Im Namen der Wahrheit - Traue niemanden

Schauspielerin Kaya Leonie Boch und Schauspieler Lasse Myhr sahen erstmals den fertigen Film "Im Namen der Wahrheit - Traue niemanden" beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen am Rheim. Foto: © Jürgen Schmid, Kriminetz

Eine Strafverteidigerin ermittelt gemeinsam mit einem Kommissar. Zumindest im Film. Aber das auf sehr sympathische Weise. In „Im Namen der Wahrheit“ stimmt die Chemie zwischen Sophia Dreyer (Petra Schmidt-Schaller) und Kommissar Kai Matzen (Karsten Antonio Mielke) auf kongeniale Art. Harald Krassnitzer, bekannt aus dem Wien-TATORT, hat eine Paraderolle als Staatsanwalt Gero Schmidt.

Der Film beginnt mit einer Prozessszene im Landgericht Erfurt. Hajo Rick (Lasse Myhr) wird aufgrund von Indizien und Zeugenaussagen in einem Mordfall verurteilt. Ein Mord, bei dem die Leiche fehlt. Doch die taucht nach fünf Jahren sprichwörtlich wieder auf. Taucher stoßen auf ein Autowrack, in dessen Kofferraum die kaum verweste „Wachsleiche“ der 15-jährigen Internatsschülerin Alexandra Tietze (Lucy Gartner) liegt. Der Verurteilte war Lehrer der Schülerin, der Fall wird als abgeschlossen betrachtet. Aber nicht von allen. Die Schwester des Lehrers, Sylvie Rick (Jana Julia Roth), ist nach wie vor von seiner Unschuld überzeugt und sorgt dafür, dass die Strafverteidigerin ermittelt. Lasse Myhr spielt die schutzlose Resignation des Hajo Rick auf beeindruckende Weise.

Das Auto, in dem die Leiche lag, gehört Leo Winter, der es damals als gestohlen gemeldet hat. Ausgerechnet jener Leo Winter, der dem Kommissar die Frau ausgespannt hat. Der Lehrer wurde allerdings von allen möglichen Menschen belastet. Auch von der Kollegin, die mit ihm um die Leitung der Schule konkurrierte. Angeblich war der Mann der Schwarm aller Mädchen. Die Ermordete war in einer Clique, deren Mitglieder von Sophia Dreyer unter die Lupe genommen werden. Mit dem Vater der Ermordeten wird eine weitere Fährte gelegt. „Es scheint so, als ob alle gelogen hätten. Und alle aus den unterschiedlichsten Gründen.“
„Im Namen der Wahrheit“ nach dem Drehbuch von Sven Halfar überrascht mit mehreren Wendungen und am Ende ist doch alles anders, als man denkt. Besonders erwähnenswert ist im stimmigen Gemeinschaftswerk die Filmmusik von Fabian Römer und Matthias Hillebrand-Gonzales. Gedreht wurde vom 5. April bis 7. Mai 2024 in Erfurt und Berlin. Regie führte Maris Pfeiffer.

Zur Vorstellung im Rahmen des Festivals des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein waren Kaya Leonie Boch (aus der Freundesclique im Film) sowie Lasse Myhr angereist und sahen den Film nun auch zum ersten Mal. Sie nahmen nach der Vorstellung im Gesprächszelt mit Moderator Josef Schnelle auf der Bühne Platz. Lasse Myhr berichtet von fünf Drehtagen für seine Rolle und erzählt auf die Frage, ob sie beide das Drehbuch vorab ganz gelesen hätten, von David Lynch, der seinen Schauspielenden nie die nächsten Szenen vorab verriet, deshalb konnten die nie vorweg spielen. Natürlich dürfe man, wenn man wie sie beide in diesem Fall das gesamte Drehbuch bereits kennt, im Spiel nichts vorwegnehmen, was erst in späteren Szenen passiert.

Die Fragerunde wurde auf das Publikum ausgedehnt und Lasse Myhr antwortete auf die Frage, ob man denn vorm nächsten Drehtag am Feierabend aus der Rolle aussteigt, dass man das schon während der Ausbildung trainiere. Er verrät dann noch, dass er lieber Filme mag, die erzählen, warum etwas passierte, also ein Whydunit anstelle eines Whodunit (auch jeweils -dunnit geschrieben), bei dem es darum geht, wer es war. Kaya Leonie Boch outet sich als sonntägliche TATORT-Guckerin.

Der Film wird beim 21. Festival des deutschen Films Ludwigshafen am Rhein noch mehrmals gezeigt und ist für den Rheingold Publikumspreis nominiert. Das Gesamtprogramm ist hier zu finden: Festival des deutschen Films .

Kaya Leonie Boch, hier auf dem roten Teppich auf der Ludwigshafener Parksinsel, ist Emi Bernard in "Im Namen der Wahrheit - Traue niemanden". Foto: © Jürgen Schmid, Kriminetz
Lasse Myhr spielt in "Im Namen der Wahrheit - Traue niemanden" die schutzlose Resignation des Hajo Rick auf beeindruckende Weise. Foto: © Jürgen Schmid, Kriminetz