Der Polizist und das Mädchen

Regisseur Rainer Kaufmann, der neben vielem anderen den Bestseller "Die Apothekerin" von Ingrid Noll verfilmt hat, kam zur Vorstellung von "Der Polizist und das Mädchen". Foto © Jürgen Schmid, Kriminetz

Wenn sich alle kennen und jeder weiß, was der andere macht, dann wohnt man auf dem Dorf. Und genau da spielt Der Polizist und das Mädchen. Martin und Frank sind seit ewigen Zeiten befreundet. Nach zwei, drei Bieren kann man doch noch mit dem Auto fahren, oder? Da Martin Polizist ist, nimmt er aber dann doch lieber die Abkürzung durch den Wald. Mitten auf der Straße steht plötzlich ein Mädchen. Es ist die Tochter von Frank. Martin hat keine Zeit zu bremsen und überfährt sie.

In diesem Krimi wissen die Zuschauer von Anfang an, wer der Täter ist. Aber der hat keine Lust, das neue Leben, das er sich grade mit der neuen Frau und dem neuen Kind aufbaut, aufzugeben. Er steht nicht zu seiner Schuld, während das angefahrene Mädchen im Koma im Krankenhaus liegt und dessen Vater auf eigene Faust zu ermitteln anfängt. Denn die Polizei macht nichts, im Gegenteil, sie vertuscht, denn die Ermittlungen leitet ja ausgerechnet der Täter selbst.

So sicher ist er sich seiner Sache, dass er falsche Spuren ohne Handschuhe legt und dabei neben seinen Fingerabdrücken auch großzügig seine DNA verteilt. Aber die interessiert ohnehin niemanden. In dem Dorf, wo sich alle zu kennen glauben, fallen die meisten auf seine Täuschungsmanöver herein. Und so arbeitet er munter weiter daran, sich seine „heile“ Welt zu bewahren, in der so Vieles durch seine Tat kaputt gegangen ist. Vielleicht schaut man nicht mehr so genau hin, wenn man ohnehin alles zu kennen glaubt und achtet deshalb nicht auf die Zwischentöne, aus denen die Wahrheit herauszulesen wäre. Seiner Frau fällt beim ausgetauschten Auto lediglich auf, dass es frisch geputzt riecht. Nur ein einziger im Dorf, der alte Arzt, spielt sich als sein Gewissen auf. Ob es ihm gelingen wird, dafür zu sorgen, dass der Täter reinen Tisch mit sich selbst macht?

Regisseur Rainer Kaufmann kam zur Vorführung des Films und erzählte im Gespräch mit Julia Teichmann, das Buch von Fréderic Hambalek sei das Drehbuch-Debüt des Autors und aus einer Drehbuch-Werkstatt hervor gegangen. Die Frage aus dem Publikum, weshalb der Täter, der ja selbst Polizist ist, im Film seine Spuren derart unbekümmert verteilt, beantwortet Rainer Kaufmann mit der Hybris des Täters.

Es spielen neben anderen mit: Albrecht Schuch (bekannt aus Bad Banks) , Friedrich von Thun, Günther Maria Halmer und Aylin Tezel. Kamera: Armin Golisano, Schnitt: Mona Bräuer, Musik: Richard Ruzicka, Ton: Gunnar Voigt. Produzenten: Gabriela Sperl, Sophie von Uslar, Quirin Berg, Max Wiedemann. Redaktion: Caroline von Senden, Alexandra Staib (ZDF).

Der Film läuft beim Festival im Wettbewerb für den Rheingoldpublikumspreis. Er ist nochmals am 3. September, 17 Uhr, sowie am 4. September, 22 Uhr, zu sehen.

Das Festival des deutschen Films dauert noch bis zum 9. September 2018. Zum Programm hier klicken

„Der Polizist und das Mädchen“ wird demnächst als Montagsfilm im ZDF gesendet.

Julia Teichmann & Rainer Kaufmann beim Filmgespräch zu "Der Polizist und das Mädchen". Foto © Jürgen Schmid, Kriminetz