienvater Ben Neven kämpft selbst mit pädophilen Neigungen. Krimi ohne Sicherheitsnetz.
Image of Müll
Platz 5 (Vormonat: 6)
Wolf Haas: Müll
Hoffmann und Campe, 288 Seiten, 24 €
Wien. Auf einem Mistplatz tauchen in einer Sperrmüllwanne ein menschliches Knie und dann weitere Leichenteile auf. Nur das Herz ist unauffindbar. Die Kripo glaubt an eine Beziehungstat. Aber Ex-Kollege und Neu-Müllmann Brenner ist sich da nicht so sicher. Gewohnt beiläufig. Gewohnt komisch. Gewohnt gut.
Image of Die Knochenleser: Kriminalroman (suhrkamp taschenbuch)
Platz 6 (Vormonat: - )
Jacob Ross: Die Knochenleser
Aus dem Englischen von Karin Diemerling
Suhrkamp, 376 Seiten, 15,95 €
»Camoha«, Kleine Antillen. »Digger« ist schlau, liest Stimmen und dank Forensikausbildung auch Leichen, ideal für das neue CID. Er, sein Mentor Chilman, Miss K. Stanislaus und andere suchen Verschwundene, Männer wie Frauen, die Opfer der Machowelt wurden. Satirische, antitouristische, wortwitzige Entdeckung.
Image of Die andere Mrs. Walker (Ariadne)
Platz 7 (Vormonat: - )
Mary Paulson-Ellis: Die andere Mrs. Walker
Aus dem Englischen von Kathrin Bielfeldt
Ariadne/Argument, 442 Seiten, 23 €
London/Edinburgh. Üble Familiengeschichte wie aus Dickens’ Feder, aber aus weiblicher Perspektive. Margaret Penny sucht im Aushilfsjob Verwandte von einsam Verstorbenen und buddelt dabei (man ahnt es schnell) über ein Jahrhundert ihres eigenen desaströsen Stammbaums aus; Besuch der alten Dame inklusive.
Image of Terminus Leipzig: Kriminalroman
Platz 8 (Vormonat: - )
Jérôme Leroy, Max Annas: Terminus Leipzig
Aus dem Französischen von Cornelia Wend
Edition Nautilus, 127 Seiten, 16 €
Leipzig, Lyon, Paris. Faschos bringen tattrige Linke um. So könnte man schnoddern, wäre das Sujet dieser Parallelaktion eines Franzosen und eines Deutschen nicht mit realer Wut, Ernst und blutigen Tatbeständen unterfüttert. Superschnelles, heftiges Bravourstück. Manchette grüßt aus dem Noir-Himmel.
Image of Winter Counts
Platz 9 (Vormonat: - )
David Heska Wanbli Weiden: Winter Counts
Aus dem Englischen von Harriet Fricke
Polar, 459 Seiten, 16 €
Rosebud, South Dakota. Virgil Wounded Horse ist »Vollstrecker«. Da, wo Tribal Police und Feds nicht hinlangen, übt er schlagkräftig Gerechtigkeit. Als Neffe Nathan unter Drogenverdacht gerät, muss er nicht nur den Jungen aus dem Knast holen, sondern Kartellen die Stirn bieten. Authentische, knüppelharte Realität.
Image of In deinen Augen der Tod: Thriller
Platz 10 (Vormonat: - )
Kerstin Ruhkieck: In deinen Augen der Tod
Emons, 400 Seiten, 16 €
»Obderwede«, Hannover. Olivia ist Überlebende einer Geiselnahme mit mehr als 20 Toten. Im leeren Bungalow ihres demenzkranken Vaters will sie Ruhe finden. Aber ihre ganz physischen Dämonen aus Social Media und Heimatdorf ruhen nie. Zwei Morde, eine Risikoschwangerschaft. Herzfrequenz, Atmung, Seelenzustand am Limit.
An jedem ersten Freitag des Monats geben 18 Literaturkritiker und Krimispezialisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die Kriminalromane, die ihnen am besten gefallen bekannt. Die Krimibestenliste wird präsentiert von Deutschlandfunk Kultur.
 
Die Jury: Tobias Gohlis, Sprecher der Jury | Volker Albers, »Hamburger Abendblatt« | Andreas Ammer, »Druckfrisch«, BR | Gunter Blank, »Rolling Stone« | Katrin Doerksen, »Frankfurter Allgemeine Zeitung«, »Kino-Zeit« | Hanspeter Eggenberger, »Tages-Anzeiger« | Fritz Göttler, »Süddeutsche Zeitung« | Jutta Günther, »Radio Bremen Zwei« | Sonja Hartl, »Zeilenkino«, »Culturmag«, »Deutschlandfunk Kultur« | Hannes Hintermeier, »Frankfurter Allgemeine Zeitung« | Alf Mayer, »Culturmag«, »Strandgut« | Kolja Mensing, »Deutschlandfunk Kultur« | Marcus Müntefering, »Der Spiegel« | Ulrich Noller, »Deutschlandfunk Kultur«, »Deutschlandfunk«, SWR, WDR | Frank Rumpel, SWR | Ingeborg Sperl, »Der Standard« | Sylvia Staude, »Frankfurter Rundschau« | Jochen Vogt, »NRZ«, »WAZ«