Krimi-Bestenliste November 2020

Image of Götter und Tiere (Ariadne)
Platz 1 (Vormonat: - )
Denise Mina: Götter und Tiere
Aus dem Englischen von Karen Gerwig
Ariadne im Argument Verlag, 352 Seiten, 21 €
Glasgow. Ein Raubüberfall mit Todesopfer, ein alternder Labour-Politiker in Seitensprung-Kalamitäten, Polizisten mit Bergen von Bestechungsgeld, ein moralisch unsicherer Erbe – alles ganz normal. Die Serie um Detective Alex Morrow: das hellwache Porträt einer starken Frau und ihrer chaotischen Stadt.
Image of Hope Hill Drive: Kriminalroman. Ein Constable-Hirschhausen-Roman (2)
Platz 2 (Vormonat: 1)
Garry Disher: Hope Hill Drive
Aus dem Englischen von Peter Torberg
Unionsverlag, 334 Seiten, 22 €
»Tiverton«, South Australia. Alles wie immer: Es wird geklaut, gesoffen, geprügelt, Einsame sind einsam. Hirsch, allein auf sehr weiter Flur, ist »freundlicher Dorfpolizist«. Da wird eine Frau erschossen, zwei Kinder fliehen, Hauptstadt-Cops schaffen Chaos. Große Literatur, entstanden aus Kleinem.
Image of Heißes Blut: Thriller
Platz 3 (Vormonat: 9)
Un-Su Kim: Heißes Blut
Aus dem Französischen von Sabine Schwenk
Europaverlag, 582 Seiten, 24 €
Busan 1993. Guam – das ist Tradition, Strand, Verbrechen im Kleinformat. Für Vater Son managt Huisu seit 20 Jahren dort das Hotel und die Deals, einsam und besonnen achtet er die Regeln. Bis ihm Selbständigkeit winkt. Großes Sozial- und Gangsterepos: Neu verdrängt Alt, Globalisierung steigert Gewalt.
Image of Kalmann
Platz 4 (Vormonat: 5)
Joachim B. Schmidt: Kalmann
Diogenes, 352 Seiten, 22 €
Raufarhöfn, Island. Kalmann vergisst viel und rechnet schlecht, aber sein Gammelhai ist der zweitbeste in Island. Als er am Arctic Henge eine Blutlache entdeckt, sagt er gleich Bescheid. Hat ein Eisbär Róbert gefressen? Einfühlsame Variante des Topos »behinderter Detektiv« in grandioser Landschaft.
Image of Alles, was zu ihr gehört: Roman
Platz 5 (Vormonat: 3)
Sara Sligar: Alles, was zu ihr gehört
Aus dem Englischen von Ulrike Brauns
Hanserblau, 432 Seiten, 16 €
»Callinas«, Marin County. »Ob die Narben auf meinen Fotos echt sind?« Fotografin Miranda Brand hat sich den Kopf weggeschossen – oder doch nicht? Archivarin Kate, weggemobt, traumatisiert, soll ihren Nachlass für Sohn und Kunstwelt erschließen. Psychothriller, Künstlerinnenroman, feines Debüt.
Image of Dammbruch: Ein Sturmflut-Thriller
Platz 6 (Vormonat: - )
Robert Brack: Dammbruch
Ellert & Richter, 240 Seiten, 12 €
Hamburg, Februar 1962. Dämme brechen, das Wasser steigt, wer wird überleben? Tresorknacker Lou will mit Goldschatz nach Kuba. Der junge Piet wird zum Lebensretter. Betty bekämpft ihre bösen Erinnerungen mit der Garotte. Die Fluten reißen alles mit. Mittendrin die kleinen Kämpfe ums Überleben. Echt.
Image of Stadt, Land, Raub (Ariadne)
Platz 7 (Vormonat: 8)
Marcie Rendon: Stadt, Land, Raub
Aus dem Englischen von Jonas Jakob
Ariadne im Argument Verlag, 238 Seiten, 13 €
Fargo / Moorhead, etwa 1971. Nachts fährt Cash Rüben und spielt Billard, tagsüber geht sie aufs College, verwundet durch eine Kindheit in Zwangspflegschaft. Prostitution, Akademiker und große Städte lernt die Native American erst richtig kennen, als sie einen Essay-Preis erhält. Großartig.
Image of Morduntersuchungskommission: Der Fall Melchior Nikoleit
Platz 8 (Vormonat: 4)
Max Annas: Morduntersuchungskommission. Der Fall Melchior Nikoleit
Rowohlt, 336 Seiten, 20 €
Gera, Jena 1985. Melchior war Bassist einer Punk-Band. Jetzt liegt der 19-Jährige tot im Schuppen. Die Ermittler stöbern in unsozialistischem Familiendreck: Kriegsverbrechen, Diebstahl, Prügel. Freundin Julia erzählt von Aufbruch, Musik, Liebe und Verrat. Hommage an Punk, die Sehnsucht frei zu sein.
Image of Brandsätze: Roman
Platz 9 (Vormonat: 2)
Steph Cha: Brandsätze
Aus dem Englischen von Karen Witthuhn
Ars Vivendi, 336 Seiten, 22 €
Los Angeles. 1991 wurde Afroamerikanerin Ava, 15, von der koreanischen Ladenbesitzerin Yvonne erschossen, 2019 wird diese selbst Opfer eines Attentats. Nach einem realen Fall und Mustern en masse erzählt Cha vom Kampf zweier Familien beim persönlichen Versuch, dem Fluch des Rassismus zu entgehen.
Image of Taqawan: Roman (Lenos Polar)
Platz 10 (Vormonat: - )
Éric Plamondon: Taqawan
Aus dem Französischen von Anne Thomas
Lenos, 208 Seiten, 22 €
Restigouche, Québec. 1981 zerreißen Polizisten die Lachsnetze der Mi’gmaq, die fünfzehnjährige Océane wird vergewaltigt. Zwei Einzelgänger, Ranger Leclerc und Mi’gmaq William, helfen dem Opfer, klären auf und üben Rache. Knapp, aber oho: Essay über weißen Kolonialismus und strukturelle Gewalt – als Krimi.
An jedem ersten Sonntag des Monats geben 19 Literaturkritiker und Krimispezialisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die Kriminalromane bekannt, die ihnen am besten gefallen haben. Die Krimibestenliste ist eine Kooperation der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung mit Deutschlandfunk Kultur.
 
Die Jury: Tobias Gohlis, Sprecher der Jury | Volker Albers, »Hamburger Abendblatt« | Andreas Ammer, »Druckfrisch«, BR | Gunter Blank, »Rolling Stone« | Thekla Dannenberg, »Perlentaucher« | Hanspeter Eggenberger, »Tages-Anzeiger« | Fritz Göttler, »Süddeutsche Zeitung« | Jutta Günther, »Radio Bremen Zwei« | Sonja Hartl, »Zeilenkino«, »Culturmag«, »Deutschlandfunk Kultur« | Hannes Hintermeier, »Frankfurter Allgemeine Zeitung« | Peter Körte, »Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung« | Alf Mayer, »Culturmag«, »Strandgut« | Kolja Mensing, »Deutschlandfunk Kultur« | Marcus Müntefering, »Der Spiegel« | Ulrich Noller, »Deutschlandfunk Kultur«, »Deutschlandfunk«, SWR, WDR | Frank Rumpel, SWR | Ingeborg Sperl, »Der Standard« | Sylvia Staude, »Frankfurter Rundschau« | Jochen Vogt, »NRZ«, »WAZ«